Seid bitte freundlich. Denn ihr wisst nicht, was im anderen gerade vorgeht…


Wie oft seid ihr schon mal einem oder mehreren Menschen begegnet, deren Verhalten euch negativ berührt hat? Der bei euch Wut, Frust, Traurigkeit oder ein anderes wenig erfreuliches Gefühl erweckt hat? Wie habt ihr reagiert? Was ging euch durch den Kopf?

Ich habe neulich diesen Tweet gelesen und er hat mich tief bewegt:


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Deswegen möchte ich mit einigen sehr konkreten Beispielen, die mir selbst auf Nachfrage oder durch andere Form von Kommunikation bekannt wurden  – also keine Spekulationen – euch ebenso bewegen. Ich wünsche mir mehr Sensibilität für das Thema schaffen zu können. Und Weitblick. Und vielleicht habt ihr auch noch eigene Beispiele über die ich mich in den Kommentaren freuen würde.

Ich wusste nicht, was in anderen gerade vorgeht.

Über die Nachbarin, die mich total anpflaumte, dass ich zu eng an ihrem Wagen geparkt hatte, habe ich bereits gebloggt. Ihre Mutter war vor einigen Tagen gestorben, sie hatte Streit mit einer Freundin, war selbst nicht gesund und ihr Hund war auch noch krank. Das habe ich nur erfahren, weil ich auf ihre Beschimpfungen nur mit einer Frage ruhig und wohlwollend reagiert habe: „Geht es Ihnen gut?“

Es gab auch den Hausmeister, der ein wichtiges Tor über Nacht offen lies… zum wiederholten Male. Und bei dem einige Zeit später eine frühe Form von Alzheimer entdeckt wurde. Und dann organisierte sich eine ganze Schulgemeinschaft so, das sie ihm helfend zur Seite standen.


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Ich erinnere mich an eine Familie, die ihre Erstklässlerin stets zu spät in die Schule morgens brachte – um dann zu erfahren, dass die Mutter unter Depressionen litt und morgens einfach so schwer aus dem Bett kam. Und das das Kind Frühstück für die ganze Familie machte.

Ich erinnere mich an Zwillinge in meiner Schule, die wir als „Oberstreberinnen“ abgestempelt hatten, weil sie immer so verschrocken um sich blickten und in Tränen ausbrachen, wenn sie nicht so gute Noten schrieben. Meine beste Freundin und ich damals wollten eigentlich nicht auf ihren Geburtstag gehe, als sie uns überraschend einluden. Dann gingen wir doch hin. Und erlebten live und in Farbe ihren Vater, der sie völlig alkoholisiert übelst beschimpfte, vor uns allen. Für eine Note. Auf ihrem eigenen Geburstag. Wir realisierten, in welcher Hölle diese Mädchen lebten und organisierten mit der ganzen Klasse, dass wir sie besser integrieren und uns nie wieder über sie lustig machten.

Auch in meiner Hausgemeinschaft gab es vor einigen Jahren einen Fall. Wir regten uns alle auf, dass die Briefe oft in die falschen Briefkästen gesteckt wurden. Wir wollten uns schon bei der Post beschweren, bis wir herausfanden, dass unser Briefbote eine Behinderung hat und dennoch arbeitet. Und dann haben wir uns verständigt, dass wir einfach die falsch zugestellten Briefe uns einfach ohne groß zu murren umstecken und uns nicht weiter ärgern.

Ist euch so etwas auch schon mal vorgekommen, dass ihr nicht wusstet, was im anderen gerade vorgeht?
Oder ging vielleicht in euch was vor, was andere nicht hätten wissen können?

Lasst uns Beispiele sammeln, um ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass es solche Fällen gibt. Gerade in Zeiten, die wir gerade erleben, gibt es viele Verluste, viel Schmerz und Frust unter den Menschen. Vielleicht schaffen wir es mit mehr Verständnis und Güte, mit Hinschauen mit dem Herzen und ein simples Nachfragen, mehr Menschlichkeit walten zu lassen. Und vielleicht bekommen wir dann auch das Gleiche zurück, wenn es uns nicht gutgeht.

Liebe Grüße,

Béa

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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2 Kommentare

Andrea
Antworten 27. Mai 2021

Ich liebe diesen Post von dir, Béa!
Es ist so wichtig und wie du schreibst: Oft kann es ganz andere Gründe haben – die wir auch verstehen, wenn wir sie nur kennen!
Ich erinnere mich an eine Buch-Reihe, „Hanni und Nanni“ von Enid Blyton, die ich als Kind verschlang und später für nicht so tolle Literatur hielt (Kategorie Massenware). Bis mir auffiel, dass in jedem Buch so eine Geschichte vorkam, wie du sie hier beschreibst. Irgendeine neue Klassenkameradin war seltsam, wurde erst abgelehnt, bis herauskam was der Grund dahinter war und ihr die anderen halfen und sie integrierten. Ab da dachte ich, dass diese Bücher doch sehr wertvoll waren – vielleicht nicht unbedingt literarisch wertvoll, aber von der Botschaft her! :-)
Schöner, wichtiger Post, danke!
Liebe Grüße!
Andrea

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