Vater nach langer Sendepause aufgetaucht: Sollte meine Tochter zwingen, ihren Vater zu sehen?


Ihr Lieben, ich habe hier eine Frage aus der Community für euch, vielleicht habt ihr Erfahrungen für diese Mutter? Es geht nicht darum, zu urteilen und zu verdammen – sondern um Wege in einer Schwierigen Situation und was möglicherweise geholfen hat!

Hallo Béa,


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eigentlich bin ich stille Mitleserin. Aber nun bin ich heillos überfragt… Ich muss ein wenig ausholen, damit man die Zusammenhänge verstehen kann. Ich brauche dringend Rat!

Meine älteste Tochter kam im Sommer 2015 zur Welt.
Im Sommer 2016 trennte ich mich von ihrem Vater.

Um Ostern herum wurde ich beim Jugendamt vorstellig, da ich einen regelmäßigen Umgang zwischen meiner Tochter und ihrem Vater wollte. Zu keinem Termin erschien er. Danach sagte das Jugendamt zu mir, ich muss keine Umgänge zulassen, bis mein Exmann sich beim Jugendamt gemeldet hat.

Das letzte Mal allein meine Tochter betreut hat er im Januar 2017.
Bis 2020 war nur sporadischer Kontakt und Umgang…

Auch sein leiblicher Vater hat versucht immer wieder Kontakt zu ermöglichen, ohne dass ich dabei war, aber auch diese Mühen vergeblich.

Sowie meinem Exmann einfiel, dass er eine Tochter hat und sie sehen wollte, habe ich es dennoch möglich gemacht.

Im Mai 2020 sah meine Tochter ihren Vater das letzte Mal… für wenige Minuten….
An ihrem Geburtstag schrieb er mir das letzte Mal, seitdem bestand gar kein Kontakt mehr.

Im Oktober 2021 habe ich dann das alleinige Sorgerecht beantragt.

Aus Trotz (vermute ich) hat mein Exmann das Umgangsrecht beantragt.

Ich habe meiner Tochter immer frei gestellt, ob sie ihren Vater sehen möchte, aber das verneint sie vehement. Sie sagt, sie hat in meinem neuen Mann ihren Herzpapa gefunden. Vor ihrem leiblichen Vater hat sie Angst und will keinen Kontakt.


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Nun wurde bei dem Sorgerechts-Prozess festgelegt, dass wir eine Erziehungsberatung aufsuchen müssen, um uns zu einigen, wie es laufen soll. Außerdem muss ich ihm im Zwei-Wochen-Rhythmus eine E-Mail mit den Belangen, Neuigkeiten usw meiner Tochter informieren, was ich auch tue. Jedoch auch dort keine Fragen von ihm oder wirkliches Interesse. Auf manche Mails kam gar keine Reaktion.

Meine Tochter möchte ihren Vater nicht sehen und auch ich bin wenig begeistert.
Denn einen Bezug hat sie nicht zu ihm und er hat auch kein ehrliches Interesse an ihr.

Ich sage mir: Mein Exmann tut es nur, weil er durch unsere Tochter Druck auf mich ausüben möchte.

Nun war heute der erste Termin bei dieser Erziehungsberatung und ich habe meinen Standpunkt und auch die Aussagen meiner Tochter erläutert. Jedoch hat mir die Erziehungsberaterin nun erklärt, ich würde meine Tochter negativ beeinflussen und weil ich eine Art Abwehrhaltung meinem Exmann und seinem Umgang mit ihr gegenüber habe, würde sie so reagieren… Das habe ich als Unterstellung und Vorwurf empfunden, als wenn unsere Gefühle nicht OK wären.

Ich bin total überfordert mit der Situation. Kann von mir erwartet werden, dass ich das alles gutheißen soll, positiv über all das reden soll und so meine Tochter hintenrum zwingen soll, dass sie ihren Vater sieht?

Jedoch habe ich sie nie belogen, war immer offen und sie hätte ihren Vater jederzeit sehen können meinetwegen.

Außerdem gab es ein Gerichtsurteil, wo sein Sorgerecht einmalig für die Gesundheitsfürsorge ausgesetzt wurde, da er sich weigerte eine notwendigen OP zuzustimmen.

Reagiere ich über und sollte meine Tochter nun wirklich zwingen, ihren Vater zu sehen?

Oder wie soll ich mich verhalten?

Ihr Lieben, wenn jemand Erfahrungen mit diesem Thema hat, was hilfreich und was nicht hilfreich war in ähnlichen Situationen, bitte respektvoll kommentieren!

Liebe Grüße,

Béa

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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1 Kommentare

J.
Antworten 18. Februar 2022

Liebe Schreiberin,
Ich kann dir aus der Perspektive einer Tochter berichten, bei der es sehr ähnlich verlief, nur war ich damals schon Älter (ca. 15 J.).
Ich empfand es damals sehr belastend einen Elternteil zu haben, der nur sehr sporadisch Kontakt aufnahm und auch nur dann, wenn es ihm gepasst hat. Als ich (zur Anfangszeit der Trennung, später seltener..) ihn wegen Problemen oder Sorgen kontaktierte, reagierte er beleidigt, ich würde mich ja nur melden, wenn ich etwas bräuchte. Auch mein Vater pochte auf sein SorgeRECHT, aber nicht, weil er die damit einhergehende Pflichten auch wahrnehmen wollte… Die Elternberatung sollte meiner Meinung nach klar machen, dass Rechte auch mit Pflichten einhergehen. Und wer diesen Pflichten in der Vergangenheit und Gegenwart nicht nachkommt, der braucht auch keine Rechte genießen.

Ich finde es sehr schade und ein strukturelles Problem, dass Mütter wie in deiner Situation unter Generalverdacht gestellt werden, das Kind negativ zu beeinflussen. Seien wir mal ehrlich: selbst wenn, Beeinflussung kann ja auch nur dort stattfinden, wo enger Kontakt besteht. Es ist demnach für mich ein sehr einseitig angewandtes Argument. Dort, wo Männer/Väter/Elternteile keinen Kontakt zu Kindern haben, wird nicht beeinflusst/erzogen/sozialisiert. Entsprechend wird dieser Verdacht nie gegenüber den fehlenden Elternteilen aufgebracht. Aber ist kein Kontakt nicht auch eine Art der negativen Beeinflussung?! Es gibt viele Arten der negativen Beeinflussung- eine davon ist durch Ignoranz/Fehlen/Nicht Handeln. Kurzum: wo gehobelt wird, fallen Späne. Wer sich nicht einbringt, dem kann nichts vorgeworfen werden. Das ist eine strukturelle Diskriminierung der sich kümmernden Elternteile.

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