Stempel: „Problemkind“ – Die Geschichte eines Integrationskindes – Gastbeitrag


Hier kommt die Geschichte einer Familie, die das Beste für ihr Kind wollte und feststellte, dass alles dazu führte, das Kind als Problemkind abzustempeln. Was für ein Alptraum:

Es begann alles damit, dass unser Sohn mit 3 Jahren einen Integrationsstatus in allen Bereichen erhielt.

Er hatte eine Sprachentwicklunsverzögerung, also erhielt er auch Logopädie ab seinem dritten Lebensjahr. Nach Logopädie, Sprachheilreha und auch Ergotherapie über das Sozialpädagogische Zentrum (SPZ) verblieb noch der I-Status im Bereich Sozial-Emotional (Em-Soz).

Möglich, dass aufgrund seiner Sprachschwierigkeiten auch Fähigkeiten in diesem Bereich darunter gelitten haben. Er ist oft und schnell frustriert und hatte Probleme mit der Kontaktaufnahme bei anderen Kindern. Wenn der Tagesablauf nicht nach seinen Vorstellungen ablief, zog das einen eventuellen Wutanfall nach sich. All das gab sich dann im Laufe der Jahre, therapiebedingt? Entwicklungsbedingt? Wir wissen es nicht.

Eine Diagnose gab es nicht, laut SPZ sollten wir als Eltern gelassener werden.

Schwierig, wenn man in Gesprächen mit der Kita immer wieder feststellt, dass irgendwas nicht glatt läuft. Wir ließen ihn zurückstellen von der Schulpflicht, obwohl er kognitiv sehr wohl in der Lage war die Schule zu meistern, der Kinder- und Jugendgesundheitsdienst (KJGD) hätte von sich aus keine Rückstellung gesehen. Wir wollten ihm aber das eine Kitajahr geben für die Entwicklung seiner sozialen Kompetenzen.

In der Zwischenzeit unterschrieben wir 2015 einen Schulvertrag mit einer Privatschule, im Anmeldebogen wurde dort allerdings auch nicht explizit nach einem Integrationsstatus gefragt. Bei anderen Schulen ist das sehr wohl der Fall.

Bei der Schuleingangsuntersuchung das Jahr später wurden wir gefragt, ob der „I-Status“ (Integrationsstatus) zwei Monate nach dem Kitajahr verlängert werden sollte, wir bejahten, damit wir unserem Kind die bestmögliche Förderung zukommen lassen können, FALLS es denn notwendig werden würden und wir nicht dann erst die bürokratischen Hürden überwinden müssten.

Was sich nun daraus für einen Rattenschwanz entwickelte, war nicht absehbar und ist gleichzeitig unglaublich.

Wir wissen nicht, wie unser Kind sich in der Schule machen würde. Würde er seinen Freiraum brauchen? Würde er frustriert sein? Würde er seine Fähigkeiten aber vielleicht auch nur nutzen um die Anforderungen zu erfüllen, die an ihn gestellt werden? Die Ärztin des KJGD gab eine Empfehlung eines Schulhelfers. Für uns wiederum völlig unklar, was das bedeutete. Wir sandten das Schreiben in Absprache mit einer Lehrerin der Privatschule dorthin und wurden zum Gespräch gebeten. Schlussendlich wurde unser Privatschulvertrag seitens der Schule gekündigt, weil es angeblich keine geeignete Schule wäre.

Sie sahen nur noch die Warnlichter scheinbar aufblinken mit „Problemkind“ oder anderen netten Umschreibungen.

Unser Kind schlägt nicht auf andere Kinder ein oder macht sonstige Dinge, die man sich offenbar unter einem sozial-emotionalen Kind vorstellt. Er braucht einen klaren Rahmen, klare Absprachen, Ansprechpartner, jemanden dem ihm in der ersten Zeit Orientierung geben kann. Jemanden der eventuell die Kontaktaufnahme mit den anderen Kindern unterstützt. Oder vielleicht eben auch nicht? Wir wissen es doch nicht, wie es laufen wird! Keiner weiß das, aber scheinbar möchte auch keiner ihm und uns diese Chance geben. Wir hörten im Gespräch, dass die Schule das nicht leisten kann (und will), die Schule völlig ungeeignet für unseren Sohn wäre etc.

Wie war das noch mit Inklusion? Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz?
Die Schule kannte unseren Sohn nur vom Papier.

Nun gut… es gibt ein Lied das besagt, dass eine neue Tür aufgeht. Zum Glück war die Widerspruchsfrist nicht abgelaufen für das staatliche Anmeldeverfahren (Wunschgrundschule), welches wir zum Glück parallel angeschubst hatten. Dies ist wichtig zu erwähnen, da die Einzugsbereichsschule in keinster Weise eine Option ist.

Am Abend nach dem Gespräch mit der Privatschule schrieb ich direkt den Widerspruch gegen die Ablehnung der Wunschgrundschule und vereinbarte zur Beratung einen Anwaltstermin. Dann setzte ich mich in Kontakt mit dem zuständigen SIBUZ.

So langsam dämmerte es mir, dass wir scheinbar alles falsch gemacht haben, was geht?!

Unser Kind bekam einen dicken fetten Stempel aufgedrückt und keiner wollte sich mit diesem „Problemkind“ abgeben.

Dabei ist er ein freundlicher, zurückhaltender Junge mit ein paar Ticks. Welches Kind hat das nicht?! Oder gibt es nur noch gleichgeschaltete Roboter? Und ja unser Kind ist sehr wohl erzogen und nicht nach dem Prinzip, lass das Kind machen es will.

Er kennt Grenzen, das Wort Nein und hat sogar zwei Geschwister mit denen er auskommen „muss“.

Wir leiteten das Feststellungsverfahren ein, aber bekamen direkt den Hinweis dass bei Em-Soz (wie es gerne benannt wird) kaum Chancen auf einen Schulhelfer bestehen. Aber Moment mal? Die Ärztin vom KJGD empfahl dies doch? Ja… aber sie entscheidet das angeblich nicht und wieder stehen wir sprachlos da und fragen uns was das eigentlich soll? Der Sonderpädagoge der Einzugsbereichschule beobachtete unser Kind und stellt fest, dass er eventuell Autismus habe?!

Unser Sohn wurde schon bereits bis dahin allen möglichen Diagnostiken unterzogen, SPZ, Reha etc. Niemand stellte etwas fest, es gibt keine Diagnose, bis auf die Sprachentwicklungsverzögerung/störung. Eine auditive Wahrnehmungs- und Verarbeitungsstörung ließ ich ebenfalls in der Zwischenzeit ausschließen, kognitiv ist er aber sehr weit und entspricht mit seinen 6 Jahren teilweise in den Bereichen einem 8 oder 9 Jährigen.

Eine Kleinklasse wäre eine Option, aber er kommt aus einer Kitagruppe von mehr als 35 Kindern und soll in eine Klassengröße von 6 Kindern? Außerdem wollen wir ihm dann nicht nochmal einen Wechsel zumuten, weil Veränderungen einfach schwierig sind für ihn. Ist es für uns als Eltern allerdings auch! Wir haben ebenfalls Probleme mit gravierenden Veränderungen.

Warum wird von Kindern immer etwas erwartet, was man als Erwachsener auch verhindern würde?

Auch viele Erwachsene möchten einen geregelten Tagesablauf, sind not amused, falls dieser gestört wird. Viele Erwachsene mögen keine Veränderungen, auch Erwachsene hinterfragen vieles, wenn sie wissen wollen, wie etwas funktioniert oder es verstehen wollen.

Aber unser Kind ist auf einmal „nicht normal“?

Natürlich ist es heftig, wenn er einen Wutanfall bekommt, weil jemand sein Bauwerk zerstört oder er ist traurig, wenn der versprochene Ausflug ausfällt. Er ist inzwischen 6 Jahre alt und er versteht sehr vieles wenn man ihm es einfach erklärt! Und dementsprechend nahmen auch diese „Aussetzer“ ab, indem er einfach entwicklungsbedingt verständiger wurde dazu würde ich sagen, dass auch die Geburt seiner beider Schwestern ihm entwicklungsbedingt einen enormen Schub gegeben haben.

Im Widerspruchsverfahren wurde uns dann der Wunschschulplatz zugesprochen, weil Plätze frei geworden waren.

Wir waren happy! Nun wird alles gut, dachten wir….

Falsch gedacht, das Gespräch in großer Runde, mit Schulleiter, SIBUZ und Integrationserzieherin unseres Sohnes fand statt. Wir fühlten uns zurückversetzt in das Gespräch mit der Privatschule. Motto: Wir können nicht, wollen nicht, nicht geeignete Schule, was sie als Schule erwarten würden und viele Worst Case Szenarien und Angstmacherei in diesem Gespräch. Und immer wieder die Worte „zu große Klassen (33 Kinder)“ „zu wenig Personal“ „politisch so gewollt“ „keine Räume für einen Rückzug“ und die Kleinklasse wäre die bessere Option.

Ich habe sehr wohl Verständnis für alle Seiten, aber es wurde als Elternteil in diesem Gespräch vermittelt, dass sofort die Reißleine (wortwörtlich) gezogen werden würde, wenn das mit unserem Sohn nicht klappen würde, außerdem sei es eine leistungsorientierte Schule.

Ähm soll das bedeuten, dass mein Sohn das Ziel der Schule gefährdet?

Und ja, mein Sohn ist dem Schulleiter nicht bekannt. Auf die Nachfrage hin, ob wir vielleicht darüber sprechen können, was die Schule überhaupt leisten kann und nicht immer darauf rumzureiten was die Schule denn nicht kann, habe ich keine wirkliche Antwort erhalten. Die Schule biete Bildungsangebote an….

Ich stellte in dem Gespräch auch dar, dass ich kein Elternteil wäre, welches das Kind einfach abgeben würde und die Erziehung der Schule überlassen würde, aber auch das brachte nicht wirklich ein Umdenken. Wir arbeiten seit Jahren gut mit der Kita zusammen, um das bestmögliche für unseren Sohn zu tun. Und trotzdem wird in Frage gestellt, dass wir mit der Schule gut zusammen arbeiten würden? Wiederum eine Unterstellung ohne uns weiter zu kennen, allerdings könnte man einem Schulleiter auch Menschenkenntnis unterstellen, sowie anhand der Fakten (Unterlagen, Diagnostiken etc.) feststellen, dass wir keine Eltern sind, denen das alles egal wäre. Alleine, dass wir zu diesen Gesprächen erscheinen, sollten das Gegenteil bedeuten. Es solle keine Schuldzuweisungen geben, weder von der Schule an uns, oder andersherum wenn. Das Gefühl wird einem aber gegeben, denn die Entscheidung gegen die Kleinklasse wird eindeutig negativ ausgelegt.

Ich fragte mich tatsächlich ob ich tatsächlich im Bildungsland Deutschland lebe?!
Was wird mit Kindern gemacht die wesentlich verhaltensauffälliger sind?

Ich mag es mir überhaupt nicht vorstellen… Hat mein Sohn keine Chance verdient und wird vorher direkt abgestempelt? Genau das was wir niemals wollten! Wir haben uns sehr wohl mit den Optionen auseinandergesetzt. Unser Wunsch und es soll vermutlich beim Wunsch bleiben war, dass unser Sohn für die erste Zeit eine Unterstützung im Rahmen eines Schulhelfers erhält, falls er diesen benötigen würde. Danach könnten weitere Schritte überlegt werden sofern weitere Hilfen benötigt werden, allerdings scheitert das ganze angeblich schon bereits an der Finanzierung, da nur begrenzte Mittel und zum anderen gibt es angeblich kein Personal hierfür.

Er hat eigentlich nicht die Voraussetzungen für diesen gewissen §35a aber natürlich könnte jemand wohlwollend das ausstellen, damit Hilfen beantragt werden können. Ich muss meinem Sohn irgendwas andichten, damit er eine Unterstützung erhält, die eigentlich nur als Sicherheitsnetz gedacht ist.

Wir wollten mit offenen Karten spielen, und dachten eigentlich, dass dann jemand sagt: „Kommen Sie, wir probieren es und werden sehen was wir für ihren Sohn tun können. Und Danke, dass Sie uns vorher auf eventuelle Schwierigkeiten vorbereitet haben.“

Doch diese Hoffnung blieb aus und wird uns auch nicht mehr ereilen. Sobald auch eine Kleinigkeit passieren wird, werden vermutlich überzogene Maßnahmen eingeleitet, weil unser Sohn das Kind ist, was am leichtesten loszuwerden ist um die Klasse zu verkleinern. Die Kinder, die seit Jahren auffällig sind, dessen Eltern sich weigern einen Integrationsstatus zu beantragen, oder dann in der Schule auffällig werden, von denen ist dann nicht die Rede.

Wir sind bei weiteren Diagnostiken über den Psychologen, der über die Vermutung Autismus allerdings erstmal Schmunzeln musste. Er schloss das direkt nach einem kurzen Gespräch bereits aus, wird dies aber natürlich nochmal abtesten, genauso wie ADS. Ich vermute, dass wir auch dort keine Diagnose erhalten werden. Ein Erziehungsproblem bestünde allerdings nicht gab uns der Psychologe zu wissen, das war die erste positive Rückmeldung in einer langen Zeit gewesen, die mir persönlich sehr gut getan hat.

Unser Sohn wird in einigen Tagen seine Schule besuchen dürfen, in Rücksprache mit dem dortigen Sonderpädagogen.

Ich bin gespannt und hoffe unser Sohn wird ihm zeigen können welches liebenswerte, wissbegierige und vor allem auf die Schule freuendes Kind er ist!

Liebe Grüße,

von der Mutter eines wunderbaren „Probemkindes“

Habt ihr auch ähnliche Erfahrungen gemacht? Kennt ihr das mit dem Stempel „Problemkind“?

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

DAS KÖNNTE DIR AUCH GEFALLEN

Zeugnisse! Die schönsten, lustigsten und bewegendsten Tweets – UPDATE
19. Jun 2019
Der Moment, in dem ich mich in Kindergekicher verliebte – Dankbarkeit für „meinen Platz“ & Werbung für #einplatzfüralle der Caritas
05. Jun 2019
Wenn Mobbing in echter Körperverletzung auf dem Schulhof ausartet – Frage aus der Community
31. May 2019
Kein Weg zu weit für die richtige Schule – zweite Tochter brauchte ganz andere Schulwahl! Teil 2 des Berichts von Muse Pampel
27. May 2019
Niemals wegen einer Note schimpfen! – eine Bitte von Carola Neumann – Gastbeitrag
27. May 2019
Von „gar keine Schulwahl“ zum „Traum-Internat, eigentlich bezahlbar“ – Erfahrungsbericht einer mutigen Mutter zum Thema Schulwahl
26. May 2019
Ich liebe mein Kind – aber ich mag es nicht! Was hilft? Frage aus der Community
23. May 2019
Lehrerin wirft ihrem Schüler den Schlüssel an den Kopf – wie damit umgehen? Frage aus der Community
21. May 2019
Gedanken von ErzieherInnen und LehrerInnen, die beweisen, dass wir wunderbare Menschen in der Bildung haben
06. May 2019

6 Kommentare

Cat
Antworten 22. Mai 2018

Das mit dem Integrationsstatus, unklarer Diagnose, AVWS Verdacht etc klingt alles so nach meiner Tochter. An allen Schulen die wir uns ansahen wurde aber vermittelt, auch ohne I-Status solle man vor der Einschulung eventuelle Besonderheiten mitteilen, damit sich zum Schulbeginn bereits das Team optimal darauf eingestellt haben kann hier eine bestmögliche Lernsituation zu schaffen. Hoffen sehr es klappt mit unserer Wunschschule..

Anke
Antworten 31. Mai 2018

Unser Sohn, jetzt 9, im Kiga "leicht" auffällig, weil es ihm zu laut, zu viel dort war... dann kleinere Aussetzer, gefolgt von Einsperren durch Personal im Waschraum oder aussperren draussen bei Regen - gefolgt von größeren Aussetzern. Schuluntersuchung soweit ok, Vermerk jedoch "evtl. Begleitung". 1. Schuljahr vollkommen ok, dann Mobbing durch 4.-Klässler, keine Reaktion der Schule. Danach Ablehnung seitens Sohn bei denjenigen, die eigentlich da helfen sollte. Größere Aussetzer, Klassenkonferenz - nie jemanden verletzt.... Umschulung von unserer Seite gewünscht, 6 Wochen Probe, alles gut - alte Schule wollte ihn jedoch nicht abgeben. Er musste zurück, weiter Aussetzer. Nach 2 Jahre erneute Diagnostik, wieder keine Diagnose, nur unklare Wahrnehmungsstörung, auditive Störung ausgeschlossen, Autismus ausgeschlossen. Schulverweigerung, Androhung von seiten Schulamt, ihn in Förderschule umzuschulen, wenn wir nicht mitspielen.Schweren Herzens dazu entschieden, jedoch erst 4 Monate später möglich. Weiter Schulverweigerung + Schulausschluß bis Untersuchung durch Amtsarzt erfolgte, nach Aussetzer, ausgelöst durch Fixierens durch eine Lehrerin. Schulersetzend bis zum Wechsel in eine Gruppe für Schulverweigerer und Angstschüler. Dann Wechsel - Kind mittlerweile recht depressiv und teilnahmslos. Nochmals, diesmal in Klinik getestet - Ergebnis ADHS - jedoch nur als Diagnose, richtiges ADHS ist es nicht, Impulskontrollstörung - Kind braucht jedoch einen Namen. Für Medikamente entschieden, Kind geht es besser, lacht wieder, Schule läuft anfangs, bis neue Zusammenstellung der Klassen (Änderung der Strukturen, neue Lehrer). Jetzt Begleitung beantragt, Schule möchte nicht, weil schon 2 in der Klasse, jedoch nicht für ihn zuständig. Sohn gehört zum Personenkreis 35a. Warten jetzt auf Nachricht Schulamt, ob Begleitung genehmigt oder nicht. Ich habe stark das Gefühl, dass durch den Vermerk bei der Schuleingangsuntersuchung hier ebenfalls der Stempel auf dem Kind war....

Nibu
Antworten 20. Juni 2018

Oh ja, auch wir kennen diesen unsäglichen Rattenschwanz mit Eiertanz. Unser Kind, bekam nachdem er in einer anderen Schule( anderes Bundesland) gemobbt wurde , in der neuen Schule Schwierigkeiten. Ehe , wir uns als Eltern versahen, hatten wir die Auswahl zwischen Wechsel auf eine andere Grundschule mit I Klasse oder einer Förderschule E . Nach etlichen , durchweinten Nächten, entschieden wir uns für die Förderschule ... Er schloss diese 2 Jahr später als Klassenbester ab mit uneingeschränkter Empfehlung für das Gymnsium. Ich stand dem skeptisch gegenüber, aber bei allen Elterngesprächen wurde mir immer wieder vermittelt, das ich ihm Steine in den Weg legen würde, wenn er dies nicht probieren dürfte...Unser Gymnasium vor Ort wollte ihn nicht, das Wunschgymnasium, dieses schauten wir uns gem. an ...hatten dort bei der Anmaldung auch ein pers. Gespräch hätte ihn sofort genommen. Aber das Kind hat noch immer einen I Status, das Schulamt, sagte uns, das Gymnasium dürfte ihn nicht nehmen, da wir nicht in dem Einzugsgebiet wohnen und sie auch nicht ausgerichtet wären auf Kinder mit I Status...Die Zeit lief uns davon, man stellte uns ein Ultimatum, entweder Gesamtschule oder Förderschule. Schweren Herzens entschieden wir uns für die Gesamtschule. Mein Fazit, was da teilweise auf den Rücken der Kinder und Eltern ausgetragen wird, ist eine bodenlose Frechheit! Inklusion ist zwar gesetzlich schon längstens verankert worden, jedoch in den wenigsten Köpfen und herzen angekommen und umgesetzt. Ich wünsche jeder betroffenen Familie von Herzen, eine Bildungslandschaft, in der sich Kinder frei entfalten können...

Claudia Lázár
Antworten 20. Juni 2018

Ich arbeite seit sieben Jahren als Integrationsfachkraft und tatsächlich sind diese Art von Berichte auch Realität. Zur Motivation und zur Klarheit habe ich mir auch mal meine Gedanken dazu gemacht. Gerne sende ich diese auch hin und wieder an Betroffene, an Eltern und andere Pädagogen...

Gedanken zur Integration/Inklusion ... 💭

Als das Stiefkind der Pädagogik begegnet es mir,
gefordert wird vom DU zum WIR.

Gemeinschaft wird künstlich konstruiert,
als Geburtsrecht die Zugehörigkeit deklariert.

Doch der Idealismus stößt sich den Kopf an der Realität.
Selten es in dem Fall um den „zu Integrierenden“ geht.

Integration und Inklusion werden heiß diskutiert,
was alles schief läuft und nicht richtig funktioniert.

Dabei fängt es doch schon mit den Definitionen an,
was man unter beidem wohl verstehen kann?! Beides scheint vermeintlich dasselbe zu meinen,
es geht wohl darum, Menschen zu vereinen.

Die Rahmenbedingungen und Förderungen werden als Allheilmittel dessen gesehen,
es soll hier vor allem um‘s „Dabeisein“ gehen.

Doch sieht man einmal genauer hin, macht allein das „Dabeisein“ auch keinen Sinn.

Gelebte Gemeinschaft findet nur dort tatsächlich statt, wo der einzelne wohlwollende und echte Freundschaften hat.

Eine inklusive Gesellschaft ist das übergeordnete Ziel!
Ein Anliegen, was man mit Integration erreichen will.

Wenn man allein das erstmal alles versteht,
wird einem klar, dass dieser Weg nur gemeinsam geht.

Dabei darf man Gemeinschaften und Allianzen nicht einfach nur konsumieren; und auch nicht zweckgerichtet und ansprüchlich in Gruppen agieren.
Denn so kann man Isolation und Anderssein keinesfalls kompensieren.

Integration beruht also immer auf Gegenseitigkeit!!!
Es ist eine entscheidende Frage, die dabei offen bleibt:

Nämlich zu welchen Investitionen ist auch der „zu Integrierende“ bereit?

Und daran knüpft sich sofort auch die nächste Frage:

Zu welchen Investitionen ist er überhaupt in der Lage?

Und wenn man das dann tatsächlich verinnerlicht hat,
erst dann findet echtes pädagogisches Handeln statt.

Die Bestandsaufnahme hilft,
die Situation jedes einzelnen zu sehen und dann gezielt auf alle Beteiligten einzugehen.

Mit Förderung, Therapie und Training ist das nicht zu erreichen,
sondern diese Ansprüche müssen einem gezielten Beziehungsmanagement weichen.

Gelegenheit zum Schmunzeln, zum Spielen, zum Lieben und Lachen,
das sind die Maßnahmen, die echte Zugehörigkeit entfachen.

Einzelnen helfen, sich engagiert, nach eigenem Vermögen in Gruppen einzubringen,
ihr Herz zu öffnen, sich zu zeigen, zu tanzen, zu singen.

In Vereinigung mit anderen eindrucksvolle Erinnerungen zu kreieren,
nicht, einfach dabei zu sein, um zu funktionieren!

Ein jeder möchte Teil einer erfüllenden Gruppe sein, sich integriert wissen,
niemand ist und bleibt gerne allein.

Das Verstehen, Beantworten und Bearbeiten der zwei genannten Fragen, hilft dabei, den Blick in die richtige Richtung zu wagen.

Mein Fazit und da setzt die eigentliche pädagogische Arbeit an,
wo man dem EINZELNEN realistisch helfen kann,
sich wirklich, wahrhaftig, mit echtem Interesse und Gefühl einzubringen?

Denn dieses Anliegen lässt die Integration auch in der Wirklichkeit gelingen!

    Béa Beste
    Antworten 21. Juni 2018

    Liebe Claudia, herzlichen Dank für diese wunderbar lange und sinnvolle Antwort. Ich würde am liebsten einen neuen beitrag daraus machen. Hättest du vielleicht eine konkrete Geschichte, die das illustriert, was du mit uns geteilt hast? Liebe Grüße, Béa

Jasmin Naumann
Antworten 11. Juli 2019

Bei uns ähnlich. Mein Sohn hat den i status aufgedrückt bekommen, obwohl der Arzt immer gesagt hat, dass alles ok ist. Nun wollte die Kita sogar dies bei unserem jüngsten machen. Als wir du es verweigerten, wurde sogar der Kita Platz für unsere 2 gekündigt 😡.

Einen Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind mit einem Stern (*) markiert.