Mein Assistenzhund Happy schenkt mir Lebensqualität, die mir vor vielen Jahren verloren gegangen ist – Gastbeitrag von Lena


Wir haben vor Jahren hier im Blog schon einmal einem Kind geholfen, zu einem Assistenzhund zu gelangen. Das war mega von euch! Nun hat sich Lena gemeldet und uns einen Gastbeitrag geschenkt, sie möchte aufklären und Hoffnung machen:

In Deutschland werden Assistenzhunde immer bekannter, aber was genau ist ein Assistenzhund?

Um dieses Thema und den Alltag mit psychischen Erkrankungen dreht sich mein Instagram-Account.


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Mir ist es wichtig im Alltag über beide Themen aufzuklären, denn nur durch Inklusion können viele erkrankte einen normalen Alltag erleben!

Mein Name ist Lena, ich bin 22 Jahre alt und im Alltag auf Happy angewiesen.

Happy ist ein 2-jähriger Labrador, der bald am Ende seiner Ausbildung zum Assistenzhund angelangt ist.

Als PTBS (Posttraumatische Belastungsstörung) -Assistenzhund hat Happy (abgesehen davon, dass er mich im Alltag begleitet und somit Sicherheit bietet) viele verschiedene Aufgaben.

Im Alltag leide ich unter einigen psychischen Erkrankungen, die mir auch häufig körperliche Symptome bereiten.

Zu den häufigsten körperlichen Symptomen gehören Koordinationsprobleme und Orientierungsverlust. Da unterstützt er mich, indem er Dinge aufhebt, die mir runtergefallen sind und mir bei Orientierungsproblemen hilft, auf dem richtigen Weg zu bleiben.

Die häufigsten psychischen Symptome sind Panikattacken, steigende Anspannung (hört sich leicht an, fühlt sich unaushaltbar an), Amnesie, Depersonalisation und Flashbacks. Die meisten psychischen Symptome kann Happy durch seine Anwesenheit um einiges abschwächen. Ein leichtes Anstupsen mit der Nase, dann ein Anspringen und wenn ich dann immer noch nicht reagiere, bellt er kurz, um mir zu sagen: „Du bist im hier, ich bin bei dir und zusammen können wir das aushalten.“

Einige Symptome verbinden sich auch, wie zum Beispiel der dissoziative Krampfanfall.

Während eines dissoziativen Krampfanfalls erlebe ich oft Flashbacks von traumatischen Momenten in meiner Vergangenheit. Ich habe das Gefühl eine Situation von damals wieder zu erleben, dabei weiß nicht, dass mir das schon passiert ist, sondern erlebe die gleichen Emotionen, Gedanken und Körperliche Empfindungen wie damals. Körperlich ähnelt es einem epileptischen Anfall und kann damit sehr gefährlich werden.

Happy hat gelernt, mir (wenn möglich) vor so einem Anfall bescheid zu geben, oder mindestens diese Anfälle verkürzen/unterbrechen.

Ich habe dadurch die Möglichkeit mich vorher in Sicherheit zu bringen und damit die Sturzgefahr zu minimieren, oder ich kann dank ihm um einiges angenehmer aus solchen Situationen zurückkommen.

Kurz und knapp:

Happy schenkt mir Lebensqualität, die mir vor vielen Jahren verloren gegangen ist.

Mit Happy kann ich die Wohnung verlassen, ohne die Angst jederzeit allein und ohne Orientierung und Erinnerungen dazustehen.

Ich kann wieder einkaufen gehen, durch die Stadt laufen und regelmäßige ärztliche Kontrollen wahrnehmen.

Ich bin nicht mehr auf Begleitung durch andere Menschen angewiesen und kann mit 22 Jahren anfangen mein Leben eigenständig zu beschreiten.


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Ein Assistenzhund hat besondere Zutrittsrechte, er darf zum Beispiel mit in den Lebensmittelmarkt, zum Arzt und auch in Bereiche (z.B. Restaurants) in denen Hunde eigentlich verboten sind! In Deutschland gibt es noch kein wirkliches „Assistenzhundegesetz“, was das alles rechtlich genehmigt. Assistenzhalter sind daher auf die Kulanz der Marktinhaber o.ä. angewiesen, auch wenn man ein Zutrittsverbot als „Diskriminierung von Behinderten“ zur Anzeige bringen könnte.

Das birgt aber für einige (wie bspw. mich mit der Sozialphobie) größere Probleme, als es das Einkaufen allein schon getan hätte. An einem Gesetz wird mit Hochdruck gearbeitet, denn das Thema ist sehr wichtig!

Neben dem PTBS- Assistenzhund gibt es auch noch andere, wie zum Beispiel den Diabetes-Warnhund, den Epilepsie-Warnhund, den Mobilitäts-Assistenzhund, den Autismus-Assistenzhund und den Anaphylaxie-Assistenzhund. Diese Hunde geben Menschen wieder einen eigenständigen Alltag und Unmengen an Lebensqualität!

Mein Ziel ist es, dass der Assistenzhund in den Hilfsmittelkatalog aufgenommen wird.

Er würde damit den gleichen Stand wie ein Rollstuhl bekommen und endlich würde die Krankenkasse sich finanziell beteiligen. Die Finanzierung von mindestens 7.000€ müssen zukünftige Assistenzhundehalter nämlich selbst zusammenbringen!

Wie verhält man sich einem Assistenzhund gegenüber?

Ein Assistenzhund ist im Alltag sehr gut erkennbar. Er trägt mindestens eine Weste/Geschirr mit der Aufschrift „Assistenzhund“ und mittlerweile kann man auch anderweitig viele Hinweise kaufen (Leinenbanderole usw.).

Solltet Ihr einen Assistenzhund sehen, dann solltet ihr nur eines tun: Lasst ihn in Ruhe!

Der Hund arbeitet und diese Arbeit ist nicht selten „Lebensnotwendig“.

Falls ihr irgendwelche Fragen zum Assistenzhund habt, dann sprecht am besten die Halterin kurz an. Fragt sie aber bitte zuerst, ob es in Ordnung ist, ihr Fragen zu stellen!

Ein Assistenzhund darf nicht gestreichelt werden, nicht angelockt („pspsps“/ Zunge schnalzen) und er sollte auch nicht erschreckt werden.

Ein leichtes Runterbeugen und/oder Ansprechen zählen auch unter Ablenkung, auch wenn das vielen nicht bewusst ist.

Erklärt euern Kindern am besten, bevor ihr mal auf einen Assistenzhund trefft, dass es solche gibt.

Gerade Kinder können gerne mal das Verlangen haben am Schwanz zu ziehen, oder in die Nase fassen zu wollen. Die meisten Assistenzhunde würden sich das gefallen lassen, nichtsdestotrotz muss es absolut nicht sein und lenkt den Hund von seiner Arbeit ab!

Ein Assistenzhund hat (bevor er beginnt eine Weste zu tragen) meist schon früh einen sehr guten Grundgehorsam erlernt. Von einem Assistenzhund geht also keinerlei Gefahr aus. Sollte der Assistenzhund einen Maulkorb tragen, dann bedeutet auch das nicht gleich Gefahr! Viele Assistenzhunde (vor allem in den USA) tragen bei der Arbeit einen Maulkorb. Bei Bahnunternehmen ist es ähnlich wie in manchen Bundesländern Vorschrift und auch bspw. bei der Lufthansa kann dies verlangt werden.

Als Assistenzhundehalter möchte man weder eine Attraktion sein, noch will man gefürchtet werden!

Wir möchten nur alltägliche Dinge erledigen und haben zur Unterstützung einen Vierbeiner an der Seite.
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Vielen Dank, liebe Lena für den wertvollen Beitrag –  dass „Der Hund macht gerade seinen Job!“ kenne ich auch über die Polizeihunde am Flughafen… 

Habt ihr noch Fragen? Haben eure Kinder schon von Assistenzhunden gehört? Habt ihr vielleicht in der Familie einen Assistenzhund und wollt auch vom Leben mit ihm erzählen?

Liebe Grüße,

Béa

P.S. Wenn ihr bei Instagram seid: Folgt bitte dem Account Happy & Lena. Sie setzen sich oft auch dafür ein, dass andere Menschen zu ihrem Assistenzhund gelangen. 

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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