Ein Autismus-Assistenzhund für Marlin – Gastbeitrag und eine große Bitte von Tina


Tina ist schon seit Längerem eine Tollabea Leserin und hat sich mit einer Bitte an uns gewandt. Als Dreifachmama möchte sie ihre Geschichte mit der Community teilen und euch ihren Sohn Marlin vorstellen:

Da war Marlin – unser Sohn, der kleine Bruder und das Enkelchen. Wir bangten und hofften, dass er leben durfte.

Er kämpfte lange und schaffte es. Wir haben großes Glück gehabt und dürfen uns glücklich schätzen, dass er bei uns ist. Sein Platz in unserer Familie ist im Mittelpunkt, denn das Meiste dreht sich um ihn. Unser Sonnenschein mit diesem ehrlichen mitreißenden Lachen, der die Welt trotz aller Hürden, die ihm das Leben in den Weg legt, so voller Neugier und Tatendrang erkundet.

Die ersten drei Jahre nach der Geburt waren eine Aneinanderreihung von Hiobsbotschaften, Diagnosen und Therapien. Zusammengefasst hat Marlin eine Thrombose, nur noch eine funktionierende Niere, und eine Cerebralparese mit Bewegungsstörung (Athetose), die ihm erst mit zwei Jahren das Sitzen und mit vier Jahren das Laufen ermöglichte. Er ist gehörlos und mit Cochlear Implantaten versorgt. Und er ist frühkindlicher Autist.

Unter dem Leitsatz „Kennst du EINEN Autisten, kennst du genau EINEN Autisten“ möchte ich euch erzählen, was das für uns bedeutet.

Marlin hielt anfangs gar keinen Blickkontakt und ließ sich überhaupt nicht dazu bewegen, mit jemand anderem gemeinsam zu interagieren. Ein Kind, das taub ist und zusätzlich keine Menschen anschauen mag, wenn diese ihn anschauen, war schon eine Herausforderung. Die Kommunikation war schwierig, aber im Großen und Ganzen war er ein sehr zufriedenes großes „Baby“, das die Welt mit sich geschehen ließ.

Der Stand heute ist: Marlin ist sechs Jahre alt, noch immer sturzgefährdet, und schafft keine weiten Strecken.

Er hört, kann aber nicht alles verarbeiten, reagiert nicht auf alles, und versteht Sprache nur bedingt.

Er spricht kein einziges Wort. Nicht einmal „Mama“. Sein Wortschatz umfasst zwei Gebärden, deren Bedeutung er sicher kennt, und die er aktiv selbst anwendet (Nein und Bitte). Er ist nach allem, was wir wissen, ein pfiffiges Kerlchen mit guter Intelligenz, kann aber nicht konzentriert bei etwas bleiben, das er lernen „sollte“. Er tut nur das, was er gerade möchte. Er läuft wohin er will, ohne sich abzumelden oder jemanden mitzunehmen.

Er liebt bunte, volle Orte mit vielen Sachen, die es zu entdecken gilt. Hier ist er so ganz atypisch für einen Autisten und stürzt sich ohne Zögern in jedes Abenteuer. Typisch dagegen ist, dass ihn dafür zum Beispiel ein falsch geöffneter Joghurtbecher völlig aus der Fassung bringen kann, und er sich dann nicht anders zu helfen weiß, als zu schreien und sich selbst zu kneifen, zu beißen oder etwas durchs Zimmer zu werfen.

Mit all seinen Fortschritten und Fähigkeiten, über die wir natürlich sehr glücklich sind, wurde es für uns Eltern immer anstrengender.

Ein stehendes oder laufendes Kind kann fallen. Ein gehörloses Kind, bzw. ein mittlerweile zwar durchaus Geräusche wahrnehmendes Kind, das aber kein schnelles Sprachverständnis hat, kann man auf Gefahren kaum aufmerksam machen. Ein autistisches Kind, das die Gefahren nicht kennt und sieht, rennt fröhlich jodelnd in sein Ende, wenn es blöd läuft. Er braucht 24h am Tag Aufsicht.

Eine riesige Hilfe sind uns die beiden großen Geschwister von Marlin, die ihren kleinen Bruder abgöttisch lieben, uns immer wieder unterstützen, sich kümmern und ein Auge auf ihn haben. Wir waren lange zu viert, da der Papa als Soldat nur am Wochenende zu Hause war. Bei all dem, auf das die beiden Großen in den letzten Jahren verzichten mussten, haben sie niemals auch nur ein böses Wort über Marlin verloren. Sie sind für ihn da, bespaßen ihn, kuscheln mit ihm und stecken es weg, wenn er plötzlich nicht mehr mag.

Vor etwa zwei Jahren bin ich das erste Mal über den Begriff „Autismus-Assistenzhund“ gestolpert.

Ich begann, mich mit dem Thema intensiv auseinanderzusetzen. Und ja, es ist möglich, einen Hund so auszubilden, dass er für Marlin und uns im Alltag eine große Hilfe sein kann. Lange stand natürlich die Frage im Raum, ob ein Hund nicht einfach nur eine zusätzliche Aufgabe ist, der man sich widmen muss. Und ja, das ist nicht zu unterschätzen. Ein Hund ist ein Lebewesen und man trägt dafür die Verantwortung. Aber die Vorteile überwiegen bei Weitem.

Nachdem ich viele Erfahrungsberichte über verschiedene Organisationen gelesen hatte, habe ich mich mit dem WZ-Hundezentrum in Verbindung gesetzt, das seit Jahren erfolgreich Hunde und Familien als Team zusammenbringt und betreut. Mir wurden alle Fragen beantwortet und wir entschlossen uns zu einem ersten Treffen. Bei unserem Besuch in Norddeutschland lernten wir das Hundezentrum kennen. Ulrich Zander, der Gründer, schaute, wie wir grundsätzlich auf Hunde reagieren, und vor allem, wie Marlin und die Hunde miteinander interagieren.

Danach stand fest: Ja, wir wollen diesen Weg zusammen gehen.

Ein paar Monate später kam Ulrich mit drei Hunden, die für die Ausbildung für Marlin in Frage kamen, zu uns nach Hause. Es war faszinierend zu sehen, wie eindeutig das Ergebnis ausfiel. Eine weiße Labradorhündin war von Anfang an ganz interessiert bei Marlin und umgekehrt. An keinem anderen Hund zeigte er solches Interesse. Die beiden hatten einfach einen Draht zueinander. So war klar, dass sie unsere Hündin werden sollte.

Seit dem Sommer befindet sich Dorie in der Ausbildung speziell für Marlin.

Dorie wird uns ermöglichen, mit Marlin wieder mehr am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen, Feste zu besuchen, entspannt einkaufen, in den Zoo oder ein Museum zu gehen, oder auch einfach mal ein Restaurant zu besuchen. All das, was für Familien mit einem gesunden 6-Jährigen so selbstverständlich ist.

Bei allem, was Dorie lernen muss, ist es klar, dass die Ausbildung sehr zeitintensiv ist und enorm viel Fachwissen und Sachverstand voraussetzt. Dorie kostet 26.000€. Sie ist jeden Cent dieser Summe wert. Doch für eine Familie allein ist das doch eine Menge Geld, die man nicht mal eben in der Schreibtischschublade liegen hat. Einen Teil haben wir selbst aufbringen können und einen anderen von Freunden und Verwandten beigesteuert bekommen. Aber es reicht noch nicht ganz. Uns fehlen noch rund 12.000€.

Und darum sind wir auf eure Hilfe angewiesen und möchten eine Bitte an euch richten.

Wenn ihr Marlin und Dorie helfen wollt, damit sie bald zusammen leben und ein tolles Team werden können, sind wir von ganzem Herzen dankbar für jede Spende, die ihr erübrigen könnt. Es gibt kein „zu wenig“ für eine Spende. Wenn am Ende viele Leute eine Kleinigkeit geben, können wir zusammen das große Ganze wuppen!

Sollte das für euch in Frage kommen, dann richtet eure Spende gern an das Spendenkonto:

Servicehundzentrum e.V.
Ostsee Sparkasse Rostock
IBAN: DE90 1305 0000 0201 1056 32
BIC: NOLADE21ROS
Verwendungszweck: Assistenzhund für Marlin

Auch eine Spende über Paypal ist möglich, wobei Paypal auch bei Spenden leider Gebühren einbehält. Dabei unbedingt den Verwendungszweck „Assistenzhund für Marlin“ angeben, damit die Spende für ihn zugeordnet werden kann.

hier mit Paypal spenden

Wenn ihr noch Fragen zu Marlin oder seiner Hündin Dorie habt, immer her damit.

Ich danke euch, dass ihr Marlins Geschichte gelesen habt und ich danke Tollabea, dass ich sie schreiben durfte, und wir damit ein kleiner Teil ihres wunderbaren Blogs werden durften!

Liebe Grüße
Tina, Béa und Mounia

Mounia
About me

Ich - 25 Jahre alt, Studentin, Kinderanimateurin, begeisterte Hobbyköchin und abenteuerlustig! Meine absolute Leidenschaft ist das Schreiben und Festhalten von Momenten.

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