„Je ländlicher die Gegend ist, desto schwieriger“ – Buchempfehlung „Mütter aus Deutschland“


Ihr Lieben, vielleicht kennt ihr bereits Tanya Neufeldt, die sich als Bloggerin Lucie Marshall und Buchhautorin in den letzten Jahren einen Namen gemacht hat. Ihr  viertes Buch, mit dem Titel „Mütter aus Deutschland“, ist kürzlich erschienen.

Im Buch portraitiert die Autorin in einzelnen Interviews 30 Mütter aus Deutschland, fotografiert von Mujo Kazmi. Mit „Mütter aus Deutschland“ möchte Tanya auf die mütterliche Vielfalt in unserem Land aufzeigen.

Hier bei uns möchte sie uns Anne, eine Mutter aus Deutschland aus ihrem Buch, vorstellen. Tanya hat Ihr den Charakter „Die Selbstverständliche“ gegeben.

Hier gibt es das Interview mit Anna:

„Blut ist dicker als Wasser.“

„Meine Adoption war kein identifikationsgebender Faktor“, sagt Anna, die in Jakarta zur Welt kam und als Säugling adoptiert wurde. „Ich muss sogar sagen, dass mich Asien auch als Reiseland überhaupt nicht interessiert – ich leide an Reiseübelkeit, die Länder sind mir zu heiß, und vom Essen kriege ich Bauchschmerzen.“ Anna kommt als Nesthäkchen in die Familie. Ihre vier Jahre ältere Schwester wurde aus Peru adoptiert, die leibliche Tochter ihrer Eltern ist zwei Jahre älter als sie und sitzt aufgrund einer körperlichen Behinderung im Rollstuhl. „Das hat natürlich die Optik unserer Familie sehr geprägt.“ Als die Kinder noch klein sind, bauen ihre Eltern ein Unternehmen auf. „Ich bin mit einer Mutter aufgewachsen, die zwar mittags da war, als wir noch kleiner waren, die aber immer gearbeitet hat. Daheim zu bleiben für sie nie eine Option.“

Das Mutterbild, das sie selbst lebt, kommt ganz allein aus ihr:

„Die Art von Mutter, die ich jetzt bin, kannte ich vorher gar nicht. Ich mache nicht bewusst das Gegenteil, aber ich kopiere es auch nicht bewusst. Ich bin mehreren Elternblogs gefolgt. Ich habe mich viel mit meinem Partner ausgetauscht. Und viele meiner Ansichten haben sich auch durch meine Partnerschaft geändert. Wir leben unseren Erziehungsstil den Kindern vor: Uns ist ein respektvoller Umgang miteinander ganz wichtig. Bei uns gibt es weder Liebesentzug noch Ausgrenzung, und es wird auch nicht gebrüllt. Unser Stil funktioniert für uns, das heißt aber nicht, dass er für andere funktioniert.“ Die Selbstverständlichkeit, mit der sie sich und ihre Wurzeln empfindet, trifft nicht immer auf Gegenliebe.

„Natürlich bin ich dem Rassismus in Deutschland ausgesetzt.“

„Wenn ich meine Schwester früher im Rollstuhl geschoben habe, dann kriegten wir schon mal ein ‚Hitler hätte euch vergast‘ hinterhergerufen. Es ist nach wie vor so – je ländlicher die Gegend ist, desto schwieriger. In größeren Städten ist er so nicht spürbar.“

Als Anna 20 Jahre alt ist, scheppert es einmal in der Familie.

Sie zieht aus, und es herrscht drei Jahre Funkstille zwischen ihr und ihren Eltern. „Aber schlussendlich ist Blut dicker als Wasser.“ Mittlerweile arbeitet sie mit ihrem Mann im Unternehmen der Eltern. Das ist nicht immer leicht. Auch wenn man annehmen würde, dass man sich im eigenen Familienbetrieb die Elternzeit und Arbeitszeiten selbst einteilen kann, sind unternehmerische Zwänge manchmal größer. „Mein Mann würde gerne mehr Zeit mit den Kindern verbringen. Auch Elternzeit wäre eine Option. Aber das ist mit den Abläufen in so einem kleinen Unternehmen nicht zu koordinieren.“

Annas zweites Kind, ein Junge, hat das Downsyndrom.

„Wir wussten das ganz früh, und es war klar, dass wir ihn kriegen. Ich habe einmal geweint. Aber nicht meinetwegen, sondern wegen der Chancen, die er nicht haben oder die man ihm nicht geben wird. Ich empfinde das nicht als ein Schicksal, das wir zu meistern haben. Natürlich ist meine Familie diverser als die meisten. Durch die Schule, auf die meine Schwester ging, ist mir keine Behinderung fremd.“

Neulich waren sie einmal alle zusammen im Supermarkt. Ihre ältere Schwester saß im Rollstuhl, auf deren Schoß kuschelte sich ihr älterer Sohn, während Anna den Rollstuhl schob und ihr Mann ihren kleineren Sohn mit Downsyndrom auf dem Arm hatte. „Da sind den Leuten fast die Augen aus dem Kopf gefallen. Für meinen älteren Sohn sind Rollstühle aber zum Beispiel nichts Besonderes. Wenn er einen Rollstuhl sieht, dann erinnert ihn das an seine Tante, die er so gerne hat.“

Und jetzt noch ein paar letzte Worte zu Care.com:

Care.com ist Partner für das neue Buch von Tanya d.h. das Onlineportal für Betreuung hat die Erstauflage vorfinanziert, so dass ein Teil der Verkaufserlöse einem gemeinnützigen Zweck zugute kommt: Care Forward, ein Berufsorientierungsprogramm für geflüchtete Frauen. Dieses Programm wurde 2017 von Care.com und International Rescue Committee (IRC) ins Leben gerufen.

Falls euch das Buch interessiert, hier der Amazon Link zu dem Buch „Mütter aus Deutschland“ (affiliate Link)

Zur Transparenz, wie immer: Dieser Blogpost ist nicht gesponsort, aber wir finden dieses Buch sehr empfehlenswert und haben es euch deshalb liebend gern vorgestellt!

Mounia
About me

Ich - 24 Jahre alt, Studentin, Kinderanimateurin, begeisterte Hobbyköchin und abenteuerlustig! Meine absolute Leidenschaft ist das Schreiben und Festhalten von Momenten. Und durch ein Praktikum bin ich nun bei Tollabea gelandet und werde hoffentlich weiterhin viel lernen und den Blog damit erweitern. :)

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