Jedes Jahr eine weiße Weihnacht – Wird es nicht langsam Zeit für einen schwarzen Weihnachtsmann?


Hilfe, sie schreibt schon wieder über Toleranz und Diversität! Ja, in der Tat. Und solange ich hoffe, euch mit meinen Worten zum Nachdenken anzureden, höre ich auch noch nicht damit auf. Diesmal geht es um etwas Weihnachtliches, denn ich frage mich, ob es nicht langsam mal Zeit für einen schwarzen Weihnachtsmann wird?

Wie ihr wisst, liegt Weihnachten in der Luft. Die Bäuche sind bereits mit Gebäck gefüllt und die Häuser festlich dekoriert. Auf keinen Fall fehlen darf natürlich der Weihnachtsmann. Obwohl er offiziell erst an Heiligabend durch den Kamin saust, begegnen wir ihm in Zeichentrickfilmen, auf Werbeplakaten und sogar im Kaufhaus, wo Kinder auf seinem Schoß sitzen und ein Bild machen können.

Für den Weihnachtsmann gibt es ganz genaue Vorgaben: Alt, dicklich, mit weißem Bart, rotem Mantel – und natürlich weiß. Anders bekommen wir ihn nicht zu sehen. Aber warum eigentlich nicht?

Bevor ich auf das Wesentliche zu sprechen komme, möchte ich erst erzählen, was mich zu diesem Beitrag inspiriert hat. Als nebenberufliche Kinderanimateurin bastele ich momentan sehr viel weihnachtlichen „Schnickschnack“ mit Kiddies . Ein kleines Mädchen, das gerade dabei war, einen Weihnachtsmann auszumalen, fragte mich Folgendes:

„Hast du auch Hautfarbe?“

Da ich den Buntstift, den sie brauchte, nicht hatte, schlug ich vor, den Weihnachtsmann in einer anderen Farbe zu malen – zum Beispiel in braun! Dieser Vorschlag gefiel ihr allerdings überhaupt nicht, und so malte sie ihn stattdessen kanariengelb an. Ich stutzte ein wenig über ihren Weihnachtsmann, der immer mehr Ähnlichkeit mit Homer Simpson bekam, und fragte mich Folgendes:

Muss der Weihnachtsmann immer weiß sein?

Okay, der Weihnachtsmann basiert auf der Figur des Bischofs Nikolaus aus dem 4. Jahrhundert – dieser ist eine christliche Figur und wird er in einem roten Kostüm dargestellt. Ob dieser wirklich weiß war, weiß man natürlich nicht, allerdings lebte er wohl in dem Gebiet der heutigen Türkei

Den Weihnachtsmann hingegen gab und gibt es nicht (hoffentlich lesen das keine kleinen Kinder)! Seine Figur ist ein Konstrukt des letzten Jahrhunderts, das größtenteils ab 1931 durch Coca Cola in den Trend kam (nicht ausschließlich, wie viele behaupten). Mit dem Christentum hat er wenig gemein. Es hätte also nichts blasphemisches, ihn optisch zu ändern und auf die heutigen Standards anzupassen? Warum nicht mit der Hautfarbe starten?

„Aber ist das alles so schlimm? Muss seine Hautfarbe wirklich geändert werden?“, würden einige sicher fragen.

Ist diese Veränderung wirklich nötig? Ist das nicht eine liebenswerte Tradition? Ist es so schlimm, dass er weiß ist?

Gute Frage. Ich würde mal zurückfragen: Ist die Veränderung nicht nicht nötig? Ist es so schlimm, dass er nicht weiß ist? Nur, weil er die Hautfarbe ändert, bleibt er doch noch immer der gleiche Weihnachtsmann mit seinem Schlitten und den fliegenden Rentieren. Ich sehe also nichts, was dagegensprechen würde, ihn ein paar Hauttöne dunkler zu machen.

Was würde eine Veränderung bringen?

Hierfür habe ich zwei Antworten: Diversität und Repräsentation.

Diversität ist wichtig! Wir sind alle gleich viel wert, aber wir sind nicht alle gleich. Die Welt in der wir leben, wird von weißen Vorbildern dominiert – und das meine ich nicht anklagend, es ist nun mal Fakt. POC‘s bekommen nach wie vor kaum Repräsentation. Gerade bei Kindheitshelden und Vorbildern gibt es sie so gut wie gar nicht.

Aber Repräsentation schafft einen Raum für marginalisierte Personen. Repräsentation gibt ihnen einen Platz auf der Welt. Sie bewahrt sie vor Einsamkeit. Denn wenn sie sich nie angesprochen fühlen, wird ihnen das Gefühl vermittelt, dass sie weniger wichtig oder immer nur zweitrangig sind. In einer Welt, in der es ständig „Wir sind alle gleich“ heißt, sollte es doch kein Problem sein, ein fiktives Vorbild in einer beliebigen Hautfarbe darzustellen, oder?

Schwarze Männer werden nach wie vor kriminalisiert. Deshalb ist es wichtig, ihnen auch positive Repräsentation zu geben.

Der Weihnachtsmann ist eine Art Heldenfigur für Kinder. Er ist liebevoll, bringt den Kindern Geschenke und hat keine negative Seite. Wie schön es doch wäre, wenn es eine ähnliche schwarze Figur gäbe, aber das tut sie nicht. Das Bild von schwarzen Männern wird in Geschichten und anderen Medien nach wie vor negativ visualisiert. Deshalb wünsche ich mir, dass Hautfarben tatsächlich „irrelevant“ werden würden und wir dem Weihnachtsmann einfach ein paar Nuancen dunkler machen könnten!

Und jetzt gehe ich noch einen Schritt weiter: Was haltet ihr von einer Weihnachtsfrau?

Hierzu habe ich selbst keine richtige Meinung, aber ich glaube, das ich das ziemlich lustig fände. Außerdem gibt es nichts, das die Weihnachtsfrau nicht auch tun könnte.

Mich würde jetzt natürlich sehr interessieren, wie ihr darüber denkt? Seht ihr das wie ich, dass die Hautfarbe des Weihnachtsmannes irrelevant sein sollte? Wenn nein, dann würde ich mich über eure Gegenargumente freuen!

Liebe Grüße

Nachtrag: Einige haben kommentiert, dass der Weihnachtsmann aus dem Nordpol stammt, und deshalb weiß ist. Ich bin der perfekte Beweis dafür, dass das nicht stimmen muss. Ich bin nicht weiß, aber bin ich deshalb weniger deutsch? Wer sagt, dass der Weihnachtsmann nicht auch Eltern mit Migrationshintergrund hat? 😛

P.S. Béa hat dieses Video auch noch gefunden und wir finden das wunderbar! Für die, die sich aufregen, sagt er: „I’m Santa! Get over it!“ – und übrigens, der Bart ist echt.

Mounia
About me

Ich - 25 Jahre alt, Studentin, Kinderanimateurin, begeisterte Hobbyköchin und abenteuerlustig! Meine absolute Leidenschaft ist das Schreiben und Festhalten von Momenten.

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2 Kommentare

Holger S.
Antworten 6. Dezember 2019

In Russland gibt es die Figur der Snegurotschka. Ursprünglich eine Märchengestalt. Heute ist Snegurotschka in der russischen Bevölkerung vor allem bekannt als Begleiterin von Väterchen Frost in der Neujahrsnacht, wenn dieser den russischen Kindern Geschenke bringt. Häufig gilt sie auch als Tochter von Väterchen Frost.

Mir gefällt die Gestalt und ihre Rolle sehr, und mit den Jahren ist es in Russland eine Selbstverständlichkeit geworden, dass mit Snegurotschka eine weibliche Person neben Väterchen Frost, den Kindern Glück und Freude schenkt.

Mich fichtt übrigens nicht an, dass Snegurotschka (laut wikipedia) erst etwa seit den 1920er-Jahren, als dieser Mythos von den Kommunisten als Gegenpol zu traditionellen christlichen Weihnachtsmotiven aufgebaut wurde, als diese Begleiterin fungiert. Die Mehrheit der russischen Menschen wohl auch nicht, denn schließlich haben sich die Figur und ihre Rolle im postsowjetischen Russland erhalten und sind heute nicht mehr weg zu denken.

Ich finde übrigens , das ebenso der Weihnachtsmann gut und sehr gern eine Weihnachtsfrau haben könnte und sollte - beide in welcher Hautfarbe auch immer.

Deine Argumentation "pro", kann ich sehr gut folgen, liebe Mounia!

Pacman
Antworten 6. Dezember 2021

Weil das ursprünliche Weihnachten und der Weihnachtsmann und die meisten damit zusammenhängenden Bräuche, Symbole und Riten in ganz Europa eine viel ältere Geschichte haben als das, was im Zuge der Christianisierung und der Verfremdung der alten Bräuche durch das Überstülpen christlicher Symbolik daraus gemacht wurde. Bitte beschäftige dich mit dem Yul-/Jul-fest, den Rauhnächten usw. Dabei handelt es sich ursprünglich ein nordisch-heidnisches Fest, der Weihnachtsmann und der Weihnachtsbaum nordisch-heidnische Symbole, die durch die Christianisierung verfremdet und den Europäern in ihrem Ursprung entfremdet wurden. Soll das noch einmal geschehen und wäre das nicht auch eine Form von "kultureller Aneignung"? Oder gilt dieses Argument nur in einer Richtung?

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