Was tun, wenn Jugendliche entgleiten? 5 Tipps aus der Community


Das Zeitalter der Pubertät ist sowohl für das heranwaschende Kind, als auch für die Eltern eine große Herausforderung.  Die Veränderung des Körpers, die Hormone und die Stimmungsschwankungen – all das verursacht eine enormen Druck. Wir haben 5 Tipps für euch festgehalten, um zu verhindern, dass Jugendliche dabei entgleiten.

Eine Leserin hatte es sehr schwer mit ihrem ältesten Stiefsohn, welcher seine Mutter schon mit 2 Jahren verlor. 

„Es wäre für mich wichtig zu verstehen, warum Kinder einem entgleiten.

Ich habe einen Stiefsohn. Seine Mutti verstarb, als er 2 Jahre alt war, was schon schlimm genug ist. Wir bekommen ihn nicht mehr unter Kontrolle. Er lebt mittlerweile in einer Einrichtung, wo ihm geholfen werden soll. Aber er blockt alles ab. Er haut ab, geht klauen, betrinkt sich bis zum bitteren Ende, lügt und beklaut sogar uns – auch Opa und Oma. Wenn er von der Polizei aufgegriffen wird, bespuckt er sie und beleidigt sie unter der Gürtellinie.

Wir kommen nicht mehr an ihn ran. Er steht mit 15 Jahren schon mit einem Bein im Knast. Wir haben alles versucht- alles wird geblockt.

Gibt es Mamas, die genauso kämpfen?

Und bevor gefragt wird: Wir haben etliche Psychologen hinter uns und auch das Jugendamt versucht zu helfen. Es wurde gesagt, er hätte ADAS. Daher wurde er mit Ritalin vollgestopft. Das haben wir gebremst – weil wir der Meinung sind, dass es eine falsche Diagnose ist. Aber wir kommen leider nicht mehr mit ihm klar. So wie er sich mittlerweile verhält, müssen wir seine kleinen Brüder vor ihm schützen sie sind 6 und 3.“

Wir haben euch dazu aufgefordert, hier im Blog zu kommentieren, oder bei FB gleich eure Erfahrungen zum Thema „wenn Jugendliche entgleiten“ zu teilen.

Und hier sind 5 Tipps aus der Community, um zu verhindern, dass Jugendliche entgleiten:

1. Seid immer da

Egal, wie schwer die Phase auch sein mag, egal, wie oft ihr zurückgewiesen werdet – bleibt am Ball. Ihr wisst es besser. Ihr seid die Eltern. Ihr müsst da sein.

Irmtraut Saldic

Ich habe in meinen Kindern ganz viel Liebe und Verständnis entegengebracht, aber als Stiefmutter ist das wirklich kein leichter Job. Sei da, wenn er dich braucht. Auch wenn er in einer Einrichtung wohnt.

Jenna Begemann 

Egal wie schlimm es ist ist, es wichtig zu zeigen das man da ist, wenn er kommt. Das wird er früher oder später zu schätzen wissen. Ihm fehlt es an Disziplin und er testet seine Grenzen bis ins äußerste. ,Warum? Das wird wohl keiner erklären können.

2. Zeigt viel Vertrauen

Kati Schnoor

Er hat mit zwei Jahren seine Mutter verloren. Das klingt nach einem Bindungstrauma – gerade in der Pubertät kann so ein Verlust arg weh tun und durcheinander bringen. Für dich als Stiefmutter ist es natürlich doppelt so schwer damit umzugehen. Ich denke, dass es wichtig ist, ihm Vertrauen entgegen zu bringen. Das klingt erst zunächstl vollkommen absurd. Aber dieses Trauma, der Verlust, mag schon mal eine Kettenreaktion auslösen – er probiert sich aus, grenzt sich ab, so wie jeder andere Jugendliche auch – haut dabei nur schwer über die Stränge, weil die Gefühle, die er bewältigen muss, ja auch eine andere Nummer sind.

3. Er muss seinen Frust rauslassen

Jenna Begemann

Vllt gibt es die Möglichkeit für ihn eine Art von Sport zu betreiben z.B. Boxen? Mit einem intensiv Trainer der sich mit Problemkindern auskennt und ihnen respektvoll überlegen ist. Sollte er ads/adhs haben, ist das auch eine gute Möglichkeit, Druck abzubauen. Da spreche ich aus Erfahrung. Bei den Jungs im jugendlichen Alter kommt es meist gut an, weil es ja cool ist. Vor allem muss er da Kraft aufwenden und sich konzentrieren. Damit erfährt er eine andere Form der Wertschätzung und wenn ihm da was nicht passt, darf er drauf hauen.

4. Reden, reden, reden!

Melanie von Hof

So schwierig es klingt: jedes Verhalten hat einen guten Grund. Von außen ist das vielleicht nicht vnachvollziehbar. Daher lautet mein Rat, die Dinge zu verbalisieren.

5. Tun wir das Richtige, wenn wir nichts tun?

Linda Sobieski

Ich glaube, man kann keinem helfen, der sich nicht helfen lassen will. Manche müssen das auf die ganz harte Tour lernen. Auch wenn man sich das für kein Kind/Jugendlichen wünscht! Mehr als Hilfe anbieten kann man nicht.

Zum Schluss noch zwei persönliche Erfahrungen, die wir anonym erhalten haben und unbedingt mit euch teilen wollen, weil sie von ehemaligen „wilden“ Teenagern stammen:

Seht sie nicht als „Problemkinder“.

Hier schreibe ich jetzt aus der Perspektive der Jugendlichen, die ich selbst einst war und darüber, was ich mir gewünscht hätte. Ich komme aus einem Haus, in dem es viel Verwahrlosung, Missbrauch und Gewalt gab. Ich selbst hätte mir damals jede Hilfe und Unterstützung gewünscht, weiß aber auch, dass es Menschen gibt, die diese in dieser Phase des Lebens tatsächlich ablehnen. Wenn dieser junge Mensch aber nur als „Problemkind“ angesehen wird, wird er sich nie aus der Rolle befreien können. Mit 15 Jahren sucht er nach seinem Weg. Und das ist auch gut so. Auch, wenn man von außen so viele Gefahren und auch die Folgen sieht. Jeder Mensch darf und sollte auch seine Erfahrungen machen dürfen. So furchtbar das von außen auch sein mag. Es ist sein Weg, sein Leben und seine Zukunft.

Ich kann natürlich, ohne den Fall zu kennen, wenig Tipps geben, weil ich nicht einschätzen kann, was bisher schon alles unternommen wurde und wo der junge Mann da jetzt auch steht. Deshalb habe ich mich jetzt komplett auf Euer „Gefühlskorsett“ konzentriert, was ja auch Dein Wunsch gewesen ist. Zeigt ihm Perspektiven auf! Das hilft immer. Spielt er Musik?. Ok, dann in den musischen Bereich fördern. Computer? Japanische Kampfkunst? Graffiti? Astrophysik? Es wird etwas geben, wofür er brennt. Das wird ihm auch später, Depressionen melden sich gern einige Jahre später noch einmal, viel, viel Kraft geben.

Lasst sie von ehemaligen ehemaligen entgleitenden Jugelndlichen lernen.

 Ich hatte einen alkoholkranken Vater. Was das heißt, wusste ich in meiner Jugend nicht. Während meines Hernwachsens zur Frau von (12-15 Jahren), war meine Mutter  bereits in der Trennungsphase.  Verlassen, unverstanden, ungeliebt, ungewollt. So fühlte ich mich.  Ich suchte trost im Alkohol (bei meinem Vater klappte es doch auch), ich log, und fand meine Wirkung bei jungen Männern heraus. Ich fühlte mich zu den Älteren hingezogen. Einige haben meine Verletzbarkeit  sehr ausgenutzt. Ich versuchtet in verschiedenen Gruppen Freunde zu finden. Leider waren einige noch schlimmer drann. Es gab da eine Clique die viel mit Drogen zu tun hatte. Viel mit der Polizei und Gewalt.

Ich schaffte es aber dennoch. Mir haben Menschen getroffen, die viel mehr Mist erlebt hatten  dennoch nicht so kaputt waren. Diese anderen Menschen konnten uns  „Stopp! – bis hierhin gehst du und nicht weiter.“ sagen, weil wir sie respektierten! Wir kannten ihre Geschichten und sahen wo sie jetzt waren. Sie betrachteten uns nicht als „Problem“ sondern sahen sie an uns und machten uns stark in dem sie nach jedem gemeinsamen weinen sagten „es muss so passieren. Es macht dich stark. Du sollst das erleben und daraus etwas gutes machen.“

Und das waren 5 Tipps aus der Community, um zu verhindern, dass Jugendliche entgleiten!

Wichtig ist zu wissen, dass jede pubertäre Entwicklung sich anders auswirkt. Die Erziehung und die Kindheit können, aber müssen nicht ausschlaggebend dafür sein. Also Mamas und Papas, bitte macht euch nicht zu viele Vorwürfe. Und denkt daran, dass das Ganze mit Sicherheit nicht für immer so sein wird. Mit viel Liebe und Geduld könnt ihr sie vielleicht wieder auf die richtige Schiene lenken.

Liebe Grüße,
Béa und Mounia

Ihr habt auch eine starke Geschichte oder eine wichtige Frage? Wir bringen sie gern!
Schickt uns am besten eine PN über den Messenger: https://m.me/tollabea 

(übrigens, dann fragt euch das Ding, ob ihr News von uns erhalten wollt… Ein „Ja, geht klar, würde uns freuen!)

(Titelbild „wenn Jugendliche entgleiten“: Photo by Warren Wong on Unsplash )

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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2 Kommentare

Nadine
Antworten 7. März 2018

Interessanter Beitrag.

Oft sprühen Jugendliche Graffiti an die Wände. Dies sieht nicht immer gut aus. Um diese zu entfernen, benötigt man Sandstrahlen.

LG
Nadine

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