Der Verfall des Menschen ist unaufhaltsam – Demenz – Sommer 2018


Ihr Lieben, viele von euch verfolgen meine persönlichen Texte über das Leben mit meiner dementen Schwiegermutter.

Es fällt mir durch das Aufschreiben etwas leichter, mit der aktuellen Situation umzugehen, denn einen dementen Menschen so nahe alt werden und sich verändern zu sehen, ist wirklich erschreckend.

Niemand kann die Gedanken und Gefühle nachvollziehen, wenn man nicht selbst in derart Situationen war.

Diese Hilflosigkeit, anzusehen, wie sich ein Mensch, der vormals lebensbejahend, lebensfroh, offen, entdeckungsfreudig war, sich innerhalb der vergangenen Monate zu Etwas entwickelt hat, was niemanden, der sie kannte, wiedererkennen lässt, ist erschreckend.

Wir haben nun täglich mit persönlichen Vorhaltungen, Anschwärzungen zu leben. Ja, auch Wahnvorstellungen kommen stetig hinzu. Sie fühlt sich verfolgt von jedem der Betreuer. Sie will, wenn die Familie anruft, mit niemandem sprechen. Sie wirft mir vor, dass ich sie in diese WG gesteckt habe.

Glücklicherweise wissen der Allerbeste und unsere Kinder, dass diese Vorhaltungen nicht der Realität entsprechen. Wir wissen, dass es ihr eigener Wunsch war, wir sie wiederholt gefragt haben, ob sie dorthin möchte, ob sie sich ein Leben dort, in der Demenz-WG vorstellen kann.

Nun sind wir an einem Punkt angelangt, dass wir uns Gedanken machen, ob sie gegebenenfalls stimmungsaufhellende Medikamente verordnet bekommen könnte/ sollte. Bei jüngeren Menschen würden Gesprächs- und Aktionstherapien den vorher gekannten Menschen wieder herstellen. Aber ist das möglich – bei einem Menschen, der 82 Jahre alt ist?

Frau Sonnenschein Béa sagte neulich, dass sie von ihrer Familie verlangen würde – wenn sie einmal vergleichbare Verhaltensänderungen zeigen würde, dass die bitte alles daran setzen sollten, dass sie wieder der altbekannte Sonnenschein wird.

Das ist grundsätzlich eine wunderbare Vorstellung.

Aber meine Schwiegermutter ist medikamentös aktuell sehr gut eingestellt. Sie ist mehr oder weniger gut in ihrem neuen Tagesablauf angekommen. Ihr Radius ist überschaubar.

Also, wie geht es weiter?

Ich weiß es nicht! Wir warten nun erst einmal den nächsten Termin bei der Neurologin ab und werden dann entscheiden.

Nach den Ereignissen und Worten der vergangenen Wochen ist dem Allerbesten und mir mehr denn je klar geworden, dass der Genuss des einzelnen Momentes wichtiger denn je ist. Dass wir uns längst möglich körperlich und geistig fit halten wollen. So in der Theorie. Wir werden sehen!

Umso wichtiger ist es, wachzurütteln, das wir alle mal alt werden. Dass wir alle dann Hilfe in Anspruch nehmen müssen.
Ich sehe bei meiner Schwiegermutter, wie die Pfleger der privaten Einrichtung körperlich und mental zu arbeiten haben. Sie werden nicht wie Krankenhausangestellte nach Tarif bezahlt. Sie haben keine größere Lobby – gegebenenfalls nur einen Gesundheitsminister, der auch zu pflegende Angehörige hat. Ihm ist das Thema bewusst, aber was wird in den nächsten Monaten auch umgesetzt?

Hier muss sich viel tun – ich bin gespannt und ich drücke euch alle!!!

Eure Yvonne

Yvonne Petzke
About me

Berliner Mom of 3 * Sport (Marathon) * Reisen * Natur * Mode * Beauty * * Aktuelles und Persönliches über mich und mein Leben findet ihr auf Instagram unter @yvonne_tollabea

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2 Kommentare

Nadine Klein
Antworten 20. September 2018

Hallo.
Ich selbst zwei Jahre in einer Demenz WG gearbeitet. Und ich kann dir sagen das man keine Angst vor diesen Medis haben muss. Das soll jetzt nicht heißen das ich dafür bin jeden Patienten zu zu pumpen. Aber diese Wahnvorstellungen sind einfach nur schlimm für den Betroffenen. Und leider helfen gegen Wahnvorstellungen nur Medis. Klar muss man das mit einem Arzt besprechen. Aber ich habe sehr oft mit bekommen das die Angehörigen sehr viel Angst haben wenn es um diese Medis geht.
Ich wünsche euch noch viele tolle und liebevolle Momente. Ich habe von den Patienten wahnsinnig viel gelernt und dafür bin ich ihnen sehr dankbar.
Es ist eine scheiß Krankheit, aber gebt nicht auf.
Ganz liebe Grüße
Nadine

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