Was sagt die Wahl unserer Freundschaften über uns selbst aus?


Unsere Umwelt prägt uns, und unsere Freund:innen tun es auch. Aber wie viel von ihnen steckt in uns? Und was sagt die Wahl unserer Freundschaften über uns selbst aus?

Vor ein paar Tagen sagte eine Freundin etwas zu mir, das mich seit Tagen nicht loslässt. Wir sprachen über eine gemeinsame Bekannte, die ich sehr gern mochte, während sie nicht das Bedürfnis verspürte, sie näher kennenzulernen. Der Grund: Sie mochte ihre Freund:innen nicht, die ihrer Meinung nach sehr „toxisch“ waren.


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Sie schloss vom Charakter ihrer Freundinnen auf sie, nach dem Motto: Wenn ihre Freundinnen so problematisch sind, dann ist sie es bestimmt auch.

Das ließ mich stutzen. Was hatten ihre Freundinnen mit ihr zu tun? Nur weil ihre Leute so waren, musste das doch nicht auch auf sie treffen … oder?

Was sagt die Wahl unserer Freundschaften über uns selbst aus?

Der Einfluss unserer Umgebung

Vermutlich würde jeder zustimmen, dass unsere Umwelt, und die Art und Weise, wie, und mit wem wir aufwachsen, einen Einfluss auf uns hat. Dazu gehören auch unsere Beziehungen – Eltern, Partner:innen und Freundschaften.

Ich hatte euch ja mal erzählt, dass ich manchmal die Sprechweisen meiner Mitmenschen übernehme, wenn ich zu viel mit ihnen abhänge; zum Beispiel den gleichen Spruch raushaue wie sie und mir anschließend denke: Mist, jetzt sage ich das auch.

Oder aber, dass meine Freund:innen und ich an denselben Orten verkehren, in dieselben Cafés gehen, usw. Wenn ich an meine Freund:innen denke, dann fallen mir sehr viele Parallelen ein, denn trotz aller Unterschiede ähneln wir uns.

Aber ist das wirklich verallgemeinerbar?

Nicht alle unsere Freund:innen sind so wie wir.

Mir fallen zum Beispiel sehr enge Freundinnen ein, die ganz anders sind als ich. Viel offener, lauter und extrovertierter. Wir haben nicht dieselben Hobbys, verkehren in unterschiedlichen Umgebungen und machen von außen einen sehr gegensätzlichen Eindruck. Und doch sind wir befreundet, weil andere Faktoren uns zusammenschließen.

Zeit

Vermutlich wären meine älteste Freundin aus dem Kindergarten und ich nicht befreundet, würden wir uns heute zum ersten Mal treffen. Doch unsere Vergangenheit hat uns zusammengeschweißt, obwohl wir uns beide in unterschiedliche Richtungen entwickelt haben. Mit ein paar Leuten aus der Schule stehe ich ebenfalls noch in Kontakt – bloß aufgrund der Vergangenheit.

Der soziale Raum

Die Schule, das Studium, der Arbeitsplatz oder auch der Fitnesskurs können uns trotz aller Unterschiede aneinanderbinden. Ich war zum Beispiel auch immer lange mit den Kindern der Freund:innen meiner Eltern befreundet, weil wir uns durch unsere Familien ständig sahen. So wirklich auf einer Wellenlänge waren wir trotzdem nicht.


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Negativer Einfluss

Aber machen wir uns nichts vor: Natürlich können Freundschaften uns auch negativ prägen. Ich persönlich habe nicht viel abbekommen, weil ich immer eher Einzelgängerin war und kein großes Problem damit hatte, aber meine Schwester schon. Sie wollte gern dazugehören, und geriet gelegentlich in Situationen, die sie eigentlich nicht wollte. Einmal schnitten ihr ihre Freundinnen die langen Haare kurz  (aus Neid), wieder ein anderes Mal färbten sie sie strohblond. Sie behandelten sie wie eine Puppe, und sie, jung, und schüchtern, traute sich nicht, einzuwenden, aus Angst, sie würden sie ausschließen. Vermutlich wird es niemanden überraschen, dass diese Mädchen in höchstem Maße problematisch waren. Meine Mutter und ich waren sehr froh, als sie auf die Oberschule ging und die fiesen Mädchen hinter sich ließ.

Kinder und Jugendliche befinden sich in einer Entwicklungsphase, in der sie noch nicht alles rational beurteilen können. Für sie ist dazugehören oft wichtiger als ausgegrenzt zu werden – selbst, wenn es einem die Haare kostet. Außerdem sind sie viel manipulierbarer. Meine Mutter, die meine Freundinnen immer mit einem Wimpernschlag durchschauen konnte, „warnte“ mich immer vor ihnen, doch ich wollte nie hören. Heute bin ich erwachsen und kann die Dinge klarer sehen.

Und das ist der große Unterschied:

Erwachsene Menschen können besser reflektieren

Wenn ich heute auf Personen treffe, die Seiten an sich haben, die ich nicht unbedingt teile, kann ich diese besser einordnen. Ich weiß, dass jede Persönlichkeit facettenreich ist und es nicht nur schwarz und weiß gibt. Einige Bekannte saufen sich regelmäßig voll, wieder andere nehmen Drogen (alles Dinge, die ich nicht tue). Aber ich lasse mich davon nicht beeinflussen, schließlich ist es ihr Leben und sie können tun und lassen, was sie wollen. Ich bin erwachsen und weiß: Ich muss nicht mitmachen.

Bei Kindern und Jugendliche ist es auch so. Wenn alle im Kreis rauchen/trinken etc., ist es schwer, nicht mitzuziehen. Ihr glaubt nicht, wie oft ich regelrecht dazu gedrängt wurde, Alkohol zu trinken. Ich wollte nie, stand manchmal aber so kurz davor, weil der Druck so hoch war.

Was sagt die Wahl unserer Freundschaften über uns selbst aus? – Fazit

Ich habe das Thema nun aus mehreren Gesichtspunkten beleuchtet und komme zum Entschluss, dass man eine solche Aussage nicht einfach pauschalisieren kann. Ich glaube zwar, dass unsere Freundschaften ein Stück weit uns selbst spiegeln, aber nicht nur. Außerdem gelten andere Regeln für erwachsene Menschen, die besser reflektieren können und Kinder/Jugendliche, die beeinflussbarer sind.

Das ist meine Meinung. Was ist eure? Was glaubt ihr, wie viel die Wahl unserer Freundschaften über uns selbst aussagt? Und welche Erfahrungen habt ihr mit den Freundschaften eurer Kinder?

Liebe Grüße
Mounia

Mounia
About me

Ich - 25 Jahre alt, Studentin, Kinderanimateurin, begeisterte Hobbyköchin und abenteuerlustig! Meine absolute Leidenschaft ist das Schreiben und Festhalten von Momenten.

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