„Woher wollen’s das wissen? Ist doch ihr erstes Kind.“ – Geburtsbericht von Anna


Wir haben hier im Nachgang an unserem Bericht übers „alleinlassen während der Geburt“ folgende Erfahrung einer Mutter bekommen:

Liebe Tollabea,


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ich habe die Geschichte der Mama gelesen, die bei ihrer Geburt allein gelassen wurde und musste mich unwillkürlich an meine Schwangerschaft(en) zurückerinnern.

Bei meiner ersten Schwangerschaft lief von vornherein sehr viel schief. Ich litt an einer Extremform von Hyperemesis Gravidarum und konnte kaum Essen und Trinken unten behalten. Ich nahm stark ab, hatte niedrigen Blutdruck. Als ich dann im 6. Monat starkes Fieber bekam, ging ich ins Krankenhaus und es wurde eine Nieren-Blasen-Entzündung festgestellt. Eine OP wurde angekündigt, in der mir in den rechten Harnleiter ein Plastikröhrchen eingesetzt werden sollte.

Fast eine Woche verging, ich war fieberfrei und fühlte mich im Großen und Ganzen prima (bis auf das Kotzen, aber was soll man da schon machen…). Auch die Entzündungswerte hatten sich normalisiert. Trotzdem bestanden die Ärzte auf der Notwendigkeit der OP. So wurde mir also unter furchtbaren Schmerzen (für eine Betäubung egal, welcher Art sei ich zu schwach, sagten sie) dieses Harnröhrchen eingesetzt.

Am nächsten Tag wurde ich entlassen. Doch zu Hause wurde es nicht besser.

Starke Unterleibsschmerzen und Urin, der eher an Johannisbeersirup erinnerte, raubten mir den Schlaf und ließen mich erneut das Krankenhaus aufsuchen.

Dort wurde mir gesagt „Ich solle mich nicht so anstellen“ und „Das sei normal“…

Ich war kurz vor dem Heulen und ging zu einem niedergelassenen Urologen, der das Problem zum Glück sofort ernst nahm und den Schlauch herauszog. Und er war entsetzt! Der Schlauch war für meine Statur viel zu lang und viel zu dick. Ich dagegen war nur froh das Ding los zu sein..

Von dem Tag an verlief meine Schwangerschaft problemlos (bis auf das Kotzen, aber das wurde ich auch bei K2 später nicht los).

Und eines Nachts um 3 wusste ich: Es ist soweit.

Mein Mann fuhr mich in die Kinderklinik und wir teilten der diensthabenden Hebamme mit, dass es losgeht.


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„Woher wollen’s das wissen?“, hieß es dann erst mal. „Ist doch ihr erstes Kind.“

Mein Mann wollte der Dame schon die Meinung geigen, aber ich war zu erschöpft für so einen Stress. Sie sagte also, wir sollen das CTG abwarten. 1,5 Stunden saß ich wehengeplagt im Wartezimmer und nichts passierte. Schließlich wurden wir gegen halb 6 in einen Raum gebracht, wo ein CTG gemacht wurde. Doch dann der Schock: das sind nur Übungswehen (in der 40. SSW… 1 Tag vor Termin… ist klar.) und selbst wenn das echte Wehen wären, so wäre es doch mein erstes Kind und das würde noch ordentlich dauern. Ich solle doch am besten nach Hause fahren.

Das war der Augenblick, in dem mein Mann die beste Entscheidung meines Lebens getroffen hat!

Wir wohnen knapp 40 km von der Stadt entfernt. Deswegen entschied er mich nicht nach Hause, sondern zu meinen Eltern zu bringen, die in der Stadt wohnen. Gegen Viertel nach 6 war ich dann bei meiner Mutter und lag in meinem alten Bett in meinem alten Kinderzimmer.

Ich war so fertig, dass ich zwischen den Wehen immer wieder wegnatzte.

Gegen 7.15 Uhr hielt ich es nicht mehr aus, ich hatte das Gefühl ich muss pressen.

Mein Mann sah nach und sah das Köpfchen unserer Kleinen.

Meine Mutter rief sofort den Notarzt.

Keine 10 Minuten später war Notarzt und RTW vor Ort und die Notärztin half mir unsere Tochter auf die Welt zu bringen:

Gesund und munter.

Nicht Dank des Personals der Kinderklinik!

Später stellte sich allerdings kurioserweise heraus, dass die Notärztin an dem Tag ihren ersten Einsatz hatte, nachdem sie fast 5 Jahre als Gynäkologin auf der Geburtsstation in der bereits erwähnten Kinderklinik gearbeitet hatte. Wir werden ihr immer dankbar sein.

Diese Erfahrung hat mich weiter gebracht. So, dass ich bei meiner zweiten Schwangerschaft selbstbewusster war und mehr auf mein Bauchgefühl gehört habe als auf alles andere. Das wünsche ich jeder Schwangeren.

Eure Anna

P.S. von Béa: Wir freuen uns auch über andere Erfahrungen – und auch über Berichte voller Dankbarkeit, wenn Dinge ganz besonders gut gehen! <3

Die wahren Heldinnen der Geburtsstationen

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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2 Kommentare

Claudia
Antworten 25. März 2022

Dieser kurze Bericht, hat auch gerade Erinnerungen bei mir geweckt. Mein erster Sohn (bereits 18) wurde 4 Wochen zu früh geboren und ich wurde 2x wieder nach Hause geschickt. Zum Glück war das KH nur 10 Minuten entfernt, sonst wäre er wohl im Auto geboren. Hier bin ich jedoch während der Geburt sehr gut betreut worden. Bei meinem zweiten Sohn (16 / anderes KH) wurde ich mit Presswehen alleine gelassen... die Aussage war... "es sind keine Presswehen... das Kind liegt zu weit oben"... dann hab ich halt alleine gepresst... als sie zurück kamen, war der Haaransatz bereits zu sehen. Jede Frau sollte sich bewusst machen, dass Sie ihren Körper wohl am Besten spürt und sich auf dieses naturgegebene Gefühl auch verlassen dürfen.

Christiane Rittner
Antworten 2. April 2022

Ja.
Mir wurde auch gesagt:
Oh das dauert noch, legen sie sich hin und schlafen ein wenig.
Ist ja die erste SS.
Nach knappen drei Stunden und einer ungläubig schauenden Hebamme war das Kind da.
Wir hatten Glück mit der Ärztin, die den Blasensprung erkannte…..und mich daher nicht nach Hause schickte.
Sonst:Hausgeburt!!!!

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