Erst gab ich mich auf. Dann trennte ich mich. Und jetzt bin ich GENUG. – eine LeserInnengeschichte und Gastbeitrag


„Hallo ihr Lieben, zu dem Gastbeitrag von Anja, dass sie ihre Großartigkeit verloren hat, kann ich auch was beitragen.“ – schreibt eine anonyme Mutter und hier ist, was sie zu erzählen hat:

Ich lernte diesen Mann über das Internet kennen. Ich war noch in meiner Ausbildung kurz vor der Prüfung. Ich war schlank, nicht dünn. Hatte immer schon Kurven (vor allem meinen Po).
Er war sportlich, muskulös.
Er fand mich attraktiv und ich ihn.
Wir hatten gute Gespräche.

Und obwohl wir unterschiedlich Interessen hatten und unterschiedliche Lebensziele, wurden wir ein Paar.

Ein halbes Jahr nach meiner bestandenen Prüfung zogen wir auch schon zusammen. Wir zogen weg von unseren Eltern. Wir entschieden uns für die Mitte zwischen unseren Arbeitsplätzen. Weg von meiner Familie und meinen Freunden. Für mich war es schwer. Ich hatte keinen Führerschein und Treffen waren so nicht mehr „mal eben“ möglich. Das hatte ich vorher nicht bedacht.

Ich konzentrierte mich auf die Arbeit und auf ihn.

Irgendwann wurde mein Wunsch nach einem Kind größer. Er war mitten im Studium und fand es unpassend. Dennoch planten wir.
Schon in der Schwangerschaft wurde alles anders. Ich fühlte mich nicht mehr genug. Ich dachte, ich sei nicht mehr genug für ihn.

Sätze wie „…und solltest du Schwangerschaftsstreifen bekommen, kann man da bestimmt beim Chirurgen was machen lassen…“ brannten sich tief in meine Seele.

Die Maus war dann da, wir lieben sie beide über alles. Ich nahm aber nicht genug ab… Seine Eltern zahlten einen Personal Trainer. Aber diese Person hatte mir bald zu viel Energie, die ich selbst nicht aufbringen konnte. Die Kleine war schließlich erst 7 Monate und schlief nicht durch. Ich war für alles verantwortlich. Ich ging einkaufen, machte die Wäsche und den Haushalt und kümmerte mich um die Maus – Tag und Nacht.


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Auf meine Bitte doch wie vorher samstags GEMEINSAM die Maisonettewohnung zu saugen und wischen, wurde nicht eingegangen. Es wurde viel mehr abgetan. Er war ja schließlich berufstätig und ich zuhause.

Ich gab auf… Ich gab mich auf. Ich war nicht mehr stark genug, um mich zu positionieren.

Ich war müde und habe mich aus den Augen verloren. Wir blieben dennoch zusammen. Denn damals sah ich es nicht so. Obwohl Freunde es mir sagten, dass ich nicht mehr ich bin und mir die Beziehung, wie sie läuft, nicht gut tut.

Als die Maus dann 3 1/2 Jahre war, bekam ich raus, dass er mir untreu war. Meine Welt brach zusammen.

Die Trennung war laut. ICH war laut! Ich schmiss ihn aus der Wohnung. Und er gab mir die Zeit! Er kam nur nach Absprache. Ich wollte wieder zurück in die Heimat und suchte dort eine Wohnung für die Maus und mich und einen Kindergartenplatz. Meine Eltern und Freunde unterstützten mich. Ich war nicht allein, das merkte ich in dem Moment mehr denn je!

Der Umzug brachte die Wende. Einerseits stach es mir ins Herz, als eine Woche nach meinem Auszug seine Neue bei ihm (in UNSERE Wohnung) einzog.

Andererseits: Ich nahm wieder ab (ohne was dafür bewusst zu tun) und wurde wieder der fröhliche und offene Mensch, der ich vorher war.

Ich war genug! Genug für meine Tochter!

Genug für meine Familie und Wahlfamilie (Freunde)!

Genug für MICH!

____

Vielen Dank, liebe anonyme Mama, für diese Geschichte, die voller Kraft steckt. Ich habe gerade Gänsehaut und spüre, wie du deine Großartigkeit wieder gefunden hast.

Liebe Grüße,

Béa

P.S. Wollt ihr auch eure Geschichte erzählen? Meldet euch bei uns.


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Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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1 Kommentare

Marion
Antworten 17. September 2020

Der Artikel macht Hoffnung. Ich habe momentan leider eher das gegenteilige Gefühl. Hatte mich nach Anfangsschwierigkeiten in die Mutterrolle eingefunden. Fühlte mich als "gute Mutter". Danach Trennung, Depressionen, auf dem Weg der Besserung. Rational weiß ich, dass ich eine gute Mutter bin. Emotional fühle ich mich aber nicht mehr gut genug für meinen Sohn. Ich hoffe echt, dass ich auch mal dieses "gut genug sein" wieder erreiche.

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