Gehört zur Aufklärung, sollten Teenies kennen, auch die Jungs: Sexuell übertragbare Krankheiten aka STD


Bitte seht es mir nach, dass ich diesen Beitrag mit einer Impf-Geschichte anfange. Sie ist nur kurz, und darum geht es nicht hier wirklich. Es war nur einfach mein erster Kontakt mit dem Thema „tödliche Krankheiten, die sich über Körperflüssigkeiten verbreiten“ und das hat sich im meinem kindlichen Gehirn einfach tief verankert.

Also, im Kommunismus wurde in den Schulen meistens an Fließband geimpft: Von Polio bis Tetanus.


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Der Schularzt kam und es wurde zack-zack-zack hintereinander entweder auf Zuckerwürfel geschluckt oder eben am Arm gepikst. Meine Mutter stammt aus einer Familie von Ärzten und Apotheker und war in Sache Piksen schlicht dagegen. Nicht gegen die Impfung an sich, sondern gegen die Impfart: Eine Spritze für alle, nur kurz zwischendrin mit etwas Alkohol abgetupft.
Unvorstellbar? In den 70ern in Rumänien völlig „normal“.

Meine Mutter sorgte dafür, dass ich vor allen anderen geimpft wurde. Von Kinderarzt ihres Vertrauens. Mit einer nur für mich sterilisierten Spritze. Als ich Fragen dazu stellte, erzählte sie mir von Hepatitis. Und wie sich das überträgt.

Und weil das zum Thema passte, erzählte sie mir auch von sexuell übertragbaren Krankheiten.

Nicht vergessend, mir dabei auch zu erzählen, dass Sex etwas wunderbares ist… Wenn das in Sicherheit, Vertrauen und mit dem entsprechenden Schutz passiert.

Jahre später, genauer genommen 1984, gab es sei nicht mehr. Frisch in Deutschland angekommen, zarte 15 Jahre, erlebte ich, wie in der Fußgängerzone in Frankfurt am Main Kondome verteilt wurden. Und über HIV und AIDS aufgeklärt wurde: Ein Virus, das über kurz oder lang tötet.

Auch in der Schule gab es entsprechende Aufklärung. Das Thema Safe Sex war beim „Ersten Mal“ in meinem Freundeskreis so selbstverständlich.

Dann kamen die 90er, der Film „Philadelphia“ und immer breiteres Verständnis des Themas.

An der Tagesordnung war nicht nur beim Sex Kondome überziehen!
Es war: AIDS-Test or nothing.

Machen wir nun einen Zeitsprung zu heute.

Neulich habe ich mich mit mal wieder meiner inzwischen richtig erwachsenen Tochter darüber unterhalten. Mich hat es interessiert:

Wie viel Wissen gibt es bei ihr und ihn ihren Kreisen, junge Männer inklusive, über das Thema sexuell übertragbaren Krankheiten?

Ich werde jetzt einige davon kurz thematisieren, und vielleicht mögt ihr auch weiter forschen:
Was wissen eure Kids darüber?
Gibt’s Unterschiede zwischen den Geschlechtern?

Und vielleicht noch am allerwichtigsten:

Gilt es als normal oder als Tabu darüber zu reden, bevor es zum ersten Geschlechtsverkehr kommt oder nicht?

Denn es hat mich von den Socken gehauen zu erfahren, dass manche über 30jährigen sich nicht trauen, das überhaupt zum Thema zu machen.
Nach dem Motto: „Ich kann ihn nicht bei ersten Mal gleich nach einem Test oder nach Geschlechtskrankheiten fragen… „.
Wie? Bitte? 😳
Aber hey, Béa, atmen.
Mit Scham über Scham ist nichts gewonnen.

Das Ganze braucht Verständnis. Und Ent-Tabuisierung.

Na denn, legen wir eine Runde los. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Übrigens ganz kurz zum Terminus STD: Das heißt Sexually Transmitted Diseases.
Spätestens seit „Sex Education“ auf Netflix ist das unter jüngere Menschen schon etabliert.


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HIV bzw. AIDS:

Das wurde oft und viel in der Schule besprochen, und es gibt ein Basis-Wissen darüber. Allerdings ist das damalige „HIV Test or nothing“ etwas aus der Mode gekommen, die meisten verlassen sich auf Kondome. Dass es inzwischen HIV Selbsttests für Zuhause, sogar online zu kaufen, (affiliate Link) wissen eigentlich die wenigsten. Der Clou dabei: Der letzte fragliche sprich ungeschützte Geschlechtsverkehr sollte mehr als 12 Wochen zurückliegen; wenn man den Test beim Arzt macht sind es nur 6 Wochen.

Hepatitis A und vor allem B:

Das ist eine Leberentzündung, die durch das Virus HBV verursacht wird. Sie ist leicht übertragbar, vor allem beim Sex sowie durch verunreinigte Spritzen und Zubehör. Die Infektion kann chronisch werden, also dauerhaft krank machen und sogar zum Tod führen – vor allem im Zusammenhang mit Alkoholkonsum. Für beide gibt’s Impfungen, das war auch meiner Tochter durch die Impfberatung für einige Fernreisen gut bekannt.

Humane Papilloma Viren – HPV:

Jetzt kommen wir schon mal in die Region, wo Kondome deutlich weniger helfen. Die Übertragung erfolgt durch engen Körper-Kontakt (Haut-Haut-, Schleimhaut-Haut-, Schleimhaut-Schleimhaut-Kontakt) vor allem, aber nicht nur beim Geschlechtsverkehr. Frauen und Männer sind etwa gleich häufig betroffen. Auch unter der Geburt kann HPV von der Mutter auf das Kind übertragen werden. Die Symptome können unangenehm bis echt fies sein (Warzen), das größere Problem ist allerdings der karzinogene Effekt: Bei Frauen kann Gebärmutterhalskrebs daraus entstehen. Und bei allen kann es auch im Hals und Rachen zu bösartigen Tumoren kommen. War bei meiner Erhebung bekannt, weil schon in der Pubertät geimpft. Im Freundeskreis hatte sich ein Fall herumgesprochen, dass es trotzdem zu einer Symptomatik gekommen ist. Es gibt offensichtlich mehrere Stämme. Wie alle Viren mutiert der HPV auch.

Herpes genitalis:

Gut bekannt, unangenehm aber nicht tödlich, es gibt keine Impfung… das war der Wissensstand. Meine Ergänzung, dass im Falle einer Geburt damit Vorsicht gelten sollte, weil das Baby davon ggf. erblinden kann, wurde aufgenommen als wichtiger Punkt.

So, die weitere Liste umfasst:
ChlamydienGonorrhoe, Syphilis

Da bestand auch das Basiswissen, dass sie alle bakteriell sind und auch behandelbar mit Antibiotika. Dass Kondome da auch weitestgehend schützen. Und dass im Zweifelfall und bei unguten Symptomen der Besuch beim Arzt ganz schnell absolviert werden würde.

Mein Punkt, dass es gut wäre, bei jedem neuen Sexualpartner die Regel einzuführen, dass alle Tests neu gemacht werden würden, wurde „under consideration“ genommen. Wohlwollend in Betracht gezogen.

Wie weit ist die Aufklärung auch bei euren älteren Kindern zu diesem Thema Sexuell übertragbare Krankheiten aka STDs?

Wie steht ihr selbst dazu? Wieviel Sicherheit braucht ihr selbst? Und wie sehr ist das alles Tabu im Gespräch?

Liebe Grüße,

Béa

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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2 Kommentare

Monika
Antworten 24. Juli 2021

Ja, das Thema weckt Erinnerungen...Vor gut 20 Jahren, als ich 16 war, hat meine Mutter sich von der Mutter meines Freundes den Impfpass zeigen lassen um zu prüfen ob er gegen Hepatitis A und B geimpft ist... Es war mir soo unfassbar peinlich. Heute sind wir verheiratet, haben zwei Kinder und ich kann mittlerweile nachvollziehen warum meine Mutter das gemacht hat. Trotzdem würde ich meine Kinder später (noch ist das Thema mit 4 Jahren bzw 3 Monaten lange nicht aktuell) lieber beraten, dass sie selbst über Geschlechtskrankheiten sprechen und hoffentlich nicht die Mutter ihrer zukünftigen Partner darauf ansprechen.

    Béa Beste
    Antworten 25. Juli 2021

    Was für eine süße Antwort - und Danke dir, dass du das teilst... <3 Liebe Grüße, Béa

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