Bekommen die unartigen Kinder wirklich keine Geschenke? Oder gar die Rute? Gedanken von mindfulsun


Das Wort „artig“ gehört zu Weihnachten wie… Schlitten zu Schnee! Schoko zu Plätzchen! Marzi zu Pan! Oder? Aber warum machen wir so einen Bohai zum Thema „Artig sein“? Unsere Gastkolumnistin mindfulsun hat sich Gedanken gemacht:

Bekommen die unartigen Kinder wirklich keine Geschenke?

„Lieber, guter Weihnachtsmann,
guck mich nicht so böse an.
Stecke deine Rute ein,
will auch immer artig sein!“

In den letzten Tagen denke ich viel darüber nach: „artig sein in der Weihnachtszeit“.

Beginnt ja meistens schon zum Nikolaus. Jedes Jahr habe ich von meinen Eltern gehört:

„Wenn du nicht artig bist, bekommst du eine Rute im Stiefel!“

Und ich habe das an meine Kinder genauso weitergegeben.

Jetzt allerdings, wo einer meiner Söhne nun schon erwachsen ist, frage ich mich:

„Was ist dieses ‚artig‘ eigentlich?“

Ich habe mich dann als Kind sehr bemüht: Hausaufgaben ohne Aufforderung gemacht, mein Zimmer noch ordentlicher aufgeräumt, meiner Mama noch mehr geholfen. Ich war bemüht, nicht bockig zu sein und jeder Aufforderung zu folgen. Artig und brav eben, so wie ich artig verstand.
Bei meinen Kindern verlief das nach einem ähnlichen Prinzip und es wurde ja auch im Kindergarten oft genug wiederholt: „Wer nicht artig ist, bekommt zum Nikolaus die Rute und vom Weihnachtsmann keine Geschenke!“

Tradition hin, Tradition her, ich frage mich:

Was wäre passiert, wenn ich tatsächlich nicht artig gewesen wäre?
Was hätte ich getan, wenn meine Kinder nicht artig gewesen wären?

Ich hätte trotzdem Geschenke bekommen, so wie meine Kinder auch. Spätestens dann, wenn der Weihnachtsmann fragt: „Warst du denn auch immer artig?“ wird das doch von den meisten Kindern bejaht.
Was würde denn der Weihnachtsmann tun, wenn das Kind sagt: „Nein, ich war nicht artig“? Würde er den Sack mit den Geschenken wieder zum Nordpol schleppen? Na, die traurigen Kinderaugen möchte ich dann auch nicht sehen!

Mein Sohn hat mich dann irgendwann vor Weihnachten gefragt, ob ICH denn auch artig gewesen sei.
Darauf wusste ich dann auch keine Antwort, keine ehrliche zumindest.
Und wer fragt eigentlich den Weihnachtsmann, ob er denn artig war?

Spätestens wenn die Geschenke ausgepackt sind, fragt niemand mehr nach.
Bis zum Osterfest, weil der Osterhase versteckt ja vielleicht auch nur die Eier für brave Kinder.

Nun haben wir alle noch ein paar Tage Zeit, um brav und artig zu sein. Oder auch nicht, die Geschenke bekommen wir ja trotzdem. Zur Not bereite ich einfach einige Fragen an den Weihnachtsmann vor:
„Kannst du mir artig definieren? Denkst du, ich war artig? Bekomme ich einen Teil der Geschenke, wenn ich nur manchmal artig war?“ Und wenn das nicht zieht bleibt immer noch: „Ich muss nicht mehr artig sein, ich bin erwachsen!“

Und dann habe ich sogar gefragt, was für meinen jüngsten Sohn „artig sein“ heißt. Die Antworten kamen wie aus der Pistole geschossen:

Ein artiges Kleinkind…
… schreit nicht rum
… wirft sich nicht bockig auf den Boden
… steckt sich keine Dinge in die Ohren und in die Nase.

Ein artiger Teenager…
… kommt pünktlich nach Hause, es gilt aber ein Plus-Minus von einer Stunde! (Mein Sohn piept wohl!“ – hatte ich letztes Jahr geschrieben – jetzt würde ich schreiben : „Hier werde ich wohl mit meinem Sohn nochmal sprechen!“ – achtsamer eben)
… beleidigt niemanden
… drückt sich nicht vor seinen Pflichten im Haushalt und muss nicht permanent daran erinnert werden.

Ein artiger Erwachsener (in dem Fall seine Mutter)…
… hält sich an Abmachungen
… besorgt die Geschenke für Weihnachten
… isst nicht die Schokolade der Kinder weg
… schimpft nicht soviel mit den Kindern

Na, denn!

„Du musst artig sein für den Weihnachtsmann!“
Umsichtig, achtsam und rücksichtsvoll wäre wohl wichtiger!

Liebe Grüße von

mindfulsun

P.S. von Béa: Zum Thema Weihnachtsmann und die Wahrheit dahinter habe ich hier schon mal gebloggt.

Was bedeutet „artig sein“ für eure Kinder? Könnt ihr sie bitte mal fragen und hier kommentieren?

 Titelbild: Photo by Mike Arney on Unsplash

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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5 Kommentare

Im-chaos-daheim.de
Antworten 8. Dezember 2017

Artig ist kein Wert an sich. Andere Werte sind mir wichtiger. Deswegen verzichte ich auf die Frage "warst du artig?"

Julia Schöneberger
Antworten 8. Dezember 2017

Ihr Lieben,
ich HASSE es, wenn Religion/religiöse Motive benutzt werden, um Menschen Angst zu machen oder sie zu einem erwünschten Verhalten zu zwingen. Bei uns kommt ein befreundeter Priester als Nikolaus, dem mache ich vorher immer sehr ausführlich klar, dass ich keinerlei Ermahnungen hören will. Meine Kinder sollen mit Gott als Freund, Unterstützer und Mutmacher aufwachsen, nicht als überpeniblem Oberlehrer. So ein Mist. Das ist weder neutestamentlich haltbar, noch passt diese Rolle zum Nikolaus (also dem Heiligen, aus dem dann der Kappes entstanden ist). Sorry, ich dampfe gerade ein bißchen aus den Ohren. Das sind Sprüche aus dem 19. Jahrhundert, und wir leben in einer Zeit, in der Gehorsam einen eher unangenehmen Beigeschmack hat, oder? Selbstverständlich sollen sich meine Kinder an Regeln halten, aber sie sollen sie auch verstehen. Und auch mal hinterfragen. Und Mitmenschlichkeit wichtiger finden als Untertanenmentalität.
In diesem Sinne wünsche ich eine aufmüpfige, freudige, revolutionäre Vorweihnachtszeit!
LG, Julia

im-chaos-daheim.de
Antworten 9. Dezember 2018

Ich empfehle das Sams an der Stelle (Das SAMS feiert Weihnachten). Als Weihnachtsmann fragt es: "Warst du immer artig? Und sag bloß nicht 'ja'."
Und das Kind fragt natürlich wieso.
Darauf das Sams: "Weil es gelogen wäre. Außerdem finde ich artige Kinder langweilig" ;-)

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