6 tägliche Fragen, die mir in der Corona-Zeit Kraft geben


Mein heutiger Artikel entstand aus den Gedanken zu einem gestrigen Posting auf der Facebook-Fanpage Tollabea  – schreibt unsere Kolumnistin mindfulsun:

Darin bat eine Mutter um mehr öffentliche Wertschätzung für Ihre Sorgen und Belastung in dieser Corona Zeit.

Sie liest, dass Mütter und Väter die arbeiten, mehr Wertschätzung bekommen und wünscht sich Anerkennung für den Spagat als Hausfrau und Mutter.


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Ich möchte nicht auf die Antworten eingehen. Ich möchte meine Gedanken dazu aufschreiben.

Wahrscheinlich wünschen wir uns alle in diesen Zeiten Wertschätzung und Anerkennung dafür, dass wir mehr leisten und dass sich für wohl jeden von uns viel verändert hat.

Dabei ist jeder Mensch unterschiedlich gestartet. Wer vorher gearbeitet hat und jetzt zu Hause arbeitet, hat eine Mehrbelastung. Wer vorher nicht gearbeitet hat und jetzt kommt Homeschooling dazu, finanzielle Sorgen etc.: Das ist auch eine Mehrbelastung.

Fazit: Wir sitzen alle im gleichen Boot.
Für viele von uns ist die Reise schwer, unsicher und belastend.

Was ich für mich gelernt habe, schon vor der Corona Pandemie: Ich vergleiche mich nicht mehr mit anderen Menschen. In einem Buch von Marshall B. Rosenberg – dem Begründer der gewaltfreien Kommunikation – findet sich ein für mich sehr treffendes Zitat mit einem Hinweis auf einen anderen Autor:

“if readers have a sincere desire to make life miserable for themselves,
they might learn to compare themselves to other people.“

Für mich übersetzt:

Wenn ich mir das Leben richtig schwer machen möchte und leiden will,
dann sollte ich lernen, mich mit anderen Menschen zu vergleichen.

Solche Vergleiche sind oft frustrierend.

Wenn ich also lese, wie anderen in den sozialen Medien Wertschätzung ausgesprochen wird und mir eben nicht, weil ich eine Erwerbsminderungsrente beziehe und nicht arbeite, dann bin ich nicht frustriert.
Denn ich vergleiche mich nicht mit anderen und ich gebe mir selbst den Wert. Ich erkenne selbst an, was ich hier täglich leiste, trotz und mit Posttraumatischer Belastungsstörung. Ich bin stolz auf mich und sehe, was ich hier rocke. Wenn ich dann doch mehr Einfühlung brauche, habe ich Menschen in meinem Umfeld mit einem offenen Ohr und kraftvollen Gedanken für mich.

Das Wichtigste ist jedoch nach wie vor:

Ich versuche, mein eigener Kraftquell zu sein und daraus zu schöpfen.

Das ist nicht immer einfach und manchmal vergesse ich das.
Dann führe ich mir das wieder vor Augen. Was mir hier auch hilft, sind solche Inspirationen:

In diesem Artikel stehen 6 Fragen, die sich die Autorin täglich stellt, um ihren Tag zu strukturieren.

Auch ich habe mir Punkte aufgeschrieben, die mir dabei helfen fürsorglich mit mir selbst zu sein. Denn ich hatte die Selbstfürsorge seit der Pandemie wirklich vernachlässigt.


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1. Was kann ich mir heute Gutes tun?

Das ist bei mir die tägliche Meditation, dann mal ein Podcast oder ein neues Rezept suchen. Vielleicht ist es auch eine Stunde mit einem guten Buch oder eine Runde Mittagsschlaf. Mich bewusst am Nachmittag mit einer Tasse Kaffee auf den Balkon setzen und die Natur beobachten. Und manchmal nehme ich mir eine Auszeit und stelle mir vor, wie es wäre jetzt am Meer zu stehen. Jeder Mensch hat andere Kraftquellen.

2. Wie kann ich heute für Bewegung sorgen?

Auch das Laufen und die Bewegung an der frischen Luft habe ich seit der Pandemie drastisch runter gefahren. Und ich merkte das körperlich sehr. Mir fehlte die Bewegung allerdings nicht nur körperlich, sondern auch was sich in der Seele so anstaute, konnte nicht richtig raus. Also: Täglich versuchen die Laufschuhe anzuziehen und wenn es nicht für eine Laufrunde reicht, dann ganz sicher für einen Spaziergang! Am liebsten sehr früh am Morgen, da ist die Stadt noch leer und ich kann das umso mehr genießen.

3. Mit wem möchte ich heute Kontakt haben und habe ich überhaupt die Kraft dafür?

Seit Corona laufen Kontakte ja ausschließlich über Telefon, Facetime, Zoom Meetings, E-Mails etc. Und irgendwann nahm das bei mir überhand und mir viel Kraft und Energie. Hier mal ein Plausch, da mal ein Schwätzchen und viele Menschen in meinem Umfeld mit Sorgen und Nöten.
Jetzt teile ich mir die Kraft ein und überlege, mit wem ich mich wirklich gern an diesem Tag verbinden möchte. Und das dann auch mit Achtsamkeit, Freude und voller Aufmerksamkeit.

4. Welche kleine Achtsamkeitsübung könnte mir heute helfen im Hier und Jetzt zu bleiben?

Heute habe ich mir jedes Mal bewusst gemacht, wenn ich etwas Blaues gesehen habe. Und am Abend versuche ich, mir das alles nochmal ins Gedächtnis zu rufen. Gestern habe ich mir bewusst gemacht, wenn ich den Raum gewechselt habe. An anderen Tagen achte ich darauf, wenn ich mich hinsetze oder aufstehe. Alltägliche Dinge mit ganz viel Bewusstsein angehen.

An dieser Stelle: Ich erwischte mich jetzt schon mehrmals, wie ich tatsächlich an meiner eigenen verschlossenen Zimmertür klopfte, bevor ich den Raum verliess! Pawlowscher Türklopfer.

5. An jedem Abend führe ich mir vor Augen, wofür ich heute dankbar war und worauf ich stolz bin.

Das fühlte sich am Anfang etwas sehr merkwürdig an. Mittlerweile feiere ich für mich selbst, was ich tagsüber geschafft habe und gebe mir selbst die Anerkennung dafür. Die eigene Wertschätzung fühlt sich nährend an. Und die Dankbarkeit hilft mir zu erkennen, was ich habe, trotz Pandemie. Denn wie oft finden sich in meinem Kopf derzeit Gedanken an Verzicht oder was jetzt nicht mehr geht.
Perspektivenwechsel: Dankbarkeit für das, was ich habe und was noch möglich ist.

Der 6. Punkt ist, mich mit der neuen Normalität zu verbinden und anzufreunden.

Dazu schreibe ich in dieser Woche noch einen separaten Artikel.

In dieser Zeit zu versuchen mir selbst der beste Freund zu sein ist mir wichtig – und ich schöpfe daraus viel Kraft.

Natürlich gibt es auch andere Listen: Was möchte ich heute alles erledigen, was steht sonst auf dem Plan. Wie unterstütze ich meine Jungs? Und ich vergesse mich selbst dabei nicht. Meine Selbstfürsorge hat Priorität.

Denn am Ende ist es wie im Flugzeug: Erst mir selbst die Sauerstoffmaske aufsetzen, dann den Kindern. Aus einem leeren Gefäß kann ich nicht schöpfen.

Eure mindfulsun

P.S. Was tut ihr zur Selbstfürsorge? Wie integriert ihr das in den Tag?

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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