Grundschüler hat Angst vor Büchern und Lesen wegen Augenhadicap – Wer hat Erfahrungen?


Liebe Community, hier kommt die Frage einer Mutter, die gerade Hilfe und eure Erfahrungen braucht. Sie schreibt:

Mein Sohn ist grade 8 geworden, kommt nun in die dritte Klasse. Und hat Angst vor Büchern und vor dem Lesen!

Im Mai wurde nach einer endlosen Odyssee durch eine Optometristin (Optikerin mit Zusatzausbildung für Augenprobleme, die ein Augenarzt nicht erkennt, weil er die Tests nicht macht) eine Augenreifungsstörung und einiges andere festgestellt, wobei er weder schielt und eine normale Sehfähigkeit hat.

Das Problem ist, ein Auge schaltet sich oft quasi ab, dann hüpft das Auge hin und her und die Buchstaben sind völlig verwirbelt.

Insgesamt arbeiten die Augen (nicht) nicht zusammen.

Seit Mai machen wir täglich ziemlich erfolgreich Augenschule.
Aber es hat so lange gedauert, es überhaupt herauszufinden, sodass mein Kind jetzt ein regelrechtes Trauma bezüglich des Faches Deutsch und Lesen hat.

Offenbar ist er in der Schule oft angeranzt worden – denn die Lehrkräfte haben ihm Faulheit und mir mangelnde Mitarbeit unterstellt, weil er einfach noch nicht so gut lesen kann. Das Gegenteil war der Fall: Die Tränen sind mir unerträglich, aber das Kind muss nun mal lesen lernen…

Seltsamerweise hatten wir zur Nachhilfe eine erfahrene Lehramtsstudentin, die fand, mein Kind liest altersgerecht. Im Zeugnis hingegen gab es die schlechteste Beurteilung.

Ich finde, trotz sein Handicap und die völlige Sperre im Kopf liest er ganz akzeptabel. Natürlich bei Weitem nicht so gut, wie andere Kinder, aber ich will nicht vergleichen.

Langer Vorspann: Geht es jemandem auch so und was macht ihr dagegen? Ich möchte die Ferien nutzen, um möglichst spielerisch doch etwas lesen zu üben.

Nur womit? Bücher mit Lieblingsthemen (Weltraum, Alexander Gerst, Astronauten, Minecraft, Ninjago, Harry Potter) haben wir beide, Comics, Übungshefte – alles erfolglos.

Es ist sogar so schlimm, dass er nicht mal mehr vorgelesen bekommen möchte.

Unabhängig davon ist er hochintelligent, hat hohe Ansprüche an sich und sogar hohe Berufsziele. Das ist mir alles recht egal, ich wünsche mir nur, dass er es endlich schafft, besser zu lesen, mehr aber noch, seine Angst zu überwinden.

Die Augenschule ist erst im Oktober beendet, d.h. die Augen sind besser geworden, aber noch lange nicht in Ordnung.

Was kann ich denn tun? Oft habe ich schon von Antolin gelesen, das wird von der Schule aber nicht angeboten. Natürlich werde ich ausprobieren müssen, aber die Augenschule wird nicht von der KK bezahlt und ich habe schon so viel gekauft, langsam wird es finanziell eng. Eine Empfehlung der Schule gab es trotz Anfrage auch nicht.

Ich hoffe nur, andere Eltern zu finden, deren Kinder auch quasi Bücherangst haben.

Er hat zumindest zu Hause nie Strafen bekommen, aber das Nicht-Erreichen seiner persönlichen Ziele mag Strafe für ihn innerlich genug gewesen sein. So wie ich die Schule einschätze, wird dort nicht bestraft, aber Geringschätzigkeit traue ich ihr durchaus zu, unabhängig von Natur aus grausamen Kindern, die womöglich wider besser Wissen einfach auch was gesagt haben könnten.

Welche Erfahrungen und Tipps habt ihr? Hat jemand auch ein Kind mit Angst vor Büchern und Lesen?

Liebe Grüße,

von der anonymen Mutter und auch mir, Béa

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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2 Kommentare

Marion
Antworten 30. Juli 2022

Habt ihr schon Dinge sucht, die lesen beinhalten, aber kein reines lesen sind? Kinderrätselkarten, Familienspiele mit Aktionskarten, Kekse nach Rezept backen, ...

    Gesa
    Antworten 1. August 2022

    ...oder vielleicht diese Trumpfspiele mit Autos, wo man auf den Karten immer gucken muss, welches das schnellste oder schwerste Auto ist. Hat er denn auch etwas dagegen, zu malen oder zu schreiben? Vielleicht findet er über das Erfinden von Geschichten oder das Entwerfen von Plakaten zur Schrift. Auch Schnitzeljagden oder das Navigieren mit Landkarten könnte ich mir vorstellen (z.B. Familienausflug zur Eisdiele "Bella Italia" in der "Goethestraße" und er muss die Straßenschilder und Ladenschilder lesen und die Eisdiele finden). Aber es kommt natürlich darauf an, was ihm liegt und wofür er sich interessiert.

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