Die Sterne meinen MICH! Wieso wir Horoskopen & Co. so schnell auf den Leim gehen


Horoskope, Sternzeichen und sonst alles was mit Astrologie zu tun hat – ein heißes Eisen! Zumindest, weil es gar nicht selten so scheint, als hätten galaktische Pirouetten irgendwie etwas zu tun mit unserem Leben hier auf der Erde.

Und manchmal kann das ganz schön gruselig sein:

Woher weiß der kleine Zettel im Keks, dass ich heute richtig gute Laune habe? Dass ich mich nach einem guten Gespräch mit Tiefgang sehne? Dass ich mehr Geduld mit mir brauche? Und Frieden in meiner Familie?


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Oder das Horoskope hinten in der Zeitschrift irgendwie alle Puzzleteile zusammenfügt? Alle unsere Macken kennt, all die großen Fragen die uns beschäftigen? Und einfach so richtig richtig liegt was Liebe, Karriere und Glück im Spiel angeht?

Manche überblättern den Teil in der Zeitschrift. Oder benutzen den Zettel für ihr durchgekautes Kaugummi. Andere finden es ab und zu mal ganz interessant… man muss ja nicht alles glauben. Und sind dann erstaunt, die Sterne haben irgendwie doch echt drauf!

Wie kann das sein? Was passiert da? Kann ich das wirklich glauben was da steht?

Komplexe Sache. Aber Fakt ist: Bei Horoskopen, Glückskeks und Co. wird ganz schön viel getrickst. Sprache ist eben ein mächtiges Mittel! Und kann uns ganz schön den Kopf verdrehen.

Hier ein paar Tricks die angewendet werden, damit DU. Genau DU. DICH vom Jenseits, oder halt dem Universum oder…  angesprochen fühlst.

  1. Allgemeingültige Aussagen

Häufig kommen die in Form von Sprichwörtern wie: „Auf Regen kommt Sonnenschein!“. Das praktische: Sie gelten für alle! Aber auch für Einzelne. Sie sprechen uns an, weil sie uns bekannt vorkommen: Ja stimmt, das hat Oma früher immer gesagt. Oder halt der Nachbar gestern. Und mit allgemeinen Ängsten, Sorgen und Wünschen wie: „Deine Gesundheit ist dir wichtig“ oder „Liebe ist zentral in deinem Leben“ kann man nicht viel falsch machen.

  1. Persönliche und positive Beschreibungen

Durch Aussagen wie: „Nur Mut!“, „Lass dich drauf ein!“ oder gar „Das Zögern muss ein Ende haben“ wird der Leser oder die Leserin direkt angesprochen und aufgefordert. Hier wird schlichtweg ein Zünder gesetzt, der auf fast alle Bedürfnisse passt. Außerdem werden hauptsächlich positive Eigenschaften angesprochen bzw. negative sanft ins Postive gepusht und mit unserem Wunschdenken, wie wir sein wollen, verknüpft.

  1. Aussagen die nicht überprüft werden können

Vielleicht gibt es einen heimlichen Verehrer…? Durch schwammige Begriffe wie „die Sache“, die „Situation“, die „Beziehung“ kann alles gemeint sein. Und dann kommt unsere selektive Wahrnehmung ins Spiel: Der Text wird von uns so interpretiert, dass er in unsere kleine Welt passt.

  1. Ungenaue Aussagen

Sie lassen großen Interpretationsspielraum zu. Wirklich SEHR großen. Du „neigst“ dazu, dich mit Entscheidungen schwer zu tun? Du hast „manchmal“ das Gefühl, der große Durchbruch kommt noch? Und eine große Veränderung oder Entscheidung steht ja eigentlich immer an: Ob du dir eine neue Brille kaufst, aufhörst zu rauchen oder einfach die Jahreszeit wechselt – „groß“ ist relativ. Und „Dich beschäftigt ein Thema schon eine ganze Weile!“ – na, was denn, was ist eine ganze Weile, drei Tage oder 3 Jahre?

Metaphern sind natürlich auch beliebt. „Deine Seele möchte endlich aufblühen wie eine Knospe im Frühling“ – au ja, da haben wir gleich ein cooles Bild vor Augen.


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Am interessantesten finde ich eigentlich, dass der mittlere Weg in solchen Texten eigentlich immer betont wird, und Extreme vermieden werden.

Das erinnert mich irgendwie an WG-Casting:

„Ich bin immer zu haben für ein Gläschen Wein in der Küche. Aber manchmal brauche ich auch meinen Rückzugsort.“
„Ordnung ist mir wichtig, aber mein Nachname ist auch nicht Propper.“

Oder in Jobprofilen. Bloß den heiligen Pfad der Mitte nicht verlassen! Offen für Neues. Aber bitte trotzdem strukturiert. Total super im Netzwerken. Aber natürlich keine Quatschtante. Gut leiten, aber bitte kein Platzhirsch. Und sowieso: Total flexibel, anpassungsfähig und absolut agil.

Aber zurück zu Tricks und Kopf verdrehen!

Zugegeben: Das mit der Wahrnehmung ist ja schon witzig! Unserer eigenen Wahrnehmung, dem eigenen Gefühl vertrauen wir blind!

Der liebe Junge von nebenan ist doch kein Drogendealer! Früher war sowieso alles grüner, goldiger, geschmeidiger… Und Karma is real, baby.

 Tja. Falsch gedacht? Tatsächlich werden wir regelmäßig ausgetrickst. Und zwar von uns selbst. Das ist ungemütlich, aber auch schlichtweg einfach – menschlich!

Kennt ihr den Confirmation Bias oder den Barnum Effekt? Horoskope machen von beidem Gebrauch.

Confirmation Bias ist nichts anderes als die selektive Wahrnehmung: Wir sehen das was wir sehen wollen.

Der Barnum Effekt heißt: Wir tendieren dazu, vage Aussagen die für alle gelten könnten, auf uns zu beziehen.

In 50 Cognitive Biases in the Modern World werden 50 unserer kognitiven Biases (deutsch: Verzerrungen) auf den Punkt gebracht – total verrückt! Sie werfen ein Licht auf unsere Tendenzen, unser Bauchgefühl, unsere Überzeugungen… und machen die Sache ganz schön… tja ungewiss! Sie zeigen, dass wir manchmal einfach überhaupt nicht richtig liegen:

Wir erinnern uns falsch.

Wir urteilen falsch.

Wir nehmen Dinge anders wahr, als sie wirklich sind.

Demütigend, zu erkennen, dass wir so vieles unterbewusst verbinden, verordnen… und vielleicht verdrehen. Aber auch schön! Also, es zu erkennen. Weil es der Anfang der Selbstwahrnehmung ist (Mein persönlicher Favorit ist übringens der IKEA Effect!).

Die nackte Wahrheit ist doch: Wir können uns selbst eben nicht uneingeschränkt trauen!

Wenn die kognitiven Biases uns eines zeigen, dann ist es, dass wir Menschen sind. Das wir falsch liegen können. Fehler machen. Dass wir ausgetrickst werden können. Reinfallen. Zum Glück! Wir sind ja keine Maschinen.

Auf der anderen Seite zeigen sie, wie krass wir manipuliert werden können.

Von anderen aber auch von uns selbst. Das Bewusstsein und die Reflexion darüber, macht uns zu Menschen, die nicht nur alles und jeden kritisch hinterfragen, sondern auch uns selbst. Die ihre Meinung auch mal ändern können. Keine Korinthenkacker. Die sich selbst, und die Welt um sie herum nicht zu ernst nehmen. Denn vielleicht ist es ja auch gar nicht so, wie es scheint…

Wo trickst euch euer Gehirn aus? Wann habt ihr euch mal so richtig getäuscht?
Und vergesst ihr auch regelmäßig Dinge, die ihr schon 100x gegoogelt habt?

Liebe Grüße,

eure Larissa

P.S. Falls ihr das mit euren etwas älteren Kindern (ab ca. 14) könnt ihr auch dieses Video schauen:

Larissa
About me

Studentin, Mentorin, Potenzialentfalterin. Lebt leicht. Liebt alles was mit Entwicklung zu tun hat: Schule, Menschen, Städte... und Blumen! Familienmensch. Hat große Träume für die Bildungslandschaft. Und ein überdurchschnittlich hohes Bedürfnis nach Schnörkeln.

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