Was hilft, wenn Kinder in der Öffentlichkeit verloren gehen? Tipps aus der Community und von Yvonne


Es ist ein allbekanntes Klischee: Man schaut nur kurz weg oder lässt die Hand des Kindes los – schon ist es aus den Augen und nicht mehr zu finden. Und auch, wenn das Kind meist nicht allzu weit weg ist und schon bald wieder auftaucht, bricht natürlich berechtigte Panik bei den Eltern aus.

Im Auftrag einer Leserin haben wir euch nach Tipps und Ratschlägen gefragt, wie man in einer solchen Situation am besten vorgehen und welche Maßnahmen man eventuell schon von vornherein treffen sollte.

Im unteren Teil zeigt euch Yvonne ein paar Beispiele, wie sie mit der Gang auf Reisen geht.

Hier sind erst einmal die Stimmen der Community:

Kinder auf eine Notsituation vorbereiten:

Stephanie Lövenich macht uns auf einen sehr wichtigen Hinweis aufmerksam: „Ich arbeite bei Ikea, daher sind vermisste Kinder für uns beinahe ein Tagesgeschäft. Ich sehe aber einen deutlichen Unterschied zwischen Kindern, die auf einen solchen Fall vorbereitets sind und ganz selbstbewusst auf uns zukommen, ihren Namen nennen und warten; und Jene, die völlig aufgelöst umherrennen, weil sie mit der Situation überfordert sind. Daher bitte unbedingt auf eine solche Situation vorbereiten.“

Sowohl für das Kind, als auch für das Elternteil ist es dann einfacher, wenn im Notfall Beide wissen, wie sie reagieren.

Doch wie funktionierteine solch eine Vorbereitung?

1. Nummer der Eltern aufschreiben

Klar gibt es viele Kinder, die vielleicht schon in ganz jungen Jahren bereits die Telefonnummer und den Straßennamen auswendig können. Und für Kinder mit einem Handy ist es sowieso leichter. Aber für die anderen muss dann eine Alternative her. Oder sie vergessen einfach die genaue Nummer in aller Panik!

Eine überraschend hohe Anzahl von Eltern machen es ähnlich wie Yvonne, indem sie die Handynummern auf die Arme der Kinder aufschreiben. Diese können sich dann im Notfall an eine seriöse Person, wie einem Verkäufer oder Polizisten wenden, und die Eltern dann anrufen.

Sabine P. da Silva hat einen weiteren Tipp, der weitaus unauffälliger ist: „Ich schreibe die Nummer am Unterschenkel und ziehe dann das Hosenbein darüber.“ In dem Fall kann man die Hose in einer Notsituation einfach hochziehen und damit dann die Eltern kontaktieren.

Und falls die Farbe am Arm oder Bein mit einem Kugelschreiber oder Filzstift zu ungesund scheint, kommt hier eine andere Idee von Juliane Maria Wolf: „Ich schreibe Namen und Nummer mit wasserfestem Kajal auf den Arm und sprühe ein bisschen Haarspray darüber. Schmiert auch nicht!“ Sprühpflaster soll hier auch gut funktionieren.

2.  Das Familienpasswort oder auch Safeword genannt, dass nur die Kinder und Eltern kennen

Das geheime Safeword in der Familie lässt sich durchaus auch in einer solchen Situation anwenden. So der Tipp von Katharina Pommerien: „Man könnte mit dem Kind eine Art Safeword vereinbaren, das jemand, den das Elternteil vllt. zum Abholen oder Aufsammeln schicken könnte, zwingend sagen muss, damit das Kind vertrauen fassen kann. Wenn derjenige das Wort kennt, weiß das Kind, dass es von einem Elternteil geschickt wurde.“ Wir haben darüber auch schon ausführlich geschrieben. Aber Wiederholung tut ja bekanntlich gut.

3. Sicherheitsarmbänder

Es gibt SOS Notfallarmbänder, die das Kind nicht allein öffnen kann, weil man damit zwei Hände braucht. Dort kann man Namen und eine Telefonnummer aufschreiben. Sie sind wasserdicht und haben sich wirklich bewährt. Ein Zettel ist ja doch schnell zu verlieren“, so der Tipp von Daniela Stock.

Hier sind einige Beispiele für Sicherheitsarmbänder, die aufgrund ihrer kindgerechten Motive auch gerne zu tragen sind:

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4. Treffpunkt vereinbaren

Egal ob auf einem Rummel, im Schwimmbad oder im Einkaufszentrum – wenn es voll wird, verliert man schnell den Überblick. Margarita Schmid rät daher: „Damals gab es kein Handy, aber meine Eltern haben bei größeren Menschenansammlungen immer mit uns einen Treffpunkt vereinbart, den wir uns selbst aussuchen konnten.“

Das kann zum Beispiel ein großer Baum am Ende der Straße sein, ein bestimmter Stand, den es nur ein Mal gibt, oder aber die Kasse im Erdgeschoss. Für kleine Kinder ist es sicherlich auch von Vorteil, wenn sie sich irgendwo hinstellen, wo sie größer wirken und besser zu sehen sind.

5. Tipps von der Polizei

„In einer meiner Praktikumskitas war neulich die Polizei da. Diese sagten den Kindern, dass bei einem solchen Fall die Kinder in einen Laden gehen und jemanden von dort anzusprechen sollten. Am besten wäre es außerdem, wenn die Kinder neben ihrem Nachnamen auch ihre Adresse wüssten.“, so Ursula Maeckle.

6. Nützliche Bücher

„Wir haben ein Buch, dass sich mit dem Thema befasst: ‚Ich geh doch nicht verloren‘ von Dagmar Geisle. Es ist äußerst empfehlenswert“, rät Mirjam Burgardt.

Dieses Buch wurde außerdem von vielen weiteren der Community empfohlenn. Danny Szigat erklärt euch, was ihr dort findet. „ Im hinteren Teil des Buches sind 6 Punkte für Kinder aufgezählt, wie man sich verhält, wenn man verloren geht. 1. Ich bleibe, wo ich bin. Mama und Papa suchen nach mir. 2. Ich bitte jemanden, Mama oder Papa anzurufen. 4. Zum Anrufen gehe ich mit niemandem mit… Da die Geschichte auf diese 6. Punkte aufbaut , sind sie auch leicht zu merken.“

Aber wie vermeiden wir solche Situationen überhaupt?

Viele Eltern übertreiben lieber, bevor etwas schlimmes passiert und machen den Kindern ein bisschen Feuer unterm Hintern:

„Ich gebe zu, dass ich den Kindern auch  ein bisschen Angst mache. Das ist mir echt zu riskant, dass sie womöglich mit einem Fremden gehen.“, merkt Ursula MG ehrlich an

„Ich mache meinen auch etwas Furcht“, kommt es von Lina Anselm. „Das ist auch wichtig! Sie müssen wissen, dass viele schlimme Dinge passieren können.“

Oft wird Angst machen negativ konnotiert, aber manchmal ist es tatsächlich besser, wenn das Kind sich den Gefahren bewusst wird. Man kann schließlich versuchen, das Ganze auf einer gesunden Ebene beizubehalten, ohne, dass das Kind nun völlig in Angst lebt.

Bei mir waren meine Eltern immer sicherer,wenn ich nicht alleine unterwegs war. Mit meiner Schwester an der Hand und zwei, drei weiteren Freunden, waren wir als Gruppe ohnehin leichter zu finden. „Am Liebsten ist mir ein großer Trupp Kinder“, so auch von Ursula MG.

Nun noch zu den Kommentaren, die es ablehnen, ein Sicherheitsarmband oder ähnliches zu verwenden, weil Kinder nicht verschwinden, wenn man sie nicht aus den Augen lässt.

Die Meinungen teilen sich stark, wenn es darum geht, Kinder im Blick zu haben. Und sicherlich gibt es die Sorte von denen, die die Hand von Mama und Papa gar nicht loslassen können. Tatsache ist jedoch, das man es manchmal gar nicht richtig verhindern kann. Da kann es ganz schnell gehen, dass man als Kind mal verschwindet, selbst wenn man es genau beobachtet – bei der nächsten großen Welle  einer Menschenmenge ist das Kind auf einmal nicht mehr neben einem und der Herzschlag setzt für einen Moment aus.

In meinem Nebenjob mit Kindern passiert es nicht selten, dass ein Kind plötzlich weg ist und die Familie in völliger Aufruhr ist. Zugegeben sehe ich es meistens, wenn die Kleinen einen Augenblick alleine gelassen werden und dann nicht mehr am festgelegten Ort sind. Es passiert auch häufig, dass man bei einer großen Schar an Kindern den Überblick verliert. Und außerdem ist es gelegentlich vorgekommen, dass das Kind verwechselt wurde, weil es die identische Kleidung trug.

Aber mit einer Durchsage wird das Kind manchmal durchs Mikro gerufen und wenn alle Menschen mithelfen, „den Timmy mit der roten Cappy und dem gelben Spongebob Shirt“ zu suchen, dann ist er auch schnell wieder gefunden.

Mein Tipp wäre daher, ein auffälliges Kleidungsstück anzubringen, damit man das Kind besser suchen und schneller finden kann. Das kann ein besonderer Zopf, eine lustige Kopfbedeckung oder auffällige Kleidung sein. Zumindest, wenn man sich in einer großen Menschenmenge finden will.

Wenn ich damals verloren gegangen bin, wurde mir gesagt, mich nicht von der Stelle zu rühren, bis ich gefunden werde. Wenn der Menschenstrom abbebt, ist es ohnehin leichter, ein einzelnes Kind zu lokaliseren. Und wenn das Elternteil einfach den Weg zurück läuft, müsste man sich schon bald darauf wiederfinden. Funktioniert natürlich nicht in jeder Situation, aber manchmal eben schon.

Und für die Kinder, die schnell in Panik geraten, muss immer und immer wieder Mut zugesprochen werden:

„Wenn was passiert, musst du auf jeden Fall ruhig bleiben.“

„Wir werden uns auf jeden Fall wieder finden, du musst keine Angst haben.“

Wie versprochen, hier nun ein paar Beispiele von Yvonne, wie sie mit der Gang unterwegs ist:

Wenn wir ins Fußballstadion oder in Vergnügungsparks gehen, tragen meine Kinder immer unsere Telefonnummern bei sich. Oft auf dem Arm – aber das mit den Armbändern finde ich so toll, dass ich die gleich bestellt habe! Dann motzt auch kein Mini beim kratzigen Kugelschreiber..

Vergangenen Sommer waren wir in völlig unbekannten Gegenden unterwegs. Meine Kids trugen oft die gleichen Shirts – schön grell, dass wir auf einen Blick sehen konnten: alle Drei sind da.

Und, Viele von uns kennen die Situationen, dass dann irgendwann der Kleinste vom Team nicht mehr an der Hand bleiben möchte. Oder man hat die Hände einfach voll mit Taschen und Koffern. Wir haben frühzeitig Mini ein lustig buntes Rucksäckchen mit bunter Hundeleine gebaut und ihm gesagt, er sei ein Wauwau – das fand er lustig und jemand von uns hatte ihn immer an der Leine.

Das war übrigens nicht das erste Mal, dass ich ein Kind an die „Leine“ genommen habe. Schon der Großen habe ich vor Jahren auf dem Weihnachtsmarkt einen Schal um den Bauch gebunden. Denn auf den Schultern wollte sie nicht sitzen, mit Wagen durch einen Weihnachtsmarkt – das müssen wir niemandem antun.. Sie wollte auch laufen! Und so hatten wie sie immer „auf Zug“ bei uns und sie konnte selbst laufen und die Welt entdecken. Wir hatten aber auch die Sicherheit, dass sie nicht verschwindet.

 

Es kommt immer auf die aktuelle Situation an, welche Tipps zu welchem Zeitpunkt passend sind. So gibt es sicherlich Unterschiede in unser aller Verhalten auf dem örtlichen Spielplatz im Vergleich zum Vergnügungspark, auf dem Flughafen oder einer gänzlich fremden Stadt.. Ja, wir sollten die Kinder immer im Auge behalten, aber ganz schnell kann in der heutigen Zeit etwas Unvorhersehbares geschehen und auch darauf sollten wir die Kinder vorbereiten. Eins ist grundsätzlich immer ganz wichtig, dass die Kinder schnellstmöglich ihren ganzen Namen kennen und im besten Fall auch den der Eltern, die Stadt und die Straße und die Telefonnummer.

 

Wir hoffen, das waren ein paar anregende Ideen für die Zukunft. Wenn ihr noch weitere wichtige Vorschläge habt, könnt ihr das gerne mit einem Kommentar hinzufügen.

 

Liebe Grüße,

Mounia und Yvonne

Mounia Jayawanth
About me

Ich - 23 Jahre alt, Studentin, Kinderanimateurin, begeisterte Hobbyköchin und reise- und abenteuerlustig! Meine absolute Leidenschaft ist das Schreiben und Festhalten von Momenten. Und durch ein Praktikum bin ich nun bei Tollabea gelandet und werde hoffentlich weiterhin viel lernen und den Blog damit erweitern. :)

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4 Kommentare

Anna
Antworten 14. Juli 2017

Vielen Dank für die tollen Tipps! Wir haben bereits ein Notfallarmband, aber das Buch hat neugierig gemacht! Wir leben in der Großstadt und ich stecke hoffentlich nieeee in der Situation, dass ich mein Kind suchen muss. Aber es kann eben jedem passieren, es geht so schnell.

Iris
Antworten 13. September 2017

In Kanadas Großstädten ist es völlig normal, dass ein kleines laufendes Kind "an der Leine" läuft. Meine Eltern hatten eine solches Geschirr auch für mich, aber bereits bei meinen Geschwistern (Anfang der 80er) kamen böse Blicke und Kommentare....

    Yvonne Petzke
    Antworten 13. September 2017

    Ich habe diesen Sommer in England ganz viele Kids mit dem Geschirr herum laufen sehen - ist da völlig normal.. LG, Yvonne

Tanja
Antworten 14. September 2017

wir hatten schon öfter die Situation, in der Bekannte und Freunde gerne meine Kinder mitgenommen hätten (z.B. Sturm auf dem 1,6km langen Fuss-Heimweg - massives RegenWetter o.ä. obwohl sie richtig angezogen sind) -- ich kann doch nicht aller Welt unser "Codewort" sagen. Ich finde das nicht praktikabel. Ich finde es auch viel zu kompliziert, für viele Einzelfälle unterschiedliche Dinge und Regeln einzuführen. Meine Kinder haben immer unsere Handynummern dabei (Schulranzen, Jeans-Hosentasche, Geldbeutel -> was gerade passt). Unsere Anweisung lautet EINFACH und ganz KLAR: ihr geht NIEMALS nie mit irgendjemandem mit, wenn es nicht ausgemacht ist, - nicht mal mit der Patentante oder Mama der Besten Freundin oder wenn überraschend die Oma am Schulhof steht. Alle haben meine HandyNr. für ein Anruf oder Whattsapp oder können sich die Handynummer bei den Kindern abschreiben und in deren Gegenwart mein "Okay" abholen. Alles, was nicht wie abgemacht läuft (da gibt es ja auch andere Dinge) - sollen per Telefon mit uns abgemacht werden. -- -- wir schüren absichtlich und bewusst keine Angst vor Fremden als "Werkzeug", sondern halten die Kinder an, sich an die Regeln zu halten, was Wege und außergewöhnliche Vorkommnisse angeht. - Immer. Da wir das auch in anderen Lebensbereichen so tun, stellt sich überhaupt nicht die Frage, dass sie überhaupt mit irgendjemandem mitgehen würden -- schon gar nicht mit einem Fremden, weil es einfach schon geübte Praxis ist, jedesmal, anzurufen, wenn was nicht so läuft "wie abgemacht". Natürlich haben wir über das Thema "Fremde und Gefahren" öfter gesprochen, - aber wir benutzen keine Angst, um eigene Sicherheit zu produzieren.

Ich war sooo stolz als mein 6-jähriger kurz nach Einführung dieser Idee doch tatsächlich der Besten Freundin, die wir seit 5 Jahren(!) 1-2 mal pro Woche mittags zum Spielen und Kaffeetrinken sehen, einem Regentag gesagt hat: er darf nach nicht mitfahren, weil es regnet, sie müsse erst die Mama anrufen. So Regeltreu war er schon -- und ist es in vielen Klein-Vorfällen bis heute schon mehrfach gewesen....

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