Mehr Vertrauen, weniger Sorgen aussprechen – wir wir unsere Kinder stark machen können


„Oh mein Gott, wie deine Noten stehen… da kommst du nie aufs Gymnasium, und dann ist deine Zukunft im Eimer! Was soll bloß aus dir werden???“ – wie oft habe ich solche Sätze von Eltern gehört. Das tut Kindern nicht gut.

Kinder brauchen das Vertrauen ihrer Eltern, um Selbstvertrauen zu entwickeln

Ich möchte hier einen Tipp eines Kinderpsychologen mit euch teilen, der mir sehr geholfen hat um die richtige Haltung zur Zukunft meines Kindes zu entwickeln. Es ist schon lange her, dass ich die Ehre hatte, auf einer Bildungsveranstaltung Dr. Michael Thompson kennenzulernen.

Der Mann ist einer der anerkanntesten Kinderpsychologen und Autoren in den USA. Ganz besonders spezialisiert ist er auf das Thema Jungs und Emotionalität, und hat tolle Bücher dazu geschrieben – aber selbstverständlich liegt ihm das Schicksal und die Zukunft aller Kinder am Herzen. Mädchen und Jungen.

Gegen Ende der Veranstaltung fragte jemand:

„Wenn sie nur einen einzigen Rat für Eltern geben könnten, was wäre das?“

Der Kinderpsychologe musste nicht lange überlegen. Er sagte augenblicklich:

„Ich möchte Sie ermuntern, euren Kindern – egal welchen Alters – mehr Vertrauen und weniger Sorgen bezüglich ihrer Zukunft und ihrer Fähigkeiten auszusprechen.“

Er führte mit einem Schmunzeln aus, dass Eltern dazu neigen, sich Sorgen zu machen. Das sei ja schließlich in ihrer Job-Beschreibung ELTERN vorgesehen, witzelte er weiter, mit der Elternwerdung zieht die Sorgen-Macherei in unser Herz ein.

Klar doch: Mit der Geburt eines Kindes werden wir für so ein neues Wesen voll und ganz zuständig. Wir wollen ihm das Beste mitgeben und wünschen, dass es ein besseres, glücklicheres, erfüllteres Leben haben soll, als wir es jemals konnten. Gleichzeit schleicht sich die Unsicherheit ein. Machen wir das richtig? Wird uns das auch gelingen?

Wir leben in einer Wettbewerbsgesellschaft und erleben selbst, dass es nicht jedem gut geht. Wir wollen partout nicht, dass das Nicht-Gutgehen gerade unseren kleinen Küken erwischt. Und zu oft packt uns diese Emotion, die Angst, dass entgegen unseres Willen genau das passieren wird. Das sind die Momente, wenn wir Sätze wie eingangs zitiert aussprechen.

Kinder nicht mit Sorgen über ihre Zukunft kirre machen!

Der Kinderpsychologe empfahl, es bewußt zu vermeiden, die Kinder mit solchen Sorgen zu überschütten – und stattdessen ganz andere Glaubenssätze zu vermitteln. Glaubenssätze, die Kraft und Selbstvertrauen geben. Allerdings meinte er, so ein typisches US-amerikanisches „positive thinking“ mit dem Brecheisen administriert wäre ja auch kontraproduktiv, Kinder spüren Unaufrichtigkeit und unterdrückte Enttäuschung.

Er empfahl, durchaus zu thematisieren, dass etwas nicht gut ist – aber zu versuchen, den ganzen „Zukunftsmist“ raus zu halten und am besten auf die aktuelle Situation zu fokussieren. Kinder leben lieber im Hier und Jetzt… oder so maximal mit einem Horizont von einigen Wochen. Darauf solltet ihr am besten auch eingehen!

Also nicht: „Was, eine 4 in Mathe? So schaffst du es nie einen vernünftigen Abschluss zu machen! Wir müssen jetzt dringend Nachhilfe einschalten“
Sondern: „Tja, die 4 in Mathe ist jetzt nicht so super. Aber ich weiß, dass du ein guter logischer Denker bist und bin sicher, dass du mit der Zeit auch besser punkten kannst. Lass uns mal in der nächsten Zeit, ob du etwas Hilfe brauchst – muss ja nicht für immer sein.“

Nicht: „Du reagierst immer so wirsch, ich frage mich, ob du irgendwann ganz ohne Freunde da stehst!“
Sondern: „Das war gerade eben ganz schön wirsch… Kann es sein, dass du jemanden verletzt hast? Wie meinst du, fühlt sich gerade das bei deiner Freundin an?“

Und auch nicht: „So viel wie du am Tablet bist und wie wenig du dich bewegst wirst du irgendwann völlig verfetten!“
Sondern: „Mein Schatz, ich bin sicher, dass das Tablet das Spannendste auf der Welt ist. Aber Bewegung brauchst du ja auch! Ich möchte für die nächste Woche einen Deal mit dir ausprobieren: Für jede Stunde am Tablet möchte ich sehen, dass du eine Stunde Bewegung bekommst. Und Schulsport zählt nicht.“ – oder ähnlich.

Gleichzeitig brauchen Kinder hinaus auch noch weitere gute Glaubenssätze!

Und zwar welche, die nichts mit den Problemthemen zu tun haben, sondern ihren Wertschätzung vermitteln – natürlich nicht pauschal reingeworfen, sondern in Situationen, die sich gut anbieten:

„Du bist ein schlaues Köpfchen!“

„Mir gefällt es, wie du an Dingen rangehst!“

„So schnell lumpt man dich nicht, oder?“

„Ich finde deine Neugier klasse!“

„Super Gedanke! Mach weiter!“

„Du hast ein gutes Gefühl für Menschen!“

„Ich mag deine Ehrlichkeit!“

„Toll, wie du auf die Bedürfnisse anderer Menschen achtest.“

„Dein Gefühl für Gerechtigkeit ist wunderbar.“

„Toll mutig bist du!“

„Du hast Recht.“

„Deine Art zu sein macht mir Freude.“

Bestimmt fällt auch auch noch mehr ein, oder?

Auch hier ist es wichtig: Das soll kein dahin geworfener Lob sein. Und auch keine Zukunftsprophezeihung. Denn auch ein „Aus dir wird was Großes werden“ kann ganz schön Druck aufbauen. Und natürlich, wie mit allem, muss sich die Sache individuell richtig und gut anfühlen. Ein Elterteil, das von Charakter her eher verhalten und grübelnd ist, kann ja auch nicht plötzlich Highfives verteilen…

Was am besten tut ist im Moment ausgesprochene Wertschätzung und Anerkennung.

Und natürlich, wie immer: Liebe und Kuscheleinheiten.

Versteht ihr das?

Liebe Grüße,

Béa

 

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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