Feiertage und Essstörung – Wie kann ich meinem Kind helfen?


Die Ostertage waren meistens fröhlich, verspielt, bunt, aber für manche auch unfassbar beängstigend. Feiertage und Essstörungen vertragen sich nicht, und bei Kindern und Jugendlichen, die darunter leiden, ist das besonders schwer. Ich habe deshalb eine Liste an Tipps für euch zusammengefasst, wir ihr als Eltern eurem Kind helfen und es unterstützen könnt.

Essstörungen und Feiertage

Für Menschen mit Essstörungen sind die Feiertage eine erneute Herausforderung, weil das Thema Essen in einen besonderen Fokus rückt. Anders als sonst können sie dem Essen nicht mehr ausweichen – die ganze Familie blickt auf sie. Wenn sie nichts essen, fällt das auf und gilt vor allem auch als unhöflich. Oft weiß nicht die ganze Familie davon. Niemand möchte an den Feiertagen eine Szene machen, aber niemand möchte die Gastgeber:innen verletzen.


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Aber was tun?

Das Kind einfach nicht essen lassen? Oder das Kind viel zu viel essen lassen (Binge Eating)? Bestärkt man damit nicht die Symptome der Essstörung? Ist zu wenig Druck schlimmer als zu viel Druck?

Ich habe mir viele Gedanken darum gemacht, wie man in einer solchen Situation sein Kind unterstützen kann, ohne ihm zu sehr auf die Füße zu treten. Ihr müsst nämlich wissen, dass Jugendliche mit Essstörungen sind wie ein brodelnder Vulkan sind. Einige scheuen sich nicht davor, am Familientisch eine Szene zu machen und ihre Eltern damit emotional zu erpressen. Sie tun das natürlich nicht, weil sie schlechte Menschen sind, sondern weil die Essstörung sie förmlich dazu zwingt.

Aber soweit muss es gar nicht kommen…

Feiertage und Essstörung – Wie kann ich meinem Kind helfen?

1. Redet mit dem Kind

Kommunikation ist das Wichtigste. Geht zu eurem Kind und redet mit ihm.

„Wie fühlst du dich? Was sind deine Gedanken beim Gedanken an Ostern? Wovor genau hast du Angst?“

Bringt in Erfahrung, warum euer Kind diese Panik hat. Auf diese Weise lernt ihr es besser kennen und gebt ihm eine volle Ladung Empathie. Kein Kind will seine Eltern wegstoßen, aber das passiert schnell, wenn man sich unverstanden fühlt.

2. Vermeidet jede Art, dem Kind seine Gefühle abzusprechen

„Ach komm, stell dich nicht so an. Es ist nur ein Stück Kuchen.“ oder „Iss auch das Eigelb, sonst ist das Verschwendung.“

Als diese Sachen solltet ihr NICHT sagen. Egal, wie lächerlich und paradox euch das Essverhalten des Kindes erscheinen mag, behaltet eure Gedanken für euch, denn damit belastet ihr euer Kind und sorgt schlimmstenfalls dafür, dass es sich euch niemals öffnet.

3. Findet einen Kompromiss

„Wie kann ich dir helfen? Du weißt natürlich, dass du wenigstens ein bisschen essen musst. Wollen wir uns irgendwo in der Mitte treffen? Du musst keinen Nachtisch essen, wenn du nicht willst, aber es wäre schon wichtig, wenn du wenigstens mit uns zu Mittag isst.“

Vielleicht mag es anfangs seltsam erscheinen, mit einem kranken Kind zu verhandeln, aber Kompromisse sind besser als dem Kind die Meinung aufzuzwingen. Es wird nämlich nicht auf euch hören. Essstörungen sind heimtückisch und der Druck von außen wirft zusätzliches Holz ins Feuer.


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4. Gebt dem Kind zu verstehen, dass ihr immer auf seiner Seite seid

„Keine Sorge, niemand wird dich auf dein Gewicht ansprechen / dich zum Essen zwingen. Ich werde mit Oma reden und sie bitten, dich nicht zum Essen zu drängen. Und wenn sie es dennoch versucht, werde ich einschreiten.“

Solidarität ist für Erkrankte eins der wichtigsten Dinge. Die Gewissheit, nicht allein zu sein und Unterstützung zu erhalten, ist mehr als man in Worte fassen kann. Und euer Kind wird es euch danken, wenn ihr euch auf seine Seite stellt und nicht auf die der Familie. Vielleicht traut es sich danach, mehr über sich zu erzählen.

5. Redet darüber, dass es hier um mehr als um Essen geht

„Ich werde dich an Ostern unterstützen. Aber bitte verspreche mir, dass wir uns gemeinsam nach Therapieplätzen umsehen. Es würde mir viel bedeuten, wenn du wenigstens zur Probestunde gehen würdest. Dort wird jemand sitzen, der dich noch besser versteht als ich und dir helfen kann.“

Abschließend mein letzter und wichtigster Ratschlag: Redet mit eurem Kind über mentale Gesundheit. Im Wort Essstörung steckt zwar Essen, aber eigentlich hat es nichts damit zu tun. Essstörungen sind psychische Krankheiten und das Essen (oder nicht essen) ist nur ein Ventil für innere Konflikte, zum Beispiel Traumata, einen niedrigen Selbstwert oder ähnliches. Seid verständnisvoll und gebt dem Kind viel Liebe, aber seid auch strikt, was deren mentale (und körperliche) Gesundheit angeht. Mit Essstörungen ist wirklich nicht zu spaßen und der Weg da raus dauert ewig. Je früher dem Kind geholfen wird, desto besser.

Soweit meine Tipps zum Thema Feiertage und Essstörungen bei Kindern. 

Nun ein paar letzte Worte an die „Erwachsenen“: Natürlich sind Essstörungen nichts, dass nur Jugendliche haben können – die meisten Betroffenen sind erwachsen. Nehmt euch diese Ratschläge also auch zu Herzen, lasst euch von eurer Familie einfangen und seid auch bereit, Hilfe anzunehmen. Egal wie alt ihr seid und wie lange ihr die Essstörung mit euch schleppt – auch für euch kann es einen Weg aus dem Teufelskreis geben!

Buchtipp: Is doch endlich mal normal von Bärbel Wardetzki

Abschließend kann ich euch dieses Buch sehr ans Herz legen. Es ist zwar schon recht alt, richtet sich jedoch an Eltern mit essgestörten Kindern und gibt sehr viele hilfreiche Tipps mit!

Ansonsten wünsche ich euch und euren Kids ein paar schöne und erholsame Feiertage, wann immer sie kommen. Ostern ist nun gerade vorbei… aber der Mai bietet schon einiges, oder?

Liebe Grüße
Mounia

Mounia
About me

Ich - 25 Jahre alt, Studentin, Kinderanimateurin, begeisterte Hobbyköchin und abenteuerlustig! Meine absolute Leidenschaft ist das Schreiben und Festhalten von Momenten.

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