Feier‘ an einem anderen Tag – Silvester, Geburtstage und Anlässe locker angehen


Damals, im ersten Beziehungsjahr mit meinem Mann Oliver hatte ich einen saukomischen Tag. Bis heute bin ich ihm dankbar, dass er nicht das Weite gesucht hat. Denn ich habe mich komplett bescheuert verhalten. Es war der 6 Dezember 2002. Nikolaus. Ich kann mich an wenig Einzelheiten erinnern… aber wir können uns beide an einem Verzweiflungsanfall von mir erinnern.

Ich brach am Abend im Auto in Tränen aus, weil ich kein Nikolaus-Geschenk bekam!!!

Wie bitte? Genau: Ich meine mich zu erinnern, dass ich super liebevoll einen Adventskalender für ihn vorbereitet hatte, ohne, dass ich einen bekam. Und dann, dass er was in seinen Schuhen fand (Süßigkeiten eben, die haben bei ihm einen Halbwertzeit unter einer Stunde!) und ich in meinen nichts. Ich weiß nicht, wie ich es schaffte, mich an dem Tag reinzusteigern, aber Abends fühlte ich mich so vernachlässigt und ungeliebt, dass ich ihm eine tränenreiche Szene machte. Im Auto, kurz bevor wir zu einer Einladung von Freunden antreten mussten. Was für sein sensibles Wesen den ganzen Abend ruinierte.

Am nächsten Tag wachte ich – zum Glück neben ihm –  auf und dachte:
Wie bescheuert bist du eigentlich, Béa?

Eigentlich wähnte ich mich schon vorher cool bezüglich solcher Tage: Weihnachten mit der kleinen Tochter hatte ich ohne mit der Wimper zu zucken an die Familie meines Ex-Mannes abgegeben und mich kinderlos und mit neuem Partner in die Wärme begeben. Mit nur 9 Jahren hatte ich bereits gerafft, dass keine Geschenke zu meinem Geburtstag genau eine Woche vor Weihnachten in richtig fetten Geschenken zu Weihnachten resultieren. So richtig substanziell… Und verspätete Gratulanten – zu was auch immer –  waren mir immer schon willkommen. Ich meine mich über die verspäteten Geburtstagsgrüßen mehr zu freuen als am richtigen Geburtstag. Da haben wir mehr Zeit zum quatschen, da ruft nicht schon wieder der nächste an…

Und dann WTF? NIKOLAUS??? Hatten mich alle guten Geister verlassen?

Eigentlich schämte ich mich im Nachhinein. Nun habe ich euch schon mal lang und breit erzählt, dass ich von Scham und Peinlichkeitsgefühl nichts halte.  

Jetzt musste eine Grundsatzentscheidung her.

Ich habe beschlossen, dass ich keine Erwartungen mehr an bestimmte Tagen habe.

Ich habe beschlossen, jedem Tag die Chance zu geben, sich so zu entwickeln, wie es sich am besten entwickeln kann.

Ich habe beschlossen, meine Liebsten nicht mit Erwartungsdruck zu belasten. 

Ich lebe so viel entspannter seit dem!

Ich kann mich über Geschenke freuen. Aber ich kann mich noch viel mehr über Menschen freuen, die vorbei kommen. Ich kann mich zu jedem Zeitpunkt über Glückwünsche freuen. Zu früh, zu spät, pünktlich oder sonstwas.

Eigentlich gibt es kein „zu“ für mich. Es gibt ein „gerade richtig“. Und das ist dann, wenn es kommt.

Silvester? Wenn die Nacht toll ist, super. Wenn wir müde sind oder etwas dazwischen kommt, egal: Wir können uns auch drei Stunden früher oder drei Tage später zuprosten.

Weihnachten? Meine Familie liebt es, dann mache ich mit. Geschenke? Wenn welche von mir gewünscht sind, besorge ich alles am 23.12. Reicht ja. Ich selbst brauche keine, freue mich jedoch über sie.

Ich feiere gern ein nachgelagertes Weihnachtsfest mit wem auch immer Mitte Januar. Oder im Juli mit Würstchen und Kartoffelsalat und Kerzen auf dem Dach. Ich feiere gern Hochzeitstag jede Tag. Und à la Alice im Wonderland, Nicht-Geburtstag feiern ist eine feine Sache.

Ich feiere alles, wie es kommt, und leide nicht, wenn es nicht kommt. Und vor allem gräme ich mich nie, nie wieder, dass jemand mir nicht das Passende zu einem bestimmten Tag schenkt.

Trotzdem: Mein Mann hat es erst in diesem Jahr nach 15 Jahren und 1.000 Beteuerungen meinerseits gewagt, kein Nikolausgeschenk für mich zu haben. Ich habe ihm nichts getan und ihm nichts geschenkt. Es war ein Tag wie jeder andere. Er ist sozusagen erst frisch detraumatisiert.

Deswegen, liebe Menschen: Wenn ihr etwas vor euch habt und jemand oder etwas einen Strich durch eure Rechnung (oder Erwartung!) macht… nehmt es locker.

Könnt ihr das? Anlässe locker angehen? Oder müsst ihr noch trainieren?

Liebe Grüße,

Béa

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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2 Kommentare

Doreen
Antworten 29. Dezember 2017

Für die Kinder ist der Advents- und Weihnachtszauber einfach wunderbar und die leuchtenden Augen ?? entschädigen für so vieles, was vorher anstrengend und stressig ist.?✨❤️
Ich selbst habe aber mit jedem Jahr mehr das starke Bedürfnis, vor allem dem Zwang nach Zusammensein mit der Familie (also Eltern, Geschwister und Anhang) an den Weihnachtsfeiertagen zu entfliehen.
Warum nicht einfach ganz entspannt am 27. oder 28. sich treffen?
Der 25. und 26. sind für uns fast die einzige Möglichkeit im Dezember, Zeit „alleine zu viert“ - also Mama, Papa, Kinder - zu verbringen, da mein Mann im Einzelhandel und somit i.d.R. auch an Heiligabend arbeiten muss (dieses Jahr natürlich nicht?).
Aber diese Erwartungshaltung der Familie, leider ist das auch die Haltung meines Mannes, unbedingt während des 25.&26. die Eltern / Schwiegereltern und Geschwister sehen zu müssen (unser großer Sohn hat obendrein am 26. Geburtstag!), setzt mich wahnsinnig unter Druck und lässt mich mehr und mehr genervt in die Weihnachtstage gehen, was unglaublich schade ist, da ich Weihnachten im Grunde sehr liebe ?
Ich würde so gerne nächstes Jahr einfach mal „raus“ über die Feiertage - niemanden sehen, nur wir vier... bisher stoße ich auf Widerstand, aber wir werden sehen. ?

    Béa Beste
    Antworten 29. Dezember 2017

    Danke dir für die Offenheit! Vielleicht kannst du deinen Plan nächstes Jahr umsetzen... Ganz viele liebe Grüße, Béa

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