Wie bereite ich ein ganz junges Kind auf die Kinderkrippe vor?


Bei Facebook bekamen wir eine Frage von einer Leserin zum Thema Vorbereitung auf Kinderkrippe: „Mein Kind muss im Oktober in die Kinderkrippe da ich wieder arbeiten gehe. Sie ist dann 19 Monate und ich würde sie gerne darauf ein bisschen vorbereiten. Kannst du ein paar gute Bücher für so junge Kinder zur Eingewöhnung empfehlen? Oder hast du Ideen wie ich sie sonst noch darauf vorbereiten kann?“

Und so lautet unsere Antwort dazu (Béa hat angefangen und Yvonne hatte daraufhin auch ganz viele gute Ideen!)… aber vorneweg haben wir noch was ganz Neues für euch! Ein Podcast mit Ralli und Béa dazu:

Kinderbetreuung – Einführung in die Kita

Herzlich willkommen bei Ralilly einem Podcast zum Thema Familie und Bildung in Zusammenarbeit mit Tollabea! In diesem Podcast tauschen sich Ralli und Bea über ihre Erfahrungen der Eingewöhnungszeit ihrer Kinder im Kindergarten nach der Elternzeit aus. Welche Komplikationen und Freuden es dabei gibt, hört ihr hier.

Liebe Mama vom Bald-Krippenkind,

ganz ehrlich, für das Alter würde ich nicht Bücher empfehlen. Ich finde folgendes sehr wichtig:

1. Was du ausstrahlst zu dem Thema

Wenn du in dir ganz sicher bist, dass es richtig ist, dass das Kind in eine Krippe geht und darauf vertraust, dass es in guten Händen ist und dass genau das die gute Lösung für euch ist – dann läuft sowieso alles glatt! Kinder sind Intuitionswesen, sie spüren, was du spürst. Wenn du spürst: „Es ist gut so. Wir schaffen das.“ –  überträgt es sich meistens auf das Kind.

2. Wie du auf andere Menschen zugehst

Kinder lernen durch Beispiele. Wenn dein Kind merkt, wie du selbst auf andere zugehst, mit Interesse, Freundlichkeit, Neugier… wird es selbst auch so werden. Dein Kind wird auf andere Kinder in der Krippe auch meistens so zugehen. Wenn du selbst ein eher introvertierter Mensch bist – spiele auf keinen Fall Theater, das funktioniert nicht! Dann rechne, dass auch dein Kind eher etwas länger braucht, bis es mit anderen Kindern warm wird.

3. Ganz viel Liebe und Sicherheit geben

Herzen, Kuscheln, Liebhaben – all das gibt deinem Kind das Selbstbewusstsein, dass es geliebt wird. Wenn dein Kind in dieser Hinsicht gut versorgt ist, hat es sozusagen die „Liebes-Batterien“ aufgefüllt und kann daraus Vertrauen schöpfen.

4. Ein gutes altes Spiel spielen: Verstecken und wieder auftauchen

Spiele ganz oft Verstecken mit dem Kind, und tauche schnell und zuverlässig wieder auf. Das verfestigt den Glauben: Wenn Mama weg ist, taucht sie schnell wieder auf.

5. Mit anderen Menschen auch mal allein lassen

Kinder, die mit Papa, Oma, oder auch dem Babysitter schon Erfahrungen haben, kommen auch mit der Krippensituation besser klar. Und sie wissen, dass Mama entspannt wieder zurück kommt.

So… da war ich (Béa) mit meinen Tipps schon fertig. Aber meine liebe Blogpartnerin Yvonne hat als 3fache Mutter noch mehr Tipps:

5. Bekanntes Kuscheltier oder Kuscheltuch mitgeben

Etabliere einfach Dinge, die immer mitgehen – sie geben Sicherheit und Vertrautheit, vor allem durch Geruch. Hier ist es schlau, nicht ein einziges Kuscheltier oder Tuch zu haben – idealerweise sind es mehrere, dann entsteht kein so großes Drama, wenn eines verloren geht.

Oder es gibt wirklich das allerallerliebste Kuscheltier, nun dann hilft nur noch eine zweite Version zu kaufen!

6. Sachen zum Wechseln oder für Mistwetter und Hausschuhe sollten dem Kind bekannt sein

Folgendes ist ratsam: Diese Dinge einfach die Tage vor Kitastart präsent in der Wohnung zum Spielen benutzen, dann kennt der kleine Wurm die Dinge und dann ist noch was Vertrautes in der Krippe.

7. Ausreichend Zeit einplanen

Es gibt Kitas, die eine sanfte Eingewöhnung von bis zu 6 Wochen planen. Das sollte für die Planung der Elternzeit einbezogen werden. Bei einigen Kindern – z.B. bei meiner Großen klappte es total unkompliziert – sie hat am zweiten Tag schon Mittagschlaf in der Kita gemacht. Das ist aber von Kind zu Kind völlig verschieden! Wichtig ist, eine angemessene Ruhe auszustrahlen und nicht mit einer Deadline der Eingewöhnung Stress zu produzieren.

8. Den neuen Lebensabschnitt des Kindes zulassen

Sicher ist es schwierig, sein kleines Baby jetzt „fremd betreut“ zu wissen (Béa mag die Formulierung gar nicht!), aber die Damen und Herren in den Kitas sind in den meisten Fällen sehr gut ausgebildet und bringen das nötige Fingerspitzengefühl für die Belange der Minis mit. Lass Dein Kind entdecken und Neues erleben – wenn es einen sicheren Rückzugsort braucht, sind die Erzieher, das Kuscheltier oder dann auch gleich wieder Mami oder Papi da!

9. A propos Papi

Wenn es irgendwie einzurichten geht, wäre es durchaus ratsam, wenn nicht die allerliebste Knuddelhauptperson die Kitaeingewöhnung macht, sondern vielleicht der Papi. Wobei die Lieblingsperson ja immer variiert. Väter sind etwas emotionsloser, nicht so „in das Kind rein schauend“ – sehen das ganze Thema Kitaeingewöhnung nicht so emotional wie die Mütter. Meine Erfahrung hat gezeigt, dass die Eingewöhnungen vom unserem Papi weitaus unspektakulärer abgelaufen sind. Das soll auf keinen Fall bedeuten, dass Papis keine Antennen für die Belange der Minis haben – nur sehen sie das meist rationaler.

Anmerkung Béa: Dass Väter unemotionaler sind, ist Yvonnes Erfahrung und Beobachtung. Um keine Klichées zu zementieren, muss ich gegenhalten: Mein Mann Oliver und ich haben zwar kein Kind zusammen, aber ich wäre sicher, dass wenn wir eines hätten, er definitiv in dieser Sache der Emotionalere von uns beiden wäre. Also, Korrektur an dieser Stelle:

Überlegt euch, wer von euch beiden, also Vater und Mutter, eher nicht so emotional ist in Sache Trennung. Und wenn es möglich ist, richtet die Eingewöhnungszeit auf diese Bezugsperson ein. Egal ob Mann, Frau oder/und Trans. Alles klar? 

So, wir hoffen beide, geholfen zu haben und wünschen eine gute Krippenzeit!

Wenn andere LeserInnen noch Tipps haben, freuen wir uns über zusätzliche Tipps in den Kommentaren…

Liebe Grüße,

Yvonne und Béa

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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4 Kommentare

Katrin
Antworten 14. Juli 2016

Als Leiterin einer Kita rate ich "meinen" Eltern gern noch:
- Ein Abschiedsritual einzuführen
- wenn Tschüß gesagt wurde auch zu gehen - ein noch mal und noch mal verabschieden verunsichert die kinser oft
- nicht noch ewig in der Tür stehen, wenn das Kind schon "übergeben" wurde
- Austausch mit der Erieherin eher beim Abholen - wichtige Infos die für den Tag nötig sind vielleicht schriftlich mit geben
- feste Bringe- und Abholzeiten, auch wenn man vielleicht mal eher könnte - so dass Kind weiß/lernt, dass es immer abgeholt wird, wenn z.b. das essen vorbei ist oder ähnliche feste Punkte im Tagesablauf

Das alles gilt für allem für die Zeit, wenn die Eltern schon nicht mehr mit dabei sind,das Kind innerlich aber noch nicht angekommen ist.
Weinen ist übrigens erlaubt - für Kinder und Mamas/Papas, ist ja ein Zeichen fur die Bindung zwischen Kind und Mama /Papa.
Wir rufen die Mamas auch manchmal an wenn der Abschied mal sehr schmerzhaft wär und sich das Kind aber nachdem die Mutter weg ist langsam beruhigt hat und vielleicht spielt - hilft der Mama auch. Sie muss sich ja auch langsam an Zeiten ohne ihr Baby gewöhnen.
Liebe Grüße und viel Geduld

    beabeste
    Antworten 15. Juli 2016

    Vielen lieben Dank für den sehr wertvollen Input! Liebe Grüße, Béa und Yvonne

Christina
Antworten 29. Juni 2019

Letztens gehört/gesehen und total schön gefunden: Mama und Tochter haben sich viel über die schöne neue Zeit im Kindergarten unterhalten und dann haben sich beide morgens vor der Kita ein Herzchen auf die Hand gemalt, damit sie trotzdem immer verbunden bleiben (auch, wenn sie eine zeitlang an zwei verschiedenen Orten sind).

    Kerstin
    Antworten 29. August 2019

    Das machen wir auch :-) Die Idee kam von meiner Tochter, und ich finde es total süß.

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