Elternnetzwerke – von echter Mit-Elternschaft statt Whatsapp-Nerverei


Mal Hand aufs Herz, wenn ihr selber Eltern mit Kindern in der Schule seid, wie gut kennt ihr eure „Miteltern“?

– fragt euch meine Co-Autorin Steph, mit der ich auf den letzten Metern Schreibsprint vor der Abgabe unseres Nachfolgebuches zu „Gemeinsam schlau statt einsam büffeln“. 


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Wenn Kinder in die Schule kommen, ergeht es euch als Eltern eigentlich genauso wie den Kindern: Ihr werdet in eine Elterngemeinschaft hineingeworfen, die ihr euch nicht aussuchen könnt. Womöglich gibt es sogar Eltern in der Klasse, die ihr vom Sehen kennt, wenn ihr eure Kinder in einer Sprengelschule habt. Aber das heißt noch lange nicht, dass ihr euch… ähm… mögt? Wertschätzt? Unterstützt? Ein bißchen von allem.

Trotzdem werdet ihr auf die eine oder andere Art vier Jahre Grundschule miteinander zu tun haben. Und dann ist es doch sinnvoll etwas Positives daraus zu machen.

Wenn wir von Elternnetzwerk sprechen, dann meinen wir nicht die „Gossip Gang“, die sich nach dem sie die Kinder zur Schule gebracht haben, noch auf einen Kaffee beim Bäcker treffen und dann über Gott und die Welt herziehen.
Wir sprechen auch nicht von konspirativen Elternabenden und endlosen E-Mail oder WhatsApp Threads, weil irgendein Kind oder Lehrer sich angeblich unmöglich verhalten hat.

Wir sprechen von Interesse aneinander und Unterstützung voneinander.

Jetzt könntet ihr sagen “Mein Leben und meine Familie geht die anderen nichts an!”

Ja, so könntet ihr das sehen, aber spätestens in dem Moment wo eure Kinder miteinander in Kita und Schule zu tun haben ist das sowieso illusorisch.

Warum also nicht das Beste daraus machen und proaktiv ein neues Netzwerk entwickeln, das hilfreich sein kann.

Hier sind unsere Tipps als Lehrerin/Schulleiterin (Steph) und Schulbetreiberin/Mutter (Béa):

Erster Schritt: Einigt euch auf einen Kommunikationsweg!

Nehmt auch die Menschen mit, die vielleicht nichts von modernen Messangern halten und lieber nur telefonieren. Fangt dann damit an euch eine Übersicht zu verschaffen, was eure Miteltern besonders gut können und wo sie gerne unterstützen.

Vielleicht gibt es eine Mutter, die nebenher als Fußballtrainer arbeitet und gerne noch eure Mädels und Jungs mit einbindet und gesammelt mitnimmt.

Einen Vater, der künstlerisch sehr aktiv ist und sein Können und Wissen gerne weitergibt.

Ein Großelternteil, das es liebt vorzulesen oder mit Kindern zu Kochen.


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Manchmal ist es aber auch schon ausreichend, wenn ihr eine Gruppe von Menschen habt, die ihr Fragen könnt, wo es den besten Apfelkuchen gibt, ob jemand einen Elektriker empfehlen kann oder ob jemand ein gutes Kinderbuch oder Geburtstagsspiele kennt.

Aus dem heraus entstehen dann vielleicht auch andere Unterstützungsmöglichkeiten. Auch gemeinsame Aktivitäten.

Es ist so unglaublich wertvoll, sich zu helfen in der manchmal überwältigenden Aufgabe Kinder zu erziehen und durch die Schule zu bringen. Es hilft, sich nicht so einsam und verloren zu fühlen wie vor dieser großen Aufgabe gegenüber den geliebten kleinen Menschen.

Wichtig ist es dabei, dass jeder soviel einbringen darf wie er möchte und ihr euch wirklich als Netzwerk und nicht als hierarchisch strukturierte Gruppe versteht.

Und noch was:

Wenn ihr das Gefühl bekommt mehr Kraft und Zeit zu investieren, als ihr eigentlich habt, dann läuft etwas falsch.

Beim Yoga wird oft davon gesprochen, dass man nur so weit in die Dehnung gehen soll, wie es gerade der Körper zulässt (und das kann jeden Tag anders sein). Das gilt auch für eure Kräfte, es muss sich gut anfühlen und darf nicht belasten. Es ist vollkommen richtig und gut auch Nein sagen zu können, aber genauso wichtig nach Hilfe zu fragen, wenn ihr nicht mehr weiterwisst.

Ich selbst habe ein kleine feines Elternnetzwerk in Carinas Grundschulzeiten auf wunderbarer Weise erfahren: Wir waren eine Gruppe, bestehend aus fünf Familien, und wir haben uns immer kurz geschlossen per Mail, wann immer Klärungsbedarf war. Von unserem üblichen Geschäftsgebaren haben wir uns eine Struktur abgeschaut und unsere Anliegen in einer einfachen Struktur organisiert:

  1. Background (möglichst neutral und objektiv): Was genau ist passiert?
  2. Problem: Was gilt es zu lösen?
  3. Frage oder Bitte an die anderen: Was sollen sie zurückschreiben oder konkret leisten?

Das hat über Jahre extrem gut geklappt und war uns eine Entlastung. Es ist uns allerdings schon mal passiert, dass die Kids manchmal unseren Zusammenhalt als Eltern gar nicht so witzig fanden, wenn sie mit „Alle-dürfen-das“-Argumenten was durchsetzen wollten. „Ihr seid ja so ekelig, ihr checkt alles untereinander!“ platzte es einmal aus Carina heraus – allerdings nicht ohne einen ein wenig bewundernden Unterton.

Und jetzt kommt die Frage an euch, für Antworten, die wir ins Buch einfließen lassen würden:

Habt ihr Beispiele für uns aus euren Netzwerken? Hat für euch in Kita oder Schule das Thema „gute Mitelternschaft“ gut geklappt?

Liebe Grüße,

Steph und Béa

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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