Ayurveda für Selbstbestimmer!


Frisch aus dem Ressort: Die ersten Ayurveda Erfahrungen von der Kerala-Kur. Heute ist der sechste Tag. Heute erzähle ich euch etwas über die Behandlungen. 

Wie ich zu der Reise nach Kerala kam habe ich ja gestern berichtet. Nun war ich die letzten Tage im schönen Ressort Somatheeram und will euch kurz vom Ayurveda-Part berichten.

Also, hier ist die beste Erklärung, was es ist: „Die ganzheitlich ausgerichtete Wissenschaft vom Leben stammt aus der altindischen Hochkultur und ist die älteste überlieferte Medizinlehre. Ayurveda setzt sich dabei aus den Worten Ayus (langes Leben) und Veda (Wissen) zusammen. Nach der ayurvedischen Gesundheitslehre kann es durch ein Ungleichgewicht in den drei energetischen Grundkräften – den so genannten Doshas – zu gesundheitlichen Störungen kommen. Die drei Doshas – Vata, Pitta und Kapha – bestimmen dabei den menschlichen Organismus, regeln alle körperlichen und seelischen Abläufe im Menschen und steuern sogar die geistigen Prozesse.“ (mehr im Wellness-Lexikon)

Diese Doshas basieren auf eine Einteilung auf die Elemente (Erde, Wasser, Feuer, Luft und Raum) und daraus leitet sich die komplette Heilkunde ab. Nach einer Untersuchung stellen speziell ausgebildete Ärzte fest, welche Doshas zu einem gehören. Man hat eigentlich dann eine Kombi aus zwei Doshas, und danach richtet sich die weitere Behandlung, inklusive Essensplan.

Es gibt so etwas wie Patientenrechte!

Ihr habt auch vielleicht Gruselstories rund um Ayurveda und den „Behandlungen“ gehört? Also, ich hatte schon Menschen, die mir von Einläufen und induziertes Erbrechen erzählt haben und war auch eher vorsichtig. Auch mein Zahnarzt, als ich die Woche vor der Abreise bei ihm war, verabschiedete sich von mir mit den Worten: „Geniessen Sie ihre Kur, und… nicht vergessen, es gibt so etwas wie Patientenrechte.“ Ich schaute ihn an mit großen Augen. Er ergänzte: „Es muss nichts mit Ihnen passieren, was sie nicht wollen. Sie können zu allem auch NEIN sagen.“

Vorweg: Ayurveda ist toll, wenn man
1. seine Grenzen kennt und seine Wünsche klar äußert – oder
2. wenn man bereit ist, sich voll und ganz der Sache hinzugeben.

Also, mein Mann Oliver und ich gehören zu 1. Und wir machen die Erfahrung, dass wenn wir klar und deutlich unsere Wünsche artikulieren, die Sache auch zu unserer Zufriedenheit verläuft.

Die ersten Erlebnisse: Die ärztliche Untersuchung

Als wir hier ankamen, gab es schon am ersten Tag einen Termin mit zwei Ärzten: Ein Frau und ein Mann, die uns beide empfangen haben. Ich denke, wenn man lieber Einzelgespräche hat, muss man das sagen und die machen das sofort. Da wir aber als Paar hier waren, fanden wir das beide schöner so. Wir mussten ein sehr ausführliches Formular ausfüllen über unsere Gesundheit, aber auch unsere Lebenseinstellung (zum Beispiel wird man auch nach dem Glauben gefragt – und man kann auch Atheismus ankreuzen) und unsere Lebensgewohnheiten wie Ernährung oder Schlaf. Dann wurden wir untersucht. Puls ist in der Ayurveda-Medizin sehr wichtig, in einer Unterlage steht, dass der Arzt „in dich hinein sieht“ wenn er deinen Puls fühlt. Grundsätzlich glaube ich da mehr an Röntgen, MRT und CT – aber da ich jetzt gerade keine schwerwiegenden Krankheiten habe, beschliesse ich, dass mir hier die Sache mit dem Puls gerade Recht sein sollte. Das Gespräch war freundlich, warmherzig, angenehm. Wir fühlten uns angenommen – und wir mussten unseren Wünschen, nur den Wellness-Part mitzunehmen und nicht die harte Nummer mit Erbrechen und Darmspülungen, gar keinen Nachdruck verleihen, wir wurden zu nichts überredet. Sanftheit ist hier Programm. Die Ärzte stellten fest, dass ich ein Vatha-Pitta Typ bin und Oliver Kapha-Vatha – und danach orientierten sich unsere weiteren Behandlungen und auch unsere Ernährung. (Der Sache mit dem Futter widme ich einen extra Post.)

Wir haben unsere Ärzte sehr gemocht. Sie waren lieb, feinfühlig, mit Antennen für unsere Bedürfnisse.

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Die Behandlungen: Die letzten fünf Tage

Die Ärzte übergaben uns in die Hände der „Therapists“: Ich wurde zwei Frauen übergeben und Oliver zwei Männern. Unter meinen beiden Frauen war die Chefin eine kleine, rundliche, süß lächelnde Frau, mit Kulleraugen. Die andere ist eine auch kleine, aber schlanke, indische Schönheit von 22 Jahren, mit enorm großen dunklen Augen und einem Gesicht, das jeder Statue würdig wäre. Hier seht ihr nur die Chefin – von der ich erfahren habe, dass sie Mutter eines 15jährigen Jungen und eines 11jährigen Mädchens ist, von Morgens bis Abends arbeitet – aber zum Glück eine Mutter hat, die sich immer um die Kinder gekümmert hat.

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Jeden Tag läuft die Behandlung so:

Nach einem kurzen Check mit den Ärzten bringen mich die „Therapists“ zum Behandlungszimmer: Hier ist es eher dunkel, gedämpft beleuchtet, und sie machen eine Öllampe an. Dabei sprechen sie etwas gebetsartig vor sich hin. Ich ziehe mich nackt aus und darf zunächst auf einem kleinen Hocker sitzen. Dann werden ich „gereinigt“ – also da sie wissen (und wahrscheinlich riechen) dass ich frisch geduscht bin, wedeln sie nur etwas mit einem Tuch an mir herum, bis zu meinen Fußsohlen. Aber die Bewegung ist Teil des Prozesses. Dann bekomme ich etwas Öl auf dem Kopf, auf die Schultern, auf die Hände und auf die Fusssohlen. Die Chefin legt die Hand auf meinem Kopf und singt etwas in Sanskrit. Ein kleines Gebet. Ich denke, da ich „Atheist“ angekreuzt habe, halten sie den religiösen Part eher kurz. Dann geht es los: Ich werde im Sitzen eingeölt und massiert, mit Schwerpunkt auf die Kopf-Nacken-Partie. Zunächst macht das die Chefin die ersten 7 Minuten, dann machen das beide zweihändig. Mein Lieblingspart ist eine Klopfmassage rund um meinen Kopf, das entspannt herrlich!

Nach ca. 15 Minuten werde ich gebeten, auf eine Liege, die mit einer schwarzen Plastikfolie und mit einem weißen  Vlies bedenkt ist, zu steigen und mich hinzulegen. Zunächst auf dem Bauch, dann auf jeder Seite, und dann auf dem Rücken. In jeder Position bekomme ich warmes Öl auf mich gegossen und eine ausgiebige Vierhandmassage – inklusive Klopfen und einem Rennen über meinen Körper mit ganz sanften Fingern. Das ist die Grundmassage und Ölung.

Anschließend kommen unterschiedliche andere Behandlungen hinzu: Am erste Tag hatte ich ein „Poaching and Scrubbing“, mein Körper wurde mit kompakten warmen Beuteln mit Kräutern gerieben und geklopft.  An einem anderen Tag hatte ich einen „Scrub“, so eine Art Ganzkörperpeeling mit warmen Kräutern. Dazu kamen noch kürzere Behandlungen wie Gesichtsmassage oder Dampfbad. Letzteres war lustig: Sie haben so eine Art Holzmöbel wie eine riesige Kiste, in der man sitzen darf – der Kopf schaut raus. Man bekommt ein Handtuch um den Hals – der Körper bekommt ein Dampfbad, der Kopf bleibt kühl, und man kann selbst durch das Handtuch regulieren, wie viel man von dem Dampf auch seinem Atemtrakt gönnt oder ob man lieber nur die frische Luft einatmet. Meine Lieblingsbehandlung ist allerdings genau das Wahrzeichen von Ayurveda: Es ist das langsam rinnende warme Öl über die Stirn. Die erste Minute ist komisch, danach versetzt das irgendwie in Trance – ich fühle mich, als würde ich schweben in einer Traumwelt.

Das ganze ergibt jeden Tag ca. 2-3 Stunden pure Wellness.

Mein Körper mag das grundsätzlich. Nach vier Tagen hatte ich den Geruch des „medicated oils“, also des Massageöls satt. Vor allem in den Haaren konnte ich ihn nicht mehr haben, das hat mich bis in die Nacht verfolgt…
Da hilft aber auch die Selbstbestimmungsansatz!
„No problem, Ma’am!“ – und schon werde ich nun mit reinem Kokosnussöl massiert, das die ganze Massage zum Geruchserlebnis einer Weihnachtsbäckerei macht: Ich dufte herrlich nach Kokosnussmakronen! Problem gelöst. Aber: Ob ich aus Versehen in der Nacht Olivers Zähne im Arm habe, weil er von Cookies träumt…? Mal sehen.

Auch die Uhrzeit der Behandlungen ist verhandelbar. Die ersten zwei Tage waren wir um 14:30 dran, das hat uns viel vom Tageslicht weggenommen. Wir konnten dann alles auf 17:00 legen, kein Problem!  (Ich muss sagen, das mit dem Licht ist auch das einzige Manko hier – es regnet im November viel, es gibt zu viele Wolken, wir sehen zu wenig die Sonne. Ich würde euch Kerala eher in Januar und Februar empfehlen, wenn der Niederschlag am niedrigsten ist).

Also Fazit, frei nach Brecht: Wer A wie Ayurveda sagt, muss nicht zu jedem B wie Behandlung auch ja sagen… sprich alles mitmachen. Wenn ihr das ausprobieren wollt: Auf die eigenen Limits und Signale des Körpers achten, klar Wünsche artikulieren und schon wird das eine schöne Wellness-Erfahrung… Und à propos Limits: Ganz bald kommt wahrscheinlich der lustige Bericht – ich beim Yoga.

Eine Sache für sich… Wartet mal ab.

Übrigens, wir haben gerade ins benachbarte Schwester-Ressort Manaltheeram gewechselt und fühlen uns direkt am Strand ganz wunderbar! Ayurveda_erfahrungen_bericht_ManatheeramDanke hiermit auch wieder an Dr. Petra Holz von Neue Wege, dass sie das so gut für uns arrangiert hat und natürlich für die Blogger-Ermäßigung, von der ich euch im anderen Artikel erzählt habe.  (Dieser Artikel jetzt ist allerdings gar nicht mehr Teils der Abmachung, ich erzähle euch das, weil ich gerade Lust dazu habe und weil ich gern meine Ayurveda Erfahrungen weitergebe)

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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1 Kommentare

Model und Mama
Antworten 8. Oktober 2016

Toller Artikel. Ich habe mal eine Ayurveda Kur in Sri Lanka mitgemacht. Eine sensationelle Erfahrung!

Das war vor meiner Zeit als Mama :-)

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