Mein Körper – meine Regeln? Wie und wann gilt das auch für Kinder?


„Mein Körper – meine Regeln“ – gilt diese Philosophie auch für Kinder? Und wenn ja, auf welche Weise bringt man sie ihnen näher und wo zieht man trotzdem die Grenzen?

Vor einer Weile habe ich einen Beitrag darüber geschrieben, wie man Kindern den Begriff „Body Positivity“ auf verständliche Weise erklären kann. Nun möchte ich das Thema weiter ausdehnen.


ANZEIGE


Mal ganz provokant gefragt: Wie selbstbestimmt sollen und dürfen Kinder sein, wenn es um ihren eigenen Körper geht?

Aus dem Impuls heraus würde ich sagen: total selbstbestimmt!

Doch dann las ich neulich ein Buch, das meine gesamte Philosophie infrage stellte.

Keine auferlegten Regeln bei Kindern?

Die Autorin Katja Lewina hat ein ganz tolles Buch geschrieben, das den Namen „Sie hat Bock“ trägt (Affiliate-Link, also Mini Werbung). Dort spricht sie auf schonungslos ehrliche, aber zugleich auch humorvolle Art, über all jene Dinge, die in der Gesellschaft nach wie vor tabuisiert werden: Alles rund um Sex (bei Frauen), offene Beziehungen, Pornografie usw. Große Leseempfehlung von mir, aber das nur am Rande.

Ein Aspekt, den sie erwähnte, ließ mich jedoch stutzen, und zwar, dass sie ihre Kinder weder dazu zwinge, sich zu duschen noch ihre Haare zu waschen oder vorzuschreiben, was sie anziehen sollen. Der Grund sei, dass sie ihren Kindern schon von Anfang an mitgebe, dass der Körper der Kids ihnen allein gehört und sie selbst über die Regeln bestimmen.

Meine komplette Verwandtschaft findet ja, meine Kinder kennen keine Grenzen. Manchmal bleiben ihre Haare über Wochen ungekämmt. In die Dusche müssen sie nicht, wenn sie nicht wollen. Kleider für Jungs und Fußballtrikots für Mädchen sind bei uns okay. („Sie hat Bock“, S. 211)

Und genau an diesem Punkt hat meine Verwandtschaft Unrecht: Natürlich gibt es Grenzen für unsere Kinder. Nur stellen wir die nicht nach dem „Macht man nicht“-Prinzip auf, sondern, nach der feministischen Maxime „Mein Körper gehört mir“. Wenn eins der Kinder sich partout nicht kämmen lassen will, muss es eben mit dem Filz auf seinem Kopf leben – uns anderen kann das piepegal sein. („Sie hat Bock“ S.213)

Diese Begründung ließ mich nicht mehr los. Ich wusste nicht, ob ich begeistert oder entsetzt sein sollte. War das extrem fortschrittlich oder einfach nur extrem?

Mein Körper – meine Regeln!

Prinzipiell stimme ich dieser Philosophie mit jeder Silbe zu. Was wir mit unserem Körper anstellen, ob wir ihn nun von Kopf bis Fuß tätowieren oder mit Botox vollballern ist allein UNSERE Sache. Das müssen nicht alle toll finden, aber es ist unser Körper.

Wir entscheiden über ihn, genau wie wir darüber entscheiden, was wir anziehen, welche Frisur wir uns auf den Kopf setzen – und ja, selbst wie oft wir duschen geht niemanden etwas an (allerdings wird es brenzlich, wenn jemand so sehr müffelt, dass er /sie andere Menschen damit stört).

Ich bin also absolut dafür, dass jede:r über seinen eigenen Körper entscheidet und finde es toll, diese Philosophie auch Kindern mitzugeben.

Aber nur bis zu einem gewissen Teil. Die Sache ist nämlich die:

Kinder sind Kinder und bis zu einem bestimmten Grad müssen die Eltern die Vernunftsstimme übernehmen.

Das bedeutet nicht, dass sie sie mit Verboten einzwängen müssen, aber gewisse Grenzen finde ich schon wichtig. Wenn ein Kind nämlich gar nicht mehr duscht, stinkt es nicht nur mit der Zeit. Es läuft auch Gefahr, sich irgendwas einzufangen.

Ich würde nicht darauf vertrauen, dass ein Kind irgendwann schon selbst merken wird, was es mit dem Körper macht, wenn es nicht duscht – so einsichtig und reflektiert sind Kinder eben noch nicht. Ich persönlich würde einem Kind das Duschen niemals als Option vorlegen. Es muss duschen, weil es wichtig für die Gesundheit ist! Da ziehe ich eine ganz klare Grenze.


ANZEIGE


Was die anderen Aspekte angeht… Bei der Kleidung stimme ich auf jeden Fall zu. Das Kind darf auch jenseits der Geschlechternormen anziehen, was es will. Damit wird schließlich niemand verletzt oder benachteiligt.

Allerdings bin ich beim Thema Haare sehr kritisch, denn nicht jeder Mensch hat glatte Haare, bei denen es nicht schlimm ist, wenn sie wochenlang ungekämmt bleiben. Als Kind hatte ich sehr lockige Haare (fast schon ein Afro), die sich sehr schnell verknotet und verfilzt haben, wenn sie nicht regelmäßig gewaschen und gekämmt wurden. Und verfilzte Haare sehen nicht nur aus wie ein zerrupftes Vogelnest, sie ziehen auch ganz schön. Ich hatte auch nie Lust, mir die Haare zu kämmen, aber ich MUSSTE es tun.

„Dein Körper, deine Regeln“ – solange das Kind nicht vernachlässigt wird

Ich bin nach wie vor dafür, dem Kind schon ganz früh mitzugeben, dass sein Körper nur ihm allein gehört und er und niemand sonst darüber entscheiden darf, was damit zu tun ist. Allerdings nur solange das Kind nicht vernachlässigt wird bzw. verwahrlost. Es ist wunderschön, wenn Kinder mit viel (Entscheidungs)freiheit erzogen werden, aber trotz allem sollte es gesund und munter sein. Und dazu gehört für mich auch, sehr wohl den Ton anzugeben, wenn es seinen eigenen Körper vernachlässigt.

Essenziell ist für mich das Thema Körperpflege. Das Kind MUSS sich waschen und die Zähne putzen – denn sonst verkommt der Körper. Natürlich macht das oft keinen Spaß, aber es ist wichtig für die Gesundheit.

Anmerkung Béa: Allerdings ist es schon eine Kunst, die Kids von dieser Notwendigkeit zu überzeugen… siehe auch das Thema „Müssen“ von mindfulsun! Und genau hier ziehe ich die Linie für mich: Überlasse ich das Kind sich selbst, wenn ich mit dem reinen Kommando nicht weiterkomme? Nicht so gut. Nehme ich mir die Zeit, und gehe die Themen mit Güte mit dem Kind durch, und es überzeugt mich, dass es autonom und reflektiert da ran geht: Super! 

Dein Körper – deine Regeln … aber wir leben in einer sozial interaktiven Gesellschaft!

Und das bedeutet, dass wir auch Rücksicht aufeinander nehmen müssen. Wenn jemand neben mir stark müffelt, ist das schließlich nicht nur sein Problem, sondern auch meins. Deshalb ziehe ich eine klare Grenze zwischen dem, was nur uns und was andere einschränkt.

Your Body, Your Choice! Auch der des Kindes!

Lasst uns Kinder mit Freiheit und Leichtigkeit erziehen.

Lasst sie wissen, dass ihr Körper ihnen allein gehört und nur sie über ihn herrschen – nicht die Gesellschaft und erst recht nicht der Freund, der verlangt, dass seine Freundin sich so und so kleiden, anziehen, abnehmen soll!

Lasst sie ein Gefühl für das, was ihrem Körper gut tut – aber auch den anderen…

Je früher dieses Wissen einsetzt, desto selbstbestimmter handeln sie in der Zukunft (hoffentlich)!

Was haltet ihr von dieser Philosophie? Wie und wann würdet ihr sie Kindern näherbringen?

Hier noch etwas zum Thema Körper – und wie Mamas manchmal gewaltig in die Frisur rein reden:

Ist das ein Kultur- oder Mama-Ding? Stehen eure Mütter auch so auf eure Haare?

Liebe Grüße

Mounia

Mounia
About me

Ich - 25 Jahre alt, Studentin, Kinderanimateurin, begeisterte Hobbyköchin und abenteuerlustig! Meine absolute Leidenschaft ist das Schreiben und Festhalten von Momenten.

DAS KÖNNTE DIR AUCH GEFALLEN

Intuitive Ernährung…funktioniert nur mit einer großen Portion Achtsamkeit!
21. May 2021
Wie erkläre ich Kindern Body Positivity?
01. Jul 2020
Die Top 10 Community Erfahrungen über Body Positivity
09. Feb 2018
Selbstwertgefühl von Mädchen mit den Warner Bros. DC SUPER HERO GIRLS stärken * Werbung mit toller Verlosung
08. Feb 2018
Namen sind Schall und Rauch. Yvonne stellte kritische Fragen vor Ort #GNTMFinale2017 (Werbung)
26. May 2017
Gute Körper, schlechte Körper – das Körpergefühl der Kinder
23. Mar 2017

DAS KÖNNTE DICH AUCH INTERESSIEREN

Werbung

Einen Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind mit einem Stern (*) markiert.