1. Mai für Kinder erklärt – Tag der Arbeit


Manche Kinder sind einfach froh, heute einen Feiertag zu haben… stellen keine Fragen und spielen einfach. Andere haben euch schon Löcher in den Bauch gefragt und ihr habt vielleicht schon nach „1. Mai für Kinder erklärt“ gesucht.

Was feiern wir heute eigentlich? Und warum müssen wir am Tag der Arbeit eigentlich nicht arbeiten? Wir haben einige Antworten, bei uns „Wissenschnipsel“ genannt, gesammelt.

1. Mai für Kinder erklärt

Der 1. Mai war nicht immer der Tag der Arbeit. Den Feiertag, oder besser Gedenktag, gibt es erst seit 1886. Das Ganze ging damals los in den USA. Zu dem Zeitpunkt mussten nicht nur dort, sondern auch in Europa Arbeiter vor allem in den Fabriken unter extrem harten Bedingungen arbeiten. Sie wurden ausgebeutet: Die Arbeitszeiten waren länger als 10 Stunden, manchmal auch 12, und die Löhne reichten gerade, um zu überleben. Selbst Kinder mussten arbeiten, um die Familie über Wasser zu halten. Sicherheitsvorkehrungen gab es nicht, in den Fabriken war es laut, schmutzig und es kam oft zu gefährlichen Unfällen.

Und dann gab es auch keine Krankenversicherungen oder eine Rente. Sprich: Wer krank oder verletzt war, musste dennoch weiter arbeiten. Wenn er nicht mehr konnte, bekam er auch kein Geld mehr. Eine „Lohnfortzahlung“ gab es nicht. Wenn Einzelne versuchten, etwas zu erreichen, wurden sie schlicht gefeuert – und bekamen als „Querulanten“ auch schwer eine neue Arbeitsstelle. Es mussten sich mehr Menschen zusammen tun…

Am 1. Mai 1886 gingen über 340.000 Arbeiter auf die Straßen in den großen Industrieregionen in den USA

Vielleicht war die Mentalität in den USA von mehr Mut geprägt – schließlich waren die Menschen dort meistens die Nachkommen von Übersiedlern. Anfang 1886 rief die nordamerikanische Arbeiterbewegung zum Generalstreik am 1. Mai auf. Die Arbeiter weigerten sich zu arbeiten und gingen auf die Straßen der großen Städte. Der größte Streik fand in Chicago statt, die Geschichtsbücher  schreiben, dass sich da rund 90.000 Menschen versammelten.

Die wichtigste Forderung war der Achtstundentag, dazu verlangten sie bessere Arbeitsbedingungen und mehr Lohn für ihre Arbeit. Natürlich passte das den großen Industriellen nicht, die zum Teil mit den Politikern vernetzt waren. Die Polizei ging brutal gegen die Demonstranten vor, es starben viele der Arbeiter. Und leider gab es daraufhin auch keine Verbesserungen.

Aber es gab ein wachsendes Bewusstsein für das Thema Arbeitsbedingungen.
Auch in Europa ging es los mit Protesten.

1889 fand ein internationaler Arbeiterkongress in Paris statt, und dort legten die Teilnehmer den 1. Mai 1890 als Tag fest, an dem alle Arbeiter auf der Welt streiken sollten – als Erinnerung an den Protest vom 1. Mai 1886 in den USA.

Als der 1. Mai 1890 kam, gab es auch in Deutschland Demonstrationen. Und das trotz der Drohung der Arbeitgeber, dass sie gefeuert werden und auf eine „Schwarze Liste“ kommen würden – damit auch kein anderer Arbeitgeber sie einstellt. Viele ließen sich trotzdem nicht einschüchtern…

Langsam, aber sicher verbesserten sich die Arbeitsbedingungen in Deutschland und auch weltweit.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde in Deutschland zur Zeit der Weimarer Republik die reguläre Arbeitszeit auf acht Stunden am Tag reduziert. Und 1919 wurde auch der 1. Mai offiziell zum Feiertag erklärt. Und eigentlich ist es, wenn wir darüber nachdenken, kein „Tag der Arbeit“ – sondern ein Gedenktag an die Opfer der damaligen Kämpfe und ein Tag für bessere Arbeitsbedingungen insgesamt.

Übrigens, laut Wikipedia ist die amtliche Bezeichnung in Deutschland durch Gesetze der einzelnen Länder geregelt. „In Nordrhein-Westfalen wird der erste Mai staatlicherseits als Tag des Friedens und der Völkerversöhnung bzw. Tag des Bekenntnisses zu Freiheit und Frieden, sozialer Gerechtigkeit, Völkerversöhnung und Menschenwürde begangen.“. Aber auch kirchlich wird der Tag anerkannt: „In Reaktion auf die vielfach sozialistisch ausgerichtete Arbeiterbewegung des 19. Jahrhunderts wurde der 1. Mai von Papst Pius XII. (Amtszeit von 1939 bis 1958) im Jahr 1955 zum Gedenktag Josef des Arbeiters erklärt.“

Haben wir den 1. Mai für Kinder gut erklärt? Was würdet ihr noch ergänzen?

Liebe Grüße,

Béa

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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