Ziemlich schlimmste Freunde – was tun wenn man die Freunde des Kindes nicht mag?


„Mama, das sind meine Freunde!“ – wie schön, wenn Kinder andere Kinder nach Hause bringen! Aber was ist, wenn man die Freunde des Kindes nicht mag?

Die Frage der Woche in der Gruppe „Tolla Eltern – Tipps & Tricks“ lautet:

„Was macht ihr, wenn ihr Freunde eurer Kinder nicht so richtig nett und sympathisch findet?“

Ich kam auf diese Frage durch eine persönliche Erfahrung: Gleich in der ersten Klasse wurde eine Freundin von meiner Tochter zu einer mütterlichen Herausforderung für mich. Das kleine Zauberwesen namens Undine sah zart und elfenhaft aus, mit blonden Haaren und einem herzerweichenden Lächeln. Sie fiel auf mit ihrer Lebendigkeit, ihrem Charme, ihrer Nonchalance bei der Einschulung: Gleich nach dem Überreichen der Zuckertüten trat sie einige Schritte nach vorne, rief laut: „Wer fängt den Brautstrauß auf?“ und warf ihren von den Eltern mit viel Liebe selbstgebastelten Schultüten-Monstrum in die Kindermenge.
Genauer gesagt, einem kleinen, schmächtigen Jungen direkt an den Kopf.
Er weinte, sie lachte.

Ab dem Punkt nannten ich sie Unsine.

„Unsine“ kam gern zu uns und übertraf stets meine verrücktesten Experimentier- und Bastelideen. Kein Rasierschaum war ihr zu heilig, kein Fenster zu stabil, keine Farben zu bunt und keine Wand… ach, lassen wir das. Unsine musste einfach alles mit allem ausprobieren. Alles kaputt bekommen, was kaputtbar war. Alles herausfordern, was herauszufordern war – inklusive die in Wannsee ortsansässige Wildschweinsau mit Frischlingen, was mit einem kleinen Polizeieinsatz endete.

Ich habe mich schwer getan, meiner Tochter nahezubringen, dass mich ihre Freundschaft mit diesem aufgeweckten und absolut paktunfähigem Mädchen belastete. Ich weiß noch, wie sehr ich mich damals mit der Frage auseinandergesetzt habe: „Was machen, wenn ich diese eine Freundin meiner Tochter nicht ausstehen kann und ich sie nicht bei uns haben möchte?“Letztlich haben sich doch die Problem von allein gelegt. Mit der Zeit kamen andere Kinderfreundschaften dazu, und Unsine wurde mit dem Alter auch zahmer.

Auch die Antworten aus der Community zeigen, dass eher Geduld, werteorientierte Erziehung und die eigene Einsicht des Kindes die Situationen lösen: 

Die vierfache Mutter Gabriele Patzschke von www.motherbook.de berichtet: „Wir hatten mit vier Kindern zwei Phasen, in denen Freunde ein schwieriges Thema waren:

1. Eine 6er Mädchentruppe im Grundschulalter, die schon auf dem gemeinsamen Schulweg mit subtilen Gemeinheiten einzelne sehr hinterhältig schikanierten, was auch nicht zu lösen war… wir haben uns dem „elegant entwunden“, indem meine Tochter früher auf’s Gymnasium ging. Sie ist heute noch als einzige mit allen distanziert befreundet.

2. Ein Sohn hatte in der frühen Pubertät zwei Freunde, die alles durften und in ihrem ständigen „sturmfreien“ Zuhause ganz cool und grenzenlos Alkohol- und Drogenexzesse praktizierten – unter dem Siegel der Verschwiegenheit versteht sich. Zahllose Gesprächsversuche und unruhige Nächte auch für mich brauchten wir, bis mein Sohn, ohne gegen mich in den verhärteten Oppositionsmodus zu verfallen, erkannt hatte, dass man auch „cool“ sein kann, wenn man nicht alles mitmacht… Diese Situationen gehörten für mich zu den größten Herausforderungen der Erziehung!“

Frida Mercury von www.2kindchaos.com  war mal auf der Suche nach Kompromissen:

„Wir hatten mal den Fall, dass unsere Tochter immer mit den Nachbarskindern spielen wollte und das waren leider welche, die auch Kleinkinder schubsen und schlagen generell ein normaler Umgang war. Sie hatte es nie abgekriegt, wohl aber angedroht bekommen und man ging auch sehr grob mit ihr um. Zum Glück sind wir dann umgezogen denn so wirklich zwischen die Kinder stellen konnten wir uns auch nicht. Ich denke es gibt vielleicht den Kompromiss, dass man sich nur z.B. auf Spielplätzen verabredet und nicht zuhause…? Denn ganz ehrlich wenn die Kinder schon so schräg drauf sind möchte ich da mein Kind auch nicht ohne Aufsicht abgeben.“

Claudia Schehl von Sternenzauberglitzerfunkel schreibt:  „Das ist eine wirklich knifflige Frage. Denn es ist ein innerer Kampf zwischen Vertrauen ins Kind und dem bockigen Mama-Ego, das lenken will, welchen Einflüssen der Nachwuchs ausgesetzt ist. Wir hatten nun gerade aktuell die Situation, dass sich eine Freundin meiner Neunjährigen durch fehlenden Anstand (ein gruseliges Wort, aber es passt leider einfach) mir gegenüber auszeichnete und meine Tochter permanent erpresste, wenn diese ihr nicht gehorsam war. Am liebsten hätte ich sofort den Kontakt verboten. Aaaaaber: Was verboten wird, erhält mehr Reiz, denn es fehlt die Einsicht, wieso es zu meiden sein sollte.

Also habe ich schweren Herzens und mitleidend abgewartet, bis der Leidensdruck meiner Tochter so groß war, dass sie mich nach meiner Meinung fragte und ich habe mit ihr darüber gesprochen, was für mich eine Freundin ausmacht und welche Werte für mich in einer Freundschaft wichtig sind. Außerdem habe ich darüber gesprochen, welchen Wert ich für mich habe und wie ich von anderen Menschen behandelt werden will, damit es mir gut geht.
Sie hat dann selbst festgestellt, dass ihre Freundin, dem nicht entspricht und hat dann auch ganz eigenverantwortlich entschieden, dass sie sich mit diesem Mädchen nicht mehr treffen möchte. Ich bin sehr froh darüber und auch sehr stolz auf meine Tochter.“

Letzten Endes kann man aktiv wenig machen – Jenny Schulz bringt es auf den Punkt: „Mein Kind schreibt mir meine Freundschaften auch nicht vor und kann selbst entscheiden wen es gerne hat.“ 

Und JuSu Hubinger von www.mamaschulze.de kennt das eher von der anderen Seite:
Schwierig, schwierig. Wir hatten den Fall zum Glück noch nicht. Aber, wenn es mal so sein sollte, muss ich mich als Mama zurücknehmen und die Wahl meiner Töchter akzeptieren. Ich finde, dass Eltern diese Entscheidung akzeptieren sollten- solange die Kinder natürlich keinen „Schaden“ an dieser Freundschaft nehmen.  Wir haben eher den Fall, dass meine Tochter (oder ich), aus welchem Grund auch immer, nicht mit einer Kitafreundin spielen „darf“. Verabredungsversuche von meiner Seite scheitern immer an der anderen Seite. Und das tut mir immer sehr leid, da die beiden Mädchen sich in der Kita wirklich sehr gut verstehen und auch liebevoll miteinander umgehen, sich zum Beispiel gegenseitig in die Jacken helfen usw. Und ich muss sagen, es ist schon auch ein komisches Gefühl für mich, nicht gewollt zu sein. Das Gespräch mit der Mutter habe ich allerdings noch nicht gesucht, weil ich irgendwie die Konfrontation scheue. Aber eigentlich sollte ich diese für meine Tochter eingehen, oder?“

Also: Geduld, gute Nerven und in Gespräch bleiben scheint die einzig gute Lösung zu sein! Und nicht vergessen: Freunde gehören zu Phasen. Und Phasen gehen auch mal vorbei… 

Habt ihr auch solche Erfahrungen gemacht?

Liebe Grüße,

Béa

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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