Wege aus der Vergleichsfalle – können wir aufhören, zu vergleichen?


Tja, während mein Kind noch robbte, stand das Baby meiner Freundin, drei Tage nach ihr geboren, auf eigenen Beinchen und machte die ersten freien Schritte. Hm.

Als dann wiederum die Tochter meiner Freundin noch lange Windeln trug, war mein Kind etwas schneller mit dem Sauberwerden – von allein. Yay!

Ihr findet solche Vergleiche doof? Ich auch. Trotzdem konnte ich dem nicht entkommen.

Ich habe verglichen, obwohl ich das nicht wollte und nicht gut fand. Das ist ein wenig wie wir die Pfoten nicht von der fettigen Chipstüte lassen können, obwohl wir ganz genau wissen, dass die Dinger mega ungesund sind und uns nicht gut tun. Und manchmal sogar gar nicht mal gut schmecken…

Vergleiche können kleine und große Kinder völlig destabilisieren:

Von meiner Freundin und Co-Autorin unseres Buches „Gemeinsam schlau statt einsam büffeln“ Stephanie habe ich auch noch eine Geschichte bekommen. Sie erzählt:

Mein drei Jahre jüngerer Cousin und ich konnten uns nicht ausstehen. Ich fand ihn furchtbar, weil er alles bekam was er wollte und machte mir nicht die Mühe ihn besser kennenzulernen.

Bis zu diesem einen Heiligen Abend bei meinen Großeltern… Es war eine dieser Familienfeiern wo nach ausreichend Alkoholkonsum die ganzen alten Geschichten immer und immer wieder aufgewärmt wurden.

Mein Cousin und ich hatten uns in der Küche beim Abwasch verschanzt und fingen an in ein ähnliches Muster zu verfallen als es plötzlich aus ihm herausbrach: „Du bist doch sowieso immer die Tollste!“

Noch nie hatte mich jemand mit so einer Mischung aus Hass und Verzweiflung angeschrien. Ich war erstmal geschockt. Denn mein Leben war zu dem Zeitpunkt alles andere als toll und war es in meinen Augen auch nie wirklich gewesen, denn mein Teil der Familie hatte solange ich denken konnte am Rande des Existenzminimums gelebt und mein Studium finanzierte ich teilweise mit BaFöG und durch ständiges Arbeiten.

Was mir aber in dem Moment klar wurde war die Schieflage die sich da aufgebaut hatte, also nahm ich eine Flasche Wein, zwei Gläser und meinen Cousin und wir suchten uns einen ruhigen Ort zum Quatschen. Lange saßen wir da und nach und nach wurde uns deutlich, dass wir Opfer der Vergleichsfalle waren.

Meine Mutter und ihr Bruder hatten uns für ihre Stellvertreterkämpfe um Anerkennung und Rang in der Familie mißbraucht. Wir hatten das große Glück, dass wir es auflösen und uns davon befreien konnten. Wir haben seit dem ein großartiges Verhältnis zueinander. Aber die Wut, Versagensangst, und Demütigungen, die mein Cousin dadurch erlitten hat, kann niemand wieder gut machen und sie nagen an ihm bis heute.

Wege aus der Vergleichsfalle: Wie können wir Eltern da frühzeitig rauskommen?

Ich möchte hier Ansätze sammeln, wie wir als Eltern mit unseren Kindern bezogen auf diese Vergleiche besser umgehen können. Hier schon einiges aus meiner Erfahrung und aus einer kleinen Umfrage über Twitter:

1. Vergleiche als solche erkennen und reflektieren

Erstmal ist es wichtig, achtsam zu erkennen, was da los ist in den Gedanken und den Emotionen. „Aha, ich vergleiche also“ ist eine gute Erkenntnis.

Julia Hartmann vom Blog GuteKinderstube, die auch schon mal mit mir wunderbarerweise über „Vertrauen statt Angst“ bezogen auf die Zukunft diskutiert hat, sagt: „Ich verbiete mir Vergleiche nicht, das gehört für mich zur ’normalen‘ Wahrnehmung. Vielmehr versuche ich, die Unterschiede nicht zu werten. Ich mache mir immer wieder bewusst, dass Diversität eine gewaltige Stärke ist und Defizite eine Einstellungssache.“

Also: Aufhören zu vergleichen ist nicht sinnvoll…

2. Mit dem Kind gemeinsam Ziele besprechen – und die Ziele des Kindes priorisieren statt die eigenen


Das erfordert gemeinsame Kommunikation, ist aber genau, was unsere Kinder brauchen: Eigene Ziele definieren. Also: Mit sich selbst vergleichen!

3. Auf die Stärken fokussieren

Eigentlich einfach, oder?

Aber wie geht das genauer? Hier sind zwei Anregungen:

Versucht, wenn ihr eine Stärke beim Kind bemerkt, sie auch wirklich zur Sprache zu bringen: „Mensch, du hast richtig gutes Gespür für…“ – Farben, Musik, Rhythmus, Bewegung… etc. Das tut gut.

Oder redet über die verschiedenen Stärken der verschiedenen Familienmitglieder – und warum ihr gerade zusammen ein gutes Team seid. Also: Warum können sich auch Stärken ergänzen – bzw. Schwächen ausgleichen?

4. Andere Eltern nicht kirre machen, und von anderen nicht kirre machen lassen!

Zum guten Schluss geht es auch darum, wie wir nach Außen kommunizieren. Würden wir mehr die Klappe halten, gäbe es auch weniger Druck insgesamt! Anna Frost von Fafine sagt:

Denn:

Und ihr so? Welche sind eure Wege aus der Vergleichsfalle? Und wie ist das bei euch mit der Vorbildfunktion?

Liebe Grüße,

Béa

p.S. Checkt auch unsere Beiträge über Spätzünder

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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