Gefühlausbruch? Welches unerfüllte Bedürfnis kann dahinter stecken?


Wut, Schreien, Verzweiflung. Wir kennen das vor allem von kleinen Kindern… aber auch von uns selbst. Unsere Kolumnistin mindfulsun hat eine Botschaft:

Hinter unangenehmen Gefühlen stecken unerfüllte Bedürfnisse

In meinem letzten Beitrag habe ich zur Wahrnehmung von Gefühlen gesprochen und dass ich sie niemandem abspreche, besonders nicht meinen Kindern.

Sehr wichtig ist hier für mich, nicht mehr in positive und negative Emotionen zu kategorisieren.
Ja, manches fühlt sich nicht so gut an und hat doch seinen Sinn!

Und doch war es irgendwie ein Instinkt, mich davon sofort zu befreien zu wollen.

Die Folge: Verdrängung, Vermeidung, mich ablenken, nicht zulassen:

Abbruch-Programm einleiten!

Was sind allerdings nun diese unangenehmen Gefühle? Nichts anderes als unerfüllte Bedürfnisse!

Ich empfinde es sehr wichtig, auf die Botschaft hinter den Gefühlen zu schauen.

Das zu lernen, beginnt in der Kindheit. Und hier meine ich: Idealerweise, denn ich habe das leider nicht gelernt. Erst in der Therapie wurden mir die Grundlagen dazu vermittelt und natürlich gebe ich das nun auch an meine Kinder weiter!

Was also hier der Weg ist: Gefühle wahrnehmen, Bedürfnisse dahinter erkennen! Und auch zu verstehen: nicht jedes Bedürfnis kann (sofort) erfüllt werden und auch zu lernen, damit umzugehen.

Im letzten Artikel habe ich den Fokus auf das nicht absprechen von Gefühlen gelegt. Heute möchte ich noch auf andere Aspekte eingehen.

Ich habe auch nichts damit erreicht, alles dafür zu tun, damit meine Kinder „unangenehme“ Gefühle überhaupt nicht erst entwickeln! Das war ein Fehler.

Und ich habe auch nichts erreicht, wenn ich meine stets Kinder ablenke, wenn sie traurig sind. Für mich ist es durchaus OK, Kinder in manchen Situationen abzulenken und zu bespaßen – wer kennt das nicht, ein Spielzeug vor die Nase halten und damit baumeln, bis Ruhe ist oder das Kind lacht – wenn das Kind allerdings weint und traurig ist, ist es mir wichtiger die Bedürfnisse dahinter zu kennen und auch, dass mein Kind diese wahrnimmt. Beide lernen hier!

Béa erzählte mir von folgendem Erlebnis, was es anschaulich macht:

Sie beobachtete in der Bahn, eine Mutter mit Kleinkind. Das Kind wurde unruhig und fing an zu weinen. Die Mutter versuchte das Kind abzulenken, mit kurzfristigem „Erfolg“ und dann weinte das Kind wieder. Immer wieder. Irgendwann erkannte die Mutter, dass dem Kind wohl zu warm ist und zog ihm die Jacke aus. Danach war das Kind ruhig. Das Bedürfnis dahinter: Mir ist zu warm – wurde erkannt und gestillt.

An dieser Stelle: Hier schaue ich eben auch auf mich. Warum ist es mir jetzt ein Bedürfnis, das Kind abzulenken?

Was steckt dahinter? Kann ich vielleicht nicht mit den Emotionen meines Kindes umgehen? Möchte ich meine Ruhe? Möchte ich das Problem schnell lösen? Und vor allem: Ist das Problem wirklich gelöst, wenn das Kind aufhört zu weinen?

Ablenkungen sind für mich oft nur eins: ein kurzfristiges Pflaster.
(Was in bestimmten Situationen durchaus ok für mich ist!)

Es ist für mich bedeutsam, zu lernen mit Emotionen und schwierigen Situationen umzugehen. Und manchmal haben auch wir Erwachsenen da noch unsere Defizite.

Wie viele Erwachsene laufen eigentlich auf dieser Welt herum und können ihre Gefühle nicht einordnen, ihre Bedürfnisse nicht wahrnehmen und angemessen kommunizieren?

Denn auch darum geht es, nicht nur zu erkennen, alle unangenehmen Gefühle sind valide und das Bedürfnis dahinter zu erkennen ist wichtig, sondern auch um:
Selbstregulation, die Fähigkeit zum Selbstmitgefühl und um die Handlungen, die aus den Gefühlen/ Bedürfnissen entstehen:

Es ist ok wütend zu sein. Was steckt allerdings hinter der Wut? Vielleicht Schmerz oder Hilflosigkeit?

Es ist eben nicht ok, dem anderen dann erst mal sofort die Schippe über den Kopf zu ziehen!
Auch Impulse kontrollieren zu lernen, finde ich wichtig.

Und hier gilt für mich: Vorleben!

Ein brüllendes Kind anschreien, weil es mein erster Impuls ist – geht für mich nicht. Unruhig auf ein unruhiges Kind zu reagieren – hilft uns beiden nicht.

Und nein, ich bin kein buddhistischer Mönch. Ich reagiere auch mal über oder aus dem ersten Impuls heraus. Was dann ganz wichtig ist: Erkennen und das auch an meine Kinder geben: „Es tut mir leid, wie ich gerade reagiert habe.“

Ich bin die Erwachsene! Es liegt an mir, achtsam zu sein, meine Emotionen zu regulieren und die Verantwortung dafür zu übernehmen.

Das ist ein Prozess und geschieht nicht über Nacht! Neben dem Vorleben, kann ich als Mutter ein Coach sein. Die Jungs anleiten – und das bedeutet auch: nicht bevormunden, nicht vorweg nehmen, nicht Gefühle interpretieren und daraus ableiten, was mein Kind jetzt denn nun brauchen könnte. Das ist meine Sicht, auf meinen Teenager! Wie genau das hier funktioniert, beim nächsten Mal mehr.

Eure mindfulsun

P.S. von Béa:

Kennt ihr das eigentlich auch von euch selbst? Wenn ihr auch gereizt und genervt seid – wisst ihr dann, welches Bedürfnis dahinter steckt?

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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