Das ideale Weihnachtsgeschenk: Warum wir bei Kinderwünschen ganz genau zuhören sollten


„Wir können dem Jungen keine Puppen schenken, der wird womöglich noch schwul… oder Trans!“. Mpf. Es gibt Menschen, die noch so denken. Und hier schreibt eine Frau, die mal ein Mann war. Sie erzählt uns ganz genau, warum es besser ist, lieber Kinder glücklich zu machen anstatt Blockaden im Kopf zu haben: Frau Papa – oder aber auch Nina:

Bitte schön:

Was wir (die Eltern) uns wünschen

Eltern sind eine komische Spezies. Die einen betrachten ihren Nachwuchs sehr entspannt, und scheinen sich kaum Gedanken zu machen, die anderen lesen tonnenweise Ratgeber und sind bei jedem Pups aufgeregt. Aber sie haben meist eine Gemeinsamkeit: Sie wollen das beste für ihre Kinder. Die wichtigsten Themen sind dabei Nahrung, Kleidung und Spielzeug. Für die meisten Eltern ist klar: Spielen ist ein Grundbedürfnis der kleinen Erdenbürger.

Nun teilen wir Menschen, aus verschiedenen Gründen, unsere Spezies grob in zwei Gruppen ein.

In den meisten Fällen passiert dies bei der Geburt. Das Baby wird von oben bis unten angeschaut und an den Organen zwischen den Beinen wird das Geschlecht bestimmt. (Nein, ich werde jetzt nicht darüber schreiben, dass Genitalienlesen keine besonders präzise Wissenschaft ist und oft falsch liegt). Wir sind also in den meisten Fällen entweder Frau oder Mann. Menschen kommen aber nicht ganz ausgewachsen und fertig zur Welt, also sprechen wir von Jungen und Mädchen.

Und damit fängt ein schweres Thema an: Welches Spielzeug passt zu meinem Kind?

Rollenbilder sind Teil unserer Gesellschaft. Auch wenn man es nicht hören will, es gibt geschlechterspezifische Rollenbilder und Klischees. Nein, es geht nicht darum, ob diese gut oder schlecht sind – sie sind einfach Teil unserer Gesellschaft und befinden sich im ständigen Wandel (denken wir nur an die langen Gewänder, hohen Schuhe und gepuderten Gesichter der Männer am Hof Ludwigs XIV.). Rollenbilder wirken bis ins Kinderzimmer. Obwohl dem Spielzeug egal ist, welches Geschlecht das Kind hat, das mit ihm spielt, sind einige Spielsachen doch eher „typisch Mädchen“ und andere „typisch Jungs“. Und daran wird auch dieser Text nichts wesentlich verändern.

Als Eltern wollen wir das Beste. Wir wollen, dass unsere Kinder es schaffen, ihren Platz in der Gesellschaft zu finden, ihre Ängste überwinden und irgendwann mal möglichst sorgenfrei leben. Wir haben die besten Absichten und darum fragen wir unsere Kinder auch, was sie sich wünschen und versuchen, genau diese Wünsche zu erfüllen…

Was die Kinder wollen

Meine Kinder haben genaue Vorstellungen, was sie wollen und was nicht. Die Wunschzettel sind hoch präzise und manchmal mit kleinen Randnotizen und Skizzen versehen, um die Dringlichkeit gewisser Spielzeuge zu unterstreichen.

Als ich noch ein Kind war, hasste ich Wunschzettel. Meistens drängte mich meine Mutter oder Großmutter dazu, meine Wünsche auf ein Blatt Papier zu schreiben. Schon sehr früh wusste ich: Einige Wünsche sind zu groß, die werden nicht erfüllt oder der wichtigste Wunsch wurde übersehen (und da halfen auch dreiundvierzig Ausrufezeichen nicht) oder aber ich notiere etwas, das ich nicht bekommen würde, weil es „nicht für Jungs“ ist.

Denn für mein Umfeld war ich ein Junge. Die Sache hatte nur einen Haken: Bereits im Kindergarten merkte ich, dass ich kein Junge war.

Mir fehlte die Sprache, um es meinem Umfeld zu erklären. In den Siebzigerjahren in einer kleinen Stadt in den österreichischen Alpen, war das Weltbild noch etwas anders. Jungs waren Jungs, Mädchen waren Mädchen und in Wirklichkeit sprach man nicht einmal öffentlich von Homosexualität. Meinem Empfinden war das herzlich egal. Ich war ein Mädchen und konnte das nicht sagen, weil niemand es verstand.

Mein Kinderzimmer war die meiste Zeit meiner Kindheit auch das meiner Geschwister. Meine Spielsachen waren in den Kisten und Schubladen mit ihren vermischt. Ich war der große Bruder. Meine Spielsachen waren die Spielsachen, wie man sie auch bei anderen Jungen gefunden hätte: Autos, Lego, Matador, Baustellenfahrzeuge, ein Werkzeugkoffer und sogar ein kleiner Roboter. Der konnte zwar nur mühsam ein paar Schritte gehen, bevor er lärmend und blinkend umkippte, aber er sah cool aus, bevor er umfiel.

Kürzlich habe ich mich gefragt, was Mädchen-/Jungsspielsachen sind. Denn obwohl ich mit den Spielsachen aufwuchs, die man üblicherweise mit „typisch Jungs“ beschreiben würde, ging mein Gefühl nicht weg und meine Transsexualität blieb. Wenn ich höre: „Das ist nichts für dich, das ist nur für Mädchen/Jungs“, dann macht mich das traurig und ein wenig wütend. Was wäre so schlimm dran gewesen, mir zu erlauben, mit Puppen zu spielen?

Es hätte mein Geschlecht nicht verändert, mich aber glücklich gemacht.

Manchmal hilft, es zwischen den Zeilen zu lesen.

Die Versuchung ist groß, nun Tipps und Regeln für den Umgang mit Kinderwünschen zu geben. Aber ich sehe durchaus, dass das nicht so einfach zu lösen ist. Selbst, wenn in der Familien die Rollenbilder offen gelebt werden, gibt es in Kindergarten und Schule oft klare, nach Geschlechtern getrennte Strukturen. Wie oft habe ich mir eine Barbie gewünscht und den Wunsch doch nie ausgesprochen.

Den einzigen Tipp, den ich geben kann: Wenn ein Kind einen Wunsch äußert, der mal aus dem Rollenbild ausbricht, dann denkt nicht drüber nach, erfüllt ihn einfach. Ob es eine Puppenküche für einen Jungen oder ein ferngesteuertes Auto für ein Mädchen ist. Kein Spielzeug hat Einfluss auf das Geschlecht des Kindes oder die sexuelle Orientierung. Aber einem Kind zu sagen, dass ein Spielzeug nicht gut ist, hat Einfluss auf das Selbstbewusstsein. Dagegen macht ein erfüllter Wunsch glücklich und Glücklichsein stärkt die Seele!

Gastautorin: Frau Papa

Anm. Béa: Übrigens, es gibt ein ziemlich gutes Buch zum Thema (affiliate Link, also Werbung):

Die RosaHellblau-Falle. Für eine Kindheit ohne Rollenklischees

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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10 Kommentare

Stephanie
Antworten 13. November 2016

Vielen Dank für diesen tollen Artikel.

Mein Sohn hat auch eine Puppe und eine Kinderküche - weil er sich die Dinge so sehr gewünscht hat. Er spielt täglich damit. <3

Andrea
Antworten 13. November 2016

Genau meine Meinung - Hauptsache glücklich!
Ich denke, dass es auch Jungs, die Jungs bleiben wollen, nicht schadet mit Puppen zu spielen, gerne zu putzen oder zu kochen, oder sonst etwas zu tun, dass als typisch weiblich charakterisiert wird. Das Geschlecht und die sexuelle Orientierung ändert sich sicherlich nicht dadurch, mit dem einen oder anderen Spielzeug zu hantieren. Die Einstellung lässt sich aber schon beeinflussen, dass es auch für "große Jungs" (Männer) normal ist, ein Kind zu wickeln oder sich um den Haushalt zu kümmern.

Eva
Antworten 7. November 2017

Toller Beitrag! Meine 2 Jungs hatten Puppen, Puppenwagen & auch eine Kinderküche. Der Kleine (6) liebt auch orange & rot, aber bei rosa sagt er von sich aus das es für Mädchen wäre. Widerrum hat er es gar nicht verstanden, warum der Große (10) in der Schule beleidigt wurde, weil er Sterne auf seinen Schuhen hatte. Aussage der Kinder in der Klasse, dass Sterne was für Mädchen sind. Die Antwort vom Kleinen wieso? Sterne sind für alle da und nicht nur für Mädchen. Ich war mächtig stolz auf ihn!! Der Große konnte leider nicht drüber stehen und hat ab da die Schuhe nicht mehr angezogen :-( haben viele Gespräche mit ihm geführt das er zu sich stehen soll usw.

Wenn meine Kinder einen nicht Jungs spezifischen hätten - wäre es für uns absolut ok. Warum den auch nicht?

Mama2014
Antworten 7. November 2017

Wir haben zwar keinen Sohn, sondern eine Tochter, aber diese spielt auch deutlich lieber mit Autos und Bauklötzen, als mit Puppen. Dennoch trägt sie auch gerne Kleider. Hätten wir einen Sohn, würde ich auch kein Problem darin sehen, wenn er mit Puppen spielt. Schade, dass es immer noch so enge Korsetts gibt, in die Kinder gepresst werden.

Britta
Antworten 7. November 2017

Vielen Dank für diesen Artikel und das wirklich tolle Titelbild!

Angelina
Antworten 8. November 2017

In unserer Kindergartengruppe gibt es eine Mutter, die nicht wollte das ihr Junge mit meiner Tochter spielt. Obwohl sie sich seit einiger Zeit sehr gut verstanden und im Kindergarten jeden Tag zusammen spielten, antwortete sie mir auf meine Frage ob wir denn nicht mal außerhalb des KiGas mit unseren Kindern etwas unternehmen wollen, sie möchte nicht dass meine Tochter mit ihrem Sohn spielt, da meine Tochter ein Mädchen sei und er schon zwei Schwestern habe, er solle lieber mit Jungs spielen und sie möchte sich lieber daher mit „ Jungsmamas“ treffen... ich stand da... ohne Worte, total fassungslos und wusste gar nicht was ich darauf antworten sollte... (meine Tochter spielt nie mit Puppen, sondern immer nur mit Autos oder ist in der Bauecke im KiGa..)

    Béa Beste
    Antworten 9. November 2017

    Liebe Angelina, das finde ich auch so dermaßen daneben... Danke, dass du das hier mit uns teilst! Liebe Grüße, Béa

Melanie
Antworten 19. November 2017

Ich finde es so wichtig Kinern zuzuhören und ihre Wünsche dann auch zu respektieren. Meine Eltern haben das bei mir gemacht und ich durfte zur Jugendfeuerwehr und nach der mittleren Reife dann aufs technische Gymnasium und Maschinenbau studieren. Meiner Oma dagegen war es wichtig wie das Bild nach außen ist und was ein Mädchen tut und was nicht und so durfte meine Mama ihre Wünsche nie ausleben. Ob es ein Spielzeug, ein Hobby, oder gar die Berufswahl war, sie durfte nicht haben was sie haben wollte. Und das finde ich sehr traurig.

Unsere Kids (Mädchen,3 und Junge,knapp 5) fangen so langsam an ihre eigenen Wünsche zu äußern und ich erfülle sie ihnen nur zu gerne wenn es finanziell ins Budget passt. Solange ich selbst entschieden hab was die Kids haben wollen, gab es für den Großen das Allerlei vom Matchbox-Fuhrpark über die Spielküche bis hin zum Puppenbuggy und dem Handwerker-Werkzeug. Und führ die Kleine dann jeweils ergänzend Zubehör zu den bereits vorhandenen Sachen. Dochjetzt geht es los, dass sie sich selbst etwas wünschen. Und da heißt es wirklich genau zuhören und beobachten.
Der Große wünscht sich seit einem Jahr das Feuerwehrauto "Jupiter" von Feuerwehrmann Sam und die Kleine ist ein noch größerer Sam-Fan als alle Kinder die ihr euch vorstellen könnt und wünscht sich ein "großes Feuerwehrauto". Der Große besitzt bereits ein großes Feuerwehrauto von Bruder, trotzdem weiß ich ganz genau, dass er sich nichts sehnlicher wünscht als dieses Feuerwehrauto von Sam und ich weiß genau, dass es sowohl beim Bub wie auch beim Mädel es bittere Tränen geben wird wenn der Wunsch nicht oder nur bei einem Kinderfüllt wird. Ich habe diesen Sachverhalt meinen Eltern erklärt und weiß genau, dass beide (und insbesondere meine Mama) den Kindern gerne einen Herzenswunsch erfüllen, gerade wenn er gegen die klassischen Rollenbilder verstößt. Und tatsächlich bekommen nun beide Kinder jeweils ihren eigenen Jupiter, was nicht nur die Kinder sondern auch mich sehr glücklich macht.
Wir als Eltern haben beschlossen ebenfalls beiden Kindern das Gleiche zu schenken. Seit einem halben Jahr spielen beide gemeinsam immer wieder Sanitäter mit improvisiertem Spielzeug. Nun bekommt jedes Kind den gleichen Arztkoffer (den ich noch aufpimpe). Ich hatte überlegt den beiden zumindest unterschiedliche Farben zu schenken, aber welche? Die Kleine hat noch keine Lieblingsfarbe und der Große möchte alles in rot oder was rot am ähnlichsten ist. Wenn er die Wahl zwischen pink und blau hat, wählt er daher pink. (Da wurde ich schon blöd angesehen als ich für den Sohn bei der Krankenkasse ein Geschenk abholte und die mir da ne blaue Zahnbürste dazugeben wollte, ich dann aber lieber die rosa Bürste nahm weil es rot nicht gab. Zuhause fragte mein Sohn als erstes ob die Bürste rot ist. Ich habe mich daher dafür entschlossen eben keinen Unterschied zu machen. Beide bekommen das gleiche Geschenk in der selben Farbe, nämlich Rot. Punkt. Wenn sie sich irgendwann explizit für oder gegen eine Farbe entscheiden, dann sollen sie sehr gerne ihre Sachen in ihrer jeweiligen Lieblingsfarbe bekommen und bis dahin werde ich den Teufel tun und meine Kinder in vorgeschriebene Schubladen stecken.

Lediglich bei Kleidung mache ich die Ausnahme, da sind die Schränke sehr geschlechtsspezifisch bestückt. Aber auch nur weil ich für die Kleine so viel Gebrauchtes Mädchenzeug geschenkt bekomme und für den Großen immer neu kaufen muss. Da lasse ich dann der Maus aber auch die Wahl was sie anziehen möchte. Und der Große zieht sich selbst an.

Jacqueline
Antworten 4. Dezember 2018

Als meine erste Tochter gebohren wurde wollte ich unbedingt vermeiden, dass sie in ein Geschlechtsschema gepresst wird. Ich habe überall nach neutralen Farben für die Babykleidung gesucht. Das war nicht gerade einfach. Ihre Zimmerwand war knallgrün (bis heute ihre Lieblingsfarbe). Als sie größer wurde spielte sie sehr gerne mit Autos und fand große Fahrzeuge wie Bagger und Feuerwehrautos total toll. Ihr zweites Faschingskostüm war Feuerwehrfrau und ihre Pullover und Shirts kaufte ich in der Jungenabteilung wegen der Motive. Es war toll und es ging vorüber. Jetzt ist sie 5, liebt Pferde, Einhörner und Prinzessin Lillifee. Wie sie darauf kam? Nicht durch mich. Freundinnen im Kindergarten würde ich sagen. Aber sie liebt weiterhin grün, spielt mit jedem gerne, egal welches Geschlecht oder welche Spielzeugvorliebe. Und diese soziale Eigenschaft, sich auf das Gegenüber beim gemeinsamen Spiel einzulassen, ist doch viel wichtiger als womit und mit wem gespielt wird. Kinder wissen doch selbst am Besten was und wer ihnen gut tut.

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