Die Hand ausgerutscht. Von einer Mutter, die ihr Kind geschlagen hat und es nie wieder tun will.


Ihr Lieben, wir haben hier einen Gastbeitrag einer anonymen Mutter, den wir für sehr reflektiert und teilenswert halten. Bitte lest und urteilt nicht, sondern versucht zu verstehen…

„Liebe Community, jeder von euch hat Momente, in denen es nicht weiter zu gehen scheint…

Das Baby hat seit drei Nächten geschrien, offene Rechnungen liegen auf dem Tisch, der Partner ist nicht da, oder nicht existent, genauso fertig wie ihr oder einfach ebenso hilflos, ihr wollt ihm/ihr unbedingt heute Nacht den Rücken freihalten, aber euch stehen die Tränen in den Augen und es ist trotzdem keine Zeit, weil das Baby doch Ruhe braucht, um ruhig zu werden. Oder das Kleinkind, oder das Kind, oder der Teenager.


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Da ist Wut im Bauch, weil alles so unfair ist.

Und draußen ist es kalt, nur das Grau in Grau und die feuchte Kälte die bis unter die Haut geht. Ich glaube wirklich, solche Momente hat jeder Mensch, jedes Elternteil.

Ich kenne sie von mir – manchmal intensiver, tagelang, manchmal nur einen „wegatembaren“ Augenblick.

Dennoch weiß ich, manchmal bin ich eine schlechte Mutter.

Bevor ihr mir Mut macht, bevor ihr mir sagt, dass jeder mal die Nerven verliert, möchte ich sagen: Ich bin sehr reflektiert, ich weiß, dass jeder Fehler machen darf. Ich bin mir des enormen Drucks auf Mütter bewusst, und all der guten Gründe, manchmal nicht geduldig sein zu können und zu müssen. Ich bin meistens eine gute Mutter, denke ich. So wie die meisten.

Ich schreibe das hier anonym, denn bei diesem Thema geht immer ein Aufschrei durch die Foren. Es ist ein Tabu.

Ich habe meinen Sohn, mein Kleinkind geschlagen.

Nicht so, dass er einen blauen Fleck bekam, oder eine rote Stelle. Aber so, dass er sich heftig erschrocken hat. So, dass er noch heftiger weinte, und alle Wut von mir abfiel, und das schlechte Gewissen an mir nagte. So, dass ich wusste: bisher war jeder Wutausbruch irgendwie zu verzeihen, jedes Wort, jeder hilflose Moment, aber das hier, das bleibt eine Narbe in unseren Seelen.

Und ich bete, hoffe, wünsche, kämpfe dafür, dass es nie wieder passiert – ich atme durch, zähle bis zehn, versuche die Situation zu verlassen, sobald meine eigenen Gefühle zu laut, zu wirr, zu absurd werden. Wenn das Schreien meines Sohnes ein Klingeln in meinen Ohren wird, wenn ich nicht mehr unterscheiden kann zwischen seinen Bedürfnissen und meinen Projektionen auf sein kleines Kinderköpfchen, zwischen gesellschaftlichen, familiären und meinen eigenen Erwartungen…

Aber ich weiß nicht, ob das reicht. Ob es wieder passiert. Ich arbeite an mir.

Ich habe mir (wieder) einen Therapieplatz gesucht, ich ringe mit mir, Reflexion vom Jugendamt einzuholen, aber es ist sehr, sehr schwer. Es ist schwer, über Überforderung zu sprechen. Ohne, andere Probleme relativieren zu wollen: Ich meine nicht das Reden über unaufgeräumte Wohnungen und verpasste Abgabetermine. Nicht über scheiternde Beziehungen. Ich meine Reden über etwas, das richtig schiefläuft. Über das Schlagen eines Kleinkindes.

Ich will mir nicht ausmalen, wie schlimm es ist, wenn es schlimmer ist – wenn ich meinem Kind eine Wunde zufüge. Im Affekt der Verzweiflung, der Isolation, der Überforderung.

Ich brauche Hilfe, und ich hole sie mir.
Aber das kostet sehr, sehr viel Kraft.

Vernichtende Blicke, das Damoklesschwert über mir, die Angst vor Verurteilungen. Ich weiß, es wäre leichter mir „zu verzeihen“, wenn ich etwas über mich schreiben könnte. Wenn ihr euch ein Bild von mir machen könntet, euch zusammenreimen könntet, wo die Überforderung herkommt. Aber das möchte ich nicht, ich möchte nicht, dass mir verziehen wird.

Ich würde mir wünschen, dass es leichter wird, darüber zu sprechen. Für mich, aber auch für all die anderen, die sich in diesem Text vielleicht nicht wiederfinden, wenn ich mehr über mich schreibe. Die denken „Na, das was sie getan hat, geht ja noch. ICH bin ein Monster.“ Nicht um zu verharmlosen, welchen Schaden Schläge anrichten, sondern um zu sensibilisieren, damit mehr Leute darüber sprechen, damit es nicht mehr passiert.


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Damit Kinder wie mein eigenes wirklich gewaltfrei aufwachsen können.

Damit Mütter ihre Fehler annehmen können und nicht in der Schuld-Wut-Schleife gefangen sind.

Ich wünsche mir, dass ich mir Hilfe holen kann.

Dass ich aufhören kann, mich wie ein Monster zu fühlen, um nicht wieder eins zu sein. Ich möchte nicht erzählen müssen, dass mein Sohn ein aufgewecktes Kind ist. Das wir lange gestillt haben, dass er im Familienbetrieb schläft, dass ich im sozialen Beruf arbeite.

Dass ich ihn mit ganzem Herzen liebe.

Ich möchte nicht die Keule der psychischen Erkrankung als Entschuldigung schwingen, von einer schlechten Kindheit sprechen.

Nicht von bedürfnisorientierter Erziehung reden, damit ich dann sagen kann „und dann ist mir eines nachts, als ich besonders lang an mein Trauma gedacht habe, die Hand ausgerutscht – aber das war mir eine Lehre und es wird nie wieder passieren!“ denn so einfach ist das nicht. Ich habe einem Impuls nachgegeben, den ich nicht kontrollieren konnte.

Das darf nicht sein – aber wie vereine ich das Wissen darum, dass es nicht sein darf, damit, dass es passiert ist?

Wie verhindere ich, dass es erneut passiert, wenn ich nicht darüber reden kann, dass es passiert ist, aus Angst, dass mir gesagt wird, dass ich eine schlechte Mutter bin?

Ich muss akzeptieren, dass es gewesen ist, aufhören, mich zu verurteilen, damit ich nicht noch mehr schlechte Gefühle in die neuen Situationen nehme. Damit ich nicht denke „ich bin sowieso ein Monster“ und dieses Monster mit in meine Identität packe. Aber je mehr ich nicht denken will, dass ich so bin, desto mehr bohrt sich die Verachtung für mich selbst in meine Seele.

Ich rede jetzt darüber. Ich tue es, damit andere es auch können.

Wir, die Eltern, die ihr Kind geschlagen haben, und es nie wieder tun wollen. Wir, die Mütter und Väter mit den Gründen, die unser Verhalten nicht rechtfertigen. Wir, die Väter und Mütter, die vielleicht nie miteinander sprechen. Aus Scham. Aber ich weiß, dass es euch gibt. Und ihr wisst jetzt, dass es mich gibt. Ich rede jetzt darüber, damit jemand, der es sich so sehr wünscht wie ich, sich wiederfinden kann. Damit die Mütter und Väter, die diesen Text lesen und betroffen sind, fühlen, wie groß der Fehler war, wie richtig der Kloß im Hals und die Selbstvorwürfe sind,aber auch, wie gut sie sind.

Wie gut ihr seid.

Wenn ihr euch Hilfe holt, nicht erst beim nächsten Mal, sondern dieses Mal. Egal ob es ein Klaps in der Wut oder ein Stoß aus Angst war. Ob ihr eure Gründe kennt oder nicht. Ob ihr eurer Kind geschüttelt habt, es geschlagen habt, es zu laut und zu oft anschreit. Es gibt Hilfe, es gibt Leute, die euch nicht verurteilen. Es spricht nur niemand darüber.

Ihr seid keine schlechten Menschen. Ich bin kein Monster.
Ich habe nur eins. Ich habe ein Monsterproblem, das irgendwo herkommt.

Und es bleibt so lang, bis ich herausfinde, wie ich es akzeptieren kann. Und dazu brauche ich Hilfe und offene Ohren, keine Vorwürfe. Es ist passiert, und es war schlimm, aber ihr liebt euer, so wie ich mein Kind liebe – und wir können lernen, was es heißt, zu den Eltern zu gehören, die ihr Kind schlugen, aber einen Weg fanden, das Monster an die Hand zu nehmen. Das Monster mit Gründen, das Monster der schlechten Gefühle, es zu zähmen und unseren Kindern eine gewaltfreie Erziehung zu bieten. Und euch andere Eltern bitte ich, so inständig: Hört zu. Bitte hört zu und macht Mut. Es ist der einzige Weg, viele Kinder davor zu bewahren, in sich gefangenen Eltern ausgeliefert zu sein.“

Ihr Lieben, seid bitte einfühlsam mit euren Kommentaren, ja?

Liebe Grüße,

Béa

 

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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20 Kommentare

Miriam
Antworten 17. Oktober 2017

Danke für deinen ehrlichen Artikel.
Du willst loslassen. Ich vermute, dass du, wie ich, nicht nur einmal mit diesem Impuls, diesem Monster, in Berührung gekommen bist. Wie oft konntest du widerstehen? Wie oft hast du dich gekniffen, tief durchgeatmet, bis 10 gezählt, was auch immer?
Ich weiß, dass dieses eine Mal, als es dich von hinten erwischt hat, wie eine riesige, ultimative und abschließende Niederlage über dir schwebt. Dabei hast du so oft gewonnen. Du hast so oft erfolgreich Widerstand gegen diesen hilflosen, ureigenen Impuls gewonnen. Nur einmal nicht. Nur einmal ist ziemlich nah dran an perfekt. Vielleicht kannst du es gemeinsam mit deinem Kind aufarbeiten. Vielleicht kannst du dich an diesen Impuls erinnern, wenn dein Kind mal nicht weiter weiß und nach dir schlägt. Ihm helfen, dieses Monster zu besiegen und nicht aus Hilflosigkeit zu schlagen. Dieses Verständnis ist von dir schmerzhaft gelernt und kann deinem Kind wirklich helfen, weil du ihm nun vielleicht verständnisvoller begegnen kannst und es auch liebevoll durch diese Extremsituation begleiten kannst.

Was geschehen ist, kannst du nicht ändern, du kannst nur lernen, reflektieren und das Resultat positiv nutzen. Fühl dich ganz feste gedrückt!!

Pinco Pallino
Antworten 28. März 2018

Ich persönlich finde deine Gefühle fast erschreckender, als das was du getan hast. Klar Kinder schlägt man nicht keine Frage. Aber falls es passiert muss man nicht gleich der Meinung sein, man sei eine schlechte Mutter. Es gibt mehrere Themen, wo ich finde, dass - wenn man sich nicht haargenau an die gesellschaftlichen Normen hält- man sich gleich als Versager fühlt: und wenn es nur TV Konsum oder Tablet ist. Wie schon einige kommentiert haben,bin ich auch der Meinung: erklären und entschuldigen genügt. Deine psychische Unsicherheit derzeit schadet wahrscheinlich mehr dem Kind. Lass dir kein Looser Gefühl einreden. Deine Probleme haben fast alle Eltern...

Miriam K
Antworten 15. Dezember 2018

Liebe Bea, ich finde mich in dir wieder...
Ich bin Mutter von zwei wunderschönen Mädchen (3 3/4 und 7 Monate). Meine Kinder sind das grösste Glück und ich könnte nicht stolzer sein. Und dann gibt es sie, die Momente, in denen ich mich umbedingt kontrollieren muss, mir auf die Lippen beissen, durchatmen usw. Heute Abend habe ich meiner Tochter eine Ohrfeige gegeben, weil sie mich angespuckt hat. Ich war wie gelähmt. Mein Mann hat das mitbekommen und ist verständlicherweise aus allen Wolken gefallen. Ich habe einer Psychologin geschrieben, bin nur noch am weinen und halte mich für das Monstrum schlechthin. Ich ertrage mich selbst nicht und möchte am liebsten weglaufen. Ich habe einfach versagt als Mutter und als Mensch und ich habe wirklich keine Garantie, dass es nicht mehr passiert. Ich bin momentan sehr angeschlagen und meine Geduld ist es somit auch... Ich weiss, dass es besser werden wird und ich irgendwann wieder stark sein kann für 10, aber momentan bin ich es nicht und dann fühle ich mich verloren. Ich habe ständig Angst, in der Erziehung meiner Kinder zu versagen. Ich sehe die anderen Mütter und denke, irgendwas haben sie, was sie cool bleiben lässt. Vielleicht mehr Liebe, mehr Kontrolle; einfach Dinge, die ich nicht habe und gerne hätte. Ich würde mir diese Eigenschaften sofort antackern, nur damit ich endlich besser wäre. Ich habe Angst, mein Kind zu traumatisieren, habe Angst, dass es auch vielleicht mit der Jüngsten passieren könnte und dass mein Mann sich aus lauter Wut von mir scheiden lässt oder noch schlimmer, mich hasst. Ich weiss auch gerade überhaupt nicht weiter und bin gerade so froh, dass jemand so ehrlich ist, weil alles immer tabuisiert wird...

Danke

Karla
Antworten 18. März 2019

Also meine Kinder sind nun schon groß und auch ich habe damals öfters Mal die Nerven verloren mit 3 Kleinkindern.
Ich habe auch darunter gelitten und mit mir gehadert.
Irgendwann hatte ich mich voll im Griff. Ich habe an mir gearbeitet. Trotzdem, als Mutter muss man sich nicht alles gefallen lassen. Es kommt natürlich aufs Alter an, aber anspucken lassen würde ich mich von keinem Kind. Ich fürchte im Reflex würde mir da auch die Hand ausrutschen, Das ist sind aber Reflexe...dafür kann nun wirklich keiner etwas. So kaputt machen darf man sich nicht als Mutter, davon haben die Kinder nun wirklich nichts am Ende.

Lilli
Antworten 2. August 2019

Ich habe mein Kind ebenfalls geschlagen.
Als mein Kind mich in den Bauch getreten hat und Schimpfwörter auf den Vater gerufen hat, da ist mir die Hand ausgerutscht und ich habe mein Kind auf den Mund geschlagen. Mir tut es sehr leid. Ich weiß nicht wie ich das wieder gut machen kann. Das Kind kann es mir nicht verzeihen. Das war vor zwei Jahren. Sie hat mich an das Jugendamt verpetzt.

Sissi
Antworten 19. September 2019

Vielen Dank für diesen Ehrlichen Beitrag. Mir geht es ähnlich. Ich bin mit 19 Mama geworden, mein Sohn ist inzwischen 20mon alt, Baby #2 ist unterwegs und kommt Ende November. Ich bin alleinerziehend, und war heute Abend mit allem überfordert. Mit mir selbst, meinen Problemen, meiner Schwangerschaft, meinem Sohn... Allgemein allem. Ich habe ihn gewickelt, wollte ihn fürs Bett fertig machen, als er sich mal wieder lautstark geweigert hatte und mein Bett mit seinem Kot versaut hat. Er wollte sich nicht putzen lassen. Mir rutschte die Hand aus und sie landete mit einem lauten knall auf seinem Oberschenkel :( Es war das 1. Mal dass mir sowas passiert ist, und es tut mir leid. So unfassbar leid. Ich kann es mir sicher niemals verzeihen, und ich werde auch sein vor Schmerzen verzehrtes Gesicht niemals vergessen können. Ich habe versagt und kann es nicht wiedergutmachen. Ich überlege meine Kinder dem Jugendamt zu übergeben, einfach um sie vor einer "Mutter" wie mir zu schützen. Ich weiß nicht was ich machen soll :(

Lexi
Antworten 21. Oktober 2019

DANKE!
Habe so eben mein Monster an die Hand genommen!

Sonja
Antworten 18. November 2019

Vielen Dank für diesen Artikel!!!

A+M
Antworten 10. Februar 2020

Danke für Deine Worte! Sie sprechen mir aus der Seele!
Aber WO bekommt man Hilfe???

Kadika
Antworten 25. März 2020

Hallo ihr lieben Leser des Artikels, ich bin die Verfasserin.

Hilfe bekommt man beim Jugendamt, wenn man sich selbst Hilfevsucht, unterstützen sie gern und ohne Vorurteile. Es gibt Familienhilfen die für diese Art Überforderung ausgebildet sind - mir hat außerdem eine Therapie, viel reden, viel ausprobieren und eine Menge Veränderu gen was Regeln und Strukturen angeht geholfen...

Viel Glück!

    Dani
    Antworten 20. August 2020

    Hallo, ich bin auf den Artikel gestoßen nachdem es mir leider schon öfters passiert ist, dass ich meinen Sohn ausgeschimpft und zu fest angepackt habe. Ich entschuldige mich immer bei ihn und berede das auch. Ich erlöste ihn das ich das nicht darf und kein Recht dazu habe. Das hauen dumm ist und von Schwäche in den Moment zeigt. Mir ist das alles bewusst, ich lese viel Versuch mich zu ändern. Bring auch immer wieder Struktur rein. Doch dann kommt das nächste. Ich hab eigentlich auch viel Freiraum. Doch es kommt oft zu den Reaktionen die ich von mir nicht verstehe. Doch es ist ein handeln. Ich komm gar nicht zum durchatmen, da ist es schon passiert. Seh dann nur rot. Am Ende des Tages bin ich nur am zweifeln. Wenn ich mir Hilfe beim Jugendamt suche. Mit was muss ich rechnen? Ich weiß das ich eigentlich eine gute Mutter bin. Unser Kind wird nicht vernachlässigt oder misshandelt!

      Béa Beste
      Antworten 21. August 2020

      Liebe Dani, mich hat eine Journalistin von DIE ZEIT angesprochen, die zu diesem Thema recherchiert - darf ich dich mit ihr kurzschalten, wäre das OK? Liebe Grüße, Béa

        mindfulsun
        Antworten 22. August 2020

        Liebe Dani, hier ist mindfulsun und ich möchte dir auch gern noch antworten.
        Du hast also das Gefühl, du kannst keine Pause zwischen Reiz und Reaktion setzen, auch wenn du es versuchst? Und dann rutscht dir oft die Hand aus? Du hast schon probiert, alleine an dir zu arbeiten? Veränderungen sind ein Prozess und manchmal brauchen wir dabei Unterstützung. Hast du schon über eine Therapie nachgedacht? Und hast du vielleicht Ängste, wie das Jugendamt reagiert? Wäre es eine Möglichkeit für dich erstmal anonym da anzurufen und genau diese Ängste zu schildern? Manchmal brauchen wir Hilfe und Unterstützung, wenn wir es alleine nicht schaffen! Ich wünsche dir, dass du diese Hilfe bekommst. LG, mindfulsun

Michi
Antworten 25. August 2020

Hallo,
Ich habe auch vor kurzem meinen 10 Jährigen Sohn geschlagen. Wir hatten einen sehr heftigen Streit, diesem vorausgegangen war ein Streit zwischen ihm und meiner Mutter und er ist sogar ihr gegenüber und später auch mir gegenüber handgreiflich geworden. Bei sind die Sicherungen durchgerannt und er hatte dann einen großen blauen Fleck im Gesicht übern Auge. Ich bin fertig und mache mir sehr große Vorwürfe. Man darf die Kontrolle so einfach nicht verlieren, aber er kann einen so sehr reizen und provozieren das könnt ihr Euch nicht vorstellen. Soll ich mich an einen Psychologen wenden? Ich habe Angst vor diesem Schritt, ganz große Angst, aber noch mehr Angst habe ich vor der Zukunft. Bitte helft mir.

    Béa Beste
    Antworten 26. August 2020

    Hallo liebe Michi, erstmal vielen Dank, dass du hier kommentiert hast und deine Erfahrung teilst. Was alle Beteiligten brauchen ist meiner Meinung nach erst einmal ganz viel Selbstmitgefühl und Kommunikation. Vielleicht kannst du auch in dich gehen und sehen, warum dieses Gefühl der Provokation bei dir wach wird. Meinst du, dein Sohn möchte dich provozieren? Ich vermute, er kann nicht anders. Welche Bedürfnis steckt hinter seinem Verhalten? Vielleicht könnt ihr miteinander ins Gespräch kommen und euch gegenseitig ohne Vorwürfe zuhören... Vielleicht könnt ihr auch herausfinden, was ihr tun könnt, wenn die Gefühle hochkochen: Auf ein Kissen hauen? Kaltes Wasser ins Gesicht? Natürlich kann ein Psychologe auch viel helfen, und wie Kadika sagt: Auch die Jugendämter haben Hilfsangebote, keine Angst hinzugehen. Liebe Grüße von Béa

    mindfulsun
    Antworten 28. August 2020

    Liebe Michi, hier ist mindfulsun und auch ich möchte dir noch antworten. Ich spüre hier Verzweiflung und Hilflosigkeit bei dir. Und ich möchte dich ermutigen, dir Hilfe zu suchen. Du bist überfordert und gereizt mit den Reaktionen deines Kindes? Vielleicht hilft es dir erstmal zu wissen: Hinter allem steckt ein Bedürfnis und dein Kind möchte dich nicht provozieren. Niemand kann machen, dass du dich so verärgert fühlst, das liegt in dir selbst. Ich glaube, du spürst das auch. Es ist an uns, den Erwachsenen, in dieser Situation die Kontrolle über unsere Gefühle zu behalten und das ist nicht einfach!! Aus diesem Grund möchte ich dir nahe legen, dir Hilfe zu suchen: Für dich und dein Kind! Ich gehe davon aus, Bea meinte in ihrer Antwort mit dem kalten Wasser ins Gesicht: dich! Bitte nicht dem Kind in diesen Situationen kaltes Wasser ins Gesicht schütten!

    Ruhig bleiben, sagt sich so einfach. Diese Ruhe zu finden, dich emotional zu regulieren, dazu braucht es vielleicht Hilfe. Hast du schon anonym beim Jugendamt angerufen? Oder hast du überlegt eine Therapie zu machen? Es gibt Wege. LG, mindfulsun

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