Warum Kinder lügen und wie wir damit am besten umgehen


Die Kinder beim Lügen zu erwischen, ist für die meisten Eltern ärgerlich. Und tut irgendwie weh. Niemand will „einen Lügner“ in der Familie haben… Aber wissen wir, warum Kinder lügen? Es lohnt sich, der Sache nachzugehen.

Bis zu ihrem Schuleintritt gehen Kinder nicht strategisch vor

Kinder unter ca. sieben Jahren verfügen in der Regel nicht über die kognitive Fähigkeit zum „betrügerischen Lügen“. Diese Art des Lügens erfordert, dass das Gehirn so weit entwickelt wird, dass das Kind die Wahrheit erkennt, sich intellektuell eine alternative Realität vorstellt und dann versucht, diese alternative Realität an andere zu verkaufen. Neurobiologen haben erforscht, dass die Gehirnentwicklung bei Kleinkindern dazu einfach nicht so weit ist.

Warum lügen die lieben Kleinen dann?

Zwei Möglichkeiten gibt es, wenn kleine Kinder lügen – manchmal sogar gleichzeitig:

1. Es geht es darum, uns zu gefallen – nicht um uns zu täuschen.

2. Es ist ihnen selbst nicht so klar, wo die Grenze zwischen Realität und Phantasie ist.

Kinder wollen sich verbunden und akzeptiert fühlen, gerade von ihren Eltern. Wenn euer Kind euch also sagt, es habe Zähne geputzt, obwohl es das offensichtlich nicht getan hat, dann…

1. …will es nur, dass wir mit ihm glücklich sind und es loben.

2. …vielleicht hat es im Spiel mit dem Teddybären sogar 5 x die Zähne „geputzt“, nachdem die beiden auch gesunden Holzgemüse „verspeist“ haben.

Also hier kommen eine unschuldige „Pleaser“-Mentalität (sie sind echt nocht klein!) und eine blühende Phantasie zusammen. Man spricht auch von der „magischen Phase“. Dazu haben wir hier einige Stimmen aus der Bloggerszene schon mal gesammelt.

Ältere Kinder lügen aus einer Vielzahl von Gründen…

– Wenn sie sich unfähig fühlen, die Wahrheit zu sagen, aus Angst vor Strafe, oder vor großen Diskussionen.
– Oder auch eine etwas durchdachtere Form der „Pleaser“-Mentalität (s.o) – sie wollen andere nicht enttäuschen.
– Wenn sie versuchen, jemand anderen zu schützen, weil man es ihnen auferlegt hat.
– Sie haben uns auch schon mal beim Lügen beobachtet und sind sicher, dass es OK ist, so etwas zu tun. Oder wie war das mit der Notlüge, als wir Tante Erna abgewimmelt haben und ihr die Einladung abgesagt haben? Wir hatten doch gar keinen Schnupfen, oder?

Hier sind ein paar Tipps aus meiner eigenen Erfahrung für den Umgang mit den Lügen unserer Kinder, egal ob groß oder klein:

Ich bin liebevoll bei der Wahrheit geblieben und habe aber kein großes Ding daraus gemacht: „Schnuckelchen, ich sehe doch, dass deine Zähne nicht geputzt sind. Bitte geh ins Badezimmer und putz dir richtig die Zähne.“

Ich habe es stets gemieden, mein Kind fürs Lügen zu beschämen oder es als Lügnerin zu bezeichnen. Ich meine, will ich, dass „Lügnerin“ Teil ihrer Persönlichkeit ist? Nein!

Ich habe mein Humor behalten und den Phantasie-Part als solches angenommen. Ich habe den Teddy für das wunderbare Zähneputzen gelobt und habe ihn gefragt wie das genau geht… habe mir das zeigen lassen. Noch mal richtig. Vom Teddy. An den Zähnen meines Kindes…

Ich habe ganz genau darauf geachtet, dass mein Kind mir stets vertraut und auch den Unterschied zwischen den guten und den schlechten Geheimnissen kennt. (Schützt übrigens auch vor sexuellen Übergriffen.)

Ich habe Mut und Wahrheit, gerade bei Fehlern, stets belohnt. Kennt ihr die Situation, dass eine Meute von Kindern im Haus ist und man findet eine kaputte Vase? „Ich war es nicht!“ ist die Standard-Antwort in Familien, in denen die Kinder mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass es Ärger geben würde. Und Bestrafungen. Bei mir hat es als erstes ein: „Danke, dass du mir das gesagt hast! Ich helfe dir gern, das wieder in Ordnung zu bringen!“. Ich habe auch das Zugeben einer Lüge als Mut anerkannt: „Ich freue mich, dass du den Mut gefunden hast, mir die Wahrheit zu sagen!“. Ja, es kostet meistens Mühe, sich im Zaume zu halten – aber es ist eine Investition in das Vertrauen des Kindes.

Und ich habe versucht, Notlügen zu vermeiden. Na gut. So weit es ging. Und wenn es nicht anders ging, haben wir genau darüber gesprochen, warum es sein musste… und auch gemeinsam versucht, lieber uns etwas zu überlegen, was gaaaanz nah bei der Wahrheit ist.

Und ihr? Wie geht ihr mit dem Thema Lügen bei Kindern um?
Wisst ihr, warum eure Kinder lügen, wenn sie es tun?

Liebe Grüße,

Béa

P.S. Einen wie immer exzellent recherchierten Artikel zum Thema „Wenn Kinder lügen“ habe ich bei gewunschtestes-wunschkind.de gefunden.

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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