Nicht jede:r hat eine Bilderbuchfamilie – und das ist okay!


In Zeiten von Social Media ist es schwer, ohne Druck, dass andere es so viel besser haben, zu leben. Das gilt auch für das Familienbild, denn Fakt ist, dass nicht jede:r eine Bilderbuchfamilie hat – und das ist okay!

Ein ästhetisches Bild von Omas Apfelkuchen, eine Instagram Story vom Familienspieleabend, ein Boomerang mit den Eltern, die alle eine Grimasse ziehen – all diese Momentaufnahmen erwärmen unser Herz, suggerieren aber zugleich auch das Bild einer perfekten Familie.


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#family #familytime #familygoals #familyfirst

So viele Hashtags, die das Familienglück an die ganze Welt verbreiten. Und das ist völlig in Ordnung. Schöne Dinge teilen ist schließlich nichts Verwerfliches. Das Problem ist nur, dass diese Repräsentation sehr einseitig ist, und dadurch oft vergessen wird, dass dieses Bild der perfekten Familie nicht der Regelfall ist.

„Bilderbuchfamilie“ …

Streit …

Das fängt schon damit an, dass es in jeder Familie Konflikte gibt. Alle Welt streitet miteinander, auch diejenigen, die glückliche Familienbilder posten. Zu gelegentlichen Reibereien kommt es auch in der harmonischsten Familie.

Spannungen …

Es ist aber auch nicht unüblich, dass innerhalb der Familie Spannungen herrschen, die weit über Plänkeleien hinausgehen. Dass mit den Jahren zu viel kaputt gegangen ist, zu wenig Einsicht herrscht, und die Beziehung nicht mehr zu retten ist. Jene Person dann auf einer Familienfete zu sehen kann ziemlich unangenehm werden, und besonders friedvoll fällt ein Besuch vermutlich auch nicht aus.

Rechtfertigungen …

Oder aber wir finden uns in der Position wieder, sich für alles rechtfertigen zu müssen, während andere glauben, es besser zu wissen. Dass wir uns für alles erklären müssen – warum wir diesen Berufsweg einschlagen, warum wir heiraten, warum wir uns scheiden lassen, warum wir Kinder kriegen, warum wir keine Kinder kriegen, warum wir Kindern das und das erlauben oder nicht erlauben. Sich ständig gegen diese Art der Bevormundung auszusprechen kann so anstrengend sein, dass der Gedanke daran die Familie nicht zu sehen, sehr befreiend sein kann.

Gegen die Wand reden …

Und zu guter Letzt gibt es noch das Phänomen, dass ein reflektiertes Gespräch nicht stattfinden kann, weil die andere Person auf ihre Meinung beharrt. Mit einem Menschen zu reden und ständig alles abzunicken, weil man weiß, dass Diskutieren sowieso nichts bringt, ist zwar oft die einzige Lösung, aber ebenso eine sehr nervenaufreibende.

Familie – Die eigentliche Realität

Lasst uns also nicht vergessen, dass auch DAS Familie ist. Liebe und Spaß – ja, aber auch unverheilte Wunden, Spannungen, Konflikte, Rechtfertigungen und anstrengende Diskussionen, die zu nichts führen. Und das kennen fast alle – die einen mehr, die anderen weniger.


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Schuld und Scham darüber, wie wir empfinden?

Ich muss gestehen, dass ich mich immer sofort schuldig fühle, wenn bei mir Gedanken aufkommen, dass ich meine Familie in einer bestimmten Konstellation nicht sehen will. Schließlich will mir niemand etwas Böses, im Gegenteil – sie freuen sich auf mich, während ich das Treffen am liebsten absagen würde. Und obwohl ich weiß, dass Gefühle gar nicht falsch sein können, fühlen sie sich trotzdem so an. Als ob sie nicht berechtigt wären, wenn es Menschen sind, die mich lieben.

Verständnis für sich aufbringen

Und doch versuche ich nicht mehr allzu streng zu mir zu sein, und den Gefühlen nachzugehen, als mich einfach so meinem Schicksal zu geben. Und je länger ich darüber nachdenke, desto mehr Verständnis bringe ich für mich auf. Fakt ist, dass Familienfeste nun mal anstrengend sind, wenn Spannungen in der Luft liegen, und man schnell in einen Konflikt gerät, wenn eine Person etwas sagt, das ziemlich daneben ist.

Und wenn wir sagen, dass die Situation so unerträglich für uns ist, dass wir gar nicht erst daran teilnehmen können, dann ist das auch so. Denn auch das ist kein Einzelfall. Viele zwingen sich aus reinem Pflichtgefühl zu Familientreffen, während sie sie am liebsten sein lassen würden.

Dies ist auch der Grund, warum ich schon von vielen gehört habe, dass sie über Weihnachten mit ihren Kids oder gar alleine in den Urlaub fahren, um so einen legitimen Grund zu haben, um der Familienzeit zu entkommen.

Nicht jede:r hat eine Bilderbuchfamilie – und das ist okay!

Dieser Beitrag ist für all jene, die manchmal wehmütig auf andere Familien blicken und sich schuldig fühlen, dass ihnen dieses Glück nicht vergönnt wird. Natürlich gibt es Menschen, die mit dem reinsten Familienglück gesegnet sind – aber andere nicht. Das bedeutet nicht, dass sie schlechter sind und andere besser. Es bedeutet auch nicht, dass sie irgendwas falsch gemacht haben – die Familie kann man sich schließlich nicht aussuchen. Tatsächlich haben die meisten Menschen auf der Welt keine utopisch perfekte Bilderbuchfamilie und auch wenn Social Media uns gelegentlich etwas anderes suggeriert, ist das die eigentliche Realität.

Warum nicht auch DAS posten?

Zum Beispiel irgendeinen Fauxpas, den wir uns am Familientisch erlaubt haben. Oder ein Kuchen, der ganz und gar misslungen ist. Wir dürfen auch ehrlich sein, und müssen dabei nicht einmal eine bestimmte Person vor den Pranger stellen. Mich hat die Erfahrung gelehrt, dass viele Menschen verständnisvoller als erwartet reagieren und uns keinesfalls verurteilen – weil sie den Struggle nun mal auch kennen.

Dieser Beitrag war eine kleine Erinnerung daran, dass nicht alles was glänzt aus Gold ist. Auch in der digitalen Welt.

Liebe Grüße
Mounia

Mounia
About me

Ich - 25 Jahre alt, Studentin, Kinderanimateurin, begeisterte Hobbyköchin und abenteuerlustig! Meine absolute Leidenschaft ist das Schreiben und Festhalten von Momenten.

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