„Habe ich was Falsches gesagt?“ – Was ist Friendship Anxiety?


Die eigenen Sorgen und Unsicherheiten können sich auf das ganze Leben auswirken – auch auf Freundschaften. Vor Kurzem habe ich erfahren, dass es dazu einen eigenen Begriff gibt: „Friendship Anxiety.“

„Friendship Anxiety“

Wortwörtlich übersetzt bedeutet der Begriff „Freundschafts-Angst“ – was aber nicht heißt, dass man sich vor seinen Liebsten fürchtet, sondern innerhalb der Freundschaft mit sozialen Ängsten zu kämpfen hat. Das Phänomen trifft häufig auf empathische und sensible Menschen, die von Natur aus sehr verkopft sind, und – große Überraschung – Ängste haben. Dabei spielt es keine Rolle, wie gesund und stabil die Freundschaft ist. Die eigenen Unsicherheiten sind so stark, dass sie die Wahrnehmung verzerren können.


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Es braucht nur einen komischen Blick oder missinterpretiertes Seufzen, um sofort in die Gedankenspirale zu rutschen. Die Person zerdenkt den Moment, rekapituliert die gesagten Worte, und mutmaßt, was in der anderen Person vorgeht.

Typische Beispiele:

Die Angst, „zu viel“ zu sein

Habe ich zu viel erzählt? Habe ich zu viel Raum eingenommen? Habe ich die anderen mit meiner Rede genervt?

Die Angst, jemanden zu verletzen

Habe ich was Falsches gesagt? Ist die Person sauer auf mich? Habe ich sie gekränkt? Habe ich alles nur schlimmer gemacht? Ist die Person meinetwegen traurig?

Die Angst, ausgeschlossen zu werden

„Warum wurde ich nicht eingeladen? Warum wurde mir nicht davon erzählt? Hat die Person mir nicht genug vertraut?

All diese Glaubenssätze „Ich bin falsch, ich bin zu viel“ haben natürlich einen viel tieferen Ursprung, der vielleicht bis zur Kindheit zurückreicht. Nichtsdestotrotz schränken sie einen im Alltag ein – sogar in der Freundschaft.


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Den Wald vor lauter Ängsten nicht sehen

Die Schuld wird automatisch bei sich selbst gesucht, dabei geht es oft gar nicht um Schuld, manchmal steht nicht einmal ein Konflikt im Raum (dieser ist nur im Kopf). Aber in diesem Moment sind die inneren Glaubenssätze so stark, dass sie einen förmlich erdrücken.

Was hilft, ist reden.

Gar nicht so leicht, denn wer viele Ängste hat, ist oft auch konfliktscheu.

Aber eine andere Möglichkeit gibt es nicht. Wer Antworten will, muss auch nachfragen können…

Über die Ängste reden

Die gewaltfreie Kommunikation empfiehlt mit dem Herzen zu reden, und ganz ohne Vorwurf seine Gefühle zu teilen.

„Hey, dass ich nicht eingeladen wurde, hat mich etwas unsicher zurückgelassen. Du kannst natürlich einladen, wenn du willst, und ich bin dir nicht böse… aber darf ich fragen, warum ich nicht dabei sein soll?“

Das Lustige: Meistens ist die Antwort so banal, dass man sich im Nachhinein fragt, warum man sich überhaupt so einen Kopf gemacht hat.

„Oh, ich hab‘ dich nicht eingeladen? Ich dachte, das hätte ich.“

„Ach, du hast auch Lust, mitzukommen? Klar gern, ich dachte nur, das wäre nicht so dein Ding.“

Und wenn sie nicht banal ist, dann muss das trotzdem nicht heißen, dass die Person daran „schuld“ ist.

„Ja, ich wollte diesmal nur eine kleine Runde machen, weil ich so wenig Platz in der Wohnung habe. Das ist natürlich überhaupt nicht gegen dich gerichtet.“

Was, wenn die Sorgen ausnahmsweise mal berechtigt sind?

Neulich hatte ich eine Situation, in der ich meiner Freundin von einem Vorfall erzählte, und noch während sprach, fürchtete ich, dass das Thema vielleicht zu triggernd für sie sein könnte. Meine Freundin unterbrach mich dann auch, weil es ihr tatsächlich zu viel war. Ich fühlte mich natürlich furchtbar, weil ich sie mit meinen Worten belastet hatte.  Aber meine Freundin war überhaupt nicht sauer, wollte einfach nur das Thema wechseln, und über etwas anderes reden.

Für ein friedliches Gespräch gehört, dass beide Parteien ihre Grenzen setzen, und ich habe gelernt, dass es wichtig ist, die Grenzen anderer nicht als Vorwurf gegen mich aufzufassen. Meine Unsicherheiten haben etwas mit mir zu tun, und nicht mit ihr.

Kanntet ihr den Begriff „Friendship Anxiety“? Was sind eure Gedanken dazu?

Liebe Grüße

Mounia

Mounia
About me

Ich - 25 Jahre alt, Studentin, Kinderanimateurin, begeisterte Hobbyköchin und abenteuerlustig! Meine absolute Leidenschaft ist das Schreiben und Festhalten von Momenten.

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