Alleinlassen während der Geburt ist auch Gewalt! Dramatischer Geburtsbericht einer anonymen Mutter


Wir müssen beschämt zugeben, dass wir diesen Gastbeitrag einer Mutter schon sehr lange erhalten haben, aber er ist uns leider „durch die Lappen gegangen“… Er ist so bewegend und wichtig, dass es uns extrem Leid tut, ihn so spät zu bringen!

Ihr könnt uns helfen, dafür Bewusstsein zu schaffen, auch wenn der „Roses Revolution Day“, wofür ihn die Mutter geschrieben hat, natürlich lange vorbei ist. Unsere Schuld… aber deswegen kommt er jetzt, unverzüglich:


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Ab hier ist der dramatische Geburtsbericht der anonymen Mutter:

„Hallo liebes Tollabea-Team, heute ist Roses Revolution Day – ein Aktionstag für gewaltfreie Geburtshilfe, vielleicht könnt ihr darauf auch aufmerksam machen? Jede Mama, die im Kreissaal nicht so behandelt wird, wie es notwendig wäre, soll eine rosa Rose vor die Kreissaaltür legen.

Dabei finde ich es noch einmal wichtig zu erwähnen,
dass auch permanentes Alleinlassen zur Gewalt zählt,
auch wenn das eigentlich klar sein sollte.
Natürlich gibt es auch persönliches Versagen von Hebammen,
aber das eigentliche Hauptproblem sehe ich eigentlich im Gesundheitssystem.
Daher gehört die Rose für mich mindestens zur Hälfte an die Politik.

Gerne erzähle ich euch auch meine Geschichte:

Meine Fruchtblase riss in SSW 31+2. Besorgt fuhren wir ins Krankenhaus und trafen auf eine sehr nette Hebamme, die sich liebevoll um uns kümmerte, immer wieder meine Hand nahm und mir versicherte, dass egal wann die Maus zur Welt kommen würde, alles gut werden wird.

Schließlich konnte ich meine Tochter noch 6 Tage im Bauch behalten, bis eine Infektion und der Mangel an Fruchtwasser das Einleiten erforderte.

Auch in dieser Zeit zeigte sich schon die schiere Überlastung der bemühten Hebammen.

3 CTGs pro Tag wurden angesetzt, aufgrund von Kapazitätenmangel konnten nur 2 jeweils durchgeführt werden. Und diese in aller Regel sehr früh morgens (oft gegen 5 Uhr) oder abend (23 Uhr), da ansonsten keine Kapazität frei war. Zusätzlich alle 4 Stunden Antibiotika (nachdem ich immer wieder fragen musste, ab und dran gemacht habe ich es nach einem Tag dann selbst) und 3x Blutabnahme.

Also an Schlaf oder Ruhe war beim besten Willen nicht dran zu denken.

Zumal das 3-Bett-Zimmer täglich neu belegt wurde… Frauen mit Wehen, weinende Neugeborene und weinende Mamas beim Hormonabfall. Alles sehr schön, wenn man Angst um sein Baby hat (ja, ich weiß auch, dass Frühchen 30+ nicht mehr als dramatisch angesehen werden, aber wenn es um das eigene Kind geht, sieht es doch ganz anders aus!).

Wisst ihr was für ein Gefühl das ist, wenn eine Mama neben euch ihr Neugeborenes zum Bonding auf der Brust hat und du weißt, dass du das nicht haben wirst? Während der Kinderarzt dir erklärt wie Atemunterstützung und Magensonde funktionieren?

5 Tage später am frühen Nachmittag sollte ich bitte schnell nochmal in den Kreissaal. Dort drückte man mir eine Tablette in die Hand. Schockiert setzte ich der über den Flur flitzenden Hebamme nach, die mir während des Gehens erklärte, dass jetzt eingeleitet werden müsse. Beim Ultraschall sah mich eine sehr junge Ärztin schockiert an, als mir die Tränen über die Wangen liefen. Man hatte doch gesagt, dass alles gut aussehe und man versuche bis 34+0 zu ziehen. Jetzt waren wir gerade mal bei 32+0.

„Es ist doch egal ob das Kind jetzt oder in 2 Wochen kommt, auf intensiv muss es sowieso!“, versuchte sie mich zu beruhigen. Ich sah sie ungläubig an, fragte sie wie schwer mein Baby denn jetzt sei in der Hoffnung, dass sie vielleicht noch ein paar Gramm zugelegt hatte. Das habe man doch bei der Aufnahme erst kontrolliert, war die Antwort.

Schließlich sollte ich im Vorraum des Kreissaales schlafen (hahaha), da man nun stündlich Blut abnehmen und CTG schreiben müsse. Nach der 2. Tablette bekam ich wie plötzlich angeflogen bereits ziemlich starke Wehen minütlich. Ich schellte und wartete ewig bis eine Hebamme kam. Sie schrieb ein CTG, doch sie nahm mich nicht ernst, obwohl Wehen erkennbar waren. Ich müsse noch eine Tablette nehmen.

Inzwischen kam mein Mann angehetzt. Tadelnd, dass sei jawohl noch nicht nötig gewesen, komplimentierte uns die Hebamme nun doch zurück Richtung Zimmer. Offensichtlich wurde Platz benötigt. Ich war noch nicht ganz auf dem Zimmer angekommen, intensivierten sich die Wehen auf alle 30 Sekunden… Mutter und Kind Wehen, d.h. zwei Wehen unmittelbar hintereinander.

Ich konnte inzwischen nicht mehr aufrecht stehen.

Mein Mann rief die Schwester, die uns sofort zurück in den Kreissaal schickte. Dort angekommen, was natürlich ewig dauerte, wurden wir schließlich in einen Kreissaal gelassen. Dort lag ich nun also Stunde um Stunde mich festkrallend, alle 30 Sekunden starke Doppelwehen habend auf der Liege. Unfähig mich zu bewegen oder klare Gedanken zu fassen.

Von meinen Plänen baden zu gehen o.ä. war alles weggeblasen. Ich konnte nicht mehr denken und hätte ein wenig Führung benötigt.


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Es ließ sich stundenlang niemand blicken.

Zwischendurch klingelte mein Mann immer wieder und sagte, dass ich ziemlich fertig sei und bitte jemand gucken kommen sollte. Niemand kam. Schließlich platzte meinem Mann der Kragen und er ging auf die Suche, doch wurde er mit einem es sei Übergabe abgeschmettert.

Irgendwann kam eine neue Hebamme herein um etwas zu holen. Selbst merkend, dass wohl irgendwas nicht so ganz richtig ist, kam sie dann doch zu mir herüber. Welche Erleichterung (die jedoch nicht lange anhielt) diese Hebamme war sehr nett und nahm mich ernst. Schockiert sah sie auf den Wehenschreiber und fühlte nach dem Muttermund.

So könne es nicht weiter gehen, die Wehen seien zu schnell.

Ich könne mir jetzt aussuchen ob ich einen Wehenhemmer wolle oder man könne versuchen die Situation mit einer PDA zu beruhigen. Ich hatte das jetzt nicht 6 1/2 Stunden durchgemacht, um einen Wehenhemmer zu nehmen! Also PDA. Doch man hatte den vorbereiteten Zettel hierfür verschlampt. Also musste mein Mann alles neu ausfüllen (egal kreuz halt irgendwas an, fauchte ich den Armen an).

Die PDA brachte nun endlich die gewünschte Verzögerung. Alle 3 Minuten Wehen. Welch Luxus. Doch mein Glück hielt nicht lange, die Presswehen gingen los.

Also wieder klingeln, der Lautsprecherstimme die Situation erklären uuuuund niemand kam.

Mein Mann rannte also wieder los. Wir waren beide inzwischen ziemlich panisch. Wir wussten ja nicht wie lange es noch dauert. Was wenn die Kleine jetzt sofort kommt ohne Hebamme? Was wenn sie als Frühchen nicht selbstständig atmet? Mein Mann kam tatsächlich mit Hebamme im Schlepptau zurück. Ich hatte in den 10 Sekunden gerade Wehenpause. Nein, dss wären keine Presswehen, dann würde ich anders atmen. Aber ich merke das doch? Nene! Weg war sie. Nun war ich richtig panisch. Kurze Zeit später kam sie erneut um etwas zu holen, sah mich ungläubig an. Das sind ja Presswehen! Ach!? Kam kurz gucken, versuchen Sie die Wehen so lange wie möglich wegzuatmen. Weg war sie. Irgendwann ging es beim besten Willen nicht mehr. Gar nichts mehr!

Die Hand meiner Tochter kam schon immer wieder heraus und war dick angeschwollen und total blau!

(Dass sie mit dem linken Arm zuerst kommen würde, wurde tatsächlich vorher erkannt.)

Natürlich kam auf das klingeln keiner. Mein Mann schob die Kreissaaltür auf und brüllte.

Eine Kinderärztin wurde aufmerksam und dann ging alles ganz schnell. Umringt von nun 2 Kinderärzten, 2 Gynäkologen und der Hebamme kam unser Schatz zur Welt. Und sie atmete! Wenn auch mit starken Einziehungen – sie atmete selbstständig!

Meine Tochter wurde natürlich sofort behandelt und mitgenommen.

Meinen Mann schickte ich natürlich hinterher. Nun lag ich wieder Ewigkeiten alleine im Kreissaal. Wollte zu meiner Tochter, bekam keine Hilfe. Zwischendurch nach Ewigkeiten kam eine Ärztin zum Nähen. Ob sie die PDA nochmal hochfahren solle? Ja, dann müsse ich auf jeden fall noch länger bleiben. NEIN, dann sollst du die blöde PDA natürlich nicht nochmal aufspritzen.

Aua! Schließlich war es 13 Uhr, Geburt 8:51 Uhr, ich hatte ich die Nase voll und machte mich selbstständig – wie man halt so nach einer Geburt aussieht, wenn man nicht fertig gemacht wird- auf den Weg. Eine Hebammenschülerin fing mich ab und half mir schließlich, da um 14 Uhr die Kinderintensiv wegen Visite für eine Stunde schloss und ich meine Tochter unbedingt vorher sehen wollte. Jedoch hatte sie die die Anweisung mich auf Station zu bringen. Also geschickt im Vorbeifahren aus dem Rollstuhl in den Fahrstuhl jumpen. Tschüüüüß. (Das gab Ärger).

Im Nachhinein entschuldigte sich die Hebamme, die eigentlich wirklich nett war, tausend mal. Sie sei komplett alleine gewesen, 6 Geburten und habe nicht mehr vor noch zurück gewusst.

So war es der schönste – aber auch gleichzeitig ein traumatischer Tag in meinem Leben.

Im Nachhinein muss ich sagen, dass ich es sehr erschreckend finde, wieviele ähnliche oder noch viel schlimmere Geburtsberichte an dem Tag zu lesen waren. Echt traurig!

Unserer Maus geht es jetzt mit 5 Monaten richtig gut, aber sie hatte lange mit einer ziemlichen Anpassungsstörung zu kämpfen. Sowohl die Kinderärztin als auch die Physiotherapeutin meinen, dass dies auch auf den Geburtsverlauf zurückzuführen sein könnte.

….

Puh, wer von euch hat so etwas schon mal erlebt? Und was muss im System und in der Politik passieren, dass werdenden Müttern so etwas erspart bleibt?

Wir freuen uns, wenn ihr möglichst zahlreich kommentiert und teilt! Wenn ihr ähnliche Geschichten habt, schickt die uns, wir bringen sie dann auch ganz schnell – versprochen!

Wer anonym bleiben möchte, schickt uns am besten eine PN über den Messenger: https://m.me/tollabea (übrigens, dann fragt euch das Ding, ob ihr News von euch erhalten wollt… Ein „Ja, geht klar, würde uns freuen!)

Titelbild: Photo by Janko Ferlič on Unsplash

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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7 Kommentare

Mara
Antworten 24. Februar 2018

Die Geburt des ersten Sohnes war ein Trauma, an dem ich sehr lange geknabbert habe. Vieles kommt mir bekannt vor. Dieses Krankenhaus werde ich nicht mehr betreten können, auch wenn ich einen Strauß Blumen niederlegen möchte.

Sonja
Antworten 9. April 2018

Wie erschreckend und welch ein Glück, das alles gut gegangen ist. Glück...nur Glück, was hätte alles passieren können, zumal es ein Frühchen war! Wurde denn ein Gespräch mit der Klinik geführt? Ich finde, dass das auf jeden Fall nötig ist. Wer weiß, was schon alles schief gegangen ist? Was hätte ich nur ohne meine wundervolle Hebamme gemacht? Auf keinen Fall hätte ich eine natürliche Geburt geschafft. Ausgeschlossen, die Geburt meines Sohnes war zu schwer. Und hinterher wäre ich vielleicht ohne ihre Aufmerksamkeit verblutet, so folgte eine Not OP in kürzester Zeit. Was muss sich ändern? Kinder müssen einen Wert bekommen? Keine Hebammen, keine Erzieher, keine Lehrer, keine Kitaplätze, voll gestopfte Klassen, marode unmoderne Grundschulen, ... die Tendenz ist bisher leider klar.

Kyra Morningstar
Antworten 5. Dezember 2019

Ich brachte meine Tochter damals in einem Krankenhaus zur Welt, welches ich nie wieder sehen kann, denn leider wurde ich über 10 Stunden komplett alleine gelassen und unsere Tochter verstarb bei der Geburt. Am Ende wollte ich Antworten:" Es seien doch Ärzte da gewesen!" "Ich hätte ja klingeln können." "Ich solle froh sein, dass wenigstens ich noch lebe." Selbst beim Prozess wurde keine Einsicht gezeigt und keine Reue für seine Taten bekundet: "Sie könne ja nicht überall sein!" "Ich hätte übertrieben!" "Das Kind wäre mir überlebensfähig gewesen."
Seitdem kämpfe ich mit diesem Trauma, zwar mein Kind zur Welt gebracht zu haben, es dann aber verlor, durch die Uneinsichtigkeit eines ganzen Krankenhauses.

Anjia
Antworten 29. September 2020

Ich möchte jeder Frau empfehlen auf den eigenen Körper zu hören und Notfalls lautstark um Hilfe zu rufen, falls keiner kommt.
Meine erste Geburt wurde super betreut, ich bekam meine Zwillinge nach einwöchigem Einleitungsmarathon( eines Anenzephalie). Die Situation damals war hart, aber ich bin mir sicher alle Hebammen, Ärzte, Trauerbegleitung und Schwestern waren jederzeit für mich da. Dann stand die zweite Geburt an und ich entschied mich für ein Krankenhaus direkt in unserer Nähe. Im Vorgespräch erklärte ich die Sizuation bei der ersten Schwangerschaft und wies darauf hin, das in meiner Familie alle Frauen ihre Kinder sehr schnell bekommen. Am Tag der Geburt bekam ich um 4 Uhr die erste Wehe und wir sind um 5:30 Uhr schon im Krankenhaus gewesen. Die wollten mich heim schicken, bestand aber darauf da zu bleiben. Es gab dann Ctg, Untersuchungen und ich wurde auf ein Zimmer geschickt zum Frühstücken( ca. 7Uhr). Dort versuchte ich alles um die Wehen zu veratmen und habe es nur Beckenkreisend auf der Toilette ausgehalten. Um 8 Uhr habe ich darauf bestanden in den Kreissaal zu kommen, der Blick der Hebamme war mehr als genervt( war dann im Kreissaal), sie untersuchte mich und sagte: Das dauert noch, ich mach Ihnen was in den Tropf und die Frechheit schlechthin: Haben sie den keinen Kurs besucht? Ging noch einmal im Kreissaal zur Toilette, habe eine Wehe an der Badewanne gestützt veratmet, bin ins Bett. Bekam auf einen Schlag Presswehen und mein Mann rannte Panisch auf den Flur um Hilfe zu holen. Bis dan die Hebamme kam, war der Kopf samt Fruchtblase schon geboren. 8:17 Uhr war meine kleine dann da. das ganze hat aber "nur "solange gedauert, weil die kleine noch kurz mit den Schultern hängen geblieben ist und gedreht werden musste. Ich habe meinem Körper vertraut, darüber bin ich heilfroh, sonst hätte ich meine kleine wahrscheinlich zu Hause entbunden, oder auf der Toilette im Zimmer oder sonst wo. Es gab keine Entschuldigung, kein nachfragen wie es mir geht von der Hebamme, nichts. Habe sie nie mehr zu Gesicht bekommen, obwohl ich ihr einiges zu sagen hätte.

    Béa Beste
    Antworten 29. September 2020

    Vielen herzlichen Dank, dass du dein Erlebnis mit uns teilst. Bist du jetzt OK? Und die Kleine? Liebe Grüße, Béa

Alexandra
Antworten 21. Dezember 2020

Meine Eltern hatten große Angst um mich als ich erklärte mit allen Mitteln dem Krankenhaus fern bleiben zu wollen. Meine geplante Hausgeburt wurde zu einer Geburtsgausgeburt, weil ich deren Geburtsraum so wunderbar gemütlich fand.
Es war ein Traum. Gleich 3 liebevolle Hebammen haben mich gestützt gestreichelt mit mir gelacht mich angefeuert und mich danach gewaschen und gründlich durchgecheckt. Ich war so entspannt das ich selbst zwischen den wehen ein wenig gedöst habe.
Die 400 Euro die ich dafür drauf gezahlt habe waren es mehr als wert und ich bin so dankbar für alle Geburtshäuser, und die mutigen Frauen die sich trauen eigenverantwortlich Geburten zu begleiten.
Wenn es irgendwie geht möchte ich alle Kinder die noch kommen in meinem liebsten Geburtshaus bekommen.
Trotzdem sollte das nicht die ungewöhnliche Ausnahme sondern die Regel sein. Denn schwierige Geburten gehören ins KH und dort darf Vernachlässigung und Gewalt nicht die Regel, noch nicht mal die Ausnahme sein.

Tina
Antworten 28. Dezember 2020

Mein Sohn kam am 20.02.2020 zur Welt, offensichtlich wollten das noch viele andere Kinder auch. Der Kreißsaal war voll. Nachdem die Fruchtblase geplatzt war, sind wir ins Krankenhaus und wurden erst mal in ein Untersuchungszimmer gesteckt. Bereits auf dem Parkplatz setzten die Wehen ein, ich hatte so gut wie keine Pausen. Selbst ein Toilettengang ging nicht ohne Wehe. Mein Kleiner lag schlecht und das CTG war uneindeutig. Es musste eine Blutprobe an seinem Kopf entnommen werden. Ich kam in einen sehr kleinen und sterilen Kreißsaal (ja doch, tatsächlich macht die Atmosphäre auch etwas aus). Die Blutabnahme musste wiederholt werden, da die Ärztin kein richtiges Licht hatte. Zum Glück war die Sauerstoffsättigung gut. Nach einer Schwangerschaft mit Hyperemesis gravidarum (also täglichem Erbrechen), war mein Körper bald am Ende seiner Kräfte. Ich wollte eine Pda. Ich wurde jedoch vertröstet, dass die Anästhesistin gerade keine Zeit hatte. Später wurde mir erklärt, dass ich die vierte in der Reihe bin, die eine Pda möchte. Wieder später hieß es, dass ein Notfallkaiserschnitt ansteht. Ich hatte keine Schmerzpausen mehr, es fühlte sich wie eine Dauerwehe an. Ich sagte dies der Hebamme. Ich wurde jedoch nicht ernst genommen und war viel alleine. Da ich jedes Schmerzmittel genommen hätte, habe ich blöderweise dann Lachgas probiert. Das machte mich zusätzlich so unglaublich müde. Die Schmerzen waren wie zuvor. Ein schlechter Rat! 9 cm waren es, dann kam irgendwann doch mal ein Arzt, der endlich feststellte, dass mein Sohn mit hohem Geradstand sein Köpfchen falsch gedreht hatte und so gar nicht durch den Geburtskanal kam. Geburtsstillstand. Ich hatte tatsächlich Dauerschmerzen, weil er nach unten drückte. Ich stand vor der Wahl: direkt Kaiserschnitt oder probieren ihn mit Lagerungen zu drehen. Ich war am Ende. Wollte den Kaiserschnitt. Auch mit Wehenhämmer waren meine Schmerzen zunächst nicht weg. Wollte mir wieder keiner glauben. Im Nachgang habe ich viel mit mir gekämpft, hätte ich doch noch versuchen sollen? Letztendlich waren meine Kräfte am Ende. Nach dem Kaiserschnitt wurde mir mein Sohn nicht zum Bonden gegeben, erst 1,5 Stunden später. Völlig unnötig. Mir fehlte völlig der Bezug zu meinem Sohn.
Letztendlich ging alles gut, wir beide sind gesund. Dennoch bin ich traumatisiert. Eine Pda zu wollen und nie eine zu bekommen, das fühlte sich für mich wie Folter an. Wir waren so oft und lange alleine, ohne jede Hebamme. Auch mein Mann war hinterher sehr mitgenommen.

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