Am Rande der Verzweiflung: Ein Loch im Herzen und die Suche nach dem Licht – Gastbeitrag


Ihr Lieben, diesen Beitrag „Am Rande der Verzweiflung“ haben wir von einer Leserin erhalten. Sie möchte gern ihre Gedanken und Situation mit euch teilen, und hat es geschrieben, indem sie jede Einzelne von euch anspricht und gern wissen würde, ob ihr ihre

Wie würdest du solche Schläge überstehen können? Würde deine Ehe das überstehen?

Hier ist die Geschichte dazu… Stellt dir vor:

Vor etwa 3,5-4 Jahren war dein Vater ein gesunder, aktiver und lebensfroher Mensch. Dann bricht bei ihm ein Krankheit aus und viele Krankenhausaufenthalte folgen. Sehr lange Zeit sind die Ärzte ratlos und können nicht sagen, was dein Vater hat. Dabei verliert er seine Muskelkraft von Tag zu Tag mehr. Bis am Ende aus Ratlosigkeit eine Diagnose gestellt wird: ALS. Ihr erinnert euch an die Ice Bucker Challenge? Genau die!

Nach kürzester Zeit wurde aus diesem starken und liebevollen Mann ein pflegebedürftiges Häufchen Elend in Windeln.

Du tust alles, damit er seine Lebenskraft behält und bist täglich stundenlang bei ihm. Pflegst und unterhältst ihn. Siehst über seine Launen hinweg, denn du weißt, dass du an seiner Stelle wahrscheinlich schon im Selbstmitleid untertauchten würdest.

Sicher sind nur drei Dinge in seiner Situation:
1. er wird niemals mehr gesund
2. er wird bald sterben oder auch ganz bald
3. er wird qualvoll ersticken!

Deine Mutter arbeitet in Vollzeit um über die Runden zu kommen. Sie selbst schluckt täglich über 10 Medikamente um überhaupt gehen zu können. Jede Wetterveränderung, jede Stresssituation machen sie krank. Sie hat Gleichgewichtsstörungen, SDÜ und ist nervlich absolut am Ende!

Du versuchst zu helfen wie es nur geht und vergisst dabei an dich selbst zu denken. Dafür ist auch keine Zeit.

Allerdings hast du zwei Kinder und vor der Geburt des zweiten Kindes habt ihr euch ein vermeintlich wunderschönes Haus gekauft. Das Haus entspricht deinen Träumen und befindet sich in einer kleinen Nachbarsstadt.

Dein älteres Kind wird eingeschult und aufgrund des baldigen Ortswechsels meldest du die Schule im neuen Ort an. Die Schule ist fantastisch und dein Kind kommt dort sehr gut zurecht.

Doch leider stellt es sich schnell raus, dass du beim Hauskauf vom Verkäufer arglistig getäuscht wurdest. Die Schäden wurden absichtlich für den Verkauf versteckt, verschwiegen und/oder es wurde gelogen.

Die meisten Schäden hat deine Familie selbst beseitigen können. Doch zwei davon gehen in den Kostenbereich von über 60.000 Euro und aufwärts. Alle Versuche die Angelegenheit außergerichtlich zu lösen sind gescheitert. Also geht es vor Gericht. Doch das hat so viel zutun, dass jedes Schreiben Monate braucht, um bearbeitet zu werden. Also sitzt du nun seit fast zwei Jahren in einer viel zu kleinen Wohnung mit zwei Kindern. Fährst dein älteres Kind täglich in eine andere Stadt zur Schule, hast ein Kleinkind immer dabei im Auto, hast nie Zeit für Krabbelgruppen, Sport oder etwas anderes, das dir und deinen Kindern gut tut. Denn du bist aufgrund der Doppelbelastung absolut pleite und hast einen pflegebedürftigen Vater, der dich mehr braucht, als er zugibt.

Dein Ehemann ist Alleinverdiener, denn eigentlich bist du in Elternzeit. Er hilft dir zwar viel, aber diese Hilfe reicht bei Weitem nicht aus.

Deine Freunde haben sich von dir abgewendet, weil du nie Zeit und Geld hast um mit ihnen etwas zu unternehmen!

Hast du dir doch Zeit freischaufeln können, bist du dermaßen in deinem Kopf beschäftigt, dass du keine gute Gesellschaft abgibst.

Eins ist sicher, das Loch in deinem Herzen ist wie ein schwarzes Loch.

Es ist riesig und du weißt nicht, ob es jemals verschwinden wird.

Ein Lichtlein am Ende des Tunnels gibt es nicht!
Nach über 2 Jahren gar nichts mehr mit Licht 💡.

Nun geht es weiter! Es muss.

Vor einigen Tagen eine OP des Vaters. Ein riesiger Gallenstein hat ihm heftige Schmerzen und Krämpfe beschert. Seit gestern ist er wieder Zuhause. Sein Körper ist nun komplett schlapp. Ob wir ihn jemals wieder aufsetzen können, ist fraglich.
Seine erste Handlung zuhause: mir die Unterlagen für Vollmacht und Patientenverfügung vorzulegen (erklären wo sie liegen) und ausfüllen lassen.

Wir alle versuchen stark zu bleiben, aber im Inneren zerreißt uns die Sorge und Verzweiflung.

Eine Mutter,
die immer noch hofft, dass ihre Welt in Ordnung kommt

P.S. Von Béa: Gibt es jemand, der sich aus so einer belastenden Situation schon mal rausgewunden hat? Könnt ihr tröstende Gedanken und Worte finden? Wart ihr schon mal am Rande der Verzweiflung?

Titelbild: Photo by Rhendi Rukmana on Unsplash

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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1 Kommentare

ela
Antworten 2. März 2019

Es ist jetzt ziemlich genau 3 Jahre her, meine Kinder waren 6 und 3 - mein Vater hatte einen Schlaganfall und dann eine Hirnblutung als Nebenwirkung der Behandlung. Fast niemand überlebt das. Er hatte alles verlernt. Keine willkürlich gesteuerte Bewegung ging mehr. Keine Bewegung in den Armen, Beinen, ... keine Kontrolle über irgendwas, keine Sprache.
4 Wochen Intensivstation, danach 6 Monate Reha. Einer von uns (meine Mutter, wir Kinder, ...) hat ihn dort quasi jeden Tag besucht.
Streit mit der Versicherung, weil keine Reha mehr bezahlt werden sollte. Dann folgten 6 Monate Pflegeheim mit höchster Pflegestufe. Die Zustände in Pflegeheimen sind gruselig.
Seit 2 Jahren ist er zu Hause - wird gepflegt von meiner Mutter, die arbeiten geht mit Unterstützung vom Pflegedienst. Wir sind jedes Wochenende bei ihnen, helfen beim Baden/ Essen, moralische Unterstützung, trainieren,... Es vergeht kein Tag wo wir nicht wenigstens telefonieren. Es ist einsam zu Hause für meine Mutter, wenn mein Vater zwar körperlich da ist, aber quasi nicht antwortet. Freunde wollen irgendwann auch nicht immer wieder das gleiche hören. Nach 3 Jahren ist das Thema für die meisten fern. Für uns selber natürlich aber dauerpräsent. Es hat unser Leben verändert. Wir leben aber einfach weiter. Wir fliegen gemeinsam in den Urlaub, machen Ausflüge, ... mein Vater kommt mit.

Inzwischen: er kann essen (muss gefüttert werden, aber er hat keine künstliche Ernährung mehr), er kann manchmal die Bewegung in den Armen oder Beinen steuern. Es geht also aufwärts, irgendwie.

Wie geht es uns damit: es geht auf und ab. Am schlimmsten ist es natürlich für meine Mutter. Aber auch ich hänge stimmungsmäßig oft davon ab, wie es meinen Eltern geht. Haben sie einen schlechten Tag, fällt es auch mir schwer. Über jeden guten Tag freue ich mich. Wie man da raus kommt? Gar nicht, die Situation ändert sich ja nicht.

Es gibt gute Tage und schlechte. Ich hoffe einfach immer auf einen guten

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