Raus aus der Spirale! – 5 Tipps, wie ihr damit aufhören könnt, in einer Partnerschaft alles aufzurechnen


Kennt ihr das, wenn sich eine Situation so hochschaukelt und am Ende gar nicht mehr klar ist, wie es dazu gekommen ist? Irgendwann fehlt der Ursprung des Ganzen und was bleibt, ist das Problem. Eine Leserin hat genau so ein Problem. Sie und ihr Mann bekämpfen sich, rechnen in der Partnerschaft alles auf und kommen gar nicht mehr raus…

Früher hat die Frau „alles“ gemacht. Die Erziehung der Kinder, der Haushalt. Heute ist das im modernen Haushalt anders. Beide Partner versuchen sich die Arbeit gerecht aufzuteilen. Doch auch diese „Gerechtigkeit“ hat Konfliktpotenzial.

Das schreibt unsere Leserin zu ihrem Zusammenleben als Paar:

„Verdammter Mist, mein Mann und ich rechnen nur noch auf, wer was leistet!“

<< Wenn wir darüber reden, zoffen wir uns nur noch! Jedes Gespräch artet aus in „Aber du!!“ und in ein genaues Aufrechnen, wer wie beiträgt und wer was leistet. Und wer nicht genug „Zeit für sich“ hat. Me-Time. Wir schaffen es nicht mehr, uns gegenseitig Fels in der Brandung zu sein. Und zu trösten. Wir nehmen uns bei solchen Diskussionen mehr Kraft weg, als wir uns geben. Von We-Time brauchen wir hier gar nicht mehr zu reden. Das artet im Zoff aus, sagte ich ja. Jeder von uns hat einen genauen Blick auf das, was der andere nicht tut. Oder nicht genug tut.

Ich eskaliere auch total. Nach drei Kindern, die ich alle bis Ende des zweiten Lebensjahres gestillt habe, fühle ich mich buchstäblich ausgelaugt. Ich habe schon mal alle Stunden des Stillens zusammen addiert…. wollt ihr wissen, viele das ist bei 3 Kindern? Über 5.000 Stunden! Über 680 Arbeitstage habe ich einen kleinen Menschen an der Brust gehabt…. Ist das doof, dass ich das so rechne? Ich habe nicht mal die Schwangerschaften gezählt, die körperliche Strapaze. Und die erste Zeit mit den Kindern, zu Hause. Erziehungsurlaub? Alles ich!

Ich würde nicht aufrechnen, wenn meine Mann jetzt nicht jede Stunde, die er mit den Kindern verbringt, die er im Haushalt hilft, aufrechnen würde. On Top zu seinem geheiligten Job!!! Und mir die Rechnung unter die Nase hält. Und ich bekomme dann den Drang, Gleiches zu tun!>>

Puh, das klingt wirklich nach ganz dicker Luft. Aufrechnen und Streit, aufrechnen und Streit eine Ewige Spirale.

Nun will die Leserin natürlich raus aus diesem Teufelskreis. Sie wünscht sich eine Lösung und ein angenehmes Familienleben ohne das ganze Aufrechnen. Die Frage ist nur, wie? Vor allem, wenn der Mann absolut gegen eine Paartherapie ist?

Aber kann es überhaupt so etwas wie Gleichberechtigung geben?

Versteht mich nicht falsch, ich möchte nicht anzweifeln, dass es nicht Paare gibt, bei denen das Zusammenleben sehr harmonisch und gerecht abläuft. Aber aus rein anatomischer Sicht kann der Vater oder die Mutter eben nicht alles machen. Das, was die Mutter während ihrer Schwangerschaft und danach geleistet hat, wird der Vater niemals in diesem Ausmaß zurückgeben können. Niemals wird der diesen Schmerz, diese Müdigkeit und diese „Arbeit“ nachempfinden können. Das ist nun mal Fakt. Ich finde es auch nicht verwerflich, dass die Leserin sich bewusst macht, wie viel Arbeit es ist, ihre Kinder zu stillen.

Aber aufrechnen?

Ich muss euch gestehen, dass ich es immer sehr schwierig finde, wenn Eltern Dinge aufrechnen, die etwas mit ihren Kindern zu tun haben. Natürlich gab es auch das in meinem Haushalt und wisst ihr, wie ich mich als Kind dabei gefühlt habe? Ich dachte, es sei meine Schuld! Ich dachte, dass wir daran Schuld wären, dass ständig wegen uns Kindern gestritten wurde.

Heute, aus „erwachsener“ Sicht kann ich sagen, dass das nicht stimmt! Ich bin das Kind und ich habe mir nicht ausgesucht, auf die Welt zu kommen. Menschen, die sich dazu entscheiden, Kinder bekommen, sollten es nicht als Last ansehen, sich um sie zu kümmern, oder die Zeit beim anderen Elternteil aufzurechnen. Der Vater sollte also keine Medaille dafür erwarten, dass er mal mit den Kindern spielt und im Haushalt hilft. Und genauso sollte die Frau den Mann nicht aufrechnen, dass er seine Kinder nicht gestillt hat. Er kann es eben nicht.

Das mag euch vielleicht sehr hart erscheinen, vor allem, von jemandem, der noch keine eigene Familie hat. Aber ich spreche auch nicht als Elternteil, sondern als Kind, dass die Spirale ebenfalls mitbekommen hat. Gleichberechtigung kann es wahrscheinlich also gar nicht geben, aber gerechte Aufteilung schon.

Und was sagt die Community dazu?

Nun, einige von ihnen wussten genau, wie es der verzweifelten Mama ergeht und andere hatten hilfreiche Tipps. Wir haben ein paar von ihnen für euch zusammengefasst – falls das Problem für euch auch akut ist.

5 Tipps aus der Community, wie ihr damit aufhören könnt, in einer Partnerschaft alles aufzurechnen:

1. Erstellt einen Arbeitsplan!

Natalie Brozio
Schreibt einen Plan. Egal wie, oder für was. Jeder ist mal dran. Ob der Tag anstrengend war oder nicht. Der Plan sagt, was Sache ist. Dann kann sich niemand rauswinden oder dem anderen Vorwürfe machen. Ich habe das Gleiche in meiner Ehe gehabt.

2. Schreibt euch auf, wie dankbar ihr seid – jeden Tag!

Daniela Janke
Ich würde ein Dankbarkeitsgefühl-Tagebuch schreiben. Am besten schreibt jeder für sich jeden Tag auf, was ihm an dem anderen heute gut gefallen hat und wofür er dankbar war. Das soll den Fokus auf die positiven Seiten lenken.

2. Gebt dem anderen Freiraum.

Pauline Felter
Meine Mutter sagte vor Kurzem: Probiere dem anderen so viel Zeit für sich zu schenken, wie möglich. Aber das klappt nur, wenn beide mitmachen. Geben, anstelle von nehmen.

3. Schluss mit den Vorwürfen!

Heidi Guder
So einen Teufelskreis aus Vorwürfen zu durchbrechen, kann man nur, indem man keine Vorwürfe mehr macht. Auch wenn sie angebracht und mehr als berechtigt sind. Das kostet sehr viel Überwindung und Kraft.

Wenn er schon keine psychische Hilfe für euch von außen will, versuch mit ihm gemeinsam einen Plan aufzustellen, in dem jeder mal seinen Tag/Vormittag/Nachmittag Ruhe hat. Das wäre zumindest ein Anfang. Je nach Laune sind Kinder halt auch zu ganz unterschiedlichen Zeiten anstrengend oder auch mal ausgelastet. Das sollte bei euch derzeit aber kein Argument sein. Ihr braucht erstmal Strukturen, an denen ihr beide festhalten könnt und darauf aufbauend vielleicht wieder etwas Frieden findet.

4. Eine Paartherapie – auch wenn der Mann nicht will!

Anja Kasper
Eine Paartherapie gibt euch einen Blick auf die grundlegenden Probleme. Wir hatten das auch und es hat uns sehr geholfen. Mein Mann hat auch erst zugestimmt, als es richtig ernst wurde. Fazit: eine Außenstehende Person kann viel besser auf euch schauen, rational. Eure Gespräche vom „du hast“ zum „es fühlt sich für mich so an…“ Weniger konfliktgeladene Gespräche.

Zum Abschluss noch einen sehr ausführlichen Kommentar von Luise Turner, den ich unbedingt hier reinbringen wollte!

5. Findet den Fokus wieder!

Als Außenstehender kann man immer leicht reden und ich weiß, dass das alles andere als einfach ist. Aber versuch den ersten Schritt zu machen. Versuch mit dem gegen rechnen aufzuhören. Versucht euch bewusst zu werden, dass jeder Mensch anders ist und eben auch andere Dinge leisten kann/will. Hast du dich mal mit gewaltfreier Kommunikation auseinandergesetzt? Das Wichtigste ist, dass du bei dir bleibst. Kein „Du hast aber“, sondern „ich brauche“. Es kommt mir so vor, als hättet ihr den Fokus verloren. Es geht nicht mehr darum, sich um die Kinder zu kümmern und für die Kinder da zu sein, sondern darum, wer das eben NICHT tun „muss“.

Arbeit gerecht aufteilen ist in meinen Augen sehr schwer, weil manche Arbeiten dem einen schwerer fallen als dem anderen und er sie somit als größere Last ansieht.

Es liest sich so, als wäre euch die gegenseitige Wertschätzung abhanden gekommen (kenn ich aus beiden Blickwinkeln sehr gut) Vielleicht hilft es euch, wenn ihr euch verabredet. Ihr sucht euch einen Termin, organisiert einen Babysitter und jeder schreibt zu dem Termin auf, was ihm wichtig ist und welche Bedürfnisse er hat. Ohne Vorwürfe an den anderen, ohne Erwartungen an den anderen, nur die eigenen Vorstellungen und Wünsche ohne „Ich will, dass du….damit ich….“ Lediglich ein „Ich will, ich brauche, ich wünsche…“ Damit bekommt ihr beim aufschreiben einen Zugang zu euch selbst und beim Vorlesen vielleicht auch einen besseren Zugang zu eurem Partner. Dann könnt ihr vielleicht auch nach einer besseren Lösung suchen. Nicht mehr gegeneinander, sondern miteinander arbeiten. Ich bin sicher, wenn ihr beide euch wieder auf Augenhöhe begegnen könnt, wird es auch wieder entspannter werden.

Das waren 5 wie Tipps der Community, wie ihr damit aufhören könnt, in einer Partnerschaft alles aufzurechnen!

Einen großen Dank an alle, die ihre Gedanken mit der Community geteilt haben!
Und auch einen Dank an die Mama, die so mutig war, sich an uns zu wenden und um Rat zu bitten! <3

Liebe Grüße,

Mounia

 

Mounia
About me

Ich - 25 Jahre alt, Studentin, Kinderanimateurin, begeisterte Hobbyköchin und abenteuerlustig! Meine absolute Leidenschaft ist das Schreiben und Festhalten von Momenten.

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