Wir stellen vor: Die Musikerin Phela und das Video zu ihrem Lied „Mama“ – *Werbung*


Heute möchten wir euch die wundervolle Künstlerin Phela vorstellen, die wundervolle deutschsprachige Musik macht. Sie singt, schreibt ihre eigenen Songs, spielt Geige und malt so ganz nebenbei auch noch tolle Bilder. Seit ein paar Monaten ist Phela Mama und hat darüber ein Lied geschrieben, welches uns sehr berührt hat – u.a. auch, weil das Video dazu sehr unaufgeregt, echt und berührend ist.

Liebe Phela,

erzähl uns doch bitte kurz, wo du herkommst und wo du dich zuhause fühlst?

Ich komme aus einem kleinen Dorf in Bayern, mit 7 Häusern – eines davon ist ein ehemaliger Bauernhof ohne Tiere (wir hatten nur einen Hund und eine Katze), auf dem ich gemeinsam mit meiner Schwester groß geworden bin. Mein Papa war alleinerziehend und so war es eine ziemlich wilde, bunte Kindheit. Zuhause fühle ich mich aktuell da, wo meine kleine Tochter ist. Ich bin nie an einen Ort gebunden, sondern „Zuhause“ ist für mich schon immer mit Menschen verbunden.

Was bedeutet Familie für dich?

Die Familie ist und bleibt für immer – man geht zusammen durch gute und schwere Zeiten, aber wenn es drauf ankommt, hält man immer zusammen. Natürlich ist es für mich etwas Besonderes, dass ich seit kurzem meine eigene kleine Familie habe und das ist jetzt schon so wunderschön und aufregend!

Ich habe gelesen, dass du auf einem „Fluxus-Bauernhof“ aufgewachsen bist. Was genau ist das und wie hat das deine Kindheit und dich als Menschen geprägt?

„Fluxus“ ist ja ein Begriff aus der Kunst der 60er Jahre: Es ging nicht um das Kunstwerk an sich, sondern um die Idee, den Schöpfungsprozess, kreativ zu sein. Mein Vater hatte einen ehemaligen Bauernhof gekauft, um dort als Künstler kreativ zu sein – er ist mehrspaltig aktiv (Skulpturen, Fotografien, Bilder, Farbholzschnitte und auch Musik) und wir Kinder waren von Geburt an immer von seiner Kunst umgeben. Meine Mutter – meine Eltern haben sich leider früh getrennt – ist selbst eine sehr talentierte Malerin. Für uns Kinder war das natürlich ein Paradies, überall Farben und Musikinstrumente. Man musste sich nur bedienen und so war es ein einziger Spielplatz. Mein Vater war da auch immer sehr entspannt mit allem und wir konnten uns austoben wie wir wollten. Natürlich hat es immer Vor- und Nachteile mit einem chaotischen Künstlerpapa groß zu werden (geweckt hat uns morgens zum Beispiel meine große Schwester), aber ich fand, es war eine sehr besondere Kindheit.

Du hast schon als kleines Kind zur Musik gefunden. Wie kam es zu dieser Begegnung?

Wie oben gesagt, standen überall Musikinstrumente herum. Mich hatte immer die Geige angezogen – ich lernte mit 4 klassische Geige und war darin auch sehr erfolgreich: Ich hätte eine klassische Sologeiger-Karriere anstreben können und es waren dementsprechend auch alle sehr geschockt, als ich mit 14 die Geige in eine Ecke legte und sie jahrelang nicht mehr anrührte. Ich war immer sehr sehr schüchtern und taute erst so richtig in der Pubertät auf. Für mich war ab da dann, weil ich da auch meine Stimme entdeckte – viel spannender: Das Klavier und mit meiner Stimme zu experimentieren.

Viele Eltern versuchen eine Begeisterung für Musik in ihren Kindern zu wecken und sie an Musikinstrumente heranzuführen. Oftmals endet das aber nach einiger Zeit, weil die Kinder keine Lust zum Üben haben. Du spielst Geige, seit du vier Jahre alt bist und hast inzwischen Jazz-Geige studiert.  Gab es auch bei dir Momente, wo du alles hinwerfen wolltest? Hast du einen Tipp für Eltern, wie man die Lust an Musik und Instrumenten bei Kindern wecken und beibehalten kann?

Mit der Pubertät wollte ich nicht mehr zum Geigenunterricht und hatte meinem Professor (ich war sogar Frühstudentin an der Hochschule für Kirchenmusik Regensburg) gesagt, dass ich nie wieder zum Unterricht kommen würde – einen kleinen Hang zum Drama hatte ich damals schon. Für mich fühlte sich das damals plötzlich einfach nicht mehr richtig an, ich hatte mit einem gewaltigen Druck zu kämpfen: Klassische Wettbewerbe – gerade in der Klassik gibt es einen enormen Wettbewerbs- und Ellbogengesellschaftsgedanken. Ich konnte damit als eher sensibles Gemüt nicht umgehen. Inzwischen liebe ich meine Geige aber wieder und spiele sie ja auch live auf der Bühne in meinem Set.

Mein Tipp für Eltern ist, niemals Druck auf das Kind auszuüben oder seine eigenen Träume durch das Kind verwirklichen zu wollen. Das Kind muss einem zeigen, dass es darauf Lust hat, und falls das nicht so ist, sollte man nichts forcieren. Spielerisch an ein Instrument heranführen oder – für schon ältere Kids – eine Band zu gründen ist denke ich eine super Sache. Da lernt man auch soziale, kreative und organisatorische Skills, die einem weit über die Musik hinaus später im Leben viel bringen.

Inzwischen bist du beruflich Musikerin und hast zwei Alben produziert. Die Single deines neusten Albums „Wegweiser“ heißt „Mama“ und ist eine emotionale und wunderschöne Liebeserklärung einer Mutter an ihr Kind. Du bist im letzten Jahr selbst Mutter geworden. Kannst du uns beschreiben, wie dich diese Erfahrung verändert hat?

Mama zu werden hat mein Leben auf den Kopf gestellt. Ich hätte mir nie vorstellen können, wie es wird. Und letztendlich war mir nur wichtig, meine Musik und meine Kunst (ich male ja auch Bilder und verkaufe sie online in meinem Shop oder auf Konzerten) weitermachen zu können, denn ich bin eben nicht nur 100% Mama, sondern auch 100% Musikerin und Künstlerin. Da geht es mir gut, wenn ich auf Tour bin, oder wenn ich Musik schreibe oder male. Das ist ein Thema, das mir irgendwie sehr am Herzen liegt, dass man als Mama trotzdem dafür kämpfen sollte, das weiterzumachen, wofür man brennt. Durchs Mama-Sein bin ich mir glaube ich noch viel klarer darüber geworden, was ich will und was nicht mehr. Habe mich von ungesunden Sachen getrennt und achte viel darauf, was Energie zieht um das ebenso vermeiden zu können. Man merkt einfach schnell, dass man, wenn man Familie und Beruf vereinen will, soviel wie möglich auf einen guten Energiehaushalt achten muss.

Du bist selbst ohne Mama aufgewachsen. Ist es dann besonders schwierig, sich selbst in der Rolle als Mutter zu finden?

Komischerweise nicht. Fun Fact: Ich habe ja meinen Papa früher immer „Pama“ genannt, weil er für mich beides war und für mich klar war, dass er nicht nur ein Vater war. Aber: Ich hatte im Vorfeld – vor der Geburt meiner Tochter – viele Bedenken diesbezüglich und habe mir den Kopf zerbrochen, wie ich denn eine gute Mama sein kann, ohne dieses Vorbild gehabt zu haben. Aber dann fielen mir nach und nach Frauen ein, die für mich im Laufe meines Lebens immer wieder große Vorbildrollen eingenommen hatten, ohne dass es mir in dem Moment vielleicht bewusst war. Und daran hatte ich mich dann ein bisschen festgehalten. Mir Gedanken gemacht, was für eine Mama ich sein möchte, und sobald die Kleine auf der Welt war, haben sich viele Ängste sowieso wie von selbst in Luft aufgelöst.

Man verwandelt sich wie automatisch in eine Mama,
die für ihr Kind zur Löwin wird.
Das macht einen stark und immer wieder staune ich darüber, wie das möglich ist.

Du singst in deinem Lied „Mama“ von den überwältigenden Gefühlen, die Mütter oft für ihre Kinder spüren, aber auch von der Angst zu versagen oder nicht genug zu sein, die viele Menschen in sich tragen. Hat dich das Muttersein stärker gemacht oder trägst du jetzt mehr Sorgen als vorher in dir?

Das Muttersein hat mich definitiv stärker gemacht. Im Vorfeld wusste ich gar nicht, ob ich eine gute Mutter sein könnte. Ich führe einen sehr unregelmäßigen Alltag – als Künstlerin ist man ja phasenweise wochenlang zu Hause, arbeitet von da aus und ist dann wieder wochenlang auf Tour. Das wechselt sich eigentlich das ganze Jahr so ab. Ich dachte dann, „oh, ob dieses Nomadenleben mit einem Kind vereinbar ist?“, aber vieles klärt sich dann wie von alleine. Die Kleine ist immer dabei und wir achten ganz stark darauf, dass sie beschützt wird – sie ist nie mit auf den Konzerten, sondern immer im Hotel mit dem Papa. Generell steht sie für uns immer an erster Stelle: Ich habe eine Tour in den September verschoben, weil sie eine starke Bronchitis hatte. Das war schwierig für mich, aber das einzig Richtige und jetzt freue ich mich auf das Touren im September.

Was findest du am schönsten und was am schwierigsten am Muttersein?

Am schönsten finde ich das, was man jeden Tag geschenkt bekommt: Soviel Liebe, Kichern, Herumalbern, Kuscheln, und was sie jeden Tag neu lernt. Generell: Diesen kleinen Menschen so intensiv begleiten zu dürfen, wie er oder sie die Welt entdeckt, ist einfach großartig.
Am schwierigsten: Die Nächte ohne Schlaf. Wann habe ich nochmal mehr als 4 Stunden am Stück geschlafen..? 🙂

Hat die Geburt deines Kindes deine Musik verändert?

Da bin ich gespannt darauf. Mal sehen, wenn ich neue Songs schreibe für ein nächstes Album – ich glaube, dass ich auch da klarer geworden bin, meine Geschichten zB noch mehr auf den Punkt bringen möchte.

Ist es einfach, deinen Beruf als Musikerin mit deinem Muttersein zu vereinbaren?

Absolut gar nicht. Das ist die größte Aufgabe überhaupt und jeden Tag aufs Neue ein Ausloten und Ausbalancieren. Aber wenn es dann klappt, das absolut schönste und erfüllendste Gefühl! Der Stress hat sich wieder mal gelohnt. Das Gefühl, auf Tour meine Tochter um 19 Uhr ins Bett zu bringen um mir danach ein Taxi zur Konzert-location zu nehmen um dann um 20 Uhr auf der Bühne zu stehen, war absolut surreal und doch das allerschönste Gefühl.

Du bist selbst auf einem Bauernhof groß geworden, lebst mit deiner eigenen Familie jetzt in der Großstadt. Zieht es dich insgeheim aufs Land oder geht eine glückliche Kindheit auch in der Stadt?

Ich lebe ja seit der Geburt meiner Tochter wieder auf dem Dorf. Ein bisschen größer als das, in dem ich groß geworden bin, ist es schon, aber ein richtiges Dorf-Dorf, mit Pferden und Hühnern und Kühen und unserem Holzhaus mit einem Studio unten drin. Ich liebe das, und gleichzeitig vermisse ich Berlin sehr. Da habe ich ja vorher 5 Jahre gewohnt. Stadt oder Land? Ich bin immer ein bisschen beides, aber für unsere Kleine ist es natürlich ein Traum hier. Aber: Kann bitte mal jemand ein Café in der Nähe von uns eröffnen, das sehr sehr guten und leckeren Kaffee macht?

Und zum Schluss: Singst du deinem Kind ein Schlaflied vor? Und wenn ja, verrätst du uns welches?

Ich singe ihr jeden Abend ein selbst erfundenes Lied vor. Sie summt da inzwischen auch schon immer mit. Wer im September auf meine Tour kommt, dem gebe ich vielleicht danach am Merch-Stand eine Kostprobe… haha.

Liebe Grüße!
Phela – und Stefanie

Wenn ihr Phela live erleben möchtet, dann habt ihr hier die Gelegenheit dazu:

PHELA – Die Wegweiser Tour 2019
16.09. Leipzig | Neues Schauspiel – bestuhlt
17.09. Heidelberg | Karlstorbahnhof – bestuhlt
18.09. Stuttgart | White Noise – bestuhlt
19.09. Magdeburg | Moritzhof – bestuhlt
20.09. München | Zehner – teilbestuhlt
22.09. Berlin | Heimathafen – bestuhlt
24.09. Köln | Yuca – teilbestuhlt
26.09. Hannover | Lux – NICHT bestuhlt
27.09. Hamburg | Nochtspeicher – teilbestuhlt

28.09. Frankfurt | Brotfabrik – bestuhlt

Und jetzt verratet uns: kanntet ihr Phela schon vorher?

Stefanie Kaste
About me

Stefanie lacht, lebt und liebt in Berlin zusammen mit ihrem Lieblingsmann, ihrem Teenager und ihrem kleinen Tornado. Als Familie erkunden sie die Welt, suchen nach dem Ende des Regenbogens und sind immer für neue Abenteuer zu haben. Stefanies Herzensthemen sind die (digitale) Bildung und Nachhaltigkeit, denn beides sind Kernthemen, um die Zukunft unserer Kinder positiv zu gestalten.

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