Das Spannungsfeld der Erwartungen – ein Gastbeitrag einer Mutter zum Druck in der Schule


Auch wenn ich mich sträube, die Begriffe Grundschule und Leistungsdruck in einem Satz zu nennen, muss die Wahrheit wohl ausgesprochen werden. Das war zwar auch schon vor Corona so, aber durch das „verpasste“ Schuljahr steht die Grundschule natürlich besonders im Fokus! Grundlagen beim Lesen oder Schreiben würden fehlen, das könne nicht einfach später nachgeholt werden.

Dieser Gastbeitrag stammt von einer Mutter aus der Community, welche gerne anonym bleiben möchte.


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Hier ihre Gedanken, wie sie die Zunahme an Druck in der Schule ihres Sohnes wahrnimmt:

„Mit dem Beginn der 3. Klasse in 2020 aus dem Lockdown kam eine neue Klassenleitung. Der Druck durch die Schulleitung wird an sie weitergegeben, und sie wiederum setzt die Kinder massiv unter Druck. Der Unterricht löst viele Ängste der Kinder aus, und erreicht dadurch, dass sowohl Kinder als auch Eltern verzweifeln. Das was zählt ist das Ergebnis und die Leistung. Nicht die individuelle Leistung eines jeden Kindes, sondern eben nur die Leistung die auch das Ziel erfüllt.

Nachdem ich mehrfach und immer wieder versucht habe der Klassenleitung zu vermitteln, wie es vielen Schülern der Klasse geht und einfach kein Gehör finde, habe ich mit meinem Kind ganz klar besprochen was ich erwarte.

Ich erwarte, dass es ausprobiert, versucht und Fehler macht.

Fehler anschaut und nachdenkt.

Ich erwarte nicht, dass Aufgaben 500x wiederholt werden, Inhalte auswendig gelernt aber nicht verstanden werden, keine Fehler gemacht werden und alles perfekt ist.

Mein Kind weiß, dass es mir nicht wichtig ist, welche Note es nach Hause bringt und dass es mir auch nicht wichtig ist, dass sie artig in der Schule sitzt.

Mein Kind weiß, dass man auch die Lehrkraft hinterfragen darf, und es weiß, dass ich die Werte die die Lehrkraft vermittelt nicht teile.


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Mein Kind weiß, dass es wertvoll und wundervoll ist.

Und dies nicht von der schulischen Leistung und der Bewertung einer Lehrkraft abhängt, die der Auffassung ist, dass sie „nichts mehr lernen muss“ weil sie „schon alles weiß „.

Die Lehrkraft weiß leider nicht, dass Kinder, die weinen, getröstet werden müssen. Kinder, die laut werden oder ganz ruhig, schreien und schimpfen, gehört werden müssen und nicht bestraft gehören. Leider weiß sie nicht, dass sie den kleinen Seelen schadet, wenn sie erwartet, dass die Kinder in der 3. Klasse den Druck der Gesellschaft aushalten müssen, damit sie lernen damit umzugehen.“

Erst einmal: Vielen Dank für diesen wertvollen Beitrag!

Nun einige Gedanken von mir als (vielleicht) angehende Lehrerin: In der Klasse hier herrscht offenbar eine Kultur, die von Angst und Druck geprägt ist. Das ist echt kontraproduktiv, Hirnforscher betonen immer wieder das Angst und Stress echte Killer fürs Lernen sind.

Zuhause sind in dieser Familie aber andere Dinge wichtig:

Ich-sein. Ausprobieren. Fehler machen. Reflektieren. Richtig verstehen und nicht nur auswendig lernen. Auch mal hinterfragen. Wertschätzung und Annahme. Geborgenheit. Zuhören.

Auch wenn der Einfluss von außen natürlich eine zentrale Rolle im Leben der Kids spielt:

Ihr Herzensanker liegt doch dort, wo die Menschen sind, die ihnen am nächsten sind.

Wenn sie dort ankommen dürfen, mit all den Erwartungen, Spannungen und Ansprüchen von anderen, und wissen, dass sie geliebt und angenommen sind – dann haben sie die allerbesten Bedingungen zum Leben und Wachsen.

Diese Werte zu leben, in einer Welt, die ganz schön viel fordert, die manchmal ziemlich gemein und auch zerstörerisch sein kann, braucht eine große Portion Mut! Und Durchhaltevermögen! Und Widerstandskraft. Aber es lohnt sich allemal.

Wie erlebt ihr diese Spannungsfeld der Erwartungen und Druck in der Schule? Welche Werte sind euch wichtig? Sprecht ihr mit euren Kids darüber?

Viele Grüße,

eure Larissa

Larissa
About me

Studentin, Mentorin, Potenzialentfalterin. Lebt leicht. Liebt alles was mit Entwicklung zu tun hat: Schule, Menschen, Städte... und Blumen! Familienmensch. Hat große Träume für die Bildungslandschaft. Und ein überdurchschnittlich hohes Bedürfnis nach Schnörkeln.

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