„Ab jetzt nur noch Nudeln mit Ketchup“ – wie teuer müssen Schulsachen sein?


Ja, wie teuer müssen Schulsachen sein? Als ich den Tweet von Seppanovic auf Facebook gepostet habe, ahnte ich nur wenig und diffus, wie stark das Thema die Gemüter erhitzt!

Für die meisten Eltern ist dies ein großes Problem

Sabine Steenbock sagt: „Och, das bleibt auch so. Und dann kommt Klassenkasse, Elternbeiratskasse, hier ein Ausflug, da ein Theater, und dieses Übungsheft sollte auch noch angeschafft werden, und jener Taschenrechner (später dann 😉 ), und diese tolle Lernzeitschrift wollen Sie Ihrem Kind doch bestimmt nicht vorenthalten, und und und… Aber die Unterichtsfächer „Wie drucke ich Geld“ oder „wie sage ich die Lottozahlen voraus“, die fehlen komplett.“

Sylvi Ko gibt zu bedenken: „Man liest so oft, dass das Bildungsniveau vor allem bei Kindern aus finanziell weniger gut gepolsterten Familien sinkt. Und das hängt – meiner Meinung nach – auch indirekt mit beispielsweise den Kosten am Schuljahresanfang zusammen. Bei zwei Kindern im Grundschulalter, mal eben 250,-€ und mehr, reißt ein Loch in das schmale Budget. Das muss ja auch wieder ausgeglichen werden.“ Ih ihren Augen hört das nicht auf bei den Schulmaterialien: „Auch beim Angebot der Nahrungsmittel und deren Qualität. Und dann kommen aus der Schule die Beschwerden, dass man dem Kind doch bitte gesünderes Essen in Bio-Qualität mitgeben möge. Wer würde das nicht gern tun? Aber nicht jeder kann sich das leisten.“

…vor allem, wenn sich Vorgaben über die Zeit auch noch unverständlich ändern:

Elisha Deirdre ist unzufrieden: „Jedes Jahr wird ein neues Schwein durchs Dorf getrieben. War im einen Jahr ein dicker Bleistift in B4 notwendig, ist es im nächsten Jahr B2 mit Griffmulde. Sollten es im einen Jahr Grip Buntstifte sein, sind es im nächsten die mit Griffmulde, die Knete, die gekauft werden musste wurde nie genutzt und darf jetzt zu Hause bleiben.

Die Kosten empfinde ich nicht als Problem, aber, dass ständig alles über den Haufen geworfen wird, unterschiedliche Lernmethoden (z.B. beim Lesen -> Silbenmethode, Anlauttabelle, … ) zu identischen Lernzielen führen sollen, das ist doch etwas anstrengend.“

Andere geben das Geld aus mit Überzeugung und setzen Prioritäten:

Nadine Bolte sagt: „Klar nerven diese ganzen Kosten, aber für meine drei Kinder ist es mir das alle mal wert! Und sie haben alle gute Ranzen und gute Schulmaterialien. Jeder setzt andere Prioritäten. Dann hat man eben einen Monat im Jahr nicht viel Geld übrig am Ende des Monats. Aber ich habe dann wenigstens ein gutes Gefühl weil ich meine Kinder nicht mit Schrott ausgestattet habe. Und es gibt auch teure Marken im Angebot! Da muss man einfach die Augen offen halten.“

Es gibt Bundesländer, die wenigstens Schulbücherkosten übernehmen

Rebekka Rudolf-Stark ist froh: „In Bayern und Baden-Württemberg muss man Schulbücher nicht selbst kaufen!“

Und auch Gustav Zschaler schreibt: „Bücher und Arbeitshefte bezahlt in Sachsen seit zwei oder drei Jahren wieder das Land bzw. die Komune. Kopiergeld ebenso. Und siehe da auf einmal wird dreimal überlegt was kopiert werden muss. Und Arbeitsheft gibts pro Fach eins. Die Kinder schreiben wieder mehr Tafelbilder ab. So muss das sein. Die Kinder müssen dem Staat später Steuern zahlen also kann er auch für die Bildung mit aufkommen.“

Sarina Montico aus Osnabrück schreibt: „Meine Freundin wohnt in Saerbeck, da zahlt man übrigens 15 € für Bücher und gut ist. Nicht wie wir hier 150 € und das nur für Bücher, da sind keine Hefte, Mappen, Stifte und Co mit bei. Letztes Jahr waren es sage und schreibe 240 €, dieses Jahr 260 € – dafür, dass nach ein paar Wochen wieder die Hälfte an Stiften, Füllern und Co fehlt…“

Aber auch Lehrer haben sich zu Wort gemeldet – mit guten Argumenten:

Kirstin Parkan bedauert: „Ich lese hier soviel Frust… Das ist schade, Schule kann so ein toller Ort für eure Kinder sein. Sicher läuft auch vieles nicht richtig und es gibt auch ganz furchtbare LehrerInnen, das weiß ich auch selber… “  

ABER sie regt auch an:
„Schule ist nicht nur ein Ort der Begegnung für Kinder – Kinder oder Kinder – LehrerInnen sondern sollte auch ein Ort der Begegnung für Eltern sein. Wenn was nicht rund läuft, ihr Sachen nicht in Ordnung findet, sucht das Gespräch mit Beteiligten… Ich lege immer viel wert auf Elternarbeit, sie ist so zentral für unseren Beruf! Meckern im Kämmerlein (oder im anonymen www) bringt leider nicht so viel sondern macht einfach nur schlechte Laune!“

Dazu schrieb mir der Twitterer Seppanovic selbst:

„Ich will das aber nicht als Tweet gegen Lehrer verstanden wissen. 99% von denen machen einen verdammt guten Job, gerade wenn man bedenkt, welcher finanzielle Spielraum ihnen zur Verfügung steht. Der Tweet ging gegen die Hersteller der Schulmaterialien, die den inneren Antrieb der Eltern „Ich will das Beste für mein Kind“ schamlos ausnutzen. Dieses Gefühl hatte ich schon, als wir damals zur Geburt unserer Tochter eine Erstausrüstung im Baby-Markt kauften.“

Lehrer müssen übrigens auch vieles selbst bezahlen:

Sabine Matzner fügt an: „Bei der Lehrerin auch, die muss Bücher, Übungsmaterialien, Hefte, Stifte, Mappen, und Deko für die Klasse leider auch selbst zahlen…. ich finde es für beide Seiten zu viel!“

Und einige haben Lösungen gefunden:

Kaja Matuttis-Fahrbach meldet: „Bei uns besorgt die Lehrerin was sie für die Kinder braucht und dies wird von einer Klassenkasse abgezogen, in die wir zweimal im Jahr 50€ einzahlen. Da die Schule große Mengen bestellt kommt es billiger!“

und Tabitha Schiemann regt Gleiches an: „Firmen schließen sich zusammen, um Rabatt zu bekommen bei gleichen Bestellungen, Papier, Kugelschreiber, Bleistifte, Tesafilm… Warum können das die Schulen in einer Stadt, einem Kreis, einem Bundesland nicht tun?Sie wissen, wie viele Kinder eingeschult werden usw. Meine Eltern haben immer die preisgünstigsten Sachen und damit „billigsten“ Sachen gekauft und ich hatte mindestens in Kunst immer immer immer schlechte Noten.“

So, und was meint ihr dazu?

Liebe Grüße,

Béa

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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3 Kommentare

SilkeAusL
Antworten 26. Juli 2018

Mit dem Zusammenschließen finde ich eine tolle Idee. Ich hab eigentlich so gar keine Zeit, in Geschäft X, Y und Z zu laufen, weil ich nur das Eine bei dem aber nicht bei dem anderen bekomme.
So hatte ich nachgesehen, welche Möglichkeiten es im Internet gibt. Dort würden sich Sammelbestellungen richtig lohnen, schon alleine wegen der Portokosten. Aber so etwas gab es nur in der 1.Klasse. Schade.

Nicole
Antworten 26. Juli 2018

Ich kann den Frust am Schuljahresanfang verstehen. Alleine für Schulbücher beim Ältesten waren dieses Jahr 100 EUR fällig, dazu kam dann noch der ganze Kleinkram wie Hefte, Textmarker (bitte zum ausradieren) etc... Bis jetzt gibts zwar noch eine gewisse Auswahl an Nahrungsmitteln, aber nächstes Jahr werden die Zwillinge eingeschult und der Große kommt auf eine weiterführende Schule. Das heißt, ich spare nicht für Weihnachten, sondern für den Tag nach den Sommerferien! Denn leider lässt sich nicht jedes geforderte Produkt von der Materialliste durch ein günstiges ersetzen, so dass hier ganz schnell mal die Schmerzgrenze im Portemonaie erreicht ist.
Die Lehrerin des Ältesten (den die Zwillinge dann nächstes Jahr beerben werden) hat eine Klassenkasse eingeführt (monatlich 2 EUR), so dass im laufenden Jahr nicht mehr so viele Kosten für Material usw. anfallen. Auch werden viele Arbeitsunterlagen für die gesamte Klasse bestellt und aus dem "Pott" gezahlt. Und das entlastet dann wenigstens den Rest des Jahres das Budget ein wenig!
Es ist schön, wenn man die Möglichkeit hat, seinem Kind das bestmögliche Arbeitsmaterial mit auf den Schulweg zu geben. Bei uns sieht es allerdings so aus, dass eine zusätzliche Belastung von ca. 600 EUR für den Schulanfang nicht dazu führt, dass "man einen Monat mal kein Geld auf Seite legen kann", sondern in der Realität mein Monatsverdienst komplett für Schulausstattung draufgeht. Und bei einer fünfköpfigen Familie kann sich jeder ausrechnen, was an monatlichen Kosten sowieso schon ansteht.

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