Sonnenplatz an Wolke 17 – Brief an meine Ma


Ermuntert von euch, nachdem ich euch von dem Brief meiner Mutter hier erzählt habe und der allgemeinen Stimmung an Muttertag… ist hier ein Brief an meine geliebte Ma, die seit ich 15 Jahre alt war die folgende Adresse hat:

Mabea
Wolke 17
280884 Blauhimmel

Übrigens, da wir früher Muttertag nicht gefeiert haben, kommt dieser Brief auch an einem x-beliebigen Tag.

Meine geliebte süße Ma,

ich nehme an, das du dich nicht wunderst, dass dieser Brief an dich auf Deutsch ist, wo „unsere Sprache“ eigentlich Rumänisch war. Deutsch ist inzwischen die Sprache, in der ich mich am besten ausdrücken kann…

… und eigentlich ist es egal, in welcher Sprache ich an dich formuliere.

Ich gehe davon aus, dass du von deinem Platz auf Wolke 17, die fluffigste Wolke des Himmels, sowieso alles siehst, alles verstehst und alles gut findest. Weil ich das so von dir gewohnt bin, als du noch hier unten auf der Erde gelebt hast.

Sogar wenn ich aus Flaschen trinke, was ich als Kind nie durfte, fühle ich mich, als würdest du milde lächeln. Du wolltest damals nicht, dass ich aus Flaschen trinke, weil es nicht „ladylike“ genug war – in deinen Worten, du warst ein Kind der 30er und 40er Jahre – …

Nun ja. Ich habe dir so oft mit Flaschen nach oben zur Wolke zugeprostet, seit du mir das nicht mehr verbieten kannst, dass du dich bestimmt daran gewöhnt hast. Ich habe stets dein amüsiertes Lächeln gespürt. Ja, wie als Kind schon, sehe ich in jeder Situation etwas Gutes. Und weiß, dass du auch darüber schmunzelst:

Du bist gestorben, und das ist sooo traurig und ich vermisse dich ganz schlimm – aber immerhin kann ich jetzt ungestört aus Flaschen trinken.
Noroc*!

(*Das ist „Prosit“ auf Rumänisch – und heißt wörtlich Glück.)

Wo ich jetzt ins Schreiben gekommen bin, merke ich, dass es mir gar kein Bedürfnis ist, dir Bericht zu erstatten, was so in meinem Leben los ist. Mir geht es so, wie kleinen Kindern in der Kita oder Grundschule: Ich spüre dich bei mir.  Genau deswegen erzählen die Minis nicht, was sie erlebt haben. Wenn sie sich geliebt fühlen, spüren sie, dass ihre Mama bei ihnen ist, auch wenn sie nicht da ist.

So geht es mir auch in diesem großen Kindergarten des Lebens… du bist bei mir.
Bist du, oder?

Danken möchte ich dir! Dass sich das Leben wie ein ganz großer Kindergarten für mich anfühlt, für dieses unendlich schöne Gefühl, dass du immer bei mir bist, möchte ich dir jeden Tag danken. Du hast mich in meiner Kindheit mit so viel Liebe versorgt, dass es fürs ganze Leben reicht. Daraus schöpfe ich genug Zuversicht, Mut und Spaß, um durch alle Situationen des Lebens zu manövrieren. Auch wenn es mal hart wird.

Danke, meine Ma, dass du mich gewollt und geliebt hast. Ich bin so gern im Leben!

Und es war nicht so einfach, das überhaupt zu erreichen… Danke, dass du nicht aufgegeben hast und mich trotz allem bekommen hast. Ja, ich kämpfe noch mit Lungenproblemen, aber jeder Atemzug ist ein Geschenk. Dein Geschenk.

Ich bin sicher, du siehst von oben, dass du eine wunderbare Enkeltochter hast. Sie hat viel von dir! Und das ist wunderschön für mich: Ich sehe, wie du weiterlebst. In meinem Kind. Sie ist Architektin, genau wie du… Ich bin sicher, du freust dich jeden Tag über sie und wie sie ihr Leben meistert.

Ich glaube, sie hat eine klasse Meinung von dir. Jepp, habe ich ihr gern vermittelt. Weißt du, ich konnte eine Menge bei ihr so machen wie du bei mir. Du warst in Sachen Erziehung und Beziehung sehr fortschrittlich. Deine Grundsätze sind erst jetzt, gut 40-50 Jahre später, so richtig in!

Unendlich viele Küsse, Umarmungen und Liebkosungen,

deine Béa

P.S.

Ich soll dich von vielen meiner LeserInnen bitten, ihren Mamas zu grüßen…

Der Mama von Stefanie Wienert sage bitte, dass sie fantastische Enkel hat.

Die Mutter von Iris Römer ist schon seit 20 Jahren da oben… Sie sagt: „Ich denke an alle Töchter die ihre Mütter zu früh haben gehen lassen müssen. ❤️“

Ina Hellbusch hat ihre Mama verloren, als diese genau so alt war wie du, als du dich zur Wolke aufgemacht hast: „Sie starb vor 20 Jahren im Alter von nur 52 Jahren nach einer Lungentransplantation. Sie war eine tolle Mutter, immer stark und engagiert! Ich denke so oft an dich, Mama!“ sagt ihre Tochter.

Andrea Kaminski findet deinen Brief an mich sooo schön… Ich besitze nur wenige persönliche Zeilen von meiner Mutter, sie sind mein größter Schatz! Für meinen Sohn hab ich ein kleines Buch angefangen! Fangt an zu schreiben, was schöneres können wir unseren Kindern nicht schenken für die Zeit „danach“!

Gela Gustel schreibt: „Die Tränen solltest du dir aufheben für Filme und Bücher – im Leben musst du stark sein.“ – das war ja dein Satz in dem Brief an mich. Sie meint: „Dieser Satz hätte auch von meiner Mutter kommen können. Ich war zwar schon über 50 und sie 88, als sie starb, aber es gibt Tage, an denen es noch sehr weh tut.“

Auch die Mamas von Michaela Binger sollst du grüßen, und die Stefanie Hermann, die vor 11 Jahren dem Krebs erlegen ist…  😪 ♥️ „Sie fehlt so sehr. Es ist, als wenn es gerade erst passiert ist…“ – schreibt sie.

An Nicole Kikaninchen’s Mama bitte ausrichten: „Mama ich vermisse dich 😢!“

Auch die Mamas von Sa Sa, GeLI, Ani Pe, und Melanie Schäfer bitte grüßen. 

Maike Giewald bittet dich, ihren Opa ausfindig zu machen: „Nicht an meine Mutter die hab ich zum Glück noch…aber vielleicht kann sie meinem Opa einen Gruß senden 😪😪😪“

Vielleicht könnt ihr eine Mütter-Party da oben auf der Wolke machen?

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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