Das ist nur eine Einschulung! Was wollen Sie denn da feiern?!


Langsam aber sicher gehen überall in Deutschland die großen Sommerferien zu Ende. Für viele Kinder ist das der Start in einen ganz neuen Lebensabschnitt: Tschüss Kindergarten! Hallo Schule! Auch bei uns wurden am vergangenen Wochenende wieder viele kleinen Schulanfänger eingeschult.

Ja, richtig, die Einschulung findet bei uns traditionell am letzten Samstag der Sommerferien statt. Das war schon zu DDR-Zeiten so. Und so ist es – wie wahrscheinlich überall in den ostdeutschen Bundesländern – immer noch.

Meine erste Einschulung als Mutter habe ich allerdings in Schleswig-Holstein erleben dürfen.

Dorthin waren wir gerade erst umgezogen, als meine Älteste zur Schule kam. Erst eine Woche vor Ferienende konnte ich sie in ihrer Grundschule anmelden. Und natürlich wollte ich auch gleich die Details zur Einschulung wissen.

Das Telefonat verlief ungefähr so:

Ich fragte also, wann die Einschulung stattfinden soll und bekam von der Sekretärin zur Antwort: „Am 10. August.“

Ich rechnete kurz im Kopf nach und stellte ungläubig fest: „Aber das ist ein Mittwoch!“

Sekretärin: „Ja, das ist richtig.“

Ich: „Aber das ist ja mitten in der Woche! Wie soll man denn da feiern?“

Sekretärin: „Was wollen Sie denn da feiern?“

Ganz ehrlich? Ich habe die Frage nicht verstanden.

Ich möchte natürlich die Einschulung meines Kindes feiern.

Für mein Kind beginnt etwas ganz Neues. Und ich gehe davon aus, dass sich dieses Ereignis nicht wiederholen wird. Das ist ein bedeutender Tag im Leben meines Kindes. Noch bedeutender als ein Geburtstag, den kann man wenigstens jedes Jahr wieder feiern. Aber eine Einschulung?

Ich möchte diesen Tag für mein Kind bitteschön besonders machen!

Also erklärte ich: „Na, ich möchte die Einschulung feiern. Aber wie soll man denn mitten in der Woche die Großeltern einladen? Die arbeiten doch schließlich alle noch!“
Und dann traute ich mich auch noch zu fragen:
„Warum findet die Einschulung denn nicht an einem Samstag statt?“

Ich weiß nicht, was ich erwartet hatte, auf jeden Fall schockte mich die Antwort darauf noch mehr als die Antwort auf das Einschulungsdatum:

„Sie glauben doch nicht, dass die Lehrer für eine Einschulung ihren freien Samstag opfern?“

Ich war platt! Wo bin ich denn hier gelandet?!

Dass die Einschulung mit einem Gottesdienst beginnen würde, hatte ich so hingenommen. Das war mir bis dahin völlig fremd und damit kann ich auch heute noch nichts anfangen.

Am Tag der Einschulung haben sich die Großeltern dann doch extra freigenommen und sind aus der alten Heimat angereist, um diesen Tag mit ihrer Enkeltochter zu begehen. Ich habe meiner Tochter ihre hübschen neuen Kleider angezogen und die dünnen Haare geflochten.

Stolz trug sie ihren nagelneuen Schulranzen und die selbstgebastelte Schultüte erst zur Kirche und dann zur Schule.

An das Kirchenprogramm kann ich mich nicht erinnern, das ging so an mir vorbei. In der Schule ging es dann weiter in der Turnhalle. Nicht der feierlichste Platz, aber das Programm der zweiten Klassen war wirklich süß.

Durch sie lernte ich „Elmar“ kennen, seitdem bin ich Fan von diesem bunt-karierten Elefanten.

Aber einen Kulturschock hatte die Einschulung noch für mich parat:

Die anderen Kinder waren überhaupt nicht festlich angezogen. Kein bisschen! Sie kamen ganz gewöhnlich in Jeans und T-Shirt. Nicht mal ein Hemd trugen die Jungs. Oder die Mädchen ein Kleid. Nichts. Meine Tochter stand völlig overdressed zwischen all den anderen Erstklässlern.

Ist eine Einschulung hier wirklich so wenig wert? Oder haben sich einfach die Zeiten geändert?

Keine Ahnung, was die anderen Familien an dem Tag noch gemacht haben, schließlich scheint eine Einschulung dort ja kein Grund zum Feiern zu sein. Wir jedenfalls besuchten zum ersten Mal im Leben meiner großen Tochter einen Indoor-Spielplatz und das war ein riesen Event für sie.

Vier Jahre später hatten wir wieder einen Schulanfänger.

Inzwischen waren wir wieder in die alte Heimat zurückgekehrt und durften unsere Einschulung traditionell an einem Samstag (und ohne Gottesdienst) feiern.

Nun hatte ich ja schon gelernt, dass einer Einschulung heutzutage nicht mehr so viel Bedeutung beikommt wie noch zu meiner Zeit. Dieses Mal wollte ich es richtig machen. Ich kaufte meiner zweiten Tochter also nicht ganz so feierliche, aber natürlich trotzdem schicke Sachen.

Tja, wieder völlig danebengegriffen. Die anderen Kinder kamen zum Teil so festlich gekleidet, als würden sie gleich anschließend zu einer Hochzeit gehen.

Hier ist eine Einschulung also noch das, was ich mir vier Jahre zuvor auch für meine große Tochter gewünscht hätte: ein echtes Ereignis. Ich hätte es wissen müssen.

Nach einem tollen Bühnenprogramm bekommt hier an unseren Grundschulen jedes Kind persönlich seine Schultüte von der Direktorin überreicht und wird damit feierlich als Schulkind willkommen geheißen.

Und anschließend wird eine Einschulung natürlich auch so richtig gefeiert. Viele Familien laden die ganze Verwandtschaft ein, gehen schick essen, machen eine Kremserfahrt oder veranstalten große Gartenpartys.

Solche großen Partys haben wir selbst nie veranstaltet. Bei uns standen am Tag der Einschulung immer die Wünsche der Kinder an allererster Stelle. Und das hieß immer, wir machen einen Ausflug.

Letztendlich entscheidet natürlich jede Familie für sich, wie sie diesen Tag mit ihren Kindern verbringen möchte.

Aber ein Anlass zum Feiern ist gerade eine Einschulung auf jeden Fall!

Die Aussage der Schulsekretärin damals hat trotzdem einen nachhaltigen Eindruck bei mir hinterlassen. Deswegen interessiert mich dazu auch mal eure Meinung:

Welche Vorstellungen von einer gelungenen Einschulung habt ihr für euer Kind? Ist das für euch ein ganz normaler Tag? Oder ist er etwas Besonderes? Feiert ihr? Oder feiert ihr nicht? Und spielt der Wochentag dabei für euch eine Rolle?

Liebe Grüße

Eure Doro

Doro
About me

Vom Stadtkind zur Landmama. Heimwerkerin und Basteltante, Bücherratte und Bilderdenkerin. Gnadenloser Optimist. Nachteule und Langschläfer. Immer neue Flausen im Kopf. Single-Mom in einem 4-Kinder-Haus und Vollzeit im Beruf. Büroflüchtling, wann immer ich kann. Verliebt in den Himmel und die Magie von Büchern ... Und irgendwann schreibe ich selbst ein Buch.

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16 Kommentare

L
Antworten 24. August 2018

Also ich wurde 1999 in SH eingeschult, und wir waren auch schick angezogen. Manche zwar mit feiner Jeans und/ oder schicken T-Shirt, aber nicht so, dass man danach damit zur Hochzeit gehen kann.
Ja, eine Einschulung ist ein Ereignis für das Kind und auch für die Familie, aber jedes Land hat seine eigenen Traditionen und hier oben ist es eben ein wunderschöner Mittwochsbeginn ;) damit die Kleinen nicht gleich eine ganze Woche haben.

Ich denke, dass ein Schulbeginn schon mit dem engen kreis der Familie gebührend zelebriert werden sollte, aber ich denke, da muss man immer gucken, was das Kind auch möchte und verträgt.
Manche Kinder haben dann noch Lust auf einen Indoorspielplatz und noch mehr Action, manchen reicht ein einfaches grillen mit der Familie.

Tine
Antworten 26. August 2018

Tja, ich kann den Artikel voll nachvollziehen. Ich komme aus Sachsen, da ist die Einschulung ein richtig großes Ding, an einem Samstag. Jetzt wohne ich in NRW. Hier ist Einschulung an einem Donnerstag und - es ist fast ein normaler Schultag! Bei meinem Großen habe ich noch versucht, den Spagat zwischen den Kulturen zu schaffen und bin damit auf der Nase gelandet. Overdressed, viel zu viele Erwartungen, Zuckertütenbaum für Nachbarskinder wurde nicht angenommen etc. Die Großeltern und selbst mein Mann hatten Schwierigkeiten, den Tag frei zu bekommen. Diesmal, beim Mittleren, wird es noch viel weniger. Mein Mann muss arbeiten und kommt nicht. Meine Kleine muss in den Kindergarten - die Schule hat viel zu wenig Platz für all die Angehörigen und hat die Anzahl pro Kind begrenzt. Schulfrei für den älteren Bruder - gibts nicht.

Ich finde das Ganze enorm traurig, denn ich denke auch, dass dies einer der wichtigsten Tage im Kinderleben ist (für mich jedenfalls war es das). Jetzt gibt es meinerseits den Versuch, den Tag trotzdem schön zu gestalten - mit selbstgenähter Schultüte (Die natürlich ein Geheimnis bleibt bis zum ersten Schultag und nicht wie in NRW üblich mit dem Kind gebastelt wird - eine Unsitte finde ich das!) und dazu passendem selbstgemachten T-Shirt (dann bleibt die Erinnerung länger bestehen und das Kind ist nicht overdressed) und zumindest einer gemeinsamen Wunschmahlzeit. :-)

Annie
Antworten 27. August 2018

Ich kenne Einschulungsfeiern überhaupt nicht. Bei uns (weeeeit westlich) auch nicht verbreitet. 1999 wurde ich am normalen ersten Schultag nach den Sommerferien eingeschult (also ein Montag) - erst Gottesdienst, dann Einschulung in der Turnhalle, dann nach Hause, die ersten Hausaufgaben machen und danach die Schultüte plündern. Das war's dann.
Gut, die meisten Mädchen kamen im Kleid, aber echt nicht festlich. Fast alle in normalen Alltagssachen.

Beim Lesen vieler Elternblogs fand ich es immer komisch dass Einschulungen samstags sind und so ein Bohei draus gemacht wird. Wenn man damit aufgewachsen ist, liegt die Frage "Was wollen Sie denn feiern?" gar nicht so fern.

Birte
Antworten 27. August 2018

Das hat so einen verurteilenden Unterton. Tatsache ist, dass die Tradition der Schultüten und eben auch der Zuckertütenbaum aus Thüringen stammen. Und in der DDR wurde die Einschulung mit einem Riesenfest begangen, in der alten Bundesrepublik eben nicht.
Mein erster Schultag 1975 ist mir auch nicht weiter in Erinnerung geblieben, es gibt aber ein Foto von mir und meiner Zwillingsschwester, wir sind sehr wohl "fein" angezogen.
Meine Kinder sind alle in den alten Bundesländern eingeschult worden, und es war weder 1993, 1998 oder 2000 in Mainz noch 2002, 2004, 2009 oder 2014 in Passau so, dass dort Kinder in Alltagskleidung quasi im Vorübergehen in die Schule befördert wurden. Alle waren nett angezogen, in Bayern auch viele in Tracht.
Und ein bisschen Verständnis dafür, dass es auch Menschen gibt, denen ein Gottesdienst viel bedeutet (zu denen gehöre ich zB ) und die das entsprechend um etliches wichtiger finden als einen Zuckertütenbaum, fände ich auch angebracht.
Deutschland ist ein großes Land, es gibt unterschiedliche Traditionen für alles mögliche, und man kann sich ja auch vorher mal schlau machen und dann überlegen, was man für sich daraus macht.
Die Debatte Riesenfest versus kleine Feier als Ost-West-Thema ist ja nun auch ein Klassiker in allen Elternforen. Ich plädiere für Leben und Leben lassen und ein bisschen Nachdenken über diesen etwas unfreundlich-überheblichen Text.

    Gina
    Antworten 17. August 2019

    Sehe ich genau so wie Birte!! Finde den Text auch nicht so toll... ich selbst aus NRW kenne dieses Tam Tam auch nicht
    .. nun wohne ich im Sachsen und sehe wie alle feiern und ein riesen Stress draus machen. Und tatsächlich Frage ich mich die ganze Zeit " mein Gott was wollen die denn hier feiern?!"
    Bin. Der selben Meinung wie du.. ein Gottesdienst ist schön und wichtiger als irgendein Zuckertütenbaum... Und ja ...besser vorher schlau machen!!!! Und für sich das beste draus machen....

Tanja Simons
Antworten 31. August 2018

Ich komme tief aus dem Westen NRW's ( niederl. Grenze) .... 1978 war meine Einschulung auch festlich .... ich trug nie Röcke, da aber schon . Einen blau karierten. Es war ein ganz besonderer Tag, habe noch viele Fotos von meiner Einschulung und kann mich heute , 40 Jahre später immer noch dran erinnern. 2009 kam dann mein Sohn in die Schule. Ja erst Messe (wir sind auch nicht in der Kirche) und die Einschulungsfeier dann in der Schulaula. Angezogen hat er eine neue Jeans und ein Hemd, aber nichts irre schickes. Er sollte sich ja wohl fühlen in den Klamotten. Die "Großen" hatten ein tolles Program und jedes Kind wurde feierlich nach vorne gerufen, um in die jeweilige Klasse sortiert zu werden. Danach sind wir auch mit der Familie schick Essen gegangen und dann in einen kleinen Freizeitpark hier in der Nähe.
Die Einschulung für's Gymnasium lief von der Schulseite ähnlich feierlich...... nur nicht mehr so schick angezogen.
Also von meiner Seite war die Einschulung ein besonderer Tag, der auch gefeiert wurde ..... wie Du schon sagst, es kommt nur einmal.
Gruß aus dem Westen
Tanja

Kwini
Antworten 3. Mai 2019

Ich finde ein gesundes Mittelmaß genau richtig. Ein Riesenfest wie eine Hochzeit finde ich übertrieben, aber den Samstag hätte ich mir auch gewünscht. Allein deswegen, weil unsere Verwandtschaft sich nicht nur freinehmen muss, sondern auch mitunter weite Anfahrtswege zu uns nach Hessen hat.
Es blieb aber bei der engeren Verwandtschaft, alle waren schick (aber eben noch zum Wohlfühlen), nach einem Gottesdienst (den ich übrigens wichtiger/traditioneller finde als einen Zuckertütenbaum...) gab es eine Willkommensfeier in der Turnhalle (Aula war zu klein), für alle Kinder die hier typische Einschulungsbrezel und anschließend ging es zum Essen und zu Hause gab es die besondere Einschulungstorte.
Ich war etwas überrascht, dass die Kinder schon Hausaufgaben aufhatten (naja, Inhalt der Schultüte malen), das ging beim Feiern etwas unter. Aber meine Tochter hat den Tag schön in Erinnerung und war in der Familie der "Star des Tages"!
Ich selbst hatte meine Einschulung in Bayern. Ich kann mich an keine große Feier erinnern, aber der Tag selbst, die Zuckertüte und das erste Mal im Klassenzimmer.... das bleibt stolz in Erinnerung!

Jasmin Grimm
Antworten 12. August 2019

Wir habe am Mittwoch Einschulung (Schleswig-Holstein). Erst Kirche (freiwillig) und anschließend geht es in die Schule, wo etwas aufgeführt wird. Dann haben die Kleinen ihre erste Unterrichtsstunde und wir Eltern werden "bewirtet".
Wir haben unsere Familien eingeladen und werden zu Hause ganz gemütlich beisammen sitzen und feiern.
Unser Kleiner wird "gute" Kleidung anziehen, aber nicht festlich.
Meine Schwester und ich wurden beide in Schleswig-Holstein an einem Samstag eingeschult (Ende 80´er / Anfang 90´er). Unser Bruder wurde Anfang der 2000´er auch in Schleswig-Holstein an einem Mittwoch eingeschult.

Tanja
Antworten 12. August 2019

Ich komme aus Baden Württemberg und wurde in den 80 er eingeschult, mit schicken Kleidern und Familien Fest haben wir das gefeiert. Mein Sohn wurde letztes Jahr eingeschult (Freitags Gottesdienst, Samstags Einschulung). Wir haben uns auch wie alle anderen schick angezogen und haben den Tag mit der ganzen Familie gefeiert.
Ich war beim Lesen überrascht, dass dies nicht überall so üblich ist. Denn ich finde auch dass es ein sehr großer Schritt für die Eltern ist und erst Recht für ein Kind.

Jacqi
Antworten 12. August 2019

Also ich finde durchaus, dass dies ein Tag zum Feiern mit der Familie und Freunden sein sollte, denn immerhin beginnt für das Kind ein neuer Lebensabschnitt. Das ist doch etwas Besonderes und sollte demnach auch besonders gestaltet werden. Für viele ist ein Gottesdienst an diesem Tag wichtiger als alles andere...jedem das seine, doch wir, die nicht gläubig sind, könnten gut darauf verzichten, zumal das (es sei denn, es ist nachher eine kirchliche Schule) nichts mit dem Schulstart und dem neuen Lebensalltag zu tun hat. Das Erstaunen über die Gleichgültigkeit der Sekretärin ist für mich absolut nachvollziehbar und hat nichts mit Unfreundlichkeit der Schreiberin zu tun. Auch bei uns wurde groß gefeiert, ob in der Schule oder später zu Hause. Und bei uns sind die Lehrer gern bereit, ihren Samstag für ihre neuen Schützlinge zu "opfern", um ihnen zu zeigen, dass der Beginn dieses neuen Lebensabschnitts durchaus besonders ist.

Lena
Antworten 12. August 2019

Oh ja! Ich komme auch aus den neuen Bundesländern und bin nach S. - H. gezogen. Letztes Jahr stand dann bei uns die Einschulung an. Ich selbst kenne es auch: schick gekleidet (Kind wie Eltern), tolles Programm, alles festlich, "fette" Party. Denkste. Einschulung mitten in der Woche. Alle müssen frei nehmen und weit Anreisen, anderen können nicht. Also nur Oma, Opa und der Onkel mit Tante. Wir alle schon festlich gekleidet... Und damit die Aliens. Alle anderen in Jeans und T-shirt, maximal ne Bluse. Gibt ja auch nichts zu feiern. Das freudige Warten auf die Sxhultüte und rätseln, wem wohl welche gehört... Auch nicht. Direkt morgens zur Kirche schleppen, danach den langen Weg zur Schule, dann ewiges Warten und erst mittags dann endlich die Tüte öffnen. Enttäuschte Gesichter gleich morgens waren noch das Harnloseste.
Wir haben kleine Sxhultüten an Freunde mit frischen Erstklässlern verschenkt. Alle haben komisch geguckt. Zurück kam nichts. Nicht, dass ich es erwartet hätte, aber es war schon komisch.
In zwei Jahren steht hier die nächste Einschulung an und ich heule jetzt schon angesichts der Tatsache, wie toll meine Nichte in der Schule empfangen werden wird und wie "lieblos" es hier werden wird. Also lieblos IM Sinne von: "ist doch nur ne Einschulung. Bissl Programm langt doch."

Antje
Antworten 13. August 2019

Ich wurde 1984 in der DDR eingeschult und es war ein großes Ereignis. Die Kinder waren nicht festlich angezogen, hatten aber die "guten" Sachen an. Für uns damals selbstverständlich, fand die Einschulung an einem Samstag statt.
Auch meine Nicht wurde 2004 an einem Samstag eingeschult. Wir Verwandten konnten also alle mitfeiern.
Nun wurde mein Sohn letztes Jahr in Hamburg eingeschult - an einem Dienstag. Glücklicherweise sind die Großeltern schon Rentner und konnten demnach anreisen. Allerdings haben die Onkeln und Tanten sowie Freunde keinen Urlaub bekommen und konnten somit nicht dabei sein. Das fanden wir wirklich sehr schade.
Die Feierlichkeiten in der Turnhalle der Schule waren wirklich schön. Das in den alten Bundesländern Gottesdienste zur Einschulung verbreiteter sind als in den neuen, finde ich nicht befremdlich. Bei uns wurden an dem Sonntag vor der Einschulung entsprechende Gottensdienste in den Kirchen angeboten. So konnte jede Familie mit Einschulungskind selbst entscheiden, ob sie das Angebot wahrnimmt.
Wir haben das beste aus der Dienstag-Situation gemacht und haben für den Nachmittag einfach noch Kumpels eingeladen (wurden teilweise ebenfalls an dem Tag eingeschult) und so das Ereignis Einschulung ordentlich gefeiert. Allerdings nicht so lange, denn am nächsten Tag mussten die Mäuse wieder früh aufstehen und zur Schule:-).

Mamazweipunktnull
Antworten 13. August 2019

Berlinerin - mit großer Einschulung und sehr festlicher Kleidung. Denn wie du sagst - Geburtstag feiert man jedes Jahr. Einschulung und Abiball nur ein Mal. Entsprechend groß und mit Gartenparty + gesamter Verwandtschaft wurde und wird das bei uns samstags gefeiert. In Berlin allerdings ein WE nach Ferienende. LG

Ina
Antworten 13. August 2019

Meine Grosse wurde an einem Donnerstag an einer Förderschule in Südbaden eingeschult. Das ging mal so nebenbei. Auch wir und unsere Tochter waren völlig Overdressed.
Wir haben am Samstag darauf eine grosse Party mit der ganzen Familie und Freunden des Kindes gefeiert. Mit Buchstabensuppe, Russisch Brot Kuchen als Buch etc. Für jeden gab es eine Mini Schultüte. Es gab Buchstaben und Zahlenspiele. Also so wie Kindergeburtstag nur Thematisch mit Thema Schule. Es hatten alle viel Spass. Für die Freunde die auch eingeschult wurden, gab es auch einen Zuckertütenbaum.
Einschulung 3 Jahre später, Dorfgrundschule an einem Samstag mit Gottesdienst, alles sehr festlich.
Wir sind nicht kirchlich gebunden, der Gottesdienst war ökumenisch und sehr schön gestaltet. Anschließend Programm in der Festhalle von allem Schülern der Schule gestaltet.
Auch diesmal gab es Nachmittags ein Fest für Freunde und Famile, ähnlich gestaltet wie bei der Grossen. Leider wurde diese Art der Einschulung abgeschafft, und es gibt nur noch eine Schmalspurversion am Mittwoch oder Donnerstag. Den Lehrern sei es nicht zuzumuten ihre Freizeit mit dem Erstellen und Einüben eines Programms zu opfern🤔

ANNA
Antworten 14. August 2019

Gestern Einschulung meines Sohnes:
Er durfte anziehen, was er wollte war tatsächlich eines der wenigen Kinder OHNE Hemd oder Glitzerkleidchen. ABER es war bequem und er glücklich!

Was mich aber so RICHTIG genervt hat: diese ganzen Familien mit Großeltern, Tanten, Onkel....
Die Rede des Direktors war kaum zu verstehen, die Aula überfüllt, die Kinder habe auf dem Pausenhof die Leherin/ den Lehrer nicht gefunden....

Meine Meinung dazu: Ladet doch alle die Sippe ein- geht zusammen Essen, trinkt gemeinsam Kaffe. Aber die Einschulung in der Schule gehört den Kindern mit den Sorgebetechtigten. Und nur denen!!

Sabine
Antworten 27. Oktober 2019

Ich komme aus Sachsen und finde es generell traurig, wenn Traditionen immer mehr verschwinden. Die Schuleinführung ist definitiv einer der wichtigsten und prägendsten Einschnitte im Leben eines Kindes. Jeder Erwachsene aus meinem Umfeld kann sich noch lebhaft daran erinnern. Daher sollte dieser Tag meiner Meinung nach auch entsprechend gewürdigt werden. Der Status einer Hochzeitsfeier ist sicherlich übertrieben, ein Tag in der Woche, der nur ein kleines bißchen festlich ist, erscheint mir hingegen zu wenig. Mit Kirche kann ich auch überhaupt nichts anfangen und frage mich, wie das in unsere pluralistische Gesellschaft passen soll. Das kann man sicher extra feiern, aber doch bitte nicht von der staatlichen Schule vorgegeben! Als bekennender Atheist würde ich mich da genauso verweigern, wie als praktizierender Muslime, etc.. Die Qualität einiger Antworten aus diesem Forum zeigt leider deutlich, dass Christen mitunter eine Anspruchshaltung an den Tag legen, als deren Grundlage die christlichen Werte angerufen werden, die in Wirklichkeit unabhängig von jeder Religion als humanistisches Gedankengut bekannt sind. Andererseits sollte man sich an die Gebräuche der Gegend anpassen, in die man ziehen möchte oder muss. Das Schuleinführungsphänomen in den alten Bundesländern gehört ja mittlerweile zu den bekannteren Enttäuschungen. Sicher betrifft das noch andere Gepflogenheiten, aber vielleicht können auch neue, schöne Bräuche entdeckt und übernommen werden. Die eigenen Traditionen sollte man soweit pflegen, wie man es einrichten kann. Vielleicht wäre eine Idee, die Einschulung und die Feier dazu zu trennen...

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