Wums, Krach, Sauf, Heul – die Verhaltensgebote der Unterhaltungsindustrie


Diese Blogpost ist eine schnelle Einladung, etwas zu reflektieren, was prägt: Unsere Unterhaltung. Und die darin enthaltenen menschlichen Reaktionen, die wir serviert bekommen… und möglicherweise selbst übernehmen? Und unsere Kinder sowieso.

Mit Unterhaltung meine ich alles: Bücher, Filme, Serien, Spiele. Möglicherweise auch social media. Also alles, wo wir medial Menschen erleben, die auf eine bestimmte Art und Weise reagieren und wir sie – natürlich un- und unterbewußt – als Vorbilder für unser eigenes Verhalten nutzen.

Übrigens, vor langer Zeit habe ich selbst bei einem TV-Sender gearbeitet und war in der sogenannten „Stoffentwicklung“ von Fiktionsformaten – also Spielfilme und Serien – eingebunden. Wie sich Charaktere und Plot entwickeln basiert auf einem Kreislauf: Erstens sollen sie möglichst „echt“ und aus dem Leben gegriffen sein. Autoren schöpfen aus ihrem Erfahrungsschatz. Dann aber muss das Ganze auch spannend genug sein, dass die Zuschauer dran bleiben: Es braucht Drama. Gefahr. Unlösbares. Sogenannte Cliffhanger, damit die Leute auch das nächste Mal einschalten.

Dieses Drama wanzt sich an unsere Gehirnwindungen an und prägt wiederum unser Verhalten. Tja… und wer weiß, welcher Drehbuchautor das mitbekommt, für die nächste Serie adaptiert, verstärkt… etc – dann geht es von vorne los…


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Und so entstehen die allgegenwärtigen Verhaltensgebote der Unterhaltungsindustrie:

1. Liebeskummer hast du zu ersaufen im Alkohol oder zu begraben unter Süßigkeiten und Eis. Eimerweise.

2. Wurdest du in einer Beziehung betrogen musst du schreien, schimpfen und die Türen knallen.

3. Wenn Liebeskummer mit Betrug zusammenkommt, ist es vollkommen angebracht, 1. und 2. zusammen durchzuführen und Gegenstände dabei zu beschädigen.

4. Hat dich jemand beleidigt, musst du eskalieren: Gegenbeleidigungen sind das mindeste, was Frau tun kann. Wer seinen Mann stehen will, reagiert besser mit Fäusten und Tritten. Auch hier ist eine Beschädigung von Eigentum, vorzugsweise die des Beleidigers, zu erzielen.

5. Ist eines der Punkte 1-4 eingetreten, ist eine Ausnüchterung in einer Polizeizelle völlig OK. Irgendjemand Liebes wird einen dort abholen.

6. Versöhnungen haben im strömenden Regen stattzufinden.

7. Wenn etwas Abenteuerliches überstanden ist, hat man gemeinsam in den Sonnenuntergang zu blicken. Sollten Pferde vorhanden sein, zu reiten.

8. In Frauengruppen hast du zu mit Prosecco zu brunchen oder shoppen zu gehen. Dabei ist es zwingend notwendig, an seinem Körper rumzumäkeln.

9. In Männergruppen hat saufen stattzufinden auch ohne Punkt. 1 – dabei muss gegrölt und Frauenwitze gemacht werden.

Na, was ist euch auch schon mal aufgefallen? Ich ergänze hier gern!

Liebe Grüße,

Béa


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Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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