5 banale Dinge, die mir in Deutschland fehlen


Vielleicht habt ihr meinen kürzlichen Beitrag 5 banale Gründe, warum wir das Leben in Deutschland wertschätzen sollten gelesen, in dem ich nach meinem Urlaub wieder darüber schrieb, das Leben hier wertzuschätzen. Und nachdem ich mittlerweile seit einer Woche hier bin, merke ich, wie ich Dinge die dort waren, hier in Deutschland vermisse.

Hier sind 5 banale Dinge, die mir in Deutschland fehlen:

1. Das bedingungslose Teilen

Die arabische Kultur ist eine Kultur des Teilens. Wir teilen alles. Vom Essen bis hin zum eigenen Hemd. Selbst nach mehreren Ablehnen bekommt man es. Man hat quasi keine Wahl.

Hier in Deutschland wurde ich neulich ganz schön komisch angeglotzt, als ich mir ohne zu fragen ein paar Pommes von meinem Gegenüber nahm, ohne zu fragen. Der eigenen „Besitz“ hat hier einen höheren Stellenwert. Es gilt schon fast als „unhöflich“ zu viel vom anderen zu nehmen. Ich verstehe es zum Teil, ich bin ja schließlich selbst so, aber irgendwie sehne ich mich trotzdem nach diesem selbstlosen Untereinander.

2. Die Offenheit

Ich will nicht sagen, dass die „Berliner Schnauze“ hier nicht mehr als offen sein kann (manchmal zu offen), aber wenn ihr mal im Süden ward, dann werdet ihr sicher sicher den offenen Umgang untereinander bemerkt haben. Es ist alles sehr herzlich und – zugegeben – laut. Aber ich finde das keineswegs abschreckend. Ich genieße es, dass Fremde in der Bahn laut reden, lachen und die Atmosphäre lebendig machen…

3. Das Vertrauen

In Marokko kann ich an eine fremde Tür klopfen, um auf die Toilette zu gehen. Ich bin schon öfter als mir lieb war in diesen Service gekommen (schwache Blase) und wurde bis jetzt niemals abgelehnt.

Würde ich hier in Berlin einfach an eine fremde Tür klopfen, weiß ich nicht, was schneller auftreten würde – das Zuschlagen der Tür oder ein verdatterter Gesichtsausdruck. Mir würde hier sicher alles unterstellt werden – Diebstahl, das Einsetzen einer Wanze; aber sicher nicht die Wahrheit.

4. Der körperliche Umgang

In Marokko ist es Gang und Gebe, sich viel zu berühren. Von etlichen Umarmungen, bis hin zu links und rechts küssen, werde ich dort als Gast stets herzlich empfangen. Aber über die drei Wochen verschwanden die Gesten nicht. Meine Tante küsste mich jeden Tag mehrmals auf die Stirn oder Wange, und nahm mich länger in den Arm. Aber nicht nur meine Tante – auch mein Onkel. Küsse zur Begrüßung, Küsse zum Abschied.

Niemand kann leugnen, dass es hier komisch wäre, wenn ein erwachsener Mann eine erwachsene Frau, die ganz offensichtlich nicht seine Frau ist, einfach mal eben so im Arm hält oder küsst, ohne sich seinen Teil zu denken. Ich habe es ja selbst mit meinem Vater erlebt, dem ich schweren Herzens verklickern musste, dass es mir unangenehm ist, wenn er in der U-Bahn meine Hand hält oder auf die Wange küsst, weil die Leute vom Starren einfach nicht losgekommen sind. Es ist hier nun mal ungewohnt. Das verstehe ich. Aber manchmal ist es auch sehr förmlich und distanziert…

5. Nenn den Taxifahrer Bruder und die Frau an der Kasse Schwester

Schlussendlich vermisse ich hier in Deutschland eine andere Form der Offenheit. Ich sagte ja bereits, dass die Menschen dort herzlicher untereinander sind, aber dies verstärken sie auch in ihrem Sprachjargon. Fremde Menschen begrüßen sich mit einem Schwester oder Bruder, Freunde begrüßen sich mit einem Habibi oder Habibiti (das bedeutet Schatz).

Würde ich hier den Bäcker um die Ecke Bruder nennen, würde er sicher denken, dass ich eine Macke hätte oder ihm gar eine Verwandtschaft unterstellen. Es passt nicht zum Kontext – wir reden hier höflich und vor allem förmlich miteinander. Das mag ich eigentlich auch, aber ich mag auch das andere.

Und das waren 5 banale Dinge, die mir in Deutschland fehlen!

Ich bin zwar unendlich dankbar in einem Land wie Deutschland geboren und aufgewachsen zu sein, aber manchmal wünsche ich mir trotzdem, dass es ein wenig offener und weniger anonym hier wäre.

Ich kann natürlich auch verstehen, wenn dieser Beitrag für viele auf Unverständnis trifft. Aber vielleicht wart auch ihr mal für eine längere Zeit an einem anderen Ort und habt zurück in der Heimat festgestellt, wie anders es ist?

Was ist eure Meinung dazu? Erlebt ihr es in anderen Ländern ähnlich?

Liebe Grüße,
Mounia

Mounia
About me

Ich - 24 Jahre alt, Studentin, Kinderanimateurin, begeisterte Hobbyköchin und reise- und abenteuerlustig! Meine absolute Leidenschaft ist das Schreiben und Festhalten von Momenten. Und durch ein Praktikum bin ich nun bei Tollabea gelandet und werde hoffentlich weiterhin viel lernen und den Blog damit erweitern. :)

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