Ertrinken sieht nicht aus wie ertrinken – vor allem bei Kindern


Ertrinken bei Kindern ist ein Grusel-Thema für Eltern! Fast jede Rettungsstelle der Welt macht darauf aufmerksam, dass Filme und Medien uns ein falsches Bild vom Ertrinken eingepflanzt haben.

Ertrinkende rufen meistens nicht laut „Hilfe!“ und schlagen um sich. Meistens passiert das super leise!

Folgende Geschichte zum Thema Ertrinken bei Kindern wird erzählt:

<< Als der Kapitän voll bekleidet von Bord sprang und sich durch das Wasser kämpfte, irritierte das die anderen Badegäste im Wasser.

“Nicht, dass er jetzt denkt, du ertrinkst” rief ein schwimmender Mann zu seiner Frau, da er sie kurze Zeit zuvor mit Wasser bespritzt und sie geschrien hatte.
“Was macht er hier?!” rief die Frau zu ihrem Mann.
“Es geht uns gut!” rief der Mann dem Kapitän zu.

Aber der Kapitän ließ sich nicht aufhalten. Er schwamm unnachgiebig an dem Pärchen vorbei und schrie nur kurz “Weg da!”. Denn direkt hinter ihnen, nur wenige Meter entfernt, war die neunjährige Tochter gerade dabei zu ertrinken. Der Kapitän kam in allerletzter Sekunde. Mit letzter Kraft entfuhr dem Mädchen das Wort „Papa“. Woher wusste der Kapitän aus so vielen Metern Entfernung, dass die Tochter gerade dabei war zu ertrinken, wenn sowohl Mutter als auch Vater dies aus weniger als drei Metern nicht erkennen konnten?

Der Kapitän ist ein ehemaliger Rettungsschwimmer der Küstenwache und hat durch eine fachliche Ausbildung gelernt, die Gefahren des Ertrinkens rechtzeitig zu erkennen. Und nein, wenn jemand ertrinkt, dann wird nicht, wie es oft im Fernsehen gezeigt wird, wild geschrien und gewunken.>>

Kennt ihr wirklich die Anzeichen des Ertrinkens und würdet ihr sie erkennen?

<< Denn bis die neunjährige Tochter mit letzter Kraft “Papa” sagte, hatte sie nicht einen Ton von sich gegeben.>>

Winken, schreien, strampeln beim Ertrinken? Weit gefehlt!

Spezialisten haben die instinktive Reaktion („The Instinctive Drowning Response„)  beim Ertrinken untersucht. Noch mal: Es gibt kein Geschrei, kein Gespritze, kein hektisches Winken. Ertrinken sieht nicht aus wie ertrinken!

1. Menschen, und vor allem Kinder, schaffen es rein körperlich nicht, um Hilfe zu rufen. Man kann schlichtweg nicht sprechen, ohne zu atmen. Und da genau der Atem beim Ertrinken aussetzt, schafft es die Stimme nicht mehr, einen Ruf zu formen.

2. Meistens ist das Gesicht unter der Wasseroberfläche. Wenn der Ertrinkende es mal schafft, Nase und Mund über die Wasseroberfläche zu bekommen, reicht die Zeit nicht für Einatmen und dann auch noch einen Hilferuf.

3. Ertrinkende Manschen schaffen es nicht, ihre Armen nach oben zu strecken, sondern sie strecken sie instinktiv seitlich aus und versuchen, die Wasseroberfläche zu drücken, um atmen zu können. Das machen sie nicht bewußt. Sie sind in einer solchen Not, dass sie sich nicht mehr willentlich entscheiden können, um Hilfe zu winken. Der Körper ist auf Autopilot und versucht mit letzter Kraft, an Luft zu kommen und aufrecht zu bleiben, damit der Kopf oben ist.

Ja, es gibt auch die Leute, die in ernsthaften Situationen sind und schreiend und winkend um Hilfe rufen!

Aber anders als beim tatsächlichen Ertrinken, können sich diese Leute an ihrer eigenen Rettung beteiligen und schaffen es sogar. nach Rettungsleinen oder -ringen zu greifen. Rettungsstellen nennen das „Wassernotsituation“. Eine Wassernotsituation muss nicht zwangsläufig vor einer instinktiven Reaktion auf das Ertrinken auftreten. Bei diesen Fällen ist es wichtig, dass die Unfallopfer später gut untersucht werden und in einem Krankenhaus beobachtet werden, denn es gibt auch ein später auftretendes Ertrinken nach einer Wassernotsituation, das sogenannte „sekundäre Ertrinken„. Das kommt seltener vor, aber man sollte es auf dem Schirm haben:

Beim sekundären Ertrinken schädigt das eingedrungene Wasser die Lungenbläschen. Daraus entsteht ein Lungenödem. Dabei tritt im Lauf vom Stunden körpereigene Flüssigkeit aus dem Blut in die Lunge über. Dies tritt in den nächsten 24 Stunden, also zeitverzögert auf.

Zurück zur eigentlichen Situation des „richtigen“ Ertrinkens.

Das sollte euch alarmieren, wenn euer Kind badet:

Und in diesem Video (auf Englisch) wird eine reale Situation gezeigt:

Wichtig zum Thema Ertrinken bei Kindern: Kinder, die im Wasser spielen, sind laut und machen Lärm. Sollte es still werden, dann könnte es kritisch sein.

Also, wenn ihr solche Anzeichen beobachtet, eilt zur Rettung – bei Kindern und Erwachsenen!

Bei eigenen Kindern werdet ihr schon wissen, was zu tun ist. Bei anderen wäre vorheriges Fragen nicht doof: “Geht es dir gut? Brauchst du Hilfe?”. Wenn die Person antwortet, dann wird schon alles OK sein. Wenn nicht, dann habt ihr nur wenige Sekunden, um der Person zu helfen, mit dem Kopf über Wasser zu kommen. In der Regel können sich Ertrinkende nur 20 bis 60 Sekunden an der Wasseroberfläche halten, bevor sie untergehen.

Denkt dran: Ihr könnt schreien, tut es aus Leibeskräften, dann seid ihr nicht allein!

Der Tod durch Ertrinken ist der zweithäufigste Unfalltod (nach Verkehrsunfällen) bei Kindern bis zu einem Alter von 15 Jahren. Auch im nächsten Jahr werden wieder Kinder ertrinken. Etwa die Hälfte wird in einer Entfernung von nicht mehr als 20 Metern von einem Elternteil ertrinken. Und in 10% dieser Fälle wird ein Erwachsener sogar zusehen und keine Ahnung davon haben, was da gerade geschieht.

Bitte teilt den Artikel. Je mehr Menschen bescheid wissen, umso sicherer sind wir alle und können das Ertrinken bei Kindern vermeiden!

Liebe Grüße,

Béa

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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7 Kommentare

Hanna F.
Antworten 4. Juni 2018

Oh ja, ein sehr wichtiges Thema! Wir haben bei den NAchbarn am (fasst bodengleichen) Pool eine solche Situation erlebt. Der damals Zweijährige (Enkel) Sohn hat am Rand gespielt, zwei andere Kinder im Wasser und ein paar Erwachsene am Rand. Es war nur eine Frage der Zeit, bis er reinfiel, daher haben wir sehr aufmerksam geschaut. So kam es natürlich. Erschreckend war, dass das Ganze wirklich quasi lautlos ablief. Der Kleine stürzte kopfüber rein, und bewegte sich nicht mehr. Füße oben Kopf unten, und kein Strampeln. Innerhalb von Sekunden war er draußen, da zwei Erwachsene angesprungen kamen...
Der Junge mag jetzt gar nicht mehr ins Wasser, nicht mal die Badewanne geht.
Daher finde ich es soo wichtig, dass man im Babyalter mit Schwimmen, bzw. Wassergewöhnung anfängt. Unsere fast Dreijährige übt so oft die Selbstrettungskette im Schwimmkurs (reinspringen, selbständig hochkommen und zurückschwimmen). Vielleicht hätte ihr das in einer solchen Situation was gebracht.
Liebe Grüße Hanna

Tintenhain
Antworten 4. Juni 2018

Danke für diesen wichtigen Artikel, ich hab da noch gar nicht richtig drüber nachgedacht. Gleich den großen Kindern gezeigt und ich teile den Artikel auch gern weiter.

Viele Grüße,
Mona

Daniela
Antworten 7. Juni 2018

Sehr guter Artikel...Sooo wichtig. Wir haben einen Pool und unser jüngster darf nur mit Scheimmweste ins Wasser...Kennt ihr diese Alarmbänder? Das sind Armbänder die sobald sie mit Wasser in Berührung kommen Alarm geben...Sehr gut, wenn man Wasser und kleine Kinder hat

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