Larifari-Zusagen – Warum stimmen wir Einladungen zu und gehen dann doch nicht?


Ob Geburtstage, Grillabende oder Abschiedspartys– egal, um welches Event es geht, manchmal sagen wir zu und gehen dann doch nicht hin. Aber warum ist das so? Und was sind die Gründe für besagte Larifari-Zusagen?

Ich habe lange überlegt, wie ich den Begriff für das Phänomen nennen will, um das es in diesem Beitrag geht. Das Ergebnis war: Larifari Zusagen, und das ist damit gemeint:


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Larifari Zusagen

Ihr werdet eingeladen, aber ihr sagt nur so halb zu, überlegt nochmal. Und wenn, dann sagt ihr vielleicht auch im letzten Moment ab, weil ihr doch wegfahrt, oder ihr verplant hattet, dass ihr eigentlich etwas viel Wichtigeres vorhabt. Oder ihr habt schlicht und einfach keinen Bock, so früh aufzustehen, und dann ewig zu fahren.

Eure Gastgeber:innen wissen folglich nicht, ob ihr wirklich kommt, ob ihr euch an die Uhrzeit haltet oder vielleicht erst viel früher oder später geht. Auf eine Larifari Zusage können sie sich schließlich nicht verlassen.

Neulich war ich bei einem Wohnungseinweihungsbrunch, zu dem insgesamt 20 Leute eingeladen wurden. Ich hatte ein schlechtes Gewissen, weil sich meine Ankunft wegen der Bahn um eine halbe Stunde verzögerte; als ich schließlich auftauchte, war ich jedoch die erste. Und das blieb für die nächsten zwei Stunden so. Dann kamen noch drei weitere, also insgesamt vier von 20. Einer sagte dann auch schließlich ganz spontan ab, allerdings erst, als die Party schon zwei Stunden lief.

Das Pärchen, das die Party gab war traurig und ziemlich enttäuscht – ich war hauptsächlich verwundert, denn ich verstand nicht, warum so viele erst zusagten und dann gar nicht kamen. Eine Einweihung ist schließlich ein großes Event; noch dazu wurden die Geburtstage beider nachträglich gefeiert. Und es war auch nicht so, dass sie oft Parties schmissen.

Und doch kam fast niemand, und das erinnerte mich an das Grillevent, das ich vor ein paar Jahren geplant hatte und auch sehr unglücklich verlief. Denn auch da sagten fast alle im letzten Moment ab und am Ende war es eine sehr kleine Gruppe, die nicht gut miteinander harmonierte.

Das Schlimmste:

Niemand hatte ein schlechtes Gewissen.

Sorry, ich schaffe es doch nicht.

Sorry, ist was dazwischengekommen, aber wir holen das nach.

Sorry, hab voll verschlafen, ich komm dann zwei Stunden später!

Diese Absagen zeugten nicht von ehrlicher Reue – ihr erinnert euch an die Non-Apologies?

Versteht mich nicht falsch: Es gibt verplante Chaoten, die sich in Datum und Uhrzeit verzetteln und dann viel zu spät oder gar nicht auftauchen. Und nicht genau pünktlich auf die Minute zu kommen, ist auch nicht weiter schlimm. Nicht jede Party beginnt um Punkt acht Uhr; manchmal gehört es fast zum guten Ton, ein bisschen später aufzutauchen. Und die Gastgeber:innen sind meist schon darauf eingestellt.

Aber wenn gemeinsam gefrühstückt wird … Wenn ein Tisch reserviert wird … da muss man doch pünktlich sein, oder?


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Generationsding?

Ich musste sofort daran denken, dass diese Larifari-Gesellschaft definitiv generationsgeprägt ist. Wenn alle so sind, zieht man automatisch mit. Es gibt auch einfach so viele Events – hier ein Geburtstag, da eine Einweihung, da ein Abschied. Meist sind viele Leute eingeladen, weshalb es nicht ganz so tragisch ist, wenn man dann doch nicht auftaucht (es sei denn alle denken so …).

Meine Eltern hingegen sind überhaupt nicht so. Wenn sie zusagen, dann kommen sie. Neulich hatte meine Mutter am Tag des Events überhaupt keine Lust, hinzugehen, aber im letzten Moment absagen war keine Option, und so gab sie sich einen Ruck und ging trotzdem.

Ob das Phänomen mit der Generation begründet werden kann, weiß ich nicht, aber ich finde trotzdem, dass sich das Phänomen besonders häufig bei den Generation Y und Z äußert.

Wem oder was messen wir Wichtigkeit bei?

Ein weiterer Aspekt ist, dass wir unsere Prioritäten anders auflisten. Eine Hochzeit würde niemand spontan absagen, weil doch was dazwischengekommen ist. Wir würden selbst dann gehen, wenn wir müde und verkatert sind, schließlich rechnet das Brautpaar mit unserer Anwesenheit.

Überhaupt werden besondere Ereignisse, die nur ein Mal (im Jahr) geschehen, höher aufgestellt. Wir gehen zu Hochzeiten, Jungesellenabschiede, und runde Geburtstage. Andere Ereignisse, die für die Gastgeber:innen genauso bedeutsam sein können, werden weniger priorisiert.

Larifari-Gesellschaft oder Larifari Freundschaften?

Abschließend noch zu meiner letzten Theorie. Liegt es wirklich an der Generation oder Priorisierung – oooder liegt es an der Freundschaft selbst?

Bei dem Brunch, von dem ich euch erzählt hatte, sind letztlich nur vier Leute aufgetaucht – der wichtigste Kern, der auch beim Umzug und sonstigen großen Events dabei war.

Die Gastgeberin erzählte mir später, dass sie durch diesen Tag nochmal erkannt habe, wer ihre „wahren“ Freund:innen seien. Sie habe zwar einen großen Kreis mit vielen Bekannten, aber der verlässliche Kern sei dann doch sehr klein.

Lieber absagen als Larifari-zusagen

In dieser Woche habe ich mich intensiv mit dem Thema beschäftigt und erkannt, dass ich leider nicht ganz unschuldig bin. Erst neulich habe ich mich kurzfristig bei einer Geburtstagsparty rausgenommen, weil ich letztendlich keine Lust hatte. Ich kannte die Person nicht gut und wusste nicht, warum ich überhaupt zugesagt hatte. Meine Bekannte war zum Glück nicht sauer, aber das schlechte Gewissen war trotzdem groß.

Zu oft sage ich ja, weil ich niemanden enttäuschen will. Aber am Ende tue ich es vielleicht sogar noch mehr, weil sich die Person auf mich verlassen hat. Und das ist nicht cool. Deshalb habe ich mir vorgenommen, bei einer Einladung lieber nein zu sagen, anstatt mich zu zwingen oder im letzten Moment abzusagen. Davon hat schließlich auch niemand was.

Habt ihr Erfahrung mit Larifari-Zusagen? Würdet ihr sie auf die Generation, die Priorisierung oder die Freundschaft selbst zurückführen?

Liebe Grüße
Mounia

Mounia
About me

Ich - 25 Jahre alt, Studentin, Kinderanimateurin, begeisterte Hobbyköchin und abenteuerlustig! Meine absolute Leidenschaft ist das Schreiben und Festhalten von Momenten.

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1 Kommentare

Nine
Antworten 3. September 2022

Ich finde das hat auch viel mit der Kultur zu tun. In vielen Kulturkreisen würde man nie offen absagen (auch wenn man schon definitiv weiß, dass man nicht kommen wird) um den anderen nicht vor den Kopf zu stoßen / das Gesicht zu bewahren. Ich finde auch, dass es viel blöder ist, eine Zusage zu bekommen, die gar nicht so gemeint ist, und am Ende enttäuscht zu sein wenn die Person nicht kommt. Aber für andere ist es viel schlimmer mit einer direkten Absage konfrontiert und offen zurück gewiesen zu werden.

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