Wie wir aus gutem Grund einen neuen Schulleiter verhindert haben – Gastbeitrag


Ein Vater, der lieber anonym bleiben möchte, hat uns diesen Erfahrungsbericht zukommen lassen. Vielleicht ist er auch spannend für euch! Es geht weitestgehend um Schutz von Kindern und einen Schulleiter, der mit den begründeten Ängsten eines Vaters gut und konstruktiv umgehen konnte:

<< Meine beiden Töchter sind bestimmt keine Engel, und zum Nobelpreis wird es sicher auch nicht reichen. Aber sie sind wunderbare Wesen und unser ganzer Stolz. Ich liebe sie aus vollem Herzen und möchte sie immer beschützen können! Deswegen gab es einen Moment, wo ich umgehend beim Schulleiter meiner kleinen Tochter vorstellig werden musste und in dem ich vielleicht ein wenig die Nerven verloren habe. Ich bin sehr dankbar, dass der Direktor mich damals nicht hochkant rausgeschmissen hat und hinter meiner Wut das Wichtigste gesehen hat.


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Aber lasst mich mal die Geschichte ganz erzählen:

Als unsere große Tochter kurz vor dem Abitur eine staatliche Schule besuchte, kam sie eines Nachmittags völlig verstört nach Hause…

…und verschwand sofort in ihrem Zimmer.

Erst im Laufe des Abends kam sie mit der Sprache heraus: Ihr Lieblingslehrer war heute plötzlich nicht mehr zum Unterricht erschienen, aber nicht nur, weil er krank gewesen wäre. Die offizielle Version der Schulleitung sei gewesen, dass er aus persönlichen Gründen sofort die Schule hätte verlassen müssen. Die Schüler untereinander erzählten sich etwas anderes: Dieser Lehrer sollte nämlich im Rahmen seines Religionsunterrichts in einer fünften Klasse pornoähnliche Videos gezeigt haben. Ob das natürlich ganz richtig sei, wisse sie nicht, aber da er ja wirklich die Schule sofort verlassen musste…

Meine Tochter hatte bald danach einen neuen Lieblingslehrer gefunden, und für sie war die „Sache“ auch schnell wieder vergessen. Für uns war es – damals – auch eher ein „unbedeutender“ Zwischenfall.

Unsere kleine Tochter hatten wir schon zu Beginn ihrer Grundschulzeit nicht auf eine staatliche, sondern auf eine Privatschule geschickt. Wir waren aus verschiedenen Gründen von dem Konzept dieser Schule vollkommen überzeugt, z. B. auch wegen der Fürsorge der Lehrer, die sie ihren Kindern und Schülern altersgemäß entgegenbrachten.


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Bis zu jenem Freitag, als wir von der Schulleitung ein Schreiben bekamen, in dem mit einigen wenigen Worten der vom Schulvorstand ausgewählte neue Schulleiter vorgestellt wurde.

Meine Frau und ich sahen uns bei der Lektüre kurz an und dachten dasselbe:

Wenn das jener Mann ist, der damals…

Aber noch war es ja nur eine Vermutung aufgrund der Namensgleichheit, noch wussten wir ja nichts Genaues. Sagte uns die Vernunft. Unsere Gefühle allerdings waren in höchster Alarmbereitschaft!

Am Montagmorgen war ich noch vor der offiziellen Öffnung der Schule im Büro und wollte den noch amtierenden Schulleiter sprechen.

Er nahm sich auch sofort für mich Zeit und hörte meine doch sehr aufgeregt vorgetragenen Befürchtungen an: „Wenn das jener Mann ist, der damals…“ – „Ich werde morgen die BILD-Zeitung informieren…“ – „Diese Schule wird eingehen wie eine vertrocknete Primel…“ und noch andere derartige Sätze hatte ich ihm wohl an den Kopf geworfen.

Na gut, vielleicht etwas heftig… aber es ging um mein Kind!

Er hörte sich alles ganz ruhig an und versicherte mir, dass er im Laufe des Tages alles in die Wege leiten würde, um selbst Klarheit zu bekommen, und am nächsten Morgen sollte ich wieder zu ihm kommen, bis dahin bitte aber nichts unternehmen.

Am nächsten Morgen erzählte er mir unter anderem, dass jener Herr, der als sein Nachfolger vom Schulvorstand vorgesehen war, in der Tat jener Lehrer war, der vor einigen Jahren von der Schule meiner älteren Tochter verwiesen worden war. Aus gutem Grund, wie die Personal-Recherche ergab. Die damaligen „Gerüchte“ waren durchaus begründet.

Das Wichtigste für mich aber war, dass mir der Schulleiter versicherte, dass noch am selben Tag der Vertrag für den neuen Schulleiter rückgängig gemacht werden würde und dieser Herr nie und nimmer diese Privatschule leiten würde.

Meine Frau und ich waren zufrieden. Die Schule hatte schnell und angemessen reagiert und einen kaum absehbaren Schaden gerade noch abwenden können. Und meine Tochter ist noch heute an dieser Schule und fühlt sich noch immer sehr wohl – und wir auch!

Auch wenn ich jetzt keine Namen veröffentlichen möchte: Ich bleibe dem Schulleiter dankbar, dass er sich nicht von meiner Wut hat provozieren lassen und fürsorglich und ruhig den Fall gelöst hat.

Viele Grüße,

ein dankbarer Vater >>

Habt ihr auch solche Fälle oder Ähnliches erlebt?

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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