You can say you to me, oder warum ich das „Sie“ von meinen Schülern und Schülerinnen nicht brauche


Ihr wisst alle wahrscheinlich, dass meine Co-Autorin bei „Gemeinsam schlau statt einsam büffeln“ Stephanie Jansen eine ganze Phorms Grundschule geleitet hat und nun in einer anderen Schule als Lehrerin arbeitet und mit mir Bücher schreibt. Zwischendrin hat sie auch in London eine Schule geleitet.

Ja, das zweite Buch ist in der Mache – und solche Themen wie das von heute werden da auch mit einfließen…


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Heute schreibt sie über das Thema Siezen. In der Schule.

Ich weiß ja nicht, wie es bei euch war, aber meine Familie hat immer extrem viel Wert darauf gelegt, dass ich vor allem Erwachsene, aber auch Lehrer mit „Sie“ anspreche. Passierte das nicht, gab es immer einen Spruch, wie zum Beispiel: „So benimmt man sich nicht!“ oder „Das ist unhöflich!“…

„Sie“ ist für mich gleichbedeutend mit Distanz.

Einer meiner Chefs sagte mal zu mir auf die Frage warum er zu niemanden, der mit ihm in der Mitfahrzentrale arbeitete „Du“ sage: „Es ist leichter ‚Sie Arschloch‘ als ‚Du Arschloch‘ zu sagen.“. Ich weiß, manche von euch denken wie Béa auch: Häh? Das war doch umgekehrt. Aber ich – bzw. er – meinte es genau so: Es ist einfacher Menschen harscher Kritik auszusetzen, wenn man ihnen distanziert gegenüber steht.

Damals war ich ein bisschen empört, aber für meine Zukunft war das ein guter Ratschlag.

Eltern, mit denen ich zutun hatte, habe ich bei aller Sympathie immer erst dann das „Du“ angeboten, wenn ihre Kinder nicht mehr in meiner Klasse / Schule waren. Und genauso ist es auch heute noch bei manchen Kollegen. Das „Sie“ passt einfach besser.

Anders ist es mit meinen Schülern und Schülerinnen.

Es gibt fast nichts was niedlicher wäre, als wenn ein Zweitklässler einen mit seiner Zahnlücke anlächelt und sagt: „Du Mrs Jansen, können wir wieder dieses Spiel spielen?“ In unserer Lehrerschaft gehen die Meinungen allerdings auseinander, bis wann „Du Mrs Jansen“ noch in Ordnung ist.

Einige sind der Ansicht, dass ab der 7. Klasse das „Sie“ genutzt werden muss…
wieder anderen ist es egal…
und manche wollen das „Sie“ gar nicht (ich sage nur Berlin, genauer gesagt Kreuzberg 😉 )


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Die ersten zwei Jahre, die ich zurück aus England war, ging es mir wie der ersten Gruppe, obwohl ich dort tagtäglich erlebt habe, dass der Unterschied gar nicht relevant ist. Für mich war es wichtig, dass meine Schüler den Unterschied lernen und dadurch auch ihren Respekt zeigen, aber seien wir mal ehrlich…

…7./8./9. Klasse und Respekt zeigen, durch das Wörtchen „Sie“?

Geändert hat sich das erst, als ich einen Schüler hatte, der konsequent „Du“ sagte und immer ganz irritiert „Äh ja, sorry“ antwortete, wenn ich ihn mit „Sie“ korrigierte.

Und ohne es zu merken habe nicht ich sein Verhalten, sondern er meine Einstellung geändert, denn sein Verhalten mir gegenüber war nie respektlos oder anmaßend, sondern immer höflich und aufmerksam.

Und gerade jetzt, wo ich mich für unser neues Buch mit dem Thema „Autorität“ beschäftige, wurde mir deutlich, dass ein „Du“ von meinen Schülern, insbesondere wenn ich sie schon lange kenne, eine große Wertschätzung enthält, weil es Nähe und Vertrauen signalisiert.

Autorität macht sich nämlich nicht (nur) an Sprache fest, sondern an dem wie wir handeln.

Umgekehrt, wenn ich nicht gerade Englisch mit meinen SchülerInnen spreche, verzichte ich allerdings oft auf das Du, denn das ist meine Art ihnen Respekt zu zollen und Ihnen zu zeigen, dass ich sie als (fast schon) Erwachsene wertschätze.

Eltern biete ich übrigens nach wie vor nicht das „Du“ an und das hat sich in Konfliktsituationen bewährt.

Um das auch in unserem neunen Buch einfließen zu lassen:

Wie wichtig ist für euch das „Sie“ auf der Eltern -oder Lehrerseite?

Liebe Grüße,

Steph

P.S. Béa duzt gern alle:

Sechs Gründe, warum wir uns vom Siezen verabschieden sollten

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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