Alleinerziehend trotz Partner TEIL 1 – Von der (fehlenden) Anerkennung des Jobs als Mutter


Neulich hatte ich mal die Frage aufgeworfen zum Thema „Alleinerziehend trotz Partner“, wie ihr das seht. Und es haben sich viele gemeldet – daraus ist ein wunderbarer Blogbeitrag entstanden mit der Kernthese: „Wir konkurrieren doch nicht darum, wem es am schlechtesten geht!“

Ich habe aber auch eine sehr fundierte Meinung einer Frau, die als selbständiger Coach sind zur Aufgabe gemacht hat, Mütter stark zu machen: Susanne Johannsen. Sie hat für uns alle hier einen Beitrag geschrieben, der nun in zwei Teilen kommt. Sie berichtet hier von dem typischen Fall, das ihr bei der Arbeit ganz oft begegnet:

Teil 1: Alleinerziehend trotz Partner – Von der (fehlenden) Anerkennung des Jobs als Mutter

Ich bin immer wieder erstaunt, wenn mir Frauen davon berichten, wie wenig ihre Männer sich am Alltag mit den Kindern beteiligen. Dieses Thema kommt so oft vor, dass ich heute darüber berichten und einen Blick auf dieses Phänomen werfen will.

Hier geht es nicht um die Thematik: „Mein Mann geht arbeiten und ich muss zu Hause bleiben.“ Wenn ein Paar das Modell vereinbart hat, dass der Mann Vollzeit arbeiten geht und die Frau Teilzeit, ist es ja zunächst logisch, dass die Frau mehr Zeit mit dem Kind verbringt und somit auch mehr Aufgaben im Familienalltag übernimmt.

Was jedoch immer wieder vorkommt ist, dass die Männer dann auch in der Zeit, in der sie zu Hause sind, kaum etwas mit dem Kind unternehmen, bzw. kaum etwas zum Familienleben beitragen. Alles scheint zu viel und zu anstrengend. Die Herren verstecken sich dann hinter der Ausrede, dass sie ja schon so viel gearbeitet hätten und jetzt auch einfach mal ihre Ruhe bräuchten.
Vielleicht mag das im ersten Moment einleuchtend klingen, aber HALT!

Hat die Frau denn den ganzen Tag auf der Couch gelegen?

Nur zu oft hören die Frauen den Satz: „So ein bisschen auf dem Spielplatz sitzen, stell ich mir nicht besonders anstrengend vor…“
Nein, das ist es nicht – wenn man es nur einmal in der Woche müsste und dann die Kinder alleine spielten und man gemütlich auf einer Bank sitzen und ein Buch lesen könnte. Wenn man eine Haushaltshilfe hat, die das Zuhause sauber hält und am besten noch die Einkäufe erledigt. Wenn die Aufgaben so aufgeteilt wären, dass man nicht sämtliche davon in Personalunion mit dem Kind erledigen müsste.

Als Kathrin (Name geändert), verheiratet und zwei Kinder, zum ersten Mal mit mir sprach, wusste sie nicht mehr, wo ihr der Kopf steht.

Irgendwie hatte sie sich das alles komplett anders vorgestellt. Sie war als Führungskraft beruflich sehr erfolgreich und immer sehr selbständig gewesen.
Die Karriere war ihr wichtig und dennoch war es immer ihr Wunsch, eine Familie zu haben und Kinder zu bekommen. Ihrem Mann ging es genauso und sie waren sich über den Kinderwunsch einig.

Nie wäre es ihr daher in den Sinn gekommen, dass sie sich am Ende ziemlich alleine um den Familienalltag kümmern muss.

Kathrins Tag begann um sechs Uhr morgens. Sie sorgte dafür, dass alle angezogen und satt das Haus verließen, ging dann zur Arbeit und versuchte, bevor sie die Kinder am Nachmittag wieder abholen musste, noch einkaufen zu gehen. Nach dem Nachmittagsprogramm machte sie Abendessen und brachte meistens auch die Kinder ins Bett, da ihr Mann nach der Arbeit zu kaputt ist… Allzu oft schlief sie dabei dann im Kinderzimmer ein und wachte gegen halb zehn wieder auf, wonach sie dann auch direkt in ihr eigenes Bett gehen konnte. Besonders viel gemeinsame Zeit blieb ihr und ihrem Mann nicht.

Das Problem war, dass ihr Mann auch am Wochenende kaum Interesse daran hatte, Zeit mit den Kindern zu verbringen.

Er ging seinem Hobby nach oder wollte sich ausruhen. Wenn Kathrin einen Ausflug organisierte, kam er normalerweise mit, war jedoch meistens sehr schnell genervt und ständig mit seinem Telefon beschäftigt.

Wenn Kathrin ihn darauf ansprach, reagierte er gereizt und ablehnend.

Er arbeitet schließlich die ganze Woche und braucht dann am Wochenende einfach etwas Zeit für sich und muss sich erholen. Auch unter der Woche nahm er sich raus, spontan am Abend etwas mit Freunden zu unternehmen. Kathrin hingegen kam es nie in den Sinn so etwas kurzfristig zu machen, ohne es vorher mit ihm abzustimmen.

In vielen Familien läuft der Alltag so oder in ähnlicher Art und Weise ab. Die Schwierigkeit liegt darin, dass dieses Modell als normal angesehen wird und gesellschaftlich sogar größtenteils (wenn auch oft hinter vorgehaltener Hand) anerkannt ist.
Natürlich muss man sich nach einem anstrengenden Arbeitstag ausruhen und das Wochenende ist zur Erholung da.

Was jedoch fehlt ist die Anerkennung der Arbeit der Mutter!
Es wird als selbstverständlich gesehen, was sie alles leistet und dass sie dem Mann den Rücken freihält.

Kathrin hätte nie gedacht, dass sie und ihr Mann in diese klassische Rollenverteilung fallen würden und dass sie sich davon so klein machen lassen könnte.
Denn genau das ist passiert. Kathrin fühlte sich immer kleiner und kleiner.
Sie selbst konnte irgendwann nicht mehr anerkennen, was sie den ganzen Tag leistete.
Das ist doch selbstverständlich! Machen und schaffen doch alle Mütter! Haben Frauen seit Menschen Gedenken vollbracht!
Früher hätte sie sich dieses Verhalten niemals bieten lassen, das wusste sie genau.

Als ich sie fragte, was in ihren Augen der Grund dafür ist, dass sie sich so wenig dagegen auflehnte und warum sie sich so klein fühlte, erkannte sie, dass sie unterbewusst der Meinung war, ihre Arbeit sei weniger wert als die ihres Mannes, weil sie kein Geld damit verdiente.

Ich glaube, genau da liegt der Knackpunkt. Würde sie Geld dafür bekommen, wäre ihre Arbeit plötzlich viel präsenter und vor allem anerkannter. Aber ergeht es so nicht auch allen sozialen Berufen?

Um ihr bewusst zu machen, was für einen Job sie täglich eigentlich stemmt, haben wir uns den Spaß gemacht, wobei es eigentlich bitterer Ernst war, eine Stellenbeschreibung für Kathrins Tätigkeit als Mutter und Hausfrau zu formulieren und folgendes kam dabei heraus:

Das sind Ihre Aufgaben:

– Verwaltung aller Termine
– Organisation des Betriebes (wer macht wann, was)
– Eventmanagement (Sie verantworten die Durchführung und Organisation sämtlicher Veranstaltungen rund um den Betrieb – Geburtstage, Ausflüge, sonstiges Freizeitprogramm)
– Ausbildung unserer Nachwuchskräfte
– Fürsorge und Pflege unseres Seniorchefs
– Zubereitung von mind. zwei Mahlzeiten (Frühstück, Abendessen und ab und zu auch mal zu Mittag) davon bevorzugt eine warme Mahlzeit.
– Verwaltung des Einkaufs für die Betriebsausstattung und die Küche
– Pflege der Betriebsräume
– Verarzten kleiner Verletzungen (alles, was man mit pusten und einem Cool Pack behandelt bekommt)
– Ansprechpartner für den (Schwieger-)Mutterkonzern und die (Tochter-) Gesellschaft
– Networking und Aufrechterhaltung der Zusammenarbeit mit befreundeten Betrieben

Folgende Fähigkeiten und Eigenschaften sollten Sie daher mitbringen:

– vielseitig interessiert
– kommunikativ
– musikalisch
– sportlich
– aufgeschlossen gegenüber neuen Aufgaben
– „Hands On“ – Mentalität
– Führerschein oder zumindest fahren eines Fahrrads mit Kindersitz und/oder Anhänger
– Logistisches Verständnis
– Effektives (Vieles in kurzer Zeit) arbeiten
– Multitasking
– Pädagogische Kenntnisse
– Kreativität
– Handwerkliches Geschick für Bastelaufgaben
– Verständnis für kleinere Reparaturen (Batterien auswechseln, abgebrochene Dinge kleben oder schrauben, …)
– Soziales und ehrenamtliches Engagement in den Ausbildungsstätten unserer Azubis

Das erwartet Sie:

– Es erfolgt keine Einarbeitung. Wir erwarten sofortige Einsatzbereitschaft.
– Arbeitstage im Jahr: 365
– Urlaub: 0 (Ausnahmeregelungen werden von Fall zu Fall besprochen)
– Entgelt: 0€, Taschengeld aus Erspartem und nach Absprache mit dem Seniorchef
– Firmenhandy
– Firmenwagen
– Sie können Ihre Arbeitszeit frei einteilen, es besteht jedoch 100% Anwesenheitspflicht.
– Wir erwarten ständige Erreichbarkeit, 24h am Tag
– Tätigkeit an der frischen Luft ist durchaus erwünscht

Es ist erstaunlich, was herauskommt, wenn man sich diese Tätigkeit einmal aus der Brille eines „Personalers“ ansieht. So eine Jobbeschreibung könnte man niemandem anbieten und dennoch wird sie als selbstverständlich gesehen…

Wie es mit Kathrin weitergeht, erfahrt in Teil 2.

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Susanne über sich:

Ich stehe dafür, Frauen im Spagat zwischen Beruf und Familie und in besonderen Herausforderungen zu begleiten, mehr Leichtigkeit zu verschaffen und sie darin zu unterstützen ihr Leben zu genießen. Mein Wunsch und Ziel ist es, Frauen unter anderem wieder vor Augen zu führen, dass es neben dem vielen Stress auch ein großes Glück ist, Kinder zu haben und sie erleben zu dürfen. Wichtig ist es, dass sie sich dabei jedoch nicht selbst aus den Augen verlieren.

Mein Anliegen ist es daher Dich in Deiner Person als Frau und Mutter zu bestärken und Dir zu zeigen wieviel Kraft und Großartigkeit in Dir steckt.

Dabei helfe ich Dir!

Wenn ihr mehr über mich oder meine Arbeit erfahren wollt, freue ich mich auf euren Besuch auf meiner Homepage (www.susanne-johannsen.de) oder auf Facebook.

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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