Wie komme ich aus der Zoff-Spirale mit meinem Kind? Frage aus der Community


Ihr Lieben, ich habe hier eine Mama, die sich ihr Herz ausgeschüttet hat und Rat braucht. Ich möchte euch bitten, ihren Text mit Güte zu lesen und respektvoll mit guten, nachhaltigen Tipps zu beantworten.

Liebes Tollabea Team,

vor kurzem hattet ihr einen anonymen Bericht einer Mama, die ihr Kind liebt aber nicht (mehr) mag. Ich hab ihn mit Spannung gelesen und dem beruhigenden Gefühl, dass ich aufatmen kann, weil andere etwas sagen, was ich für mich auch empfinde…

Denn ich hab mittlerweile auch so ein Kind. Ich bin totunglücklich. Seit einigen Monaten fällt mir das immer wieder auf.

Ich brauche Tipps, Unterstützung, Input, Alternativen, Hilfe, ein nettes Wort 🙁 ich weiß nicht was …

Folgendes trug sich gerade gestern wieder bei mir zu … meine 7-jährige ADS diagnostizierte Tochter wollte mit ihrem Opa und einem weiteren Enkelkind essen gehen. Ich hatte gekocht, deshalb stand nicht zur Debatte, dass wir das Essen stehen lassen und nun essen gehen würden, nur weil sie sich das jetzt gerade wünscht!

Diese Absage von mir führte bei meinem Kind zu einer absoluten Schreiattacke und einem Totalausfall: „Ich will aber dahin!!!“ Alle Versuche, ihr zu erklären, dass wir heute nicht essen gehen würden, Fragen nach Kompromissen (dass wir z.B. mit Opa etwas an einem anderen Tag machen), Ermahnungen nicht zu schreien, Lösungen mit mir zu überlegen… alles schlug ins Leere.

Außer „ich will“ kam nichts aus dem Kindermund! Resignierend stellte ich daraufhin das Reden mit „Ich diskutiere das nicht mehr“ ein.

Daraufhin hat sie geheult, geschrien, mich immer wieder zum Reden animiert, provoziert, geschubst, ihren Teller vom Tisch genommen (sie wollte gar nichts Essen), mein Messer aus meiner Hand genommen, mich „als blöde dumme Mama“ angeschrien, Kartoffel Spinat und Fischstäbchen als „Scheiß Essen“ tituliert.

Meine Versuche, den Raum zu verlassen, wurden durch Nachlaufen ihrerseits torpediert. Von ihr kamen Ansagen wie „Lass mich doch gehen, dann streit‘ ich nicht mehr!“ Meine persönlichen Grenzen wurden ständig überschritten. Türen wurden geknallt um kurz darauf erneut einzuhaken: „Darf ich jetzt gehen?“.

Ich war am Ende, wusste nicht mehr wie mich verhalten sollte. Ich fühlte mich durch die Schreierei („Ich darf nie was“) und das auf die Pelle rücken bedrängt, entwertet  („blöde Scheiss Mama“)… und unfair behandelt:

Irgendwann erwischte ich mich bei dem Gefühl, sie einfach nur noch verhauen zu wollen. Ich habe dann kurz die Wohnung verlassen und bin dann gleich zurück in mein Schlafzimmer, um mich zur Ruhe zu setzen.

Nach 10-maliger Aufforderung hat mich mein Kind dann auch dort mal allein gelassen. Während meiner selbstverhängten Pause, mich zu sammeln und innerlich zu beruhigen, hat sich mein Kind dann auch endlich beruhigt!

Ich habe während des etwa 50-Minuten andauernden Streits nicht zurück geschrien, leise geredet, erklärt, ermahnt, Sanktionen angedroht und dann im Laufe des Abends umgesetzt. Als der Hitzkopf abgekühlt war, tat ihr wieder mal alles Leid! Die aufgebürdeten Strafen, dass die Kindersendung im TV ausfällt und es eben heut jetzt kein Abendessen mehr gibt, waren neuer Grund zum Weinen.

Aufweichungsversuche der Strafe vom Kind ausgehend („Dann schau ich heut nur Nachrichten Mama?!“) wurden von mir  abgelehnt!  Auch nicht die sonst so verpönten Nachrichten werden jetzt noch geschaut (die übrigens auch schon häufig Anlass waren für ähnliche Verhaltensmuster). Wer Essen nicht schätzt, geht ohne ins Bett.

Da bin ich dann stur! Zu stur?

Umarmungen wurden eingefordert, gegeben, sich vertragen, entschuldigt. Tränen gab’s auch bei mir!

Diese Situationen tauchen immer wieder am Tag auf, mal mehr mal weniger heftig! Ich weiß nicht, wie ich meinem Kind dann helfen kann und mir, dass es nicht sooo eskaliert. Außer, ihr alles zu erlauben! Täte ich dies, gäbe es natürlich darüber keinen Streit! Aber das ist nicht die Lösung.

In diesen Momenten hab ich kaum ein Gefühl für mein Kind außer „bitte geh weg“. Ich will Dich so nicht mehr! Ich kann Dich so nicht mehr ertragen.

Ich schaffe es nicht mehr diesem willensstarken, sturen Kind gegenüberzutreten. ADS Medikamente bekommt sie seit Kurzem, eine Erziehungsberatungsstelle habe ich aufgesucht! Termin kommt…

Wer kann mir Tipps geben, wer hat Ideen … könntet ihre meine Geschichte ebenfalls anonym auf eurer Seite mal an weitere Muttis zustellen? Andere Blickwinkel können mir vielleicht helfen zu verstehen, was ich in diesen Momenten falsch mache.

Wie kann ich an mein Kind rankommen, das in diesem Moment für meine Worte nicht zugänglich ist, aber auch keine Auszeiten akzeptiert? Ich bin verzweifelt!

Lg, eine Mama

P.S. Von Béa: Bin auch am Thema Strafen hängen geblieben. Bitte geht respekt- und liebevoll damit um, ja?

Hier sind meiner Meinung nach die besten Beiträge dazu:

WARUM WIR UNSERE KINDER NICHT BESTRAFEN SOLLTEN – von Gewünschtestetes Wunschkind

und bei uns, von Nora Imlau:

„Wenn du nicht aufräumst, komme ich mit dem blauen Müllsack…“ – ein Gespräch mit Nora Imlau über Drohungen und Konsequenz

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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7 Kommentare

Julia Schöneberger
Antworten 13. Juni 2019

Oh weh, das kommt mir bekannt vor.... K1 (mittlerweile 12) verträgt kein Wort der Kritik, oder etwas, das er als Kritik auffasst, dann knallen Türen und Sachen werden geworfen. Auch die Zimmerwand hat neuerdings ein Loch, da musste er dagegen treten. K2 ist 7 und eine absolute Wutbrummse, wenn sie nicht gerade das liebste Kind der Welt ist - wie der große Bruder. Und auch hier reicht ein "Nein, das geht nicht", um den Schalter umzulegen.
Ich kann keinen Rat erteilen, nur schildern, wie wir damit umgehen. Bei beiden hat unserer Meinung geholfen, in ruhigen Momenten (an manchen Tagen tatsächlich nur die 15 Min nach dem Wecken) kuscheln, streicheln, sagen, dass wir uns lieb haben. Lustigerweise hilft das mir, glaube ich, am meisten, damit ich nicht sofort auf die Brüllerei anspringe und dagegen brülle, ich sehe mich selbst sehr wohl in meinen Monsterchen. Und mein Mann und ich versuchen den jeweils anderen aufzufangen. Ich komme mir oft vor wie die hintervorletzte Mistmutter, die voll versagt, während alle anderen das mühelos können. Dann ist wichtig, dass mir ein zuverlässiger Partner sagt, dass dem nicht so ist. Und ich frage mich immer öfter, auf welche Kämpfe ich mich tatsächlich einlasse. Welche Regeln sind tatsächlich nicht diskutierbar (so alles, was in Richtung Anstand und Umgang mit Menschen geht), und welche sind mehr so Gewohnheiten. Und dann klappt wirklich manchmal ein Kompromiss, so nach dem Motto: Lass mal kurz hinsetzen und überlegen, wie wir beide bekommen können, was wir wollen.... Geht aber nur, mein liebes Kind, wenn du mithilfst und mitdenkst. Bei der geschilderten Situation hätte ich mir (in unserer Familie, wohlgemerkt) vorstellen können, dass K1+2 mit dem Opa essen dürfen, und bereit sind, im Gegenzug am nächsten Tag das Gewärmte zu essen. Und ich hätte ein kostbares, ruhiges Abendessen gewonnen mit dem Gatten...
Also im Endeffekt: Liebe geben, wenn die Stimmung ruhig ist, um Batterien aufzufüllen. Liebe Erwachsene suchen, die deine Psyche streicheln. Erst überlegen, ob der Konflikt es dir wert ist.
Ich wünsche dir Kraft und sage: es ist alles eine Phase, in ein paar Jahren kannst du darüber lächeln... (Wahrscheinlich nicht, aber der Gedanke hält mich oft über Wasser)
Liebe Grüße aus dem Wahnsinn!

Nicole !
Antworten 13. Juni 2019

Ich kenne das noch so gut von meinem Sohn.
Der Erziehungsberater (ein absoluter Glückstreffer!!!)
gab mir den Auftrag bei Streitdiskussionen runter zu meinem Kind zu gehen. Auf die Knie, neben ihn auf einem Stuhl, wenn er lag, legte ich mich dazu. Augenhöhe schaffen. Ein Streit. Eine Diskussion. Ein Krieg. Eine Augenhöhe. Es geht nicht ums gewinnen oder unterdrücken.
Und dann schaute ich mein Kind an. Schaute ihm in die Augen. Und entschuldigte mich dafür das ich das jetzt so bestimmt habe. Und das ich seine Wut verstehe. Und das es mir leid tut das er jetzt wütend ist. Und das ich ihn lieb hab. Dabei habe ich ihn immer angesehen.
Ich habe mich nicht gerechtfertigt warum und weshalb ich so entschieden habe. Ich habe mich nur entschuldigt.

Auch wenn es komisch klingen mag, versuch es einfach mal für 14 Tage. Du machst nichts kaputt.

Ich habe dadurch mein Kind wieder wertschätzen gelernt.
Alles Liebe für dich. Du bekommst das hin. Ihr beide bekommt das hin. 👍🏽

Britta Posner
Antworten 13. Juni 2019

Meine Tochter hatte auch regelmäßig ähnliche Wutanfälle. Besonders gerne an Tagen, an denen ich vom Alltag aufgerieben war. Ich hab vieles probiert, ruhig bleiben, es aushalten und abwarten bis es vorbei ist ( leider ist meine Tochter sehr ausdauernd...), paradox reagieren war lustig (bei uns ging es oft ums aufräumen, da hab ich im Wohnzimmer auch mal die Bücher süß dem Regal geschmissen und die Sofakissen fliegen lassen, da war sie so erschrocken, dass es vorbei war).
Meistens habe ich gesagt, was geht und was nicht und bin gegangen.
Irgendwann (und mit professioneller Hilfe) hat sich das verhalten verändert, ganz langsam.
Inzwischen wird sie auch noch wütend, ich bekomme es früher mit und kann gegensteuern bevor es eskaliert. Und wenn sie mich doch mal beschimpft, weil sie provozieren will, dann lasse ich ihr das- sie darf mich ja doof finden und unbequem und ungerecht.
Ich habe für mich verstanden, dass mein
Kind ihre Grenze erfahren will, um sich sicher zu fühlen, und wenn ich meinen Standpunkt freundlich, aber bestimmt vertrete, weiss sie woran sie ist, was geht und was nicht - auch wenn es nicht den eigenen Ideen entspricht.
Und ich habe verstanden, dass sie sich meiner Liebe so sicher fühlt, dass sie wütende sein kann (denn Wut bedeutet den totalen Kontrollverlust). Und die Wut muss ja irgendein Ventil finden (vielleicht könnte Sport helfen)
Soweit meine persönlichen Erfahrungen.
Und, ja, der weg war lang, steinig und tränenreich...aber hat sich gelohnt!
Ich finde es gut und richtig, professionelle Hilfe zu installieren. Ich hoffe, der Termin wird gut.
Und ich wünsche euch viel Kraft, Ausdauer, Geduld, Mut was auszuprobieren und hilfreiche verständnisvolle Menschen auf eurem weg.

Nicole
Antworten 13. Juni 2019

Mir hat geholfen: wenn sich Streit anbahnt, zuerst schauen, ob die Grundbedürfnisse des Kindes erfüllt sind. Das da wären: 1. Hunger, 2. Durst, 3. Bedürfnis nach Ruhe (des Kindes). Und bei beinahe allen Kindern, die einen Mehrbedarf z.B. AD(H)S haben, hat es sich bewährt keine Überraschungen im Tagesablauf bereit zu halten und mit so vielen Ritualen und Strukturen wie möglich zu arbeiten. Damit wird schon der ein oder andere Streit im Ansatz vermieden. Wichtig auch: Ruheinseln für die Mama im Alltag.

Claudia
Antworten 14. Juni 2019

Liebe Mama...
Fühle dich bitte ganz doll gedrückt - du machst einen tolle Job und er ist oft „scheiss-schwer“.
Ich kenne das auch - habe auch so einen „Temperamentsbolzen“ daheim und kann das wirklich gut nachvollziehen.
Ich muss gestehen ich war ähnlich, ich bin auch heute noch von eher „Italienischem-Temperament“. Daher kann ich das gelegentlich noch nachvollziehen bzw. Weiß noch wie sich das anfühlt.
Eine Pauschallösung haben wir leider auch noch nicht gefunden, gelegentlich machen wir eine „Tanzparty“ zum Druck ablassen. Ob das pädagogisch richtig ist sei mal dahingestellt, aber manchmal tut auch Ablenkung gut. 😉 auch wenn man sich eigentlich mit seinen Gefühlen auseinandersetzen sollte - das muss nicht 24 Stunden - 7 Tage die Woche sein. Nicht wenn die Kinder in solchen Situationen auch überfordert sind.
Was bei uns auch hilft bzw. Meinem Sohnemann gut tut ist Kraniosacral bzw. Chineseologie-Sitzungen. Falls es so was bei euch auch gibt. 😉
Zu guter letzt lass dir sagen, alles geht vorbei, und ich bin heute absolut fähig meine Gefühle zu kontrollieren und das hat sich gelegt. 😂 und Gott sei dank sind wir alle verschieden - manche sind eher temperamentvoller als andere... 😉
(Ps:sorry für Rechtschreibfehler - hab’s am Handy geschrieben und die Autokorrektur ist so eine Sache... 😂)

Sabine
Antworten 14. Juni 2019

Hallo liebe Mama,
ich kann Dich verstehen und wünsche Dir weiterhin starke Nerven.
Auch ich habe ein Kind, dass manchmal so ähnlich reagiert.
Wir haben eine Übereinkunft getroffen, dass sie alle Wut, wenn es denn mal so weit gekommen ist, in mich hineindrücken soll. Also feste die Arme um meinen Bauch und zudrücken. So feste es geht. Mit ein bisschen Muskelanstrengung kann man das gut aushalten, muss nur vorher den Bauch gut hart machen. Und das Kind anfeuern: feste, alles raus drücken, ich halte das schon aus. Geht bei uns ganz gut, und das Kind hat eine Chance, aktiv zu sein und die Energie loszuwerden. Allerdings muss das vorher, am Besten nach so einem Ausbruch, wenn es dem Kind leid tut, geklärt und vereinbart werden.
Auch gut funktioniert bei uns das lockere festhalten. Kennst Du das? Lose in den Arm nehmen, am besten auf einem Stuhl oder Sessel und es nicht drücken, aber nicht weglassen. Auch wenn es das einzige ist, was das Kind will. Weg, weg, weg. Festhalten und beruhigende Laute (schschsch...) . Kann etwas dauern. Aber meist können sich die Kinder bald des Gefühls der Liebe und der Geborgenheit nicht mehr erwehren und die Gegenwehr schmilzt. Dann noch das feste Drücken in Mama rein. Meiner Tochter hilft es. Denn was die Kinder dann brauchen, ist Liebe und Halt. ("Liebe mich, wenn ich es wenigsten verdiene, denn dann brauche ich es am dringendsten" - habe ich mal gelesen bei einem Therapeuten)
Ich wünsche Dir viel, viel Kraft und gute Nerven.
Toll ist, dass Du nicht zurück schreist. Das schaffe ich nicht.
Liebe Grüße
Sabine

FröSi
Antworten 25. Juni 2019

Hallo,
ich kenne solche Situationen auch gut! Unser Großer (4 J.) rastet auch bei Kleinigkeiten ganz unerwartet aus. Leider schaut sich meine Tochter (2 J.) das Verhalten zu gern ab.
Wir sind davon noch nicht ganz weg. Das ist auch ok. Eine Erzieherin sagte mir mal: "Immerhin sagt er, was er möchte. Andere sagen hier den ganzen Tag einfach gar nichts. Das ist viel schlimmer." Und recht hat Sie! Denn Kinder müssen meiner Meinung nach sehr viel verarbeiten und erleben enorm viel an einem Tag. Und ganz ehrlich: Ich würde als Erwachsene (insofern ich das denn bin) auch gerne mal so reagieren - aber ich habe gelernt, wie ich eine Lösung finden kann. Und daran arbeite ich auch mit meinem Kind. Wie auch andere schon geschrieben haben, arbeite ich in ruhigen Situationen daran, dass meine Kinder die Situation aus einer anderen Perspektive kennen lernen und reflektieren. Dafür schauen wir uns Bücher an, in denen Kinder ausrasten oder ich erzähle eine Geschichte zu unserem "aktuellen Thema". Dabei lernen sie sehr viel. Vor allem kann ich ihnen Auswege aus der Situation aufzeigen.
In der konkreten Situation habe ich festgestellt, dass mein Sohn oftmals von seinen Gefühlen überfordert ist. Ich knie mich zu ihm hin oder setze mich an immer den gleichen Ort wie auf einen Stuhl oder die Ecke der Couch. Das ist dann der Zufluchtsort für ihn. Da reden, Lösungen anbieten usw. alles im akuten Moment nichts bringt, biete ich ihm einfach nur an, ihn zu umarmen. Das ist es eigentlich, was er gerade braucht: jemand, der ihm Halt gibt und Grenzen zeigt. Dann kommen wir beide runter, überlegen uns etwas schönes und besprechen später, was vorgefallen ist. Er hat auch schon selbst Lösungen vorgeschlagen und mir vor ein paar Tagen gesagt: "Wenn ich jetzt groß wär und du klein, dann würde ich mit dir kuscheln." Das ist toll, dachte ich. Und setzte mich zu ihm. Die Wäsche konnte einfach warten.
Und ganz wichtig: Ich sage meinen beiden Mäusen vor dem Schlafen, dass ich sie lieb habe. Dadurch können sie und ich besser schlafen. Und sie wissen, auch wenn sie mal Unsinn machen, haben sie einen Rückzugsort zu Hause.

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